Erdem, Valentino, Versace – Unsere Highlights der Pre-Fall Kollektionen 2019

Hauptlinie, Zweitlinie, Ready-to-Wear, Haute Couture, Pre-Fall, Capsule, äh, ja genau und die kleine Schwester von Pre-Fall heißt Resort. Die Modelabels überfluten die Branche mit Zwischen- und Sonderkollektionen sowie Nebenlinien, die entweder jünger, sportlicher oder günstiger – und auf jeden Fall spektakulärer sein müssen als die vorherige.

Winter- oder Sommerkollektionen reichen längst nicht mehr aus, um den Kunden zufriedenzustellen. Denn während bis Ende November die Bilder der Resort-Kollektionen in unsere Postfächer eingeflattert sind (laut Vogue lief die Saison vom 3. Mai bis 28. November), startet nun bereits die Pre-Fall-Season. Beides gibt es schon seit Jahren, aber lange lebten sie im Schatten der glamourösen und ehrgeizigen Hauptkollektionen. Doch in den letzten Jahren erlebt die Industrie einen wahren Aufschwung in Sachen Pre-Fall.

Unsere ersten Favoriten? Kommen hier!

Text von Alexandra Kutek

Alle Fotos via PR oder Vogue Runway

1. Erdem

Der Grad zwischen Eleganz und Kitsch ist ein schmaler. Doch kaum einer balanciert darauf so gekonnt wie der kanadische Designer mit türkisch-britischen Wurzeln Erdem Moralioğlu. Bekannt für üppige Drucke und Designs, die nicht selten von prunkvollen Zeiten geprägt sind, florale Stoffe und immer wiederkehrende Elemente wie Spitze oder Rüschen erzählt er mit seiner Pre-Fall-Kollektion eine ganz neue Geschichte.

Hinter den Models stehen nackte Statuen, gesammelt in der ältesten Kunstschule in Großbritannien, die 1768 gegründet wurde. Über drei Jahrhunderte lang durften Frauen hier mit keinen nackten Körpern arbeiten – bis Laura Knight, eine impressionistische Malerin und Erdems Inspiration, kam. Sie war eine offizielle Kriegsmalerin, hatte während des Zweiten Weltkrieges das Leben der Frauen bei der Arbeit in Munitionsfabriken dokumentiert und malte bei den Nürnberger Prozessen gegen Naziverbrecher unter anderem Szenen aus dem Verhandlungssaal.

“I was thinking about her more in the ’40s, really“, sagt der Designer und verweist auf Schulterpolster, Gürtel in der Taille, Hosenanzüge und florale Kleider.

Erdem Pre-Fall 2019 via Vogue Runway
Valentino Pre-Fall 2019 via Vogue Runway

2. Valentino

Valentino hat unter Designchef Pierpaolo Piccioli den Pre-Fall-Marathon in Tokio eingeläutet. Zum ersten Mal zeigte das italienische Modehaus Männer- und Frauen-Entwürfe Seite an Seite. In Anbetracht der Wahl des Ortes löste sich Piccioli ein wenig von der Geschichte des Modehauses und setzte neue Akzente. „I love the culture of Japan“, sagte er. „It’s so modern with a sense of tradition which is romantic, not nostalgic—it’s part of the present.“

Es ging also nicht, ohne auf Wabi-Sabi einzugehen, einer Lebensweise, bei der man die Schönheit im Unvollkommenen schätzt. Das Ergebnis? Unauffällige Kombinationen mit sportlichem Schuhwerk, scharlachrote Mäntel und zarte Falten wie aus dünnen Papierbögen, die an aufwändig gefaltetes Origami erinnern.

3. Versace

In ihrer Pre-Fall-Kollektion 2019 zitierte Donatella Versace nicht nur sich selbst, sondern auch ihren großen Bruder Gianni, der genau am Show-Tag seinen 72. Geburtstag gefeiert hätte. Gezeigt wurde zum ersten Mal, passend zu den neuen amerikanischen Investoren, in New York – und Donatella Versace ließ eine riesige Faust in Gold mit einer Flamme in der Hand in der Mitte des Laufstegs stellen.

Gerade Versace will nun zeigen, wie stark es sein kann. Denn das Label steht kurz vor der Übernahme durch das amerikanische Haus Michael Kors. Im Januar soll der Deal unterschrieben werden, der Versace für etwas mehr als zwei Milliarden Dollar kauft – und wiederum die Umsätze auf ebenfalls zwei Milliarden steigern will.

Versace Pre-Fall 2019 via Vogue Runway

4. Givenchy

Ein knappes Jahr und ein royales Hochzeitskleid später präsentiert Clare Waight Keller ihre zweite Pre-Fall Kollektion für Givenchy. Die in Großbritannien geborene Designerin des französischen Couture-Hauses hat sich von dem Mythos um Ikarus inspirieren lassen und machte in der Kollektion verschiedene Anspielungen auf Gottheiten, Minotauren, den Himmel und das Meer. „Mythology always seems to capture people’s imagination. There’s a dreamlike element, but it’s also grounded in something pertinent“, sagt Keller. Sie behält die Handschrift des Couture-Hauses bei – anstatt sich von Hubert de Givenchy zu distanzieren, der Anfang des Jahres im Alter von 91 Jahren verstorben war.

Das Ergebnis ist eine Kollektion, die sowohl schön und elegant, als auch tragbar ist. Das Konzept „Von Frau-zu-Frau“ scheint am Ende wunderbar aufzugehen.

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