„Einzelhandel hat wenig mit Romantik zu tun“ – Interview mit Janina Krinke über ihren neuen Interior-Shop Bon Voyage in Hamburg

Unsere Generation ist geprägt von Wunschdenken: „Ich mache das und das, aber eigentlich würde ich gerne…“ Nur die wenigstens aber trauen sich aus einer festen Anstellungen heraus und machen ihr Ding.

Janina Krinke ist in der Modebranche keine Unbekannte: Als Redakteurin für Magazine wie Journal für die Frau, Für Sie, Woman, OK!, Brigitte, Flair oder Couch kennt man ihren Namen gut. Umso hellhöriger wurden wir, als eine Email bei uns reinflatterte, dass die 38-Jährige in Hamburg einen eigenen Laden aufmacht.

Seit letzter Woche ist ihr Interior- und Lifestyle-Boutique „Bon Voyage Interieur“ (Lehmweg 32, 20251 Hamburg) nun eröffnet.

Im Interview erzählt die Absolventin der Hamburger AMD wie es zu dieser Idee kam, warum ihr Shop etwas ganz Besonderes ist und wie sie in Zukunft ihre Tätigkeit als Redakteurin mit der Selbständigkeit kombiniert. Sehr inspirierend, nicht nur was Interior, sondern auch Karriere anbelangt!

Liebe Janina, Glückwunsch zur Eröffnung von deinem Store Bon Voyage Interieur. Wie war die Party?

Sehr schön, es waren über den Abend verteilt fast 300 Leute da, das hat meine Erwartungen übertroffen.

Du bist eigentlich Redakteurin und als Ressortleitung für Fashion & Living bei COUCH tätig. Wie wirst du beide Jobs in Zukunft verbinden?

Ich habe bei Couch auf Teilzeit reduziert, werde aber weiterhin jeden Tag in der Redaktion anwesend sein, jedoch nur bis 13 Uhr. Das Büro in meinem Laden habe ich an meine ehemalige Flair-Kollegin Danielle Ferrier vermietet, sie ist Interior-Designerin und arbeitet morgens im Laden. Wir möchten auch gemeinsame Projekte realisieren. Ich löse sie dann direkt nach der Redaktion ab. Außerdem ist meine Mutter eine große Hilfe, sie hatte 20 Jahre lang ein eigenes Einrichtungsgeschäft und weiß, wie der Hase läuft. Sie war bis jetzt auch jeden Tag da. Wenn für Couch Produktionen anstehen, ich auf Messen muss etc. kommt sie aus Gütersloh und übernimmt für mich.

Bon Voyage Interieur
Bon Voyage Interieur

Wie hat sich dein Interesse von der Mode hin zu Interior entwickelt – oder gehört für dich beides zusammen?

Für mich gehört beides zusammen, wer sich gerne mit Mode auseinandersetzt, richtet sich auch gerne schön ein. Mittlerweile finde ich es aber einfach spannender, Räume zu konzipieren statt Stylings zusammen zu stellen.

Aber trotzdem bin ich natürlich nach wie vor sehr modeinteressiert und würde auch nicht ganz drauf verzichten wollen. Der Zeitgeist entwickelt sich ja auch gerade genau in die Richtung, beides miteinander zu kombinieren. Immer mehr Modeunternehmen bringen eine Home Collection heraus oder fotografieren z.B. ihre Lookbooks in einem schönen Interior.

Wie kam es zu dem Wunsch ein eigenes Geschäft zu eröffnen?

Ich bin damit groß geworden und mir hat es immer schon viel Spaß gemacht, bei meiner Mutter mitzuarbeiten. Wir sind auch immer schon zusammen zu Messen gefahren. Ich kann deswegen auch realistisch einschätzen, was Einzelhandel bedeutet. Mit Romantik hat das wenig zu tun.

Aber ich finde es einfach toll, seinen eigenen Stil zu repräsentieren und nach schönen Perlen zu tauchen, an denen sich meine Kunden erfreuen können.

Durch meine langjährige Tätigkeit in verschiedenen Redaktionen habe ich so viele schöne Firmen kennengelernt und fragte mich immer, wieso es die in Hamburg nicht zu kaufen gibt. Ich selber habe immer im Urlaub eingekauft und meine Lieblingsgeschäfte in Paris und auf Formentera abgegrast. Jetzt habe ich einfach alles nach Hamburg geholt. Außerdem liebe ich den Kundenkontakt! Nichts ist schöner, als wenn ein zufriedener Kunde aus dem Laden geht.

Bon Voyage Interieur
Bon Voyage Interieur

Du hast gesagt, dass dieser Laden „ein lang gehegter Traum“ war. Wann hast du das erste Mal darüber nachgedacht – und wieso hat es erst jetzt geklappt?

Nachgedacht habe ich bestimmt schon seit über 10 Jahren darüber, aber ich fand den Redaktionsalltag eben auch immer sehr spannend. Ich habe während meiner verschiedenen Stationen viele tolle Erfahrungen gesammelt, bin viel rumgekommen und habe mit interessanten Leuten zu tun gehabt. Das möchte ich nicht missen und war auch wichtig für meine Entwicklung. Ohne das alles würde ich nicht da stehen, wo ich jetzt bin. Damals wäre ich nicht reif für den Schritt gewesen. Außerdem kann ich mein ganzes Firmen Know-how jetzt einbringen, da ist einfach eine Menge dazu gekommen über die Jahre.

Welche Arten von Interior-Geschäften fehlen deiner Meinung nach in Hamburg bzw. Deutschland? Gab es Vorbilder für deine Idee?

In Hamburg gibt es sehr viel im skandinavischen Bereich, alles eher reduziert. Finde ich auch sehr schön, aber mir fehlte die Prise Boho, Eklektik, französische Eleganz. Und Farbe!

Für das Magazin Flair haben wir vor einigen Jahren eine Geschichte über die französische Interior Designerin Sarah Lavoine gemacht, da wusste ich, die Kollektion möchte ich mal verkaufen. Ihren Stil finde ich toll, sie hat ein wahnsinnig tolles Gespür für Farben.

Auch India Mahdavi und Florence Lopez sind große Vorbilder. Sarah Lavoine hat in Frankreich bereits zwei Bücher heraus gebracht und ist dort ein kleiner Interior-Star. In Paris hat sie gerade das neue Le Roch Hotel & Spa eingerichtet und damit einen neuen Coup gelandet. Ihre Kollektion verkaufe ich exklusiv in Hamburg – bis jetzt sogar in Deutschland!

Wie würdest du das Konzept für deinen Laden beschreiben und warum sollten wir unbedingt das nächste Mal vorbei schauen, wenn wir in Hamburg sind?

Ich habe es „Interior- und Lifestyle-Boutique“ genannt. Ihr sollt zu mir kommen, wenn ihr sowohl nur ein kleines besonderes Mitbringsel sucht – von ausgefallener Papeterie, Duftkerzen und Seifen bis hin zu Tischwäsche, Keramik und Körben –  als auch neue Inspirationen für Eure Wohnung braucht, alle Räume sind mit Farben aus der Sarah Lavoine Kollektion gestrichen und ich habe ein komplettes Wohnzimmer eingerichtet. Dort findet ihr alles vom Sofa, über Beistelltische, Leuchten etc.

Außerdem freue ich mich sehr, Lifestyle-Kollektionen wie Lola James Harper und Holiday exklusiv in Hamburg zu verkaufen, die habe ich bisher immer im Bon Marché und bei Colette bewundert.

Du bietest komplette Interior-Konzepte und Homestyling an. Was kann man sich darunter vorstellen und warum besteht deiner Meinung nach da eine Marktlücke?

Mittlerweile ist es eigentlich keine große Marktlücke mehr, in den letzten Jahren ist das Thema Interiordesign und Homestyling sehr groß geworden. Ich finde es wichtig, den Kunden diesen Service anzubieten.

Gerade beim Thema Farben haben viele Kunden Berührungsängste und freuen sich über ein tolles Farbkonzept, manchmal kann schon das Wunder bewirken. Man muss nicht immer gleich die komplette Einrichtung umkrempeln, sondern einfach mal ein paar ausgefallene Stücke ergänzen, mit neuen Kissen das Sofa verwandeln etc. Mir macht das wahnsinnig Spaß.

Auf Wunsch bieten wir aber auch Komplettlösungen an und professionelle Zeichnungen und Moodboards. Mein Traum wäre, irgendwann mal ein Restaurant oder Hotel einzurichten.

Wie kam es zu dem Namen „Bon Voyage“ und was verrät er über dein Konzept oder Leidenschaften?

Ich liebe es zu reisen und unterwegs zu sein, dort besondere Dinge zu entdecken und Inspirationen zu suchen. Meine Produkte kommen aus vielen verschiedenen Ländern, da passt der Name einfach perfekt.

Wer hat dir bei der Vorbereitung und Eröffnung maßgeblich geholfen?

Eindeutig meine Mutter! Wahnsinn, wie sich mich unterstützt hat. Sie ist einfach sehr schnell und professionell. Ohne sie wäre es nicht gegangen, sie war ein paar Wochen lang bei mir. Sonst hätte ich bei Couch einige Wochen frei nehmen müssen.

Außerdem natürlich meine Partnerin Danielle. Am Eröffnungsabend haben mich auch meine Couch-Kolleginnen super unterstützt, ohnehin würde es ohne so ein tolles Team gar nicht funktionieren. Das ist wie eine kleine Familie, wir unterstützen uns gegenseitig und es freuen sich alle mit mir, das Gefühl ist unbezahlbar.

Ich bin meiner Chefredakteurin Daniela Kamps sehr dankbar, dass sie mir das alles so ermöglicht!

Wie hast du die Finanzierung gestemmt, sprich wie viel Budget muss man ungefähr einplanen, wenn man einen Shop eröffnen will?

Das kann man nicht so einfach beantworten, kommt immer auf die Gegebenheiten und Größe an und was für Produkte man anbietet. Auf jeden Fall braucht man einen hieb- und stichfesten Businessplan und einen Bankberater, dem man vertraut! Da hatte ich sehr viel Glück und tolle Unterstützung von meiner Hausbank. Eigenkapital sollte man unbedingt mitbringen, oder eine Sicherheit wie z.B. Grundeigentum.

Wie hast du überhaupt das Ladengeschäft gefunden? Hamburgs Immobilienmarkt ist schließlich heiß umkämpft.

Zufällig wurde eines meiner Lieblingslokale frei, ich habe immer gesagt, den Laden hätte ich mal gerne. Und auf einmal schickte mir eine Freundin einen Facebook-Link, dass ausgerechnet für das Ladenlokal eine Nachmieterin gesucht wird. Ich habe mich sofort gemeldet und es hat dann auch gleich geklappt.

Meine Vorgängerin hat einen wunderschönen Kinderladen, Little Foshi, sie bietet auch überwiegend französische Marken an, während die meisten anderen Kinderläden eher skandinavisch sind. Wir hatten also gleich Gemeinsamkeiten.

Welche Marken sind die Aushängeschilder deines Ladens?

Maison Sarah Lavoine, Holiday und Honoré Decoration.

Wie bist du an die Marken herangetreten? Per Email oder hast du alle Messen abgeklappert?

Wie gesagt, durch meine langjährige Redaktionstätigkeit hatte ich bereits viele Kontakte, die Messen und Showrooms klappere ich seit Jahren ab, und zwar jeden Gang. Sehr zum Unmut vieler Kollegen, ich glaube ich nerve damit auch ganz schön, noch jedes letzte Zipfelchen entdecken zu wollen.

Im letzten Dezember bin ich dann relativ spontan nach Paris geflogen, um das Team von Sarah Lavoine zu treffen, habe mein Konzept vorgestellt und wir waren alle gleich auf einer Wellenlänge, hat einfach sehr gut gepasst. Allgemein ist es im Interiorbereich auch einfacher als im Modebereich, gewisse Firmen zu bekommen. Die Branche ist viel unkomplizierter.

Der Einzelhandel hat es im Moment sehr schwer, zumindest was die Mode anbelangt. Hast du das Gefühl, bei Interior ist es anders? Wie willst du die Kunden in deinen Laden locken?

Bei Interior ist es wirklich etwas anders, momentan geben viele Leute lieber mehr Geld dafür aus, schön zu wohnen und zu genießen, zu Hause zu kochen, den Tisch schön zu decken.

Planst du auch einen Onlineshop?

Ja, auf jeden Fall, das ist der nächste Schritt. Aber eins nach dem anderen. Wichtig ist erst mal alles zum laufen zu kriegen und sich nicht zu übernehmen, alles auf einmal zu wollen, sonst wird es gefährlich. Ich hoffe aber, dass es Mitte nächsten Jahre so weit sein wird. Ziele sollte man sich schon stecken. Im Januar möchte ich noch ein weiteres Zimmer renovieren, es soll ein Esszimmer werden. Von dem Zimmer aus gelangt man noch in einen verwunschenen kleinen Garten, da wird es dann auch Outdoormöbel geben.

Wirst du selbst im Laden stehen und wenn ja, wann?

Ja, das finde ich sehr wichtig und ich mache das Ganze ja auch weil ich gerne im Laden stehe. Das Geschäft ist ja mein Baby und es steckt so viel von mir selber drin. Ich bin von Montag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 18 Uhr im Laden. Morgens ist Danielle da und natürlich auch eine perfekte Ansprechpartnerin.

Auf welche Trends hast du dich beim Einkauf konzentriert?

Auf keine speziellen Trends, ich kaufe nur das ein, was ich schön finde und was ich persönlich in meine Wohnung stellen würde. Es fügt sich dann immer zu einem großen Ganzen zusammen. Wenn, dann habe ich höchstens auf Trendfarben gesetzt wie Petrol, Safran und Aquatöne.

Wie reagieren die Marken auf Anfragen von Geschäften, die es noch gar nicht gibt? Was muss man da vorlegen, damit sie einem neuen Partner vertrauen?

Man muss alles per Vorkasse bezahlen, aber das war’s auch schon. Und sie fragen natürlich was man sonst noch verkauft und wie das Konzept ist. Aber wie gesagt, die Interiorbranche ist nicht so kompliziert, ich hatte da keinerlei Probleme.

Angenommen ich wäre auf der Suche nach einem zeitlosen Weihnachtsgeschenk. Was würdest du mir aus deinem Sortiment empfehlen?

Einen goldenen Füller von der Petite Papeterie Français, einen Messinguntersetzer von Skultuna oder schöne Leinentischwäsche aus Frankreich.

Wie wohnst du selbst? Was sind die Interior- und Deko-Highlights deiner Wohnung?

Ich selber wohne im gleichen Stil, den ich auch in meinem Laden repräsentiere. Meine Deko-Highlights sind meine Souvenirs von vielen Reisen und ich liebe meinen Pfauensessel aus Rattan!

Danke für deine Zeit und viel Erfolg mit dem Shop, liebe Janina!

Auf Instagram und Facebook findet ihr Bon Voyage hier und hier.

Mehr Bilder seht ihr in der Galerie:

(Fotos: Dennis Löffka)

Kommentare

  1. Vielen Dank für das tolle, ausführliche Interview! Was für eine sympathische, inspirierende Power Frau!!! Wie schön, dass sie sich ihren Traum verwirklichen kann und dabei noch beide Jobs unter einen Hut bekommt, Respekt. Die Sachen sehen wirklich toll aus. Mir sind viele skandinavische Labels auch zu clean, weswegen ich gerne in Straßburg shoppe. Beim nächsten Hamburg Besuch muss ich aber unbedingt in Janinas Laden! Ganz liebe Grüße aus Freiburg, Neele

  2. Stephie sagte am

    Was für ein schönes Konzept und sympathische Shopgründerin, ich bin total begeistert und freue mich schon drauf, endlich persönlich vorbeizuschauen. Das fehlte definitiv in Hamburg, dem kann ich mich nur anschließen. Eine ganz andere Frage, aber auch im Fashion-Sinne ;-): Alle drei Damen tragen auf dem Foto so tolle Hosen. Mich würde speziell die von Janina interessieren, darf ich fragen, woher die ist?
    Ganz herzliche Grüße und toi toi toi für den Start, Stephie

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