Das “Schwarzhogerzeil” von Nicole Hogerzeil auf der Mulackstraße ist der lebende Beweis dafür, dass kleine Boutiquen mit einer sorgfältigen Designerauswahl auch in Berlin funktionieren. Gerade hat Nicole ihren zweiten Laden eröffnet, ist weiterhin auf der Suche nach grösseren Räumlichkeiten und führt mit einer ganz besonderen Auswahl Labels wie Vanessa Bruno, Carven, Cedric Charlier, Golden Goose oder Sabrina Dehoff. Sie war vor sieben Jahre die Erste, die Isabel Marant in Berlin verkaufte – seither hat sich viel verändert. Passend zu ihrem heute startenden Sale (mit 30 bis 50 Prozent Reduzierungen) habe ich einen Blick auf ihre Lieblingsstücke und Bestseller geworfen und im Interview sprachen wir über den Einkauf in Paris und Trendströmungen für das Frühjahr 2013.
Die Wintersaison nähert sich dem Ende, heute beginnt dein grosser Sale. Was wurde am besten verkauft?
Isabel-Marant-Schuhe, natürlich! Carven ist auch extrem gefragt, was relativ unüblich ist, denn wir bieten Carven erst seit diesem Herbst an und erfahrungsgemäss dauert es schon 2-3 Kollektionen, bevor ein neu dazu gefügtes Label von der bestehenden Kundschaft angenommen wird. Aber Carven ist natürlich nicht zu übersehen und auch mein Favorit.
Welche (übrig gebliebenen) Stücke sollte man sich in deinem Sale nun unbedingt noch sichern?
Die Jacke “Hippo” von Isabel Marant in Schwarz, ein immer wiederkehrendes Modell vom Laufsteg, das dieses Mal einfach perfekt ist. Außerdem den Lammfellmantel von Golden Goose, die Seidenblusen von Vanessa Bruno in den tollsten Farben und die Pullover von Isabel Marant Etoile im Norweger-Stil.
Du hast bereits für Frühjahr/Sommer eingekauft, nach welchem Schema gehst du vor?
Ich entschiede mich einfach für die Modelle, die mir gefallen. Natürlich denke ich auch an bestimmte Kunden – aber dass es gefällt, ist die wichtigste Voraussetzung. Ich sehe jedes Teil erst einmal für sich allein an und dann überlege ich mir Kombinationsmöglichkeiten. Schwarzhogerzeil steht für Understatement und auch besonders aufwendige und auffällige Modelle müssen diese Anforderung erfüllen.
Wie muss man sich einen typischen Ordertag bei dir in Paris vorstellen?
Anstrengend, lustig, mit einer hohen Konzentration und Freude auf die nächste Kollektion. Letzten Endes sitze ich acht Stunden in einem Showroom, das Timing ist eng und alles muss an diesem einen Tag gesichtet und teilweise entschieden werden. Das ist natürlich immer spannend.
Die Entscheidungen müssen vor Ort getroffen werden; man kann sich natürlich auch hinterher umentscheiden und hat noch eine gewisse Frist, um seine Order zu korrigieren. Die Orderzeit im Showroom ist dennoch extrem wichtig, denn da entscheidet sich der Erfolg der nächsten Saison für den jeweiligen Shop. In Paris ist es aber nicht schwer, sich immer kleine versöhnliche Pausen zu gönnen.
In deinem Sortiment geht es nicht nur um Trends, gewisse Strömungen muss man aber erkennen – was denkst du, wird SS13 besonders gut funktionieren, was sind die großen Themen?
- Rottöne und Beerentöne wie bei Cedric Charlier
- Paris-Prints + Paisley bei Carven
- Bei Isabel Marant Kleider über Kleider
Dein Shop war vor sieben Jahren der erste in Berlin, der Isabel Marant verkauft hat. Was hat sich seitdem verändert? Segen oder Fluch, dass Marant nun das meistgehypte Label ist?
Eher Segen als Fluch. Isabel Marant verkauft sich seit sieben Jahren sehr gut, was ich natürlich nicht verfluchen kann. Isabel Marant hat es einfach geschafft, den Frauen ein anderes Gefühl zu geben. Es gibt nichts wirklich Vergleichbares. Es ist eine absolute Erfolgsgeschichte, was mich natürlich freut. In den richtigen Modellen sieht man richtig kombiniert einfach immer aus, als hätte man sich nur irgendetwas übergeworfen. Es ist sowohl besonders und trotzdem alltagstauglich sowie ausgehtauglich und weiblich, ohne billig zu sein. Man sieht gut aus und erweckt trotzdem den Eindruck, als hätte man sich nicht sonderlich viel Mühe gemacht.
Ich habe natürlich auch noch viele Teile in meinem Schrank aus der Anfangszeit, die ich sehr liebe, die sehr besonders sind und ich nicht mehr hergeben möchte. Diese Stücke sind natürlich einzigartiger, weil sie kaum jemand kennt. Dazu gibt es eben auch keine Schauen und keine Anzeigenkampagnen…
Vielen Dank!
Schwarzhogerzeil, Mulackstrasse 28, 10119 Berlin. Öffnungszeiten Mo – Fr 12:00 – 19:00, Sa 12:00 – 18:00.
Das Schwarzhogerzeil II ist in der Mulackstr.23, das Sortiment für das Frühjahr 2013: ba&sh, Bellerose, Bobbies, Clu, Il Bisonte, Laurence Doligé, Le mont st Michel, Medecine Douce, Rivieras, Vanessa Bruno Athé.

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