„Man merkt, dass Kundinnen auf etwas Neues gewartet haben“– Karriere-Interview mit Christina Minderer

Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seitdem wir Christina Minderer in einem Closet Diary vorgestellt haben. Damals sind wir dank Instagram auf die Münchnerin aufmerksam geworden, zu dem Zeitpunkt war sie noch Junior Merchandiser für Mytheresa. Wie es bei ihr weiter ging?

Erst stieg sie zum Senior auf und zog dann von einem Luxus-Unternehmen zum nächsten: Vor wenigen Monaten wurde ein neuer Designer-Onlineshop für Damenschuhe, MarthaLouisa, lanciert – es ist das Comeback für Susanne und Christoph Botschen, die die Gründer von Mytheresa sind. Bei MarthaLouisa darf sich Christina, die Kommunikations- und Politikwissenschaften an der LMU in München studiert hat, nun umso mehr visuell und modisch austoben.

In unserem Karriere-Interview erfahrt ihr mehr über den neuen Onlineshop, Schuhtrends und Christinas Aufgaben als Senior Merchandiser.

Liebe Christina, erzähl doch mal: Was ist MarthaLouisa?

MarthaLouisa ist eine neue Onlineplattform für Schuhe und damit der einzige Luxus-Onlineshop, der gezielt auf nur eine Kategorie spezialisiert ist. Man muss dazu sagen, dass sich „Luxus“ nicht auf einen bestimmten Pricepoint, sondern ein Look & Feel bezieht. Für uns ist „Affordable luxury“ zeitgemäß und spiegelt die Art der meisten Frauen einzukaufen wieder. MarthaLouisa steht für den perfekten Schuhschrank einer modernen Frau: von weißen Sneakern für jeden Tag über den klassischen Loafer für das Office bis hin zu High Heels für den Abend – bei uns findet die Kundin den richtigen Schuh für jeden Anlass.

Du hast ja vorher eigentlich bei Mytheresa gearbeitet. Seit wann bist du bei MarthaLouisa?

Ich bin seit diesem Januar dabei. Und Mitte März sind wir in 23 Ländern live gegangen.

Wer steht hinter MarthaLouisa und woher kennst du die Gründer?

Das sind Susanne und Christoph Botschen. Sie sind auch die Gründer von Theresa und Mytheresa. Als Münchnerin (mit einer ebenfalls modebegeisterten Mutter) kenne ich Theresa, seit ich denken kann. Als ich nach dem Studium und einem Trainee bei der Vogue in den Retail-Bereich gewechselt bin, gab es für mich nur eine Option: Ich arbeitete ein knappes Jahr im Theresa-Store in München und wechselte anschließend zu Mytheresa. Dort habe ich Susanne und Christoph dann kennengelernt. Ihre Energie und Leidenschaft für die Branche sind ansteckend. Jeder, der die beiden kennt, weiß, wovon ich spreche! Nach drei tollen Jahren bei Mytheresa war es klar, dass ich ein Teil ihres neuen Teams werden wollte.

Jetzt bist du Senior Merchandiser bei MarthaLouisa. Was sind denn deine Aufgaben?

Kurz gesagt gestalte ich mit dem Team sämtliche Produktseiten des Onlineshops nach visuellen und strategischen Kriterien. Ich wähle Produkte für Newsletter sowie Banner aus und steuere die täglichen „New Ins“. Außerdem erarbeite ich gemeinsam mit den Buyern sowie dem Creative Team Themen und Trends für die kommende Saison und setze die in unseren Kampagnenshoots um. Alles passiert natürlich auf der Basis der wichtigsten Kennzahlen. Dieser Mix aus Analyse und Kreativität hat mich schon immer gereizt.

 

Welcher Bereich macht dir am meisten Spaß?

Generell liebe ich die Arbeit in einem kreativen Team. In der Modebranche ist man Internationalität ja gewohnt. Bei MarthaLouisa ist das besonders stark. Die Unternehmenssprache ist Englisch. Alleine in den Teams Retail und Creative sind neben Deutschland auch Israel, Schweden, Südafrika, UK und Belgien vertreten – um nur eine Auswahl zu nennen. Der Input verschiedener Kulturen und Charaktere ist unbezahlbar. Dann macht mir natürlich die Arbeit im Studio oder in verschiedenen Foto-Locations Spaß. Ich liebe die Momente, wenn Ideen und Konzepte entstehen. Und auch das schnelle Tempo im Online-Business ist genau das Richtige für mich.

Haben Susanne und Christoph Botschen deiner Meinung nach eine Marktlücke entdeckt? Meinst du, es fehlte in Deutschland ein Onlineshop nur für Luxusschuhe?

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Als ich letztes Jahr zum ersten Mal von der Idee gehört habe, war ich wie elektrisiert – sowohl aus beruflicher Sicht als auch als Kunde. Die weltweite Nachfrage ist nämlich groß.

Was meinst du genau damit?

Es kommt immer mehr zum Phänomen des „It-Shoes“ statt der „It-Bag“. Manche Schuhe sind reine Gebrauchsgegenstände, andere wahre Kunstwerke. Sowohl beruflich als auch privat waren Schuhe für mich schon immer die spannendste Kategorie. Ich kleide mich meist recht unaufgeregt: schwarze Jeans und weißes Shirt. Den eigentlichen Look machen die Schuhe. Natürlich gibt es viele großartige Onlinestores, aber inzwischen haben alle alles. Man muss sich durch zigtausend Produktseiten kämpfen. Dafür hat niemand Zeit. Auf MarthaLouisa haben wir die Vorauswahl für die Kundin bereits getroffen. Sie muss sich nur noch ihre Favoriten herauspicken.

Welche Marken zählen zu euren Highlights?

Wir führen viele Brands, die bisher in Europa gar nicht erhältlich waren, beispielsweise Marais USA. Ich folge der Firma und Gründerin Haley Boyd schon seit längerer Zeit auf Instagram und die Kollektion zählt zu meinen Favoriten. Ansonsten gehören Le Monde Beryl, Suzanne Rae, Leandra Medine, aber auch Klassiker wie Saint Laurent, Bally und Fendi zu unseren Highlights. Gerade warte ich gespannt auf die neue Balenciaga Kollektion, die bald bei uns eintrifft.

Welche Schuhtrends funktionieren in Deutschland am besten?

Es freut mich zu sehen, dass Deutschlands Frauen ihren Schuh-Horizont erweitern. Die Nachfrage nach unseren New Talents ist nämlich groß. Man merkt, dass Kundinnen auf etwas Neues gewartet haben. Ich kann auch nicht sagen, dass es in Deutschland nur nach Praktikabilität geht – vom Samtslipper bis zum federbesetzten High Heel geht alles raus. Einen (Dauer-)Trend gibt es trotzdem: Sneaker in allen Farben und Formen gehen immer!

Jetzt mal Hand aufs Herz, wie viele Schuhe landen jeden Monat neu in deinen Schrank?

Zu allererst landen die Schuhe auf meiner Wunschliste. Wenn ich nicht aufhören kann, an sie zu denken, schlage ich zu. Das passiert am Ende zwar nur bei einem Bruchteil der Schuhe, die mich begeistern, aber trotzdem viel zu oft. Ich belasse es bei dieser eher vagen Aussage, sonst fällt meine Familie kollektiv in Ohnmacht. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass viele Modelle – schon allein aus Platzgründen – oft nochmal ein zweites Leben auf Vestiaire Collective bekommen. Nach dem Motto „Out with the old, in with the new“.

Das ist natürlich besonders clever. Sobald ein Paar verkauft ist, hat man einen Grund, einen neues Paar zu kaufen. Welche hast du dir zuletzt angeschafft?

Mein letztes Paar waren weiße Sneaker von Veja. Die französische Marke legt ihren Fokus auf faire Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit. Wenn man bereit ist, einen gewissen Preis für Mode auszugeben, wächst auch die Verantwortung, wen oder was man mit diesem Geld unterstützt. Außerdem finde ich es toll, dass nachhaltige Mode langsam von dem Öko-Image wegkommt. Veja macht wirklich die derzeit coolsten Sneaker.

Und was ist dein persönlicher Lieblingsschuhtrend?

Eindeutig der Mule. Dass ich Schuhe liebe, heißt nicht, dass ich die gleiche Begeisterung für Füße aufbringen kann. Daher ziehe ich den Mule (hinten offen, vorne geschlossen) jeder Sandale vor. Für mich die perfekte Kombination aus sommerlich-cool und trotzdem angezogen. Ich habe auch bereits mein nächstes Opfer auf der Wunschliste: ein pink-rotes Exemplar von Attico.

Vielen Dank für das Interview, liebe Christina, und viel Erfolg weiterhin!

Interview: Alexa von Heyden

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