#FaceForward: Modebloggen + der Weg in die Selbstständigkeit

Im Rahmen der #FaceForward-Kampagne von Clinique, für die ihr euch noch immer mit eurer Business-Idee bewerben und bis zu 5.000 Euro Startkapital gewinnen könnt, erzähle ich heute von meinem Weg in die Selbstständigkeit und gebe euch Tipps anhand meiner Erfahrungen, hauptberuflich ein Modeblog(azine) zu führen – immerhin handelt es sich hierbei um ein völlig neues Berufsfeld, das vor weniger als einem Jahrzehnt niemand kannte, geschweige denn davon auszugehen war, dass es sich mal etablieren oder gar rentabel werden könnte.

Immer wieder bekomme ich Zuschriften mit der Frage: Wie geht das überhaupt? Wie hast du den Einstieg geschafft? Wie kann man damit Geld verdienen? (Das Thema habe ich hier ausführlich beantwortet). Oder werde in zahlreichen Bachelor- und Masterthesen genau zu diesem Thema befragt und muss immer wieder von ganz vorne anfangen. Es ist der Wahnsinn, wie viele Anfragen hier wöchentlich eintrudeln! An dieser Stelle verweise ich auch gern noch mal an meinen Vortrag auf der Cebit, in dem ich über die Evolution von Modeblogs in Deutschland anhand meines Werdegangs gesprochen habe.

Heute soll es aber vor allem um den Weg in die Selbstständigkeit gehen, sofern Interesse besteht, sich mit einem (Mode-)Blog/Onlinemagazin zu professionalisieren – und auch, um davon leben zu können. Hier ist mein kleiner Step-by-step-Guide für euch.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Selbstständigkeit?

Aus dem Blauen hinaus eine Website oder ein Blog zu gründen, das weder ein Leitthema noch einen vernünftigen Aufbau hat, nur um auf hippen Events mit tollen Goodies herum zu hüpfen, ist heute keine Option mehr: Der Markt ist langsam aber sicher gesättigt. Wer mit seiner Website Geld verdienen möchte, muss in erster Linie Reichweite aufbauen. Leser für frische Inhalte, Gedanken, persönliche Geschichten oder Bilder zu begeistern, wird immer schwieriger. Nicht zuletzt, weil der Konsument sich lieber Bilder anschaut und durch Instagram scrollt, statt auf Blogs längere Texte zu lesen.

Daher rate ich jedem Einsteiger, zunächst in der Freizeit eine Leserschaft durch spannende Inhalten aufzubauen, bevor der eigentliche Job oder das Studium an den Nagel gehängt wird. Das bedeutet zunächst einmal Multitasking – nichts anderes habe ich vor inzwischen acht Jahren gemacht, als ich LesMads mitbegründete. Neben meinem Fulltime-Job und Abendstudium habe ich vor der Arbeit, in der Mittagspause und am späten Abend gebloggt, Fotos gemacht und Themen recherchiert.

Die jahrelange Doppelbelastung hat mich sicher auch ausgelaugt, in erster Linie aber glücklich gemacht: Mit Leidenschaft an seinem liebsten Hobby zu werkeln ist die beste Motivation! Keine Wochenenden, kaum Freizeit, dafür aber (m)ein Traumjob. Für mich war es die perfekte Probezeit für die Selbstständigkeit, denn wie heißt es so schön: „Selbst, und zwar ständig.“ Die Freiheiten, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt, haben klare Nachteile. Privates lässt sich nur schwer von Beruflichem trennen, klassische Arbeitszeiten gibt es nicht, Verantwortung für sich, das Projekt und spätere Angestellte zu übernehmen ist etwas, das man lernen muss.

Wenn man mich nach dem Abitur gefragt hätte, ob ich eine Festanstellung oder lieber eine selbstständige Position bevorzugen würde, so hätte ich ganz klar ersteres gewählt. Sicherheitsliebend – so wurde ich erzogen und meine Eltern haben immer größten Wert auf eine gute Ausbildung gelegt. Dass ich eher der Typ für eigenständiges Arbeiten bin, habe ich erst im Laufe der Jahre gelernt – insbesondere durch Arbeitserfahrung, die positiver wie negativer Natur waren.

Meine Empfehlung: Immer erst ein Praktikum im vermeintlichen Traumberuf machen. Ich konnte dadurch sehr gut herausfinden, was mir gefällt. Ich habe zum Beispiel ein Produktionspraktikum bei der ersten Staffel von GNTM gemacht, höhö! Das hat mir beispielsweise nicht sehr gut gefallen. Außerdem habe ich meine Freunde um eine Stärken/Schwächen-Analyse gebeten, denn Feedback von anderen ist unheimlich wichtig, um sich vernünftig einschätzen zu können.

Für mich war die Wahl der Selbstständigkeit mit Journelles vor drei Jahren dennoch eine Riesensache. Ich habe monatelang abgewägt, überlegt, mir Ratschläge von allerhand Seiten eingeholt, Geld gespart, Konzepte geschrieben und schließlich auf mein Bauchgefühl gehört. Der Aufbau war ähnlich wie bei einem klassischen Start-up Unternehmen, nur ohne Investoren. Denn was braucht es mehr als einen Laptop und eine Kamera? (Wesentlich mehr, aber dazu später mehr).

USP + Nische finden: Noch bevor man sich mit einer Idee/einem Blog selbstständig macht, würde ich über den USP (unique selling proposition), also das Alleinstellungsmerkmal nachdenken. Was gibt es im Netz, was vielleicht noch nicht, wo kann die Idee andocken oder wie soll sie umgesetzt werden? Je konkreter und nischiger die Ausrichtung, desto besser. Denn enge Zielgruppen sind auch für Werbepartner interessanter.

Mein Lieblingsbeispiel ist in diesem Zusammenhang immer wieder The Man Repeller. Leandra Medine hat verhältnismäßig spät mit ihrem Blog gestartet und war anfangs klassische Outfit-Bloggerin – mit dem Unterschied, dass sie nicht nur extrem witzig und ironisch ist, sondern durch das „man repelling“ eine neue Herangehensweise an Outfitbilder mitsamt neuartigem Storytelling gefunden hat.

Dann gilt: das Blog ist deine Visitenkarte! Egal, um welches Thema es sich handelt, das Blog ist das Aushängeschild deiner Arbeit. Deshalb sollte hier auch alles auf einen Blick und konkret auf der Startseite zu sehen sein. Auch ein langer „About“-Text macht immer Sinn.

Hier ist meine Step-by-step Liste für euch, nach der ich meine Seite gegründet habe!

Namensfindung: Zu Beginn das schwierigste Unterfangen, denn der Name muss einzigartig sein, noch nicht existieren oder zumindest als URL frei sein, auszusprechen sein, hübsch zu lesen… und all das ist letztlich auch eine Geschmacksache. Mich hat die Suche extrem viel Zeit und Nerven gekostet. Letztlich ist Journelles [Jur-nell] eine Mischung aus „Jour“ (französisch: Tag, impliziert Tagesaktualität), „Journal“ und „elles“ (elle heißt im französischen „sie“, wisst ihr ja). Sozusagen ein weibliches, tagesaktuelles Journal im Netz.

Eine aussagekräftige CI (Corporate Identity, da macht sich mein Werbekommunikationsstudiengang endlich bezahlt) gehört ebenso dazu. Sprich: Wie sieht meine Marke aus? Farbwelten und Logo-Design sind daher die ersten Schritte. Ich habe damals lange mit meinem Webdesigner an der handschriftlichen Version meines Logos gesessen, das letztlich eine Zusammensetzung verschiedener Schriftproben war. Dann habe ich das Logo als Wort-Bildmarke beim Deutschen Patentamt eintragen lassen. Das kostet hierzulande 300 Euro und ist mit einigen bürokratischen Handgriffen zu schaffen.

Businessplan schreiben: Das kann man entweder nur für sich machen – ein gutes Learning – oder, wie in meinem Fall, für die Agentur für Arbeit. Ich habe damit meinen Gründungszuschuss beantragt. Hier findet ihr mehr Infos, was es damit auf sich hat. Das Prozedere ist inzwischen umfangreicher und nicht jeder Antrag wird durch gewunken.

Zunächst muss man seinem Agenturansprechpartner beweisen, dass es keine geeignete andere offene Stelle in dem bisherigen Berufsfeld gibt. Nur dann darf man seinen Antrag überhaupt einreichen. Einen umfangreichen Businessplan mit Perspektiven, Kalkulationen und letztlich überzeugenden Argumenten zu schreiben ist hilfreich (auch wenn ich mich damit ewig gequält habe), denn so stellt man schon mal die Basis für seine spätere Ausrichtung auf.

Website-LeitfadenKlar, das ist optional, aber da Journelles eine umfangreiche Seite mit viel Content werden sollte, war ein Leitfaden unausweichlich. Welche Inhalte, Kategorien, welcher Posting-Rhythmus – aber vor allem: Wie ist die Seite aufgebaut? Wie navigiere ich mich durch die Posts, wie wird was wo zu finden sein, wie sieht eine About oder Presse-Seite aus, wie klicke ich durchs Archiv und was passiert in der Einzelansicht eines Blogeintrags? Je besser dies notiert ist, desto einfacher ist später die Zusammenarbeit mit dem Programmierer und Webdesigner. Es gibt natürlich viele WordPress-Themes, die einem das Leben leichter machen. Wenn man aber ein einzigartiges Design haben möchte, hilft kein vorgefertigter Frame. Ein solcher Leitfaden ist eine gute Grundlage für eine Website – und hilft, vage Vorstellungen konkreter werden zu lassen.

Investitionen kennen: Wer glaubt, dass ein Blog gänzlich ohne Kosten oder Anschaffungen funktioniert: Ja, das war mal so. Inzwischen sind die monatlichen Ausgaben aber wesentlich höher, und darüber sollte man sich im Vorfeld bewusst sein. Man muss nicht nur einen Laptop und eine gute Kamera anschaffen.

Neben den Ausgaben für Webdesigner- und Programmierung (mit welchen man immer wieder rechnen muss, schließlich benötigt man einen Server-Admin und ein gelegentliches Fresh-up/ einen Relaunch) kommen die monatlichen Serverkosten hinzu. Je nach dem, wie viel Content und Bilder eine Seite hat, können die Ausgaben schnell in die Höhe schießen. Hinzu kommen in meinem Fall Autorenhonorare, Büromiete, ab und an Werbeausgaben für Facebook, Telefon, Reisekosten (nur auf Achse zu sein ist kostspielig, das gilt auch für Pressereisen), die Pauschale für Getty Images…

Und ich empfehle eine Rechtsschutzversicherung! Die hätte ich Anfang des Jahres gut gebrauchen können, als eine fette Fotoklage eintrudelte.

Content, Content, Content – und Kontinuität: Content is king – daran glaube ich nach wie vor. Und könnte mir vorstellen, dass sich das abgestumpfte Bilder scrollen irgendwann selbst überholt – und man wieder ein wenig mehr geboten bekommen möchte. Mit nur ein oder zwei Artikeln zu starten war vor meinem Launch undenkbar. Bevor Journelles am 17. Oktober 2012 live ging, hatte ich gemeinsam mit meinen Autoren schon mehr als 20 Artikel getippt und einen Redaktionsplan für die kommenden Tage. Selbst, wenn vieles noch immer spontan oder am selben Tag entsteht.

Der Leser honoriert Regelmäßigkeit und Kontinuität. Ob vier Artikel am Tag, zwei in der Woche oder einer im Monat: Gewöhnt eure Leser an feste Uhrzeiten und erstellt euren eigenen Post-Rhythmus. Nur so kann man eine treue Leserschaft aufbauen. Ein langer Atem ist ebenso wichtig. Noch nie ist ein Instagram- oder Blog-Star einfach so vom Himmel gefallen. Dazu bedarf es mehr, als einen Monat lang hübsche Sachen zu posten.

Potenzielle Kunden in Aussicht? Huch, kurz vom Weg abgekommen mit Content, Kontinuität und Investitionen. Daher zurück zum Weg in die Selbstständigkeit.

In keinem Beruf ist es üblich, sich ohne ein, zwei feste Kunden in die Selbstständigkeit zu wagen. Daher sollte man seine möglichen Einnahmequellen kennen und künftige Partner in Aussicht haben – und dann macht man schön eine klassische Kosten/Einnahmenrechnung und schaut, ob das Ding rentabel sein könnte. Es schadet in diesem Zusammenhang nicht, im Vorfeld ein wenig Geld anzusparen – so habe ich es vorsichtshalber gemacht. Man weiß ja nie, was passiert.

Und, auf den Geschmack gekommen? Ich freue mich auf Feedback oder Fragen!

In Kooperation mit der #FaceForward-Kampagne von Clinique, für die ihr euch an dieser Stelle bewerben könnt!

Kommentare

  1. Liebe Jessie,
    lieben Dank für den tollen Einblick und die Tipps! Ich fand’s wirklich spannend zu lesen und hoff ja, irgendwann auch selbst mein eigenes kleines professionelles „Online-Baby“ zu haben ^^

    Liebe Grüße
    Valerie

  2. Liebe Jessie,

    ein wirklich toller Beitrag und vor allem endlich mal einer, der beweist, dass Bloggen nicht nur „hübsche Bilder“ machen bedeutet. Ich bin noch ganz am Anfang mit meinem Blog, aber ich habe jetzt schon nichts anderes mehr im Kopf und bin gerade in der Phase, in der du zu Beginn warst. Aufstehen, arbeiten, Mittagspause =Blog, arbeiten, nach Hause und auf Themensuche etc. 🙂

    Ob es irgendwann mal zur Selbstständigkeit führt? Wer weiß. 😉

    Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg!

    Liebste Grüße,
    Alice

  3. Gerade weil du dir alles so hart erarbeitet hast, finde ich es schade, dass du offensichtlich Instagram Follower kaufst. Das hat Journelles doch gar nicht nötig. Aber über das doppelte an Followern in einer Woche zu erreichen ist wohl nicht von alleine so gewachsen.

    • Hi Elke, ich habe es schon in einem anderen Post beantwortet: Wir haben es nicht nötig, instagram-Follower zu kaufen. Im Gegenteil bin ich ein wenig stolz, denn Journelles ist Suggested User von instagram direkt gewesen. Indem uns der knapp 100 Millionen starke instagram-Feed gefolgt ist, haben wir innerhalb von 3 Wochen neue Follower aus der ganzen Welt bekommen. Mal sehen, ob die auch bleiben, denn da sind durchaus komische Accounts dabei – aber auch ganz tolle. Ich fänds schön, wenn man erst mal nachfragen würde, bevor man derartige Behauptungen aufstellt. Darauf hingewiesen wurde ich übrigens zuerst von einer Leserin (bei diesem Bild) und dann kam eine Mail von instagram direkt.

  4. Oh, Jessie, allerliebsten Dank für diesen super informativen und ausführlichen Post! Da ich mich gerade selbst mit der Frage beschäftige, früher oder später selbstständig zu arbeiten, kam der Beitrag gerade recht!

  5. Ich war 18 Jahre lang selbständig und bin es jetzt noch in Teilzeit – dein Beitrag gibt super Tipps fuer alle Branchen. Dickes Kompliment!

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