Gesprächsstoff: Gefangen zwischen „Body Shaming“ und „Embrace“ – Wie stehen wir zu unseren Körpern?

„Ich finde mich schön“ ist wohl einer der Sätze, der uns Frauen viel zu selten über die Lippen kommt. Denn beim Blick in den Spiegel sieht man statt seiner Vorzüge doch oft nur eines: Makel. Zu viel Speck, Falten, große Nase, komische Füße. Überhaupt empfindet man sich immer eher als Walross statt Antilope, Schnecke anstelle von Jaguar und den faltigen Shar-Pei statt eines adretten Pudels.

Inspiriert von Nora Tschirners Film „Embrace“ haben wir diskutiert: Wie stehen wir zu unseren Körpern und wie sehr lassen wir uns von klassischen Idealen beeinflussen? Sollten Frauenzeitschriften verboten werden, Models eine Gewichtsgrenze kriegen und wie schafft man es, sich selbst in Zeiten von Social Media zu akzeptieren? Hände hoch: Wer hat noch nie eine Diät gemacht oder es bei Facetune mit dem Glätten übertrieben?

Hier kommen unsere ganz persönlichen Stories:

Ari: Ich komme langsam in ein Alter, wo mich bestimmte Dinge an mir nicht mehr so doll stören. Dafür musste ich aber erst etwas reifer werden. Auch das Muttersein hat mir dabei geholfen, mich und meinen Körper mehr wertzuschätzen. Immerhin hat er ohne Probleme zwei Minimenschen in sich wachsen lassen und noch ziemlich lange Zeit ernährt  – die Kleinste bis zum heutigen Tag. Ich habe natürlich immer noch Tage, an denen ich mir mehr oder weniger gut gefalle. Unter der Sonne Kaliforniens, im schmeichelnden Licht, mit leicht gebräunter Haut am Strand, gefällt man sich im Bikini natürlich zehnmal besser als im Spiegel zu Hause. Sich wohlfühlen hat bei mir  einfach ganz oft mit der Tagesform, meiner Lebenssituation oder der Stimmung zu tun. Dennoch bin auch ich nicht gänzlich frei von den „Idealen“, die einem auf Instagram oder in Magazinen vermittelt werden.

Ich bin nur oft zwiegespalten zwischen einem „Wow!“ und „Verrückt, wie geht denn das?“, wenn ich Frauen schon drei Tage nach der Geburt mit dem Kinderwagen in knallengen, weißen Jeans herumspazieren sehe oder wenige Wochen später mit knappem Bikini am Strand. Da frage ich mich dann auch ganz neidlos, ob im Wochenbett schon trainiert wurde und ob es wirklich so gar keine Komplikationen oder Begleiterscheinungen gab?!

Ich versuche jedenfalls nicht mehr so hart mit mir zu Gericht zu gehen und eher zu überlegen, was mir und meinem Körper guttun würde. Und meist ist das eher ein Mittagsschlaf, ein paar Läufe, um den Kopf frei zu kriegen, ein ausgedehntes Date mit einer guten Freundin oder auch einfach ein Termin bei der Pediküre/Frisör.

Bei einer Sache bin ich allerdings gar nicht entspannt, obwohl ich mit Freundinnen offen darüber rede. Meine Krampfadern und Besenreiser, die mich mittlerweile schon mein halbes Leben lang begleiten und plagen. Seit der letzten Schwangerschaft sind die Krampfadern noch schlimmer geworden und ich werde immer häufiger darauf angesprochen, wenn ich kurze Sachen trage. Als Bloggerin ist das natürlich nichts, was man gerne zeigen möchte, wo doch immer alles schön glattgebügelt aussehen soll. Noch wichtiger ist aber, dass ich mich als Frau damit einfach unwohl fühle. Und die Dinger tun weh! Selten lasse ich mich also so fotografieren, dass man sie auf den ersten Blick sieht und auf wenigen Fotos habe ich in der Vergangenheit bei Facetune mit den Fingern drüber gewischt…weil es mir einfach so unangenehm war. Hier aber zum Beispiel nicht und tatsächlich kamen gleich ein paar Kommentare als Nachricht, dass sie es toll finden, dass ich dazu stehe. Das hat mich gefreut. Immerhin bin ich nicht allein mit dem Problem, aber man neigt ja oft dazu, es so zu sehen. Auch der Austausch mit einer meiner Leserinnen, der es ganz ähnlich ging, hat mir geholfen und mir ein bisschen die Angst vor einer bevorstehenden OP genommen. Ja, ich will die Dinger jetzt einfach loswerden… Reden ist immer gut!

Marlene: Ich war – und bin es bis heute teilweise noch– immer neidisch auf meine wunderschöne Schwester. Ich glaube auch wie Ari, dass man mit den Jahren entspannter wird und sich und seine Vorzüge zu schätzen lernt, vor allem auch, dass man einzigartig ist und dass der andere, den man so perfekt findet, auch irgendein Makel versteckt oder an sich zweifelt. Ich meine, was wissen wir denn schon von unserem Umfeld. Das, was wir auf Instagram zu sehen bekommen, ist so limitiert. Sobald ich merke, dass ich mich ins Zweifeln und Grübeln stürze, versuche ich mich von all dem zu distanzieren und aufzuschreiben wofür ich dankbar bin und dann ist das Körperliche wieder in der richtigen Relation zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben.

Tine: Ich glaube nicht, dass es helfen würde, eine Gewichtsgrenze für Models einzuführen oder Bilder in Frauenzeitschriften nicht mehr retuschieren zu dürfen. Wer soll das auch kontrollieren bzw. wie sollte so etwas realisierbar sein? Es liegt im Endeffekt in der Hand einer jeden, mit sich selber ins Reine zu kommen. Vielleicht sich weniger an Social Media zu orientieren, sondern einfach mal rechts und links schauen, zu den Frauen im eigenen Umfeld. Es wird immer jemand geben, der in gewisser Hinsicht schöner, jünger, straffer ist… das ist das Leben und da jetzt den Medien die Schuld zu geben, finde ich etwas zu einfach. Damit muss lernen umzugehen.

Ari: Ich orientiere mich auch am liebsten an den tollen Frauen in meinem Umfeld. Jede meckert zwar ein bisschen über dies und jenes und was noch besser sein könnte, aber dafür ist man als Freundin ja da…um sie wieder zu erden und ihnen zu sagen, wie schön und fabelhaft sie sind.

Marie: Natürlich ist es auch leicht, die Schuld auf die sozialen Medien zu schieben, aber ich denke, das liegt auch oft an der Blase, in der wir besonders in unserem Beruf leben und arbeiten. Wir beschäftigen uns eben sehr viel mit Oberflächlichkeiten, Trends und den schönen Dingen des Lebens, da passiert es leicht, dass man das Gefühl hat, da nicht mehr mithalten zu können. Ich sitze schließlich jeden Tag von morgens bis abends vor dem Computer und schaue mir Lookbooks, Shootings und Co. mit Models an, die extrem dünn sind. Da kriege ich beim Anblick meiner Schokolade auf dem Schreibtisch des Öfteren ein sehr schlechtes Gewissen. Und ärgere mich eigentlich drüber, weiß aber auch nicht, was ich dagegen machen soll.

Yildiz: Ich glaube auch nicht, dass es viel Sinn macht, Frauenzeitschriften zu verbieten. Für gesellschaftliche Probleme werden die Medien oftmals als alleiniger Täter dargestellt, da sie einen großen sozialen Teil einnehmen und es einfacher ist, einen „fassbaren“ Schuldigen zu haben. Die Medien sind da natürlich viel greifbarer, als psychologische und gesellschaftliche Phänomene. Viel wichtiger finde ich den Umgang mit den Medien und vor allem die Dosis und selbstverständlich auch, wie man die Zeit außerhalb dieser Blase investiert.

Kerstin: Ich habe an einer Modeakademie studiert und habe seit zehn Jahren Hayashi. Seitdem (oder eher schon in der Schulzeit, da war ich auch schon modeverrückt) befasse ich mich also mit Schönheitsidealen. Dabei wird natürlich der eigene Körper genau unter die Lupe genommen. Habe ich ein paar Kilos zu viel, bin ich genervt. Egal wie man es dreht und wendet, kaum jemand kann sagen, dass eine Jeans mit einer sehr schlanken Figur nicht doch etwas schmeichelnder wirkt als bei einer sehr fülligen Person. Da werden viele schreien: Das stimmt nicht!

Jeder Körper ist wunderbar. Das unterschreibe ich gerne. Doch hat uns die Mode so sehr geprägt, dass man sich mit einer kleinen Kleidergröße wohler fühlen. Dünnsein hat in unserer Gesellschaft eben den Stempel von diszipliniert und erfolgreich. Das bekommt man schwer aus dem Kopf. Generell dagegen machen kann man nichts, außer sich selbst zu lieben.

Seit meiner Schwangerschaft hat sich mein Verhältnis zu meinem Körper grundlegend geändert. Seitdem ich wieder meine alte Figur habe, bin ich erstaunt über dieses Wunder. Wie er das geschafft hat! Von dem Augenblick an sehe ich auch die kleinen Makel nicht mehr ganz so eng. Eindeutig haben wir doch ein verzerrtes Selbstbild, wenn man sich alte Fotos ansieht. Da dachte ich vor ein paar Jahren, ich bin im Bikini immer noch nicht dünn genug. Dabei hatte ich 52 kg bei 168cm. Verrückt!!! In meinem Store sehe ich jeden Tag die zweifelnden Frauen, die an sich herummeckern. Dabei sind sie fast alle schlank!

Lustig: Es gibt einen Spiegel in meinem Laden, der hat sich mit den Jahren etwas von der Wand gewölbt und macht etwas schlanker. Alle Frauen freuen sich immer und sagen: Da sehe ich toll aus! Ich sage jedes Mal: Dann gucken Sie doch immer nur noch hier in diesen Spiegel! Da merkt man erst wie verzerrt alles ist. Würde man alle Waagen manipulieren und sie fünf Kilo weniger anzeigen lassen, wären die meisten besser gelaunt. Das ist schon traurig. Aber leider Realität. Da kann man aber nur selbst an sich arbeiten. Sich selbst lieb zu haben. Die Modeindustrie wird sich nicht ändern.

Marlene: Ich fühle auch immer richtig mit, wenn ich Menschen dabei beobachte, wie sie sich selbst teilweise fast verachten bzw. sich so sehr quälen. Aber ja, du sagst es, die Arbeit muss man selber machen. Die Industrie zum Thema Selbstliebe boomt ja nicht umsonst so sehr.

Ein Strich in der Landschaft zu sein, ist aber leider auch nicht die Erfüllung schlechthin. Oft fühle ich mich nicht weiblich genug. Andererseits, als ich dann in New York innerhalb von zwei bis drei Monaten zehn Kilogramm mehr auf den Rippen hatte und ich in meinen Boyfriend-Jeans auf einmal aus allen Nähten platzte, war das für mich der Weltuntergang. Ich kannte mich nur mit diesem einen Gewicht und obwohl es mir vorher nicht bewusst war, fühlte ich mich ihm wohl doch zugehörig. Als ich zurück in Deutschland war, waren die zehn Kilo mit einem Wimpernschlag wieder weg und seitdem nehme ich meine Zierlichkeit einfach so hin und tue ernährungs- und sporttechnisch das, was gesund für meinen Körper ist, anstelle Kalorien zu zählen, um bloß nicht nochmal dieses Horrorszenario zu erleben.

Marie: Oh ja, das habe ich auch mal bei einem Foto auf Instagram gemerkt. Jessies Bikinifoto hatte mich ermutigt, auch mal ein Post über meinen Körper hochzuladen und dann ging es mit den negativen Kommentaren nur so los! Wie ich mich trauen würde, mit Größe 36 so ein Foto hochzuladen und zu behaupten, ich hätte keinen perfekten Beach Body. Die Leute verstehen eben oft nicht, dass man sich auch mit Größe 36 nicht wohl in seinem Körper fühlen muss, ganz im Gegenteil, ich hadere oft mit mir. Der Shitstorm hat mich sehr getroffen und da habe ich nichts mehr von „Girlpower“ und „Self-Empowerment“ gemerkt. Das ist auch eine Form des Body Shamings, denn dieses Foto hochzuladen war eine große Überwindung. Hätte ich die Bildunterschrift dazu weggelassen und das Wort Beach Body, es hätte keinen interessiert.

Ich denke die Leute vergessen eben auch oft, dass es Diskriminierung in beide Richtungen gibt. Deswegen ist es wichtig, nicht nur zu sagen, ich stehe zu meinen Kurven, sondern auch zu meinen Ecken. Und ja, na klar, wir haben alle ein Wohlfühlgewicht. Ich fühle mich dann einfach besser, als wenn ich zehn Kilos mehr oder weniger drauf hätte. Dieses Wohlfühlgewicht erreiche ich aber auch nur in Phasen meines Lebens, in denen ich glücklich bin, nicht so viel Stress habe, Zeit für Sport und Co. – und das ist ja viel wichtiger als die Kilogramm-Anzeige: sich in seinem Körper wohlzufühlen.

Yildiz: Ja, das denke ich auch! Es ist tatsächlich schwierig, an den Punkt zu gelangen, an dem man mit sich selbst im Reinen ist. Ich finde es ist eine wahnsinnige Achterbahnfahrt der Gefühle – zwischen Wohlbefinden und Unzufriedenheit rast man täglich hin und her. Ich glaube auch, dass das ganz viel mit dem generellen Empfinden zu tun hat. In schwierigen Zeiten tendiert man oft dazu, sich besonders auf seinen Körper zu konzentrieren. Vielleicht, weil es fast das Einzige ist, das wir selbst kontrollieren können. Die Negativität schlägt dann oft um in Selbstkritik und Zweifel, verglichen an aufgestellten Standards, Jeansgrößen und Victoria-Secret-Laufstegen. So merke auch ich, dass ich eine viel positivere Wahrnehmung von meinem Körper habe, wenn ich generell zufrieden und glücklich bin. Auch wenn es nicht immer einfach ist, versuche ich mich mittlerweile auf die Dinge zu konzentrieren, die diesen positiven Effekt auf meinen Körper haben.

Ari: Das mit dem Bodyshaming in beide Richtungen unterschreibe ich auch so. In meiner Schulzeit war ich mit fast ausgewachsener Größe immer die „Bohnenstange“ und wurde ständig kritisiert und unschön aufgezogen – oder als magersüchtig betitelt. Ich habe die Größe und langen Beine wohl von meinem Vater geerbt und damals viel und gerne Sport gemacht! Dieser Stress auf dem Schulhof und in der Umkleidekabine hat mich noch jahrelang begleitet und mich unwohl in meiner Haut fühlen lassen. Irgendwann musste mal Schluss damit sein und ich habe für mich definiert, wie ich mich liebsten mag. Natürlich an aller erster Stelle gesund, und es ist gar nicht so wichtig, ob zwei Kilo mehr oder weniger drauf sind. Aber ich möchte wissen, dass ich das bestmögliche für meinen Geist und Körper tue und auf mich Acht gebe. Das heißt regelmäßige Checks beim Arzt, gut ernähren (was das für jeden individuell heißt, muss er selbst entscheiden), Sport so oft ich in meinen Mami-Alltag packen kann, ab und zu ein bisschen Wellness usw. Und genau so fühle ich mich seit ein paar Jahren meist sehr wohl in meiner Haut.

Marie: Ich habe gestern erst auf einem Beauty-Termin neben einer Frau gesessen, die gesagt hat: „Erst mal hasst man seinen Körper komplett durch und dann kann man im Älterwerden anfangen, ihn zu akzeptieren.“ Diese Aussage hat mich schon irgendwie geschockt, aber leider gilt das für so viele Frauen, ich schließe mich da nicht aus.

Ich bin erst Anfang 20 und merke, dass ich mich schon mehr beeinflussen lasse, als das vielleicht ältere Frauen tun, die so wie ihr schon eine Schwangerschaft erlebt haben. Fragt man mich, was ich an mir mag, fallen mir vielleicht zwei Sachen ein, bei den Makeln beschreibe ich gut und gerne zwei Klopapierrollen. In Zeiten von „Girlpower“ und „Embrace“ traue ich mich das zwar kaum noch zu sagen, aber ich bin noch lange nicht mit mir im Reinen. Natürlich beschäftige ich mich auch beruflich extrem mit dem Äußerlichen, aber ich denke man darf das nicht nur darauf schieben. Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann mal in den Spiegel schaue und sagen kann: Ich finde gut, was ich sehe. Aber da bin ich nun mal (leider) noch nicht.

Die Frage, die ich mir immer stelle ist: Wie kommt man da hin? Was hat euch geholfen – und sagt jetzt bitte nicht alle die Schwangerschaft?! Schließlich erreicht man Selbstakzeptanz nicht einfach nur durchs Fingerschnippen…oder?

Marlene: Ja, auf den Tag warte ich auch, dass ich das sehe, was die anderen in einem teilweise sehen! Mir hat ehrlicherweise geholfen, psychisch mal so richtig auf den Latz zu fallen. Seitdem bin ich dankbarer, weiß aber auch, dass ich mich ohne Persönlichkeitsarbeit sicherlich nicht so schnell mir selbst und meinem Aussehen angenähert hätte. Einen Tag klappt es und an dem nächsten wieder nicht, ich glaube, auch das muss man lernen zu akzeptieren. Zum Beispiel habe ich ja auch am Anfang immer dir, Marie, die Auswahl meiner Bilder bei Office Gear auswählen lassen, weil mir zumindest schon bewusst war: „Marlene, du hast gerade keinen guten Bezug zu dir, habe einfach Vertrauen in deine Mitmenschen“, und dieses Vertrauen hat sich dann irgendwann auf mich übertragen und mich entspannter gemacht.

Jessie: Selbstliebe und Selbstakzeptanz kommen vermutlich wirklich erst, wenn man etwas älter und reifer wird. Zumindest kann ich auch erst jetzt behaupten, zufriedener zu sein, denn ganz im Reinen mit mir war ich nie. Zu viel Bauch, krumme Füße (keine High Heels!), Rückenspeck – ich konnte nie einfach „etwas drüber werfen“ und sah dann laiszez-faire-mäßig cool aus. Meine Figur benötigt etwas mehr Erfahrung im Umgang mit Kleidern: Was steht mir, was eher nicht, worin fühle ich mich wohl? Das ist übrigens nur einer von vielen Gründen, wieso ich Mode so lieben gelernt habe! Denn sie unterstützt wirklich, sich richtig gut zu fühlen.

Das gängige deutsche Schönheitsideal ist übrigens eines, das ich nachvollziehen kann, und das auch mich immer mal wieder um den Finger wickelt. Ich bin aber per se nicht von dünnen Körpern beeindruckt, ich habe meinen Hut nur schon immer vor sportlichen und trainierten Körpern gezogen. Ich finde also eher Disziplin und Ausdauer toll – und musste mir in all den Jahren schlichtweg eingestehen, dass ich nicht zu der sportlichsten Fraktion gehöre und selbst wenn ich mal Gas gebe, mich das figurtechnisch einfach nicht weitergebracht hat. (Ohnehin sollte man ja eigentlich Sport machen, um sich besser zu fühlen, nicht um abzunehmen.)

Ich habe in meinen 20ern sehr viele Diäten und Sportprogramme begonnen, nie bis zum Ende durchgezogen und mit der Diagnose Schilddrüsenunterfunktion eines Tages festgestellt, dass ich einen eigenen Rhythmus für mich finden muss. Nicht mal eine 14-tägige Saftkur hat ein Gramm Fett schmelzen lassen, kein Witz! Dabei geht es ja auch gar nicht um ein Idealgewicht oder die Konfektionsgröße XS: Es geht um das eigene Wohlfühlen, wofür für mich auch Haut, Haare und Ausstrahlung gehören. Man kann ja nur das nach außen hin zeigen, wie man sich im Inneren fühlt.

Und das erreicht man nur durch innere Zufriedenheit und Selbstliebe – in meinen Augen ist das ein Prozess, der in den Teenager-Jahren beginnt und durch den man auch als Twen muss. Parallel zur schulischen Ausbildung, dem späteren Studium bzw Werdegang, dem ersten, zweiten, dritten Job – das ist ja auch alles ein Findungsprozess, durch den wir alle müssen. Wäre ja auch ein wenig zu easy und langweilig, wenn man den Löffel der Wahrheit schon mit 20 gefressen hätte.

Anfang Februar habe ich erstmals ein Bikinifoto von mir auf Instagram gepostet. Also, jemals. Ich bin zuvor, trotz zahlreicher Strandurlaube, nie auf die Idee gekommen, mich in dem für einen Strandurlaub natürlichsten Look, also im Bikini oder Badeanzug, auf einer so grossen Plattform zu präsentieren. Ganz einfach, weil ich bis dato nicht fand, dass mein Körper „instagrammable“ war. Im Gegenteil, ich war selbst so brainwashed, dass ich mich mit meiner durchschnittlichen Kleidergröße als zu dick empfunden habe. Schliesslich sind wir nur Beach Babes und Traumkörper aus der Bilder-App gewöhnt – oder noch schlimmer: Meine Abos, die ich mir nun mal freiwillig ausgesucht habe, entsprechen alle diesem Schönheitsideal. Da stand ich also, drei Monate nach der Geburt des grössten menschlichen Wunders und fühlte mich plötzlich besser denn je. Es musste erst ein Baby in mir wachsen und heraus kommen, dass ich mich schöner denn je empfand. Dabei hatte ich schlichtweg die Figur wieder, die ich auch vor der Schwangerschaft hatte (keine Diät, kein Sport, aber ich stille voll). Weder vorher noch nachher hatte ich einen Sixpack, Size Zero oder eine Thigh Gap, die Winkeärmchen und der Bauchansatz sind auch noch da und ich glaube, mein Hintern ist flacher geworden. Aber was ist das für ein Wunder?

Mein Körper ist g-e-s-u-n-d. Ich kann laufen, ich kann sehen, hören, schmecken, fühlen, ein Kind ernähren: Ich habe einfach weder Zeit noch Lust, meinen Körper scheisse zu finden für seine Makel. Oder mich über meine Pickel zu ärgern. Vielmehr möchte ich ihm und mir nur noch Gutes tun; mich besser ernähren, öfter zur Massage oder der Pediküre gehen, mich ein wenig auspowern beim Tanzen und regelmäßig zum Arzt zur Vorsorge gehen (Frauenarzt ist so wichtig! Außerdem lasse ich noch meine Muttermale checken und gehe zur Profilaxe beim Zahnarzt).

Tine: Ich hatte die letzten Wochen privat ganz schön viel um die Ohren (bald hier auch wieder mehr von mir!) und bin aktuell einfach dankbar, dass ich so gesund bin und mein Körper auch in stressigen Zeiten zuverlässig funktioniert. Das relativiert den ein oder anderen Besenreiser sofort.

Marie: Ich denke, wir sind uns alle einig, dass Gesundheit das A und O im Leben ist. Nur wenn man diese Sorgen nicht hat, hat man überhaupt Zeit sich über Themen wie Body Shaming Gedanken zu machen.

Der erste Schritt zur Selbstakzeptanz ist der, dass man auch andere so akzeptiert, wie sie sind. Wir sollten im Umgang miteinander einfach mehr Feingefühl entwickeln, uns öfter gegenseitig sagen, dass wir toll sind, so wie wir sind und diejenigen, die oft an sich selbst zweifeln, unterstützen. Besonders Frauen sind gegenseitig sehr kritisch, das merken wir ja auch oft in den Kommentaren. Dabei tut es doch keinem weh, wenn man sich im Leben wie auch virtuell gegenseitig hilft und sagt: „Du machst das toll! Du bist großartig, so wie du bist!“ Dann kippt vielleicht auch irgendwann der Schalter um und man sagt: Wenn die anderen es sagen, vielleicht ist da ja etwas Wahres dran. Vielleicht bin ich toll. Ich bin toll!

Und jetzt interessiert uns: Wie seht ihr das Thema? Was sind eure Tipps und Tricks auf dem Weg in die Selbstakzeptanz? Wir freuen uns über eure Stories! 

Fotos Header: Instagram.com

Kommentare

  1. Eda Ale´ sagte am

    Eine sehr interessante Diskussion über ein Thema das einfach IMMER aktuell ist – vor allem in Zeiten von Instagram und co….
    Ich bin 29 und im 4. Monat Schwanger und mein Körper – mit dem ich bis dato – eigentlich immer zufrieden war verändert sich nun. Ich sehe es gelassen, egal ob schwanger oder nicht sollten wir uns immer ins Gedächtnis rufen das wir uns glücklich schätzen können G E S U N D zu sein ( ich weiß das klingt ziemlich „lame“) aber es ist wirklich so! Unser Körper schafft jeden Tag so viel. Viel wichtiger als diese lästigen „2-3 kg zu viel“, ist es sich richtig anzuziehen und zu stylen – genau das liebe ich so an diesem Blog! Ich folge Journelles schon seid so vielen Jahren und bewunder Jessies Look! Frisch und gepflegt – und das obwohl sie vllt KEINE Größe 34 hat. Tolle Haare, coole Schuhe, schmeichelnde und weibliche Looks! Egal ob 36, 38 oder 40. Wir müssen unseren Körper gut behandeln, ihn pflegen, lieben und mit gutem versorgen, er schafft Wunder – jeden Tag! Und er ist der einzige den wir haben! weniger #Bodyshame und mehr #BodyLove
    liebe liebe Grüße, Eda

  2. Liebes Journelles-Team,
    das ist ein wirklich grandioser und vor allem ehrlicher Post. Ich finde es schön, dass jede von euch ihr eigenes Empfinden preisgibt und von jedem etwas mitnehmen kann.

    Ich selbst stecke wohl gerade in der Phase von Marie und bin Anfang 20. Es ist nicht immer leicht, sich selbst zu akzeptieren und nicht alles doof zu finden. Was mir persönlich sehr geholfen hat waren folgende Dinge: 1. Habe ich meine Waage verbannt und richte mich nach Lieblingskleidungsstücken. Passt es, ist alles okay. Zwickt die Jeans oder das Kleid, gibts vielleicht mal ein Stück Kuchen weniger. 2. Ich versuche mich mit den Augen meiner Freundinnen zu sehen. Niemals würde ich zu einer Freundin sagen, du hast viel zu dicke Oberschenkel oder ähnliches. Also sage ich es auch nicht mehr zu mir selbst. Sondern eher so: alles klar, dein kleines Bäuchlein stört dich, dann versuche dich wieder öfter zu bewegen und einfach weniger Süßes zu essen. Wenn es nicht sofort klappt, auch kein Weltuntergang. 3. Ich höre auf meinen Körper. Habe ich Lust auf Sport, dann mache ich etwas. Bin ich gerade einfach nur gestresst und Sport würde mein Stresslevel eher steigern, höre ich ein Hörbuch und lege mich in die Badewanne. Möchte ich gerne ein Stück Kuchen essen, mach ich das. Oder auch zwei. Wenn mir nicht danach ist, esse ich lieber eine Kiwi. Ich versuche meinen Körper zu verstehen und darauf zu hören, wann er welches Bedürfnis hat. Mein Körper ist schließlich ein Teil von mir und ihm soll es gut gehen.

    Das funktioniert nicht immer, aber ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Das Thema ist wirklich super spannend und ich finde es schön, die Sichtweise verschiedener Frauen in unterschiedlichem Alter und in verschiedenen Lebensphasen kennenzulernen.
    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und hole mir nach dem Mittagessen noch ein Eis – einfach, weil ich Lust drauf habe und es im Sommer doch nichts leckereres gibt!

  3. Liebes Team,

    ein so wichtiges Thema und ich finde es klasse, dass Noras Film zu so vielen Diskussionen anregt, auch wenn ich befürchte, dass sich an dem gängigen Schönheitsideal und Perfektionswahn in unserer Gesellschaft dadurch nix ändern wird.

    Einige von euch schreiben, dass sie mit den Jahren entspannter und gnädiger mit sich geworden sind. Mir geht`s genauso. In meinen Zwanzigern und vor den Kindern habe ich mich auch verrückt gemacht und ständig schlecht gefühlt, wenn ich in den Medien vermeintlich „perfekte“ Menschen gesehen habe. Das ist nun vorbei. Mir geht es viel mehr darum, GESUND zu sein und zu bleiben. Gesunde Sachen essen, ab und zu joggen und skaten gehen, so viel Spaß und Freude haben wie möglich. Das Leben ist zu kurz und andere Dinge zu wichtig, als dass ich Energie für dellenfreie Oberschenkel habe. Ich bewundere Frauen vielmehr, die nicht super „schön“ aussehen, sondern die ein positives Wesen und ein gutes Inneres haben, die ich gerne um mich habe und nicht, weil sie täglich ins Fitness-Studio gehen, nur noch vegane Bowls in sich reinkippen, die perfekte Wohnung haben und ja überhaupt sooo perfekt sind.

    Mich nervt dieses ständige demonstrieren von Leistung im Sinne von diszipliniertem Lifestyle, Körperoptimierung, perfektes Muttersein, Erfolg im Job in unserer Gesellschaft. Aber so ist es und so wird es in unserer Wohlstandsgesellschaft bleiben. Meine Prognose. Daher denke ich, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wie er mir diesen äußeren Einflüssen leben will.

    Mir wird es nun bestimmt auch als „boah ist die böse“ ausgelegt – aber so meine ich es nicht wenn ich folgendes sage: Mir kommen die Inhalte hier und auf euren Accounts leider (trotz eurer Statements) trotzdem immer sehr „optimiert“ vor. Jessies Bikini-Foto wäre für mich beeindruckender gewesen, wenn sie darauf nicht schön schlank ausgehen und der Winkel gut gewählt gewesen wäre. Sicherlich hätte Jessie kein Bild hochgeladen, auf dem man Dellen und Schwabbel gesehen oder sie in irgendeiner Art und Weise unvorteilhaft ausgesehen hätte. Aber genau DAS wäre so eine coole Aktion gewesen, so ein tolles Statement. Vielmehr hatte ich beim ersten Betrachten das Gefühl, dass sie wie viele andere auf den typischen „Ich habe innerhalb von wenigen Wochen meinen alten Body wieder und hach das ist doch Standard“-Zug aufgesprungen ist. Ich dachte enttäuscht: Noch eine Mutter, die mir zeigt, wie man auszusehen hat mit einem Säugling.

    Na ja, aber ich lese Journelles trotzdem gerne, weil ihr immer top-informiert 😉

    • Nina m. sagte am

      Ich finde es auch schwierig, wenn objektiv schlanke oder gut aussehende Frauen Fotos von sich zeigen, die die Botschaft rüberbringen sollen „Hier zeige ich meinen unperfekten Körper und traue mich öffentlich, zu meinen Makeln zu stehen“. Jessies Bikinifoto ein paar Monate nach der Geburt ist ein gutes Beispiel dafür. Ich glaube es sofort, dass sie das Bild mit anderen Augen sieht als außenstehende Betrachterinnen. Sie sieht den Bauch, der früher flacher, die Beine, die schlanker waren etc. Nur, ich zu Hause vor meinem Bildschirm sehe eine schlanke Frau, die auch sonst toll aussieht. Und da drängt sich mir der Gedanke auf, „Wenn diese Frau meint, hier ein Bild von sich mit zu posten, was soll denn dann ich mit meinem Wabbelbauch, in dem noch kein Kind herangewachsen ist, von mir denken?“ So hat das gut gemeinte Posting dann leider den komplett gegenteiligen Effekt.
      Ich schwanke hier auf Journelles auch immer ein bisschen zwischen Ärger und Traurigkeit, wenn die fantastisch aussehende Alexa (die sicher von vielen Frauen um ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung beneidet wird) sich negativ über ihr Aussehen äußert, was zuletzt während ihrer Schwangerschaft häufig der Fall war.

  4. Danke für den spannenden Artikel! Ich ertappe mich auch dabei, wie sich mein Fokus vom Gewicht, Haaren, etc mit steigendem Alter (ich bin nun 30) wegverlagert zu gesundheitlichen Aspekten. Was stören mich ein paar Dellen in den Schenkeln oder zwei Kilo Winterspeck, wenn der Körper nicht so tut, wie er soll? Seit acht Monaten versuchen wir nun, ein Kind zu bekommen und auch das (nicht nur bei Frauen, die eines bekommen haben) lenkt den Fokus ganz gewaltig um und zeigt, dass Nicht-Funktionieren weitaus gravierender ist als Nicht-Gefallen.

  5. Auf keinen Fall soll dies nun die Moralkeule sein – aber ihr erfasst es genau: gesund sein ist das einzige, was zählt. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit mit 29 einen Hirntumor mit ungewisser Prognose diagnostiziert bekommen. Ohne Symptome, ohne vorige Beeinträchtigungen, mitten in Leben, Beruf, Freunden, Party. Das hat mich und meinen jungen Körper sehr tief getroffen, oft verstehe ich es noch immer nicht, denn um Gesundheit geht es doch für die meisten von uns – toi toi toi – in unserem Alter so selten. Zumindest verschwendet man keinen Gedanken dran, wenn sie denn eh da ist. Meine Freude an den schönen Dingen, Mode, Kunst, vielleicht auch Oberflächlichkeiten, möchte ich mir nicht nehmen lassen, aber die Perspektive auf meinen Körper verändert sich natürlich. Solche Appelle liegen mir eigentlich fern, aber seid bitte froh über jedes Gramm, das andere (oder du selbst) eventuell als „zu viel“ bewerten würden, wenn es nur um eine Norm geht.

    • Liebe Ju, wir kennen uns zwar nicht, aber ich möchte dir trotzdem ganz viel Kraft wünschen. Meine Schwester ist mit Anfang 20 an Krebs erkrankt und ich kann nachempfinden, was für ein Schock diese Diagnose ist. Umso schöner ist es zu lesen, dass du weiterhin an den schönen Dingen festhältst. Das ist so wichtig! Scheiß Krebs. Tritt ihm gehörig in den Allerwertesten! Alles Liebe! <3

  6. Hallo Ari,
    google man „sanfte Krampfaderentfernung nach Linser“ – das war für meine Schwägerin eine gute OP-Alternative.

    Hallo alle:
    Ansonsten: Ich finde mich nicht so sonderlich schön, zumindest nicht verglichen mit der Mehrheit der Frauen, die ich online oder in den Medien sehe. Aber bin damit total im Reinen. Mir ist es nicht so wichtig, ich lebe sehr gut mit meiner sehr durchschnittlichen Attraktivität.
    Ich bin auch nicht musikalisch, bin eine Niete in Fremdsprachen und kann nicht malen. Dafür habe ich viele, viele andere Talente. Meiner Meinung nach müssen wir alle weg von dem Anspruch „Jede Frau kann schön sein.“ Schönsein ist schön, aber eben nur ein Asset unter vielen.

    Liebe Grüße,
    Uta
    (38 Jahre, 67 Kilo bei 170cm, Cellulitis, erste graue Haare, Neurodermitis im Winter, im Sommer werde ich nie braun, bin aber fast immer mit mir im Reinen – denn alles andere ist Sabotage und zieht nur Energie!)

  7. MissHappy sagte am

    Das Empfinden von Schönheit dient sicher auch der Fortpflanzung.
    Für unser Gehirn ist „Schön“ aber nicht gleich dünn, sondern es beachtet Faktoren wie Symmetrie, Körperbau, gesunde Zähne usw…
    Das Bedürfnis, schön sein und sich vergleichen zu müssen kommt vielleicht auch daher.

    Ob wir das alte Muster einfach abschalten können?
    Ich glaube es fast nicht, sonst wäre das Thema nicht so omnipräsent.

    Und ehrlich gesagt, den angesprochenen Film „EMBRACE- du bist schön“ zu nennen, reduziert es ja auch wieder darauf und ich empfinde das als etwas unglücklich.

  8. Katharina sagte am

    Ich würd mir wünschen, dass sich Frauen umd Männer mal weniger Gedanken ums Kilo zu viel machen und sich dafür drum sorgen oder drum kümmern, dass sie was fürs Hirn oder fürs Herz tun. Ich finde es ziemlich gräßlich, dass körperliche Attraktivität ein so viel stärkerer Maßstab für den Wert besonders einer Frau ist, als Klugheit oder Güte.

  9. Ich möchte mal ein Zitat von der Autorin Autumn Whitefield-Madrano da lassen, das – wie ich finde – die Problematik sehr gut trifft: “My problem with body love, beside the fact that it’s a high standard, is it’s asking women to regulate their emotions, not just their bodies. I don’t see the pressure on women really easing up, and then you’re supposed to have this bulletproof self-esteem on top of all that. It’s not something we can really live up to. Body love keeps the focus on the body. The times I’m happiest are when I’m not thinking about my body at all.” http://nymag.com/thecut/2017/03/forget-body-positivity-how-about-body-neutrality.html

    Body love and Body positivity schön und gut. Es ist sicher erstrebenswert, seinen Körper ohne wenn und aber zu lieben, egal wieder er aussieht. Aber ich glaube mit der aktuellen Diskussion wird ein neues Fass auf gemacht, mit dem Frauen sich wieder unter Druck setzen werden. Bald schämt man sich wahrscheinlich nicht nur dafür, dass der eigene Körper nicht dem perfekten Ideal entspricht, sondern auch dafür, dass man ihn so wie er ist nicht mag. Denn Body love ist das neue Ideal.

    • Schönes Zitat. Kann ich als Psychologin und Psychotherapeutin so unterschreiben.
      Die Liebe zum eigenen Körper ist nur eine Unterkategorie von Selbstakzeptanz und Selbstwertgefühl. Arbeitet man also daran, sich selbst zu mögen, irgendwann vlt sogar zu lieben, gibt’s das gute Körpergefühl häufig gratis mit dazu 🙂

    • Komplexes Thema, dieses Zitat (danke dafür!) bringt es für mich genau auf den Punkt. Als Frau wird man doch von allen Seiten be- und verurteilt. Man kann nur verlieren: Wer zu viele Kilos hat, dem mangelt es an Disziplin, oder aber wer sie hat und zufrieden damit ist, akzeptiert sich, wie sie ist und ist vielleicht sogar Feministin (??). Wer heute noch offen zugibt, Diät zu halten, ist zu bemitleiden. Trotzdem sollte man die neuesten Saftkuren unbedingt probieren, weil oh so healthy and eat your greens!!! Instagram und Co. sind für Inspiration gut, keinesfalls sollte man die ganzen reichen, gesunden, glücklichen, schlanken und lachenden Menschen aber für das Maß der Dinge halten, weil das echte Leben und so. Die mediale Rundumversorgung lässt sicher kein mögliches Defizit aus, habe ich mich gestern noch um mein Thigh Gap gesorgt, ist es heute das nicht sichtbare Schlüsselbein.
      Sarkasmus mal beiseite: Ich bin Ende 30 und habe WIRKLICH alles schon mitgemacht und gesehen, was eine Frau ihrem eigenen Körper so antun kann. Und trotzdem bin ich nicht souverän. Denn auch, wenn ich all die Zeichen erkenne und lese, unterbewusst erwischen sie mich doch. Selbstverständlich kann ich zwischen meiner Lebensrealität und der anderer gut trennen. Aber, frei nach Willi Wiberg, wenn das hier ich bin, wo höre ich auf, und wo fängt die Gesellschaft an?
      „Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl- und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.“ Laurie Penny…
      Margarete Stokowski hat das aktuell sehr gut auf den Punkt gebracht, was sich ändern muss: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/koerperbild-bei-frauen-fuer-mehr-dicke-maedchen-in-leggins-kolumne-a-1148907.html

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