Jacquemus feiert sein 10-jähriges Jubiläum in der Provence mit genialer Show zwischen Lavendelfeldern

In einem Lavendelfeld irgendwo in Südfrankreich, und um genau zu sein im Lavendelfeld von Valensole (das nur für einen Monat blüht) und sich über den Horizont hinaus erstreckt, inmitten dieses recht unbekannten Ortes fand die wohl beste Modenschau des Jahres statt. Wir wären sehr gerne dabei gewesen und hätten mit Freuden jeden unvermeidlichen Nieser für die Kollektion in Kauf genommen.

Es war wahrlich der perfekte Rahmen für den Instagram-bewussten Designer Simon Porte Jacquemus: Am Montag präsentierte er seine SS20-Kollektion (die erstmals Herren- und Damenmode umfasst) auf einem pinken Laufsteg in der Provence. Jacquemus entschied sich dafür, außerhalb des Modekalenders zu zeigen, zwischen dem Ende der Men’s Fashion Week in Paris und dem Beginn der Pariser Haute Couture Woche, eine erfrischende Abwechslung von dem Schauenplan, um das 10-jährige Jubiläum der Marke zu feiern. Und jetzt, da alle wichtigen Informationen genannt wurden, hoffe ich, dass es euch nichts ausmacht, wenn ich diesen Teil in Großbuchstaben schreibe: DIE KOLLEKTION WAR SO GUT.

Es war ein wahrer pastellfarbener Traum aus köstlichen Paarungen, Formen und Schnitten, die für den Urlaub nicht besser sein könnten. Eine Erinnerung daran, dass die Kollektionen, die Jacquemus zeigt, nicht selten zu den überzeugendsten gehören.

10 Jahre Jacquemus – Ein kleiner Rückblick

Wenn man das Gefühl von Sommer in Textilien einfangen könnte, dann kämen dabei die Entwürfe von Jacquemus heraus. Wie kein anderer Designer steht er für Mode voller Lebensfreude und femininer Leichtigkeit: Jacquemus ist 29 Jahre alt und hat viel, worauf er stolz sein kann. Er zählt Rihanna, Dua Lipa und Charlene, Prinzessin von Monaco, zu seinen Fans – und hat eine Million Anhänger auf Instagram. Er muss niemanden bezahlen, damit seine Designs getragen werden, und die Tatsache, dass Beyoncé in seinem Onlineshop einkauft, genau wie jede andere Frau, die auf der Suche nach einem perfekten Kleid ist, ist wohl das größte Kompliment.

Geboren wurde er 1990 in Südfrankreich in einem kleinen Dorf, mit 18 Jahren zog er nach Paris, zwei Jahre später gründete er sein Modehaus Jacquemus.

Ein Wendepunkt für die Marke kam vor sechs Jahren mit der Kollektion AW14, mit der von ihm so genannten „Schwimmbad-Show“, – einer Kollektion, die in der Branche für internationales Aufsehen sorgte. „Diesen Namen bitte merken, denn das wird mal ein ganz Großer der Pariser Modeszene“, schrieb Jessie damals über Jacquemus zu der Show. Ein guter Riecher, ne? 😉

Auch 2017 war ein entscheidendes Jahr für Jacquemus. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Streetwear und der scheinbar unberührbaren Luxuswelt zu verschwimmen und damit eine Ära der logobeladenen Kapuzenpullover begann, während viele Marken eilig gebrandete Sweatshirts und T-Shirts mit passenden Jogginghosen herausbrachten, um die jungen Kunden anzusprechen, blieb sich Jacquemus treu. Im September desselben Jahres präsentierte er seine Kollektion „La Bomba“, in der gebräunte Models in körperbetonten Minikleidern, Wickelröcken und bodenlangen Kleidern über den Laufsteg schickte, wobei die Träger wie beiläufig von einer Schulter rutschen und die Schlitze der Kleider bis zu den Oberschenkeln reichten. Der Aufstieg der französischen Marke in den Mainstream war mit „La Bomba“ besiegelt, und die nächsten Kollektionen wurden genauso gut, wenn nicht sogar besser, angenommen.

Nicht zuletzt gelingt es ihm seitdem immer wieder, das Accessoire der Saison zu entwerfen: Man denke nur an denXXL-Strohhut „La Bomba“ oder die eckigen Sandalen mit artsy Absätzen „Les Samba Sandals“ oder aber an die knallbunten, fast schon lächerlich kleinen Mikro-Handtaschen Mini Chiquito Bag, ausverkauft sind sie alle.

SS20 in der Provence

Es war das dritte Mal, dass der Designer in Südfrankreich gezeigt hat, aber Valensole war ein einzigartiger Ort, mit dem er eine mutige Vision und ein Händchen für Instagram-freundliche Orte beweist (im Übrigen bekamen die Gäste die Einladung auf einer Sonnenmilch).

Die Gemälde von Hockney sowie Paul Cézanne und Jean Lurçat waren der Ausgangspunkt für die Kollektion mit dem Titel „Le Coup de Soleil“, zu Deutsch Sonnenbrand, passend zu der unkonventionellen Handschrift des Designers und der satten Farbpalette der Kollektion. Getoppt werden seine Schnitte, die Stoffe (viel Leinen, Baumwolle und Raffia) und die Farbwahl noch mit simplen, doch genialen Stylingkombinationen: Enge Tops mit zu großen Blazern oder schicke Röcke mit robusten Workwear-Jacken. Es gilt: Gegensätze ziehen sich an! Anstatt seine Richtung zu ändern, bleibt der Designer dem Ethos der Marke treu. Gut so.

Noch mehr Eindrücke:

Alle Fotos via Vogue Runway

Kommentare

  1. Wahnsinnig gute Show und Kollektion!! Ich war hin und weg als ich es die Tage auf Instagram verfolgt habe… ich fange schon mal an zu sparen 😉

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