Die magische 12, das perfekte Outfit-Foto und die schönsten Klischees: So wird man laut Aimee Song („Song of Style“) zum Instagram-Star

Vorab muss ich gestehen: Diesen Artikel habe ich drei Mal verschoben, denn eigentlich sollte es ein Selbstversuch werden. Aber mal eben ein Instagram-Star werden ist nicht so einfach. Vor allem, wenn man im Prenzlauer Berg sitzt und nicht in Self-Portrait-Kleidern über die Straßen von Paris schwebt, sondern in Baggypants und ungeschminkt vor dem Rechner klebt und dann auch noch eine Bronchitis bekommt. Statt Latte Art und Acai-Bowl hätte ich in den letzten Tagen meine Teebeutel- und Rotzfahnen-Kollektion fotografieren können.

Ein Blick auf die erfolgreichsten Accounts macht dagegen klar: Die Insta-Girls sind scheinbar nie krank, sondern jetten mit den heißesten Trends im Gepäck nach Coachella, Santorini, Ibiza und Bali. Mein Leben ist dagegen? Stinkelangweilig. So wird das mit den Millionen von Likes und Followern natürlich nix.

Klarer Fall: Ich brauche Nachhilfe! Die amerikanische Modebloggerin Aimee Song (4 Mio. Follower) verspricht in ihrem Buch „Capture your Style“, dass man dank der darin enthaltenen Tipps die „ultimative Plattform“ aufbauen und seine Bilder in „Instagold“ verwandeln kann. Alexa von Heyden die neue Caro Daur – ist das möglich?

Naja, wohl kaum, aber Aimee hat allerhand Tricks und Tipps in Sachen Motive, Bildbearbeitung und Filter aufgeschrieben, an die ich mich vor einem Post zumindest jetzt immer erinnere.

Das sind die meiner Meinung nach besten Auszügen aus dem Buch!

Regel 1: Das Leitbild

„Was macht deinen Account in einem Satz zusammengefasst aus?“ Möp, schon bei dieser Frage muss ich passen. Keine Ahnung! Warum mache ich Instagram – weil ALLE es machen? Aimee dagegen hat sich das folgende Motto auf die Fahnen geschrieben: „Song of Style soll Leute auf der ganzen Welt durch Fotografie, Mode und Leidenschaften, sei es Essen, Lifestyle oder Mode, inspirieren und verbinden.“ Der Erfolg gibt ihr recht.

 

Regel 2: Die magische 12 – das Gitter

Die aktuellen 12 Bilder erzählen eine zusammenhängende Geschichte, die zu deinem Leitbild passt. Oder anders gesagt: Wenn man deinen Instagram-Account auf dem Handy oder in einem Browser öffnet, sollte die Optik auf den ersten Blick stimmig wirken.

Dabei kann man sich verschiedenen Themen widmen, wie z.b. einer Reise oder der Fashion Week aber auch Farb-Themen wie Schwarz-Weiß, Blau oder einem bestimmten Filter. Bei Aimee (befindet sich zurzeit in Indien) wunderbar gelungen, bei mir Kraut und Rüben. Hier der Vergleich!

Song of Style:

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Mein Account (aka Song of no Style):

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Regel 3: Die richtigen Proportionen

Aimee hat während ihres Studiums Fotografie-Kurse belegt und versucht den „Goldenen Schnitt“ von Leonardo da Vinci, sprich das ideale Prinzip ästhetischer Proportionierung, zu erklären.

Merke: Ein Bild ist perfekt, wenn das Hauptmotiv nicht 100% in der Mitte liegt, denn das menschliche Auge wandert gerne. Das sieht man ganz gut an diesen Beispielen:

Ich dagegen lege und stelle immer alles brav in die Mitte: Waffeln, Armbänder, mich selbst… Auch hier lerne ich also neu dazu!

 

Regel 4: Die gelungene Bildbearbeitung

Aimee betont immer wieder, dass sie keine Instagram-Filter verwendet, verrät aber welche laut einer Marketigagengtur die beliebsten sind: Lo-Fi, X-Pro II und Valencia. Kennen wir alle, wah?

Aimee dagegen jagt ihre Fotos durch mindestens drei Bildbearbeitungs-Apps, bevor sie etwas postet:

  • Snapseed für Helligkeit und Kontrast
  • Facetune, um Hautunreinheiten oder faltige Klamotten zu glätten (yes, please!)
  • VSCO Cam für einen leichten Filter, damit all ihre Fotos den gleichen Look haben (welchen Filter sie verwendet, verrät sie natürlich nicht)
  • Instagram-Tools für den letzten Feinschliff wie z.B. „Ausrichten“

Bevor Aimee ihre Bilder bearbeitet, schneidet sie alle auf das Instagram-Format („Quadrat“) zu. Vor allem Facetune finde ich eine Sensation, allerdings muss man aufpassen, dass man es mit dem Pfirsichteint („Glätten“) und dem Beine-dünner-machen („Umformen“) nicht übertreibt. Ich habe z.B. Seeigel-Narben auf dem Fußrücken, die man dank Facetune fast unsichtbar machen kann, ebenso wie blaue Adern und schrumpelige Haut:

 

Regel 5: Der perfekte Outfitpost

Aimee plant all ihre Outfits, egal ob sie auf das Coachella-Festival, nach Los Angeles oder die Pariser Fashion Week fährt und recherchiert vorab mögliche Locations für ein Outfit-Shooting. „Die Leute wollen so viele Details wie möglich sehen“, weiß sie.

Das bedeutet: Zu unscheinbare Klamotten, die vor dem Hintergrund absaufen, fliegen aus dem Koffer. Wer dagegen farbenfrohe Ziele wie Burano oder Cinque Terre ansteuert, sollte keine wilden Muster oder Knallfarben einpacken.

Also immer schön überlegen, welche Klamotten vor welcher Kulisse funktionieren könnten. „Der Hintergrund und das Outfit müssen stimmig sein“, schreibt Aimee. So ist auch das folgende Foto vor dem Taj Mahal in einem Rüschenkleid von Anna October und goldenen Jimmy Choo Pumps alles andere als zufällig entstanden, ebenso wenig wie die Streetstyle-Fotos aus Paris, New York oder Capri:

Noch ein guter Tipp: Outfitfotos sollten eher von unten fotografiert werden, damit deine Beine länger und die Figur allgemein schlanker wirken. Im Notfall muss der Fotograf oder Instagram-Husband in die Hocke gehen.

Zu Aimees #OOTD Arsenal (dt. „Outfit of the Day“-Fundus) zählen übrigens die folgenden Dinge:

  • Kleider, süß und lässig am besten aus Spitze
  • Schuhe: „Boss Lady“-Stilettos und coole Sneaker
  • Sonnenbrillen en masse
  • Taschen: Umhängetasche, Clutch, Tote, Reisegepäck usw.
  • Arm-Schmuck: Armbänder und Reifen, gerne von Cartier, sowie eine Uhr

 

Last but not least: Das Instagold-Motiv

Tolle Schuhe und schöne Kacheln sind laut Aimee Song „Instagold“, d.h. bekommen besonders viele Likes. Kleine Kostprobe:

 

Fazit:

Was ich lesenswert an diesem Buch finde ist zum einen Aimees Geschichte, die früher in der Schule gemobbt wurde und sich so in die sozialen Netzwerke wie Cyworld, Xanga und Myspace flüchtete und über einen Interior-Design-Blog step-by-step ihrem heutigen Beruf immer näher kam. So wirkt sie alles andere als abgehoben, sondern hat sich seit ihren Anfängen 2008 viel Know-how angeeignet, das sie gerne teilt.

Mein Lieblingssatz: „Man sollte nicht nur zeigen, was man hat – sondern was man erlebt.“ Ein super Ansatz, der meiner Meinung nach die Grundidee von Instagram beschreibt.

Vermeiden sollte man laut der gebürtigen Kalifornierin dagegen die folgenden Instagram-Klischees und damit sorgt sie zum Schluß bei mir nochmal für Lacher:

  • Work-out Selfies
  • Beine vor einem Pool oder Strand
  • Sonntagsbrunch
  • Flugzeugtragflächen
  • Latte Art
  • „Der Luftsprung“
  • MacBook im Bett

„Capture your Style“ ist bei Abrams Image erschienen und kostet ca. 12 Euro.

Capture your style, Aimee Song (Abrams Image)
Capture your style, Aimee Song (Abrams Image)

(Fotos: Song of Style, Abrams Image)

Kommentare

  1. hahahaha ’song of no style‘ – du bist der Knaller! Danke für diesen Lacher am Morgen, für so viel Selbstironie und für deine wunderbare Schreibe. Und dein Feed ist vielleicht nicht perfekt *kuratiert* (auch so ein kack Wort wie Influencer!), aber bringt einem sehr viel näher was du machst, als dieser digitale Bildband da oben.

    Viele Grüße aus dem Rheinland 🙂

  2. Liebe Alexa, vielen Dank für deine schonungslose Ehrlichkeit genau das liebe ich an deinen Artikeln sie holen, das Thema auf eine menschliche Ebene. Laut Aimees Regeln hab ich schon 5 Dinge falsch gemacht die ich auf Insta gepostet habe. Ich muss leider gestehen, dass ich einen zu sehr einheitlichen Look des Instaprofils mehr als langweilig finde, weil man heutzutage leider nur noch Flatlays vor weißen Hintergründen sieht. Warum kann man nicht mal in eine Farbkiste greifen und die Farben für sich sprechen lassen.

    • Je mehr Vielfalt und Persönlichkeit desto besser – davon bin ich ebenfalls überzeugt! Mal sehen, wo all diese Instagram-Accounts, die du meinst, in ein paar Jahren stehen…

  3. Ich habe dich hier vermisst 🙂
    Ich mag deinen Account, gerade weil er so sehr Alexa und damit authentisch ist- behalte dir das bitte bei!
    Liebe Grüsse und gute Besserung, Kalu

  4. Ich denke auch 🙂

    Und was sicherlich nicht nur mich stört: die persönliche Note geht halt total unter bei diesen „kuratierten“ aka gekünstelten Bildern (wie bescheuert ich das finde, dass neuerdings alles „kuratiert“ ist…). Viel spannender finde ich „echte“ Persönlichkeiten aus dem normalen Leben, und denen folge ich auch, selbst wenn es mit mir nur 500 statt 500k andere tun.

    Und Alexa, ohne Dir Honig ums Maul schmieren zu wollen: Deinen Feed gucke ich auch richtig gerne an, denn der ist bodenständig, echt und ich finde auch die Tipps (auf Deinem Blog) immer sehr lesenswert (Dank Dir habe ich ein Kleid von Perseverance für viel zu viel Geld bestellt – leider passte ich nicht rein *HEUL* – scheiß Pre-Weihnachtskekse).

    Liebe Grüße
    Anna

  5. „Song of Style soll Leute auf der ganzen Welt durch Fotografie, Mode und Leidenschaften, sei es Essen, Lifestyle oder Mode, inspirieren und verbinden.“

    zu was inspirieren? zur glueckssuche durch konsum und selbstdarstellung?
    wen auf der ganzen welt verbinden? wohlhabende, gleichgeschaltete lifestyle-juenger, die auf kosten aermerer bevoelkerungsschichten und der erde hyperkonsumieren?

    nee, sorry, da bin ich raus. all diese tips machen genau dann sinn, wenn man der (wissenschaftlich mehrfach widerlegten) maer aufsitzt, gluecklicher und erfuellter zu werden, indem man andere menschen fuer sich und seine schoene oberflaeche begeistern kann.

    wenn man instagram beruflich nutzt, koennen diese tips helfen, einen aesthetischen gesamteindruck zu kreieren, aber dann sollte man vielleicht mal schauen, was man damit verkaufen will, wodurch man dieses produkt oder diesen service wirklich einzigartig und authentisch machen kann, welchen echten nutzen man schafft und welche werte dahinterstehen, non? kein wort darueber bei song of style.

    wenn man insta privat nutzt ist es noch unsinniger, auf follower-fang abzuzielen:
    tausend selfies schiessen bis ein nettes dabei ist und das dann intensiv bildbearbeiten? mir schon vorher gedanken machen, welches outfit wo fotogen aussehen wird und reisen danach planen, wie ich die besten bilder aus ihnen rausquetschen kann? klamotten nach famefaktor auswaehlen und dann moeglichst toll darstellen? jedes leckere essen kalt werden lassen, weil sich erstmal stundenlang auf den stuhl stellen muss, um das perfekte foto zu schiessen?

    voila, das ist eine anleitung zum narzissmus und ungluecklichsein, die dich sofort aus dem echten leben rausreisst und immer weiter weg fuehrt von selbstliebe und dem geniessen des moments. dadurch wird man wirklich immer abhaengiger von impression management und der anerkennung von aussen, weil das eigene leben immer leerer und sinnentleerter wird.

    ich sehe keinen sinn darin, meine umgebung immmer nach optimalen instafame fotos zu scannen, meinen instagram account in pastell und minimalismus oder ganz „authentisch“ erdig-dunkel durchzukuratieren, genau die richtige balance aus schicken selfies, angesagten klamotten und „authentischen“ naturbildern einzuhalten, damit andere mein leben toll und interessant finden.

    ich will explorertouren in der natur und der stadt, zeit mit meiner familie, treffen mit freunden, neue länder und kulturen mit allen sinnen geniessen, tolles essen wertschaetzen, mit anderen menschen connecten und gutes tun – den moment geniessen und nur zur kamera greifen, wenn sich die gelegenheit nichtinvasiv ergibt. in erster linie fuer meine lieben und mich, um das leben zu dokumentieren und ein fenster zu bieten fuer die lieblingsmenschen, die weit weg von uns leben, sekundaer, um mit anderen menschen zu connecten, werte zu transportieren, an die man glaubt, die das eigene streben nach dem „guten leben“ mit der moeglichkeit eines guten lebens fuer alle vereinbaren koennen und um kommunikation anzuregen. ich will meine eigene aesthetik finden und mich nicht an dem orientieren, was sich grad am besten „verkauft“. ich will mit leuten connecten und kommunizieren, und nicht von einer anonymen masse gefeiert werden, fuer ein zelebrieren der oberflaeche, dass ich selbst nicht ernst nehmen kann.

    das muss ja jeder fuer sich selbst wissen und vielleicht auch ein stueck weit selbst fuer sich erfahren. aber da uns von allen seiten genau so ein bullshit als weg zum „guten leben“ suggeriert wird, wie ihn mrs song of style hier serviert, halte ich es fuer ganz sinvoll, ab und an mal eine fundierte konsumpsychologische perspektive dagegenzuhalten, auf plattformen, die ich selber auf der suche nach dem „guten leben“ seit jahren frequentiere, wo sich denkende und fuehlende frauen tummeln, die wahrscheinlich dasselbe hier suchen <3

    • Unterschrieben.

      Ich frage mich gerade wie es den 500K+ Mädels gehen würde, wenn morgen Snapchat und Instagram auf einmal gelöscht wären und diese Apps nichts mehr existieren würden. Ich glaube das würde sich echt leer anfühlen in der Magengegend. Wäre mal eine interessante Studie.

      • ich muss immer dran denken, wie leer es sich schon anfuehlen muss, beim explorieren von neuen staedten, landschaften und kulturen zu priorisieren, wie sich das in schicke bilder und erfolgsversprechenden content verpacken lässt, anstatt das alles aufzusaugen, zu geniessen, draus zu lernen und dran zu wachsen.

        wenn man nur so an der schoenen oberflaeche vorbeirauscht, stellt sich auch kein gefuehl der saettigung oder befriedigung ein und man kann endlos weiter um die welt jetten und konsumieren, ohne was davon zu haben und erfuellung zu finden. damit tut man sich selbst keinen gefallen und macht auch noch die umwelt kaputt und das ist schon ganz schoen crazy.

      • Hi ihr Lieben… wäre toll mal den Aufschrei zu erleben wenn diese Seiten stillgelegt werden für ein paar Tage ….😂😂😂

    • Danke dafür <3
      Immer wieder gut, deine differnzierte, genaue und kritische Stimme – hier und auf anderen Blogs!

    • Finde ich grundsätzlich super, was du schreibst und bin in vielen punkten mit dir einig. du hast recht mit der trennung zwischen privater und beruflicher nutzung. trotzdem haben mich das buch und die tipps interessiert und ich fand die texte gut geschrieben bzw. lesenswert. aber eine neue caro daur wird aus mir ganz sicher nicht 🙂

      • oh wei, das hoffe ich doch, fuer dich und alle anderen. du kannst noch soviel mehr gutes in die welt bringen, wenn du weiterhin dinge erschaffst, die dich selbst gluecklich machen und die nur von alexa kommen können. und wenn du deine kreativität und talente nutzt, um andere zu beruehren und etwas gutes zu bewirken, anstatt dem zelebrieren von oberfläche und fame hinterherzujagen.

        erfolg und anerkennung sind urspruenglich nebenprodukte, die manchen menschen zufallen, wenn sie es schaffen, dinge in die welt zu bringen, die andere beruehren und ihr leben ein bischen besser und schoener machen.
        aber irgendwie ist das heute zum selbstzweck geworden, und viele suchen ihr glueck und ihre erfuellung direkt darin, ohne auf sich selbst zu hören und wert zu schaffen.

        das problem ist: IT`S A TRAP! wer sich von den sirenengesaengen erfolg und fame verfuehren laesst und es zur prio macht, sie festzuhalten und auszubauen und ihnen immer mehr als selbstzweck nachjagt, verliert authenzität, kreativität, glueck und sinn….und oft auch den verstand und/oder den erfolg. und was bleibt dann noch ueber?

        but what do i know? hier ein paar peoplez, die wissen, wovon sie sprechen:
        https://www.youtube.com/watch?v=zYDKCx4hSQQ

    • Claudia sagte am

      Prinzipiell stimme ich zu, dass Konsum und Co. nicht glücklich oder glücklicher machen. Aber man muss dieses Buch nicht kaufen, man muss Aimee Song nicht folgen und auch keinem anderen Blogger.
      Ich verstehe nicht warum man jemandem, den man nicht kennt, Gefühle und Gedanken abspricht nur weil sie/ er mega erfolgreich ist mit etwas, das man selbst nicht machen möchte. Das ist nämlich keine fundierte Konsumkritik, sondern in meinen Augen dumm.

      • liebe claudia, kannst du mir verraten, wo ich wem gedanken und gefuehle abgesprochen habe?

        desweiteren verstehe ich nicht, welche message du rueberbringen willst, vielleicht magst du das ja nochmal etwas konstruktiver und fundierter erklären?
        ich habe verstanden: dann guck halt nicht auf modeblogs. und: das was du sagst ist dumm. wolltest du das sagen oder etwas anderes?

        falls du meine message/agenda nicht verstanden hast, versuche ich es auch gern selbst nochmal: ich finde es sehr gefährlich, dass mrs song of style diese tips nicht nur als weg zu mehr erfolg raushaut, sondern auch davon spricht, dass sie menschen durch diese art von selbstdarstellung und konsumankurbelung inspirieren und verbinden will (an anderer stelle hat sie auch schon davon gesprochen, leuten zu einem besseren leben zu verhelfen).

        sie weiss es wahrscheinlich wirklich nicht besser, und wurde nie dazu gezwungen, ihr tun mal naeher zu reflektieren, das ist nicht untypisch.
        da ich mich aber wissenschaftlich mit genau diesen themen beschäftige weiss ich, dass diese art der selbstdarstellung, suche nach anerkennung und glueck durch konsum, status und ruhm, kurz: materialismus, nicht nur einer der hauptgruende ist, warum unsere welt langsam den bach runter geht (stichwort nachhaltigkeit, soziale gerechtigkeit, umweltschutz, gesellschaftliches nullsummenspiel), sondern auch, dass diese extrinsischen lebensziele und materialistischen werte sehr hoch mit negativen emotionen, depressionen, empfundener sinnlosigkeit des lebens einer verminderung von lebenszufriedenheit korrelieren. durch das verfolgen und propagieren dieser lebensweise schafft man dementsprechend unnötiges leid auf allen fronten.

        daher kommentiere ich solche beiträge in einer kritischen, zum eigenen denken anregenden und moeglichst konstruktiven weise, auch wenn ich amys buch nicht kaufe und ihrem blog nicht folge. ich bin der meinung, dass diese art humanistischer materialismuskritik besonders in foren wie diesen sinn macht, in denen junge frauen (bei denen die besagten extrinsichen lebensziele und materialistischen werte besonders negativ mit glueck und empfundenem lebenssinn korrelieren) inspirationen fuer das sogenannte „guten leben“ suchen.
        wenn du fragen hast, konstruktive kritik anbringen möchtest oder offen diskutieren magst, bin ich gerne bereit dazu.

  6. Stephanie Mehring sagte am

    Liebes, Du bist viel toller als das Mädel da oben, die sich ausschließlich mit der Oberfläche beschäftigt. Egal wie viele Follower oder Likes sie hat, wenn Leute so an ihrem Leben vorbei leben, kann ich nur voller Mitgefühl den Kopf schütteln. Das Leben ist so ein Wunder, im Kleinen und im Großen, im Hellen und im Dunklen. Warum sollte man seine begrenzte Zeit so arglos verschwenden? Macht keinen Sinn.

    Stay golden beautiful lady!
    <3

  7. Sehr lustig geschrieben, ich dank dir, liebe Alexa.

    „Song of Style“ find ich eine der schlimmsten InstaTussies, die’s so gibt in der unendlichen Welt der Selbstinszenierung, da ist nur ganz knapp Chiara Ferragni noch schlimmer. Wenn ich höre bzw. lese, dass sie „Menschen auf der ganzen Welt inspirieren und verbinden will“, find ich das echt witzig – Liebelein, dat kannste auch unter dein Profil schreiben, so ein austauschbarer Blabla-Säusel-Quatsch passt ja fast zu allem.

    Dass diese wandelnde Verkaufsfläche jetzt auch noch mit Anweisungen zum Perfect Posing Geld verdienen will, ist so traurig wie gruselig. Was für eine unangenehme, narzisstische und oberflächliche Lebenseinstellung und -führung daraus spricht – ist nicht so wichtig, wie du dich fühlst und was du machst, Hauptsache, du inszenierst dich perfekt. Aha, ok.

    Lass die Waffel in der Mitte, Alexa.

  8. Danke für diesen Beitrag, Alexa!
    Sehr spannend zu lesen, gerade mich für mich als Nichtnutzerin dieser Plattform.
    Mein Eindruck von Instagram aus der Außenperspektive war zuletzt immer mehr der: Puh, wirkt das alles angestrengt. Das perfekte Outfit, das perfekte Foto, die vorteilhafteste Bildbearbeitung…da geht doch das Spontane, Verspielte, Authentische komplett flöten UND es frisst Zeit ohne Ende. (Klar, wenn man Instagram beruflich nutzt, ist es halt Teil des Jobs.)
    Deshalb finde ich das, was ich hier von deinem „Song of no Style“ sehen kann, allemal sympathischer und auch interessanter als all die gelackte Selbstdarstellerei.

    • Hi Nola, ich denke die Profi-Instagrammer sind sich dieser Problematik auch längst bewusst und überlegen, wie es in Zukunft für sie weiter gehen kann. Für mich war der Satz „Nicht nur zeigen was man hat, sondern was man erlebt“ im Buch von Aimee Song zentral. So sind viele Instagrammer in Sachen Reise nach wie vor eine Inspiration bzw. besser als so mancher Reiseführer. Finde ich!

  9. Ich habe Dich auch schon vermisst auf Journelles, Deine Beiträge haben immer etwas ganz Eigenes und Humorvolles. Und ich finde Deinen Instagram-Account tatsächlich viel interessanter und ansprechender als den von irgendwelchen neuen Super-Influencern. LG Hannah

    • Da schließe ich mich direkt an, ich wollte nämlich genau das schreiben! Schön, dass Du wieder da bist! Und auch Deinen Feed und deinen Blog finde ich super – weil so herrlich ehrlich, natürlich und mit einer großen Portion Humor. Das ist eine tolle Abwechslung zu dem vielen Einheitsbrei, der einem überall entgegenschlägt.

      • Ja, Mensch! Danke auch für dieses Kompliment, aber SO war der Artikel eigentlich gar nicht gedacht, hahaha. Mein Selbstbewusstsein ist heute auf jeden Fall um einiges gewachsen. Danke, Lena!

  10. Was hat ein Profi-Instagram-Account mit dem realen Leben zu tun? Nicht viel vermutlich. Ich habe damit aber auch überhaupt kein Problem, das ist ein Job wie jeder andere auch. Ich arbeite auch- nicht auf Instagram;-)- und irgendwo muss die Kohle ja herkommen.
    Die Bilder finde ich gelungen. Und das sie sich Gedanken macht, wie die Bilder „komponiert“ werden ist ihr Job. Für mich sind diese Accounts wie ein Neckermann oder Quelle-Katalog. Nur eben dem Zeitgeist angepasst.
    Und ganz ehrlich: das wahre Leben interessiert mich von Leuten, die ich nicht im tatsächlichen Reallife kenne einfach mal Zero.

  11. Also, dass sie versucht hat, wirklich etwas zu lernen, macht sie mir schon gleich sympathisch. Allerdings lernt jede wirklich in jedem Anfängerfotokurs die Regel des „Goldenen Schnitts“. Ich finde deine Herangehensweise an diese Buchvorstellung sehr gelungen und musste zwischendurch auch immer wieder grinsen.

    Aber sie muss halt auch ihr Geld verdienen. Daher das Büchlein mit dem Erfolgsversprechen. Wer dabei verdient, sind vor allem die Buchautoren. Doch solche Hinweise wie mit Facetune, warum nicht?

    Mein Profil ist eher so kraut und rübig wie deins; gefällt mir also sehr viel besser. Wenn ich darstellen soll, was ich erlebe, dann passt dazu nun mal kein VSCO. Außerdem achte ich zu sehr auf das einzelne Bild und bringe es nicht übers Herz etwa die Stimmung eines Sonnenuntergang in Kalifornien mittels Filter platt zu machen 😉

    Gute Besserung! Liebe Grüße aus Frankfurt von Sabina

  12. Deinen Instagram-Feed schaue ich mir dennoch lieber an, Alexa! Ich mag wie authentisch deine Bilder sind, und eben das „Spontane“ und nicht perfekt Kalkulierte.
    Habe tatsächlich schon viele Profile unfollowed, weil ich diese perfekten Flatlays nicht mehr ertragen habe, die alle genau gleich aussehen. Dein Insta hat sehr viel mehr Wiedererkenungswert.

  13. Katharina Happ sagte am

    Wenn ich auf einen Instafeed klicke und da Schuhe vor Fliesen, Avocadoschnittchen und total unverkrampft gefilterte Beinchen vor Bett, Beachten und besonders sehe, bin ich schon raus. Dein Feed Alexa, ist dagegen bunt und fröhlich und DU. Also don’t you kuratier your life please. Bleib da wo Du bist – in der goldenen Mitte.

  14. das nicht perfekte von dir Alexa, finde ich manchmal einfach gerade so perfekt! Ich würde auf alle Fälle auch so weitermachen Alexa, wie du das bereits machst. Liebe Grüße Jen

  15. Haha, super!
    Ich kann mir gut vorstellen, dass all diese Regeln auch wirken. Muss man sich dann entscheiden, ob man das möchte.
    Ich für mich möchte das nicht und die meisten Accounts, denen ich folge, folgen wohl auch keinen erlernten Grundsätzen.

    Allerdings gucke ich mir auch manchmal ganz gerne Inspiration an, die „klischeehaft perfekt“ ist und solange man das tun kann, ohne die eigenen Unzulänglichkeiten danach unerträglich zu finden, denke ich, das ist auch ok.
    Songofstyle finde ich trotzdem nicht unauthentisch – es sind ja auch ihre ganz eigenen Grundsätze, die sie herausgefunden hat, statt sie vom jemand anderem anzunehmen.
    Denke ich zumindest, man weiß ja nie, was da manchmal hinter allem steckt 😉

    Liebe Grüße,
    Vera

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