Interview mit Kreativ-Direktorin Charlotte Cosby: Farbtrends und wertvolle Tipps fürs Streichen

Wandfarben sind so eine Sache für sich und eigentlich dachte ich bis dato, dass ich damit herzlich wenig am Hut habe. Meine Wände sind und waren schon immer weiß.

Allerdings bin ich jetzt ein bisschen angesteckt worden. Es ist schon merkwürdig, zuweilen gar beeindruckend, was man mit nur einem (oder zwei) Topf Farbe so an Wirkung erreichen und in einem Raum verändern kann. Bei Anna Menke, der Chefeinkäuferin von Schwesterherz, die wir für die erste Homestory zuhause besucht haben, wird das Schlafzimmer erst durch die dunkle Wand so richtig gemütlich (siehe Headerbild).

Um mich und vor allem euch auf den neuesten Stand zu bringen was Farbtrends angeht und welche Tipps es gibt, um nach dem Streichen auch mit einem guten Ergebnis belohnt zu werden, habe ich mit der Kreativ-Direktorin von Farrow and Ball Charlotte Cosby gesprochen.

Welche Farben sind gerade im Trend?

Unsere Farben für den Frühling 2017 sind Studio Green, Hay, Radicchio und All White. Die Töne sind sowohl lebendig als auch sehr zart und funktionieren genauso in modern wie auch in traditioneller eingerichteten Wohnungen.

Studio Green
Hay
Radicchio
All White

Und welche werden nächstes Jahr wichtig?

Es gibt gerade einen starken Trend hin zu dunklen Farben, die genauso wie Weiß als neue neutrale Farbe verwendet werden – Farben wie Down Pipe, Railings und Stiffkey Blue sind da sehr beliebt. Ich vermute, dass der Trend noch mehr in diese Richtung gehen wird.

Stiffkey Blue
Railings

Wie und wo findest du neue Trends und Farbinspiration?

Überall! Wir haben ein kleines Team, das sich mit ganz verschiedenen Bereichen beschäftigt, um sich auf dem Laufenden zu halten. Das geht von Dekoration über soziale und wirtschaftliche Trends bis hin zu Kundenbefragungen auf der ganzen Welt.

 

Ich habe gerade bei unserer letzten Homestory gelernt, dass es auch möglich ist, die Wände glänzend statt matt zu streichen. Glänzendes oder mattes Finish, was ist schöner?

Tatsächlich gibt es einen Trend hin zu glänzendem Finish. Immer mehr Leute benutzen das. Trotzdem bin ich persönlich auch immer noch ein Fan von mattem Finish, gerade zum Beispiel auch in Kombination mit glänzenden Möbeln oder einer glänzend gestrichenen Decke.

 

Sollte man in kleineren Räumen eher auf dunkle Farben verzichten?

Es kann gerade schön sein, die Dunkelheit eines kleinen Raumes noch zu unterstreichen, indem man starke, dunkle Farben verwendet wie beispielsweise Pelt oder Brinjal, um den Raum noch intimer und gemütlicher wirken zu lassen. Ankleidezimmer oder Badezimmer sind die perfekten Räume, in denen man dunkle Farben einmal ausprobieren kann, um zu schauen, wie es einem gefällt und wie es auf einen wirkt, ohne gleich größere Räume dunkel streichen zu müssen.

 

Gibt es Tipps, einen Raum größer und heller wirken zu lassen?

Oft denken wir, dass der einzige Weg Licht und Größe zu kreieren darüber geht, den Raum in grellem Weiß zu streichen. Ein Off-White dagegen ist eine viel sanftere und interessantere Alternative. Warme und leicht gelbstichige Töne wie Matchstick oder White Tie reflektieren einfallendes Licht am besten.

Auch das Kreieren einer unteren Wandbekleidung mit nur zwei verschiedenen Farben bietet eine hervorragende Möglichkeit, den Raum größer wirken zu lassen. Dafür wird die Wand horizontal in zwei Hälften geteilt: Der untere Teil erhält einen kräftigen, dunklen Ton wie zum Beispiel Railings oder Blue Ground – das schafft eine Verbindung zum Fußboden. Die obere Hälfte lässt sich dann mit einem hellen und blasseren Ton wie Purbeck Stone oder Ammonite gestalten. So ist dann ein wunderbar fließender Übergang zur Zimmerdecke möglich.

Ammonite und Blue Ground
Blue Ground, St Giles Blue und Vardo

Man sieht öfters, dass Leute nur eine Wand im Zimmer streichen. Was meinst du dazu?

Ich finde solche akzentuierten Wände sind perfekt, um einen Raum interessanter zu machen. Das funktioniert eigentlich fast überall, vor allem aber im Schlaf- und im Wohnzimmer. Die Wand hinter dem Bett eignet sich beispielsweise sehr gut dafür. Wenn man dafür dunkle Farben verwendet, erdet das den Raum. Wichtig ist dann aber, dass man darauf achtet, dass die Farbe für die akzentuierte Wand auch dunkel genug ist. Sie sollte mindestens zwei Töne dunkler sein, als die Grundfarbe des Raums.

 

Hast du Tipps für’s Streichen? Gibt es irgendwelche Fehler, die man öfters macht und wie kann man sie vermeiden?

Beim Streichen ist es erstmal natürlich ganz wichtig, dass man die Beschaffenheit des Raums, also die Architektur und vor allem auch die Lichtverhältnisse im Blick hat. Als erstes muss man also überlegen, wie viel Tageslicht in den Raum fällt und aus welcher Richtung es kommt. Ein Tipp, den man sich wirklich zu Herzen nehmen sollte ist, dass man eine Farbe immer in dem Raum ausprobieren sollte, in dem man sie auch anwenden will. Manche Töne verändern sich je nach Lichtbedingungen extrem und deshalb ist mein wichtigster Tipp immer: Probestreichen!

Eine Möglichkeit, die Wände höher wirken zu lassen, ist auch, die Türen und die Fußbodenleisten in derselben Farbe mit zu streichen wie die Wände. Der Raum wird gleich viel mehr als Einheit und vor allem größer erscheinen, da man durch die einheitliche Farbe nicht sieht, wo eine Wand aufhört oder wo die Decke beginnt.

 

Du beschäftigst dich ja täglich mit Farben und Trends. Mal ehrlich, wie oft änderst du bei dir Zuhause die Wandfarben?

Dauernd! Im Moment bin ich ganz verliebt in zarte Pastelltöne. Meine Küche habe ich gerade in Peignoir gestrichen. Ein wunderbar romantisches Pink, das durch Grau abgemildert wird, so dass die perfekte Mischung zwischen Tradition und Trend entsteht.

Danke Charlotte!

Kommentare

  1. Ich finde es fast unverantwortlich, dass hier nur auf die vermeintlichen ‚Farbtrends‘ eingegangen wird. Meine wichtigste Erfahrung in Sachen streichen ist, dass alles was dunkler als grau oder beige ist, auf gar keinen Fall auf Raufasertapete geht. Es sieht ganz und gar furchtbar aus, reflektiert ganz normales Tageslicht schon sehr unschön und wird bei Sonnenlicht unerträglich.
    Da in meiner Welt die meisten Mietwohnungen mit Raufasertapete ausgestattet sind, sollte in einem solchen Artikel davor gewarnt werden, finde ich.

    • Ich finde es toll, dass du das ansprichst! Wir haben in unserer Wohnung auch eine Raufasertapete und planen, demnächst zu streichen. Ich bin aber auch total unsicher, ob dunkle Farben da funktionieren bzw. was überhaupt mir Raufaser funktioniert. Die Tapete runterzureißen ist auch keine wirkliche Option. Zum Thema „Wie streicht man fiese Raufasertapete“ hätte ich mir also auch ein, zwei Worte gewünscht. 🙂

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