Was bedeutet nachhaltiges Banking? Journelles TV Interview mit Jakob von Tomorrow

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Gründerin Journelles

2021 beschäftige ich mich mehr denn ja mit den Themen Finanzen, Altersvorsorge und Investieren. Ob es mit dem Älterwerden oder dem dritten Kind zu tun hat? Ich weiss es nicht genau, aber Fakt ist: Geld richtig anzulegen und sich vernünftig damit auseinander zu setzen klingt zunächst nicht sehr sexy und steht auf meiner To-Do-Liste immer gaaaanz weit unten.

Und wenn man sich nicht so gern damit auseinander setzt, erhält es eben auch keine Priorisierung. Im vergangenen Jahr hat mich eine simple Instagram-Story von Waldemar @fairstainable dazu gebracht, genauer über meine Kontoanbieter nachzudenken. Was vielen, inklusive mir, schlicht nicht bewusst ist: Geld hat eine Wirkung. Egal ob es viel oder wenig ist, es arbeitet und finanziert unter Umständen mit unseren Geldern Industrien, die uns ganz und gar nicht gefallen: Waffenindustrie oder Kohleausbau zum Beispiel.

Was also bedeutet „nachhaltiges Banking“ und wieso ist es so wichtig, transparent sehen zu können, was mit dem eigenen Geld passiert?

Darüber spreche ich im Live-Talk mit einem der Gründer von Tomorrow, dem ersten mobile Banking Anbieter mit konsequenter Nachhaltigkeit.

Jakob Berndt ist neben Inas Nureldin und Michael Schweikart Mitgründer der Tomorrow GmbH. Seine Mission: Menschen das komplexe Thema „nachhaltige Finanzen“ auf einfache, ehrliche Weise näher zu bringen. Zuvor hat er das Social Business Lemonaid Beverages mitgegründet, viele Jahre lang geleitet und ist außerdem Mitglied des Vorstands der internationalen Seenotrettungsorganisation SOS Mediterranee.

Die nachhaltigen Girokonten bei Tomorrow im Überblick

Tomorrow Free: kostenlos, mit jedem Euro das Klima schützen, kein Cent geht in Waffen- oder Kohleindustrien, kostenlose Visa-Debitkarte, 3 kostenlose Abhebungen in Euro pro Monat (danach 2€)

Tomorrow Together: alle Funktionen von Tomorrow Free + ein gemeinsames Konto (zB. für Partner*in oder WG-Bewohner), freie Wahl aus drei unterschiedlichen Kartendesigns, 5 weltweit kostenlose Abhebungen pro Monat (danach 2€)

Tomorrow Zero: alle Funktionen von Tomorrow Free & Tomorrow Together + CO2 Fußabdruck kompensierung (11,3 Tonnen CO2 pro Jahr), exklusive Holzkarte, unbegrenzte weltweit kostenlose Abhebung

Tipp: Wenn ihr bei der Neuanmeldung den Code journelles (funktioniert in jeder Schreibweise) nutzt, schützt Tomorrow 500 Bäume im brasilianischen Amazonas-Gebiet.

Das Interview in Videoform:

 

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Ein Beitrag geteilt von Jessie Weiß (@journelles)

Was heisst eigentlich nachhaltiges Banking? Was ist der Unterschied zu regulärem Banking?

Letztlich geht es darum sich bewusst zu machen, dass das eigene Geld eine Wirkung hat – auch während es auf deinem Konto, Sparbuch oder Aktiendepot liegt. Bei 99,5% der konventionellen Banken werden damit Rüstung oder zum Beispiel Massentierhaltung finanziert. Geld ist damit ein Teil des Problems, aber kann auch ein Teil der Lösung sein. Wir geben das Versprechen ab, dass kein Cent von dem Geld, was bei uns liegt, in destruktive Branchen investiert wird. Wir investieren in sogenannte Green Bonds und Social Bons, die Dinge wie zum Beispiel Sozialer Wohnungsbau und erneuerbare Energien finanzieren.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Tomorrow zu gründen?

Zu gründen war kein ewiger Lebenstraum von uns. Aber wir haben uns alle schon vorher sozialunternehmerisch betätigt. Wir haben festgestellt, dass es einen Finanzmarkt da draußen gibt, der seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Nachhaltiges Leben, Essen und Einkaufen ist schon total normal, aber nachhaltiges Banking ist eben noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zusätzlich entwickelt sich in der Banking Szene auch gerade technisch super viel Neues. Wir dachten: technologischer Wandel ist gut, aber da fehlt eben auch der Nachhaltigkeits-Gedanke. Und das wollten wir dann machen.

Ihr seid mit der Vision angetreten, die Finanzwelt zu verändern und bietet weltweit das erste klimaneutrale Konto an – und ihr seid noch jung, 2018 ist Tomorrow an den Start gegangen. Drei Jahre später meine Frage: Seid ihr bei dieser grossen Mission auf arge Hürden gestoßen und habt manchmal den Glauben verloren? Die Finanzwelt erinnert ja eher an ein Haifischbecken.

Am Ende muss man schon sagen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Unser Ziel war: Erst cool werden und dann das neue Normal. Wir haben mittlerweile schon 60.000 Leute in unserer Community, aber natürlich ist da noch sehr viel Luft nach oben. Wir bekommen viel Rückenwind und Unterstützung, sind gut vernetzt, aber natürlich gibt es einfach sehr viel zu tun. Dazu kommt dass der Großteil der Branche auch immer noch nach alten Mustern arbeitet.

Ihr seid ein Fintech-Unternehmen und bietet zwar eigene Finanzprodukte an, seid per Definition aber keine Bank. Das System sitzt auf der Solarisbank, die wiederum keine nachhaltige Bank ist.

Wir sind gefühlt die Bank, weil du bei uns du das Konto eröffnest. Wir garantieren den Menschen, dass ihr Geld zu 100% nur für Nachhaltige Projekte verwendet wird, die wir komplett offenlegen. Einen Teil der technologischen Mittel haben wir aber outgesourced an die Solarisbank, die uns dazu befähigt, als junges Unternehmen an den Markt zu gehen. Die Solarisbank erfüllt bei uns einen Auftrag, ist also nur unser Dienstleister. Aber nur wir bestimmen am Ende, wo das Geld hingeht.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

In eurer App sieht man, was genau mit meinem Geld geschieht. Ich finde es immer recht abstrakt zu sagen, dass man mit dem Einkaufen, also einzelnen Transaktionen, den Regenwald schützt. Kannst du mir das konkreter erklären?

 Jedes Mal, wenn man bezahlt, zum Beispiel einen Kaffee, dann wird eine Gebühr abgeführt (die sog. Interchange Fee) – zur Abwicklung der Zahlströme. Die meisten Banken stecken sich diese Gebühr in die eigene Tasche. Wir nutzen diesen Anteil (ca. 0,2% des Betrags), um damit Regenwaldschutzprojekte im Amazonas zu finanzieren. Damit kann man sagen: Immer, wenn man konsumiert, macht man direkt auch etwas Gutes.

Wir haben im Rahmen unserer Zusammenarbeit auch einen Code. Wenn ihr bei der Neuanmeldung den Code journelles (funktioniert in jeder Schreibweise) nutzt, schützt Tomorrow 500 Bäume im brasilianischen Amazonas-Gebiet. Wie geht das konkret?

Wir arbeiten bei der Umsetzung der Projekte mit Climatepartner zusammen. Die setzen unsere Projekte in dem Amazonasgebiet Portel um. Dabei finanzieren wir vor Ort rechtliche Beratung für die indigenen Stämme, damit diese von ihrem Recht Gebrauch machen können, dass sie die Amazonas-Waldgebiete besitzen,  bewirtschaften und schützen, um sich damit ihre Lebensgrundlage zu sichern.

Welche weiteren Projekte unterstützt ihr derzeit?

Wir haben unser erstes klimaneutrales Konto gelaunched, bei dem wir den Fußabdruck des Kunden kompensiert. Damit finanzieren wir zum Beispiel auch weitere  Nachhaltigkeitsprojekte in Vietnam, Uganda und Peru.

Ganz neu ist vergangene Woche unser Together Konto an den Start gegangen. Dabei kann man zum Beispiel in Wohngemeinschaften oder mit dem Partner ein gemeinsames nachhaltiges Konto anlegen.

Ganz konkrete Fragen zum Girokonto

Ihr bietet ein kostenloses Girokonto mit Debitkarte an, die kreditkartenähnlich einsetzbar ist – aber nicht alle Funktionen der Kreditkarte beinhaltet. Ist diese noch in Planung?

Von den Funktionen her ist unsere Visa-Debit-Karte fast eine Kreditkarte. Diese Art von Guthaben-Konto ist immer mehr Gang und Gebe. Bei dem Konto wird technisch in Echtzeit gebucht und nicht, wie bei Kreditkarten, erst einige Wochen später zum Monatsende.

Aber auch mit unserer Karte kann mann weltweit bezahlen, deswegen habe wir momentan nicht das Bedürfnis, eine Kreditkarte zu machen, weil unsere Karte eigentlich schon alles kann was man braucht. Es gibt ein paar Autovermietungen, wo das manchmal schwierig werden kann – aber das sind absolute Ausnahmefälle.

An welchen Geldautomaten kann ich Bargeld abheben – und ist dies kostenfrei?

Mit unserem Gratiskonto ist drei mal Abheben im Monat kostenlos und kostet danach 2€ pro Abhebung. Bei unserem Together und Zero Konto ist es von überall umsonst, egal wie oft du abhebst. Du kannst bei allen Automaten, wo ein Visa-Logo drauf ist abheben – also auch bei den Späti-Automaten.

Was kostet nachhaltiges Banking im Gegensatz zu den großen Banken?

Grob runter gebrochen ist unsere Angebot günstig, weil wir ja zum Beispiel keine Filialen haben. Unser Basisprodukt kostet nichts und kann aber alles schon was man braucht. Damit schneiden wir im Vergleich mit anderen Banken schonmal ganz gut ab.

Wir haben viele Fragen von unseren LeserInnen bekommen, eine davon besonders häufig: Vergebt ihr (Immobilien-)Kredite?

Aktuell machen wir das noch nicht. Weder für Unternehmen noch für Kunden. Aber wir werden das Thema Unternehmensbanking auf unsere Agenda nehmen, weil wir auch junge nachhaltige Unternehmen finanzieren möchten. Kredite sind aber auch ein zweischneidiges Schwert, weil man oft Leute bei Konsum-Krediten in eine hohe Bredouille bringt. Man suggeriert ihnen ja, dass sie sich unendlich etwas leisten können.

Neu möchten wir aber das Thema Investieren mit aufnehmen und Menschen dazu befähigen, für ihre eigene Zukunft vorzusorgen.

Hat man eine/n feste/n Ansprechpartner*in für sein Konto?

Nein in dieser Form nicht. Derzeitig haben wir knapp 20 Leute im Support-Team, die die Bedürfnisse der Leute bedienen. Defacto hat man ja meist eine konkrete Frage und kann diese bei uns via Chat oder Telefon direkt klären. Es gibt Menschen, die einem weiterhelfen, aber eben keine fixe Ansprechperson mehr.

Wie steht es um die Höhe der Einlagensicherung?

Das ist genauso geregelt wie bei allen anderen europäischen Banken: bis 100.000 Euro.  Dies läuft über die Lizenz der Solaris Bank. Da macht es keinen Unterschied, bei welcher Bank man ist.

Kommt bald auch eine Sparoption?

Wir arbeiten sehr aktiv an einer Investment-Möglichkeit.
Bisher kann man mit sogenannten Pockets (Unterkonten) sparen, in denen man sich virtuelle Sparziele setzen kann. So kann man zum Beispiel gezielt in eine Pocket für den nächsten Griechenland- Urlaub sparen. Was jedoch bald kommen wird, ist das Thema Investing: Wir möchten eigens kuratierte Aktien- und Anleihenfons anbieten. Damit befähigen wir dich, dein Geld direkt nachhaltig anzulegen.

Ich möchte nun wechseln – übernehmt ihr die Abwicklung von Daueraufträgen, Abbuchungen etc?

Seit Anfang des Jahres haben wir einen Kontowechselservice. Der lässt deine Lastschriften und Daueraufträge einfach auf dein neues Konto umziehen.

Sind Geschäftskonten bei euch gut aufgehoben oder liegt der Zielgruppenfokus zunächst auf Privatpersonen? Ich habe gelesen, dass Datev-Exporte, zB für die gute alte Steuererklärung, nicht easy funktionieren.

Erstmal ist unser Konto für Privatkunden. Aber wir werden unser Angebot noch vor dem Sommer auf Freelancer und Selbständige ausweiten. Das Konto wird dasselbe sein, nur mit einigen zusätzlichen Funktionen. Der nächste Schritt sind dann GmbHs, UGs und KGs, aber das ist weitaus aufwendiger und fordert noch mehr Funktionen.

Von Jessie

Ich bin Jessie Weiß, 32 Jahre jung, lebe verheiratet in Berlin, bin Mama von Levi (1), schwanger mit dem zweiten Kind sowie Gründerin von Journelles. Ich liebe Phoebe Philo, Stella McCartney und Isabel Marant, kann aus anatomischen Gründen nicht auf hohen Schuhen laufen, habe einen Céline-Taschentick, tanze und höre leidenschaftlich gern Hip Hop, kann mir selten Ironie verkneifen, leider immer noch kein Französisch sprechen, obwohl ich Paris für die schönste Modestadt der Welt halte, gucke am liebsten Jimmy Fallon, Jan Böhmermann, Game of Thrones oder entspanne beim Serienmarathon auf Netflix, bin ein kleiner Workaholic mit Multitaskingtalent, professionelle Instagram-Durchscrollerin, in jeder Lebenslage tollpatschig, habe ein Faible für skandinavisches Interior und einen Kissen-Tick, bin groß im Wellness machen und wäre daher noch lieber professionelle Hoteltesterin. Mode ist meine grosse Liebe, aber meine Kohle investiere ich eher in Reisen und Essen – und neuerdings fast ausschliesslich in mein Kind.

Als alter Bloghase – 2007 habe ich LesMads mitbegründet – ging im Oktober 2012 mein persönlicher Traum in Erfüllung: Ich habe mich mit "Journelles" selbstständig gemacht. Das Blogazine ist mein digitales Zuhause, News-Plattform, Modetagebuch und tägliche Anlaufstelle für spannenden Content rund um die Themengebiete Interior, Reisen, Beauty und sowohl High Fashion als auch Contemporary Labels und Highstreetmode.

Nebenbei habe ich die Modesendung It's Fashion auf EinsPlus von der ARD moderiert, berate Firmen im Social-Media-Bereich, halte Vorträge und reise um die Welt, um euch täglich den schönsten Content zu präsentieren. Im Juni 2015 habe ich mein eigenes Modelabel JOUUR. gegründet.

2016 ist mein Sohn Levi auf die Welt gekommen. Baby-Themen werden seither auf Mini Journelles behandelt und das nun auch wieder intensiver, da unser zweites Kind unterwegs ist.

Journelles ist inzwischen gewachsen: Wir sind ein sechsköpfiges Redaktionsteam im Berliner Prenzlauer Berg und haben im Sommer 2018 unseren ersten temporären Concept-Store, den Journelles Marché, eröffnet.

Mein Credo: Mode muss Spaß machen, auf Augenhöhe funktionieren und sollte sich nicht so ernst nehmen.

Mehr über mich findet ihr im Presse-Bereich, auf Instagram und ab und an auf YouTube. Subscribe!

Aktuelles Presse-Feature:

VOGUE.DE: "Influencer im Portrait: Jessica Weiß - Alles, nur kein Stillstand"

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.