Was wir diesen Frühling tragen? Buyers Interview mit Kerstin Görling von Hayashi

Puhh, die kalten Monate (ja ja die waren gar nicht so übel) haben wir dank unseren letzten Buyers Interviews stilvoll überstanden. Auch diese Saison konnten wir es uns nicht entgehen lassen, unsere liebsten Einkäuferinnen nach den Trends für den Frühling/Sommer auszuhorchen.

Wir beginnen mit der lieben Kerstin von Hayashi, die uns schon seit Jahren mit Rat und Antwort in Stilfragen zur Seite steht. Auf welchen Trend sich Kerstin besonders freut, welche Teile sie sich bereits gekauft und welche fünf Key Pieces sie liebevoll für uns herausgepickt hat? Viel Spaß in dem ersten Teil unserer Buyers-Serie!

Du hast einen Traumjob und bist jeden Tag von all den schönen Dingen umgeben. Ich bin sehr neugierig auf deine Meinung: Auf welchen Trend freust du dich im Frühjahr am meisten?

Ich liebe Leinen! Mara Hoffman hat tolle Kleider, Röcke oder Jacken aus Leinen in ihrer Kollektion. Sie hat wunderbare Materialien und Qualitäten und ist besonders zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode hervorzuheben. Und der Style ist genau das, was man gerade will!

 


Zudem liebe ich Blumenprint-Patchwork. Isabel Marant und Christian Wijnants haben wundervolle Kleider und Overalls zu diesem Thema. Das macht gute Laune und wirkt frisch für den Frühling und Sommer.

 

Und wer wartet nicht darauf, endlich wieder Sandalen anzuziehen? Irgendwie wirkt dann jedes Outfit cooler! Marni zaubert jede Saison die schönsten Exemplare.

Wie hat sich der Job eines Einkäufers verändert, seitdem du angefangen hast?

Vor zehn Jahren ist man noch auf jede Fashion Show gerannt, wurde in einem tollen Outfit fotografiert, hatte Zeit für solche Dinge. Mittlerweile hat das an Bedeutung verloren. Jeder kann die Show live mit streamen. Die Front Row ist komplett bedeutungslos. Am Computer sitzt jeder in der Front Row. Wer will noch verwackelte Bilder von irgendeiner Kollektion sehen?! Die Einkäufer fokussieren sich wieder auf die eigentliche Arbeit: den Einkauf.

Die Kollektionen sind riesig geworden, die Taktung schneller, die Abnahmemengen viel höher, die Budgetverwaltung deshalb schwieriger. Man muss mehr reisen und hat einen sehr engen Zeitplan. Ich achte mittlerweile auch viel mehr auf Dinge wie: Kommt das Kleid auch online gut rüber, sieht es auf einem Foto gut aus? All diese Sachen hat natürlich vor zehn Jahren noch weniger interessiert. Wenn ich meinen Film Hayashi loves you von 2013 ansehe, denke ich jedes Mal: Hach, war das damals noch leicht. Aber wahrscheinlich ist das eher Nostalgie als Realität. Der Job ist also sehr viel vielschichtiger, dadurch auch noch anspruchsvoller geworden. Aber das ist eine tolle Herausforderung und nach wie vor mein Traumjob!

Der Druck muss doch hoch sein, schließlich geht beim Einkauf um viel Geld. Hast du nicht manchmal Angst, dass sich ein Teil später nicht verkaufen wird?

Der Druck ist sehr hoch. Besonders bei mir, da ich ja auch Inhaberin meines Stores bin, alles selbst bezahle und nicht angestellt bin. Wenn ich daneben liege, wäre ich bankrott. Aber nach zwölf Jahren Erfolg habe ich da keine Ängste mehr. Den Druck spürt man natürlich trotzdem immer. Der ist aber auch Teil des Motors. Ohne eine gewisse Spannung kauft man nicht gut ein. Der Fokus und die Konzentration ist grundlegend für einen tollen Einkauf.

Ich werde unter Druck immer am kreativsten und meine Fantasie ist besonders bunt. Natürlich ist man nach einer Orderrunde dann auch dementsprechend ausgelaugt.

Welche Teile hast du für die neue Saison gekauft?

Ich habe besonders auf natürliche Materialien gesetzt. Baumwolle, Leinen, Seide. Entgegen der Sportswear der vergangenen Saisons verschwinden die großen Logos und alles wird wieder schöner, weicher, und natürlicher. Ich liebe schlichte Einzelteile mit einem Twist kombiniert zu einem aufregenden Look. Dabei sollte alles selbstverständlich wirken, nicht mehr so gekünstelt und laut wie in den vergangenen Saisons.


Welche sind die fünf Key-Pieces für den Frühling/Sommer?

Welchen Artikel würdest du aus der letzten Saison tragen und wie würdest du ihn kombinieren?

Ich liebe nach wie vor Loafer. Die können jede Saison immer wieder ausgekramt werden. Ich kombiniere sie mit Kleidern, verkürzten Hosen und sie passen zu jedem Anlass. Gerade liebe ich einen Loafer von Phillip Lim in weissem, weichem Leder.

Was ist dein persönlicher Evergreen und wird immer einen festen Platz in deinem Kleiderschrank haben?

Ganz klar: Overalls! Sie sind meine Geheimwaffe für Stylingmuffel oder Tage, an denen man wenig Zeit hat, um sich chic zu machen. Einfach Overall an, Sandale dazu und der Tag ist gerettet. Man sieht immer cool aus und er ist wunderbar bequem. Selbst für abends mit eleganteren Schuhen eine super Wahl!


Die Übergangszeit verursacht vielen Kopfschmerzen. Auf welche Übergangsjacke setzt du?

Ich setze auf leichte Parka, tolle Trenchcoats oder Blazer, die ich offen als Jacke trage.


Was verkauft sich bei Hayashi am besten?

Das ist jede Saison wieder anders. Eigentlich alles, was wir auch lieben. Besonders leicht verkaufen sich immer schöne Röcke und Kleider.


Sonnenbrillen Wetter! Welches Modell landet auf deiner Nase?

Ich trage ein Modell von Vivienne Westwood mit zwei unterschiedlichen Gläsern. Schlicht aber trotzdem edgy.

Angenommen, ich habe nur ein kleines Budget. In welches Teil sollte ich investieren?

In ein fließendes Blumenkleid. Das macht am meisten Freude! Man kann es auch mal mit T-Shirt darunter tragen. Oder dann solo abends und als Hochzeitsgast.

Welche Tasche ist die It-Bag dieser Saison?

Ich liebe meine Wandler Taschen. Sie sind preislich noch im Rahmen und sehen zwar sehr modisch aus, sind aber für die Ewigkeit hinsichtlich Style und Qualität.


Welche Farbe definiert den Sommer 2019?

Da gibt es wie immer viele! Neu ist definitiv neben allen Naturtönen ein Orange! Daran muss man sich erst gewöhnen. Aber mit leicht gebräunter Sommerhaut oder auch mit blassem Teint und Sommersprossen wunderschön.


Welchen Stoff werden wir überall sehen?

Sehr viel Leinen und Bio-Baumwolle. Die natürlichen Materialien sind auf dem Vormarsch. Nachhaltigkeit das große Thema!


Kopfbedeckung ist DAS Ding Sache. Welches Modell (Hut, Schal, Haarreif....) sollten wir tragen?

Ich liebe Haarreife! Prada-like in Übergröße und schön gepolstert, außerdem mag ich nach wie vor schöne Strohhüte für den Strand, elegant wie z.B. bei Jacquemus. Außerdem mag ich die acidwashed Kappe von Isabel Marant.

Welcher Designer oder welches Label ist deiner Meinung nach den anderen voraus und warum?

Ich denke neue junge Brands wie Mara Hoffman und Nanushka sind weit vorne, wenn es um nachhaltige Materialien geht. Mara Hoffman setzt ausschließlich auf ökologische Fabrics, recycelte Materialien bei ihrer Swimwear. Der Style ist schön und für den Alltag perfekt. Nanushka hat das Eco-Leder wieder salonfähig gemacht und hat auch sonst den natürlichen Look. Ich finde das nach der ganzen lauten Streetwear einen schönen Gegenpol.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Meine Fantasie ist meine Quelle. Die füttere ich natürlich mit allem, was ich bekommen kann: Reisen, Social Media, Kunst, Kultur, Musik, Farben, Formen. Man wird von allem beeinflusst. Ich denke, dass man unendlich viele Eindrücke braucht. Die Gabe ist dann, das Besondere zu sehen. Es aus dem Zusammenhang zu filtern und es neu in Szene zu setzen. Dazu braucht man eine große Fantasie und viel Übung.

Ich will das auch an keiner Person festmachen. Um gut einzukaufen, muss man den Markt scannen, die großen Accounts auf Instagram im Blick haben. Die Inspiration kommt aber nicht aus Streetstyles mit Kleidung der großen Brands. Ich muss ja für die Zukunft einkaufen. Da hilft mir kein Blogger. Ich lasse mich eher von Dingen beeinflussen wie Interior, Farben verschiedener Plätze oder ähnliches. Das können auch bunte Tischdecken im Vorgarten eines Hauses in Mailand sein oder eine blaue Laufstrecke auf dem Dach eines Hotels in Lissabon.

Letzte Frage: Welchen Look bevorzugst du in dieser Saison – und warum?

Ich liebe Julie Pelipas. Sie hat einen so lässigen, natürlichen Look. Wenn man ihre Streetstyles sieht, hat man sofort Lust sich chic zu machen.

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Kommentare

  1. Einer der wenigen Gründe noch in Frankfurt in die Innenstadt zu gehen… bitte weiter so machen, liebe Kerstin! 🙂

  2. Ein tolles Interview! Danke Kerstin und Alexandra.
    Mir gefällt die Richtung, in die sich die Mode gerade entwickelt, sehr.

  3. Insgesamt interessant. Schade nur dass immer nur Luxus label im Vordergrund stehen – wer kauft sich .mal so eben Chloe Turnschuhe etc die nä Jahr eh wieder „out“ sind. Badeanzug für 300 Euro ? Bei Arket gibt’s das Ganze günstiger und auch nachhaltig. Ich verdamme keine Luxus Artikel aber Bodenständigkeit kann hier nicht schaden und weniger ist mehr. Es gibt auch interessante Menschen die nicht von Kopf bis Fuss in Chloe Marni Prada und haste nicht gesehen angezogen sind und dabei sehr individuell rüber kommen.

    • Das finde ich grade toll, wenn man mal sieht wie, die Luxussachen an Frauen aussehen. Und bei ihr ist das der Job und wie toll sie es umsetzt. Das ist für mich schon Kunst. Gutes Design ist Kunst. Und schöne Chloe Sneaker kannst Du 10 Jahre tragen, im Gegensatz zu Zara und Co… 🙂

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