Interview mit Julia Stelzner über ihr neues Buch „Berlin Fashion“ und die Berliner Modedesignszene

Es gibt ein neues Buch am Berliner Modehimmel, das wir euch ganz besonders ans Herz legen möchten: „Berlin Fashion„. Meine Freundin und Modejournalistin Julia Stelzner hat in knalligem Gelb (ihre Lieblingsfarbe!) und mit Model Franzi Müller auf dem Cover ein höchst aktuelles und spannendes Buch über Berlins Modedesigner- und Persönlichkeiten geschrieben, gespickt mit Essays, Portraits und einem ultimativen City-Guide.

Julia sitzt bei uns im Journelles Office, da lag es natürlich nahe, ihr ins andere Zimmer ein paar Fragen rüber zu werfen – wie lange sie an dem Buch gearbeitet und wer daran mitgewirkt hat und wie es eigentlich um Berlins Modenachwuchs steht, lest ihr hier.

Liebe Julia, zunächst mal: Herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten eigenen Buchveröffentlichung. Wir sind stolz wie Bolle! Erzähl doch mal: Wie entstand die Idee, das Buch zu schreiben? 

Ganz unspektakulär, aber umso schöner: über eine Einladung nach München seitens des Prestel Verlags.

Und worum geht’s konkret? Denn wer in Berlin lebt, könnte jetzt meinen: Ach, schon wieder ein Buch über Berliner Mode! Ich halte es in der Hand und weiss, dass dem nicht so ist. Was glaubst du, unterscheidet das Buch von den anderen?

Es geht tatsächlich um Berliner Mode. Aber weniger um Streetstyles und Meta-Style Advice als um diejenigen, welche die Mode der Hauptstadt prägen: zum einen die Labels, zum anderen die Branchen-Protagonisten und deren persönlichen Stil. Außerdem äußern sich Modejournalisten, die ein Auge auf das Geschehen der Hauptstadt haben, in Hintergrund-Essays zu Wort. Ganz hinten im Buch: ein ausführlichen Shop-, Blog- und Magazin-Guide für den weiteren Konsum. Nicht zuletzt sieht das Buch dank der Gestaltung von Julia Depis, dem Coverfoto von Marcus Gaab und der Porträts von Kim Keibel und Kirsten Becken verdammt gut aus, meine ich. Und kann inhaltlich gut neben dem meiner Freundin und Kollegin Alexa bestehen. Übrigens haben wir beide damals bei einem Kaffee in Köln festgestellt, dass wir beide, wenn auch etwas zeitversetzt, ein ähnliches Thema bearbeiten.

„Berlin Fashion“: Perret Schaad, Foto Kirsten Becken

Welche Essays finden sich genau in dem Buch?

Es sind insgesamt sieben Texte und ein Interview im Buch zu finden. Alfons Kaiser schreibt  über die historische Entwicklung der Berliner Mode, Florian Siebeck stellt die fünf bekanntesten Models Berlins vor. Lisa Strunz schreibt über Labels mit Migrationshintergrund, Nicole Urbschat macht klar, wie sich Westberlin als neue Lifestyle-Destination exponiert, Franziska Klün interviewt Marte Hentschel von der Mode-Produktionsstätte Common Works, Grit Thönnissen kommentiert die finanzielle Förderung junger Modedesigner und ich lasse mich zu Pop-up Shops aus.

Welche Geschichten haben besonders viel Spaß gemacht zu produzieren? 

Auf jeden Fall die Stil-Interviews. Ich meine, wer schaut nicht gerne in den Kleiderschrank von anderen und erfährt dabei einiges über modische Glücks- und Fehlgriffe?!

Welches Interview blieb dir im Kopf?

Alle eigentlich! Ich weiß nun, dass die Filmemacherin Sonja Heiss, die ich nur in bunten, sehr femininen Outfits kenne, früher ausschließlich Schwarz und Plateauschuhe getragen hat. Ich habe mich mit Hadnet Tesfai über alte Sneaker-Lieben ausgetauscht und Marlene Sørensen offenbart, wie Modejournalistinnen tatsächlich aussehen, wenn sie zuhause arbeiten. Recht hat sie.

„Berlin Fashion“: Marlene Sörensen, Bild Kim Keibel

 

Wie lange schreibt man überhaupt an einem solchen Buch?

In meinem Fall sehr zackig. Ich hatte insgesamt vier Monate Zeit, inklusive Recherche. Dank des Supports von Stella Marisa Kaas, die unter anderem die Termine und das Bildmaterial koordiniert hat, hat aber alles reibungslos geklappt.

Auf dem Cover ist Franzi Müller zu sehen, in Berlin das Modelgesicht der Stunde. Was fasziniert dich an ihr?

Franzi hat nicht nur einen unverwechselbaren Look, der mir zum ersten Mal in New York aufgefallen ist, als sie im September 2012 die Show der Calvin Klein Collection eröffnete. Ich mag sie vor allem als Mensch. Kein Model ist unkomplizierter, lustiger und trotz des zunehmenden Erfolgs geerdeter als Franzi.

Alfons Kaiser meint: „In nur einem Jahrzehnt hat sich Berlin auf die Weltkarte der Mode zurückgekämpft.“ Würdest du das so unterschreiben?

Jawohl – schließlich vergleicht Alfons Kaiser mit dieser Aussage Berlin nicht mit etablierten Modestädten, sondern impliziert auch die ehemalige Berliner Konfektion. Mode in Berlin ist heute weniger experimentell, sondern wird international beachtet – was vor allem bei den Ordern aus dem Ausland, beispielsweise aus Japan und den USA, deutlich wird. Die „Renaissance“ ist jedoch noch lange nicht zu Ende – umso spannender.

„Berlin Fashion“: Herbert Hoffmann von Voo, Bild Kim Keibel

Die ersten machen sich schon wieder aus dem Staub: Das Designerduo Achtland, das auch in deinem Buch zu sehen ist, geht nun nach London. Was sagst du dazu?

Mich hat der Weggang von Achtland selbst überrascht. Trotzdem würde ich ihn nicht als Beginn einer modischen Massen-Emigration deuten. Ich finde stattdessen sogar, dass viele Talente bewusst auf Berlin setzen und hier versuchen – wenngleich hin und wieder mit Intermezzi im Ausland – ihr Label aufzubauen. Die Firma, Lala Berlin und Vladimir Karaleev, die seit Jahren erfolgreich in Berlin tätig sind, sind nur drei Beispiele.

Woran mangelt es der Berliner Modeszene eventuell? Was würdest du dir in Zukunft von ihr wünschen?

Nun zuerst einmal sicherlich an „Lebenserfahrung“. Im Vergleich zu Paris oder Mailand hatte Berlin als geteilte Stadt ja lange Zeit eine, auch modische, Zäsur. Zum anderen herrscht in Deutschland ein ganz anderes Modeverständnis als in den klassischen Modenationen Frankreich und Italien. Und auch auf Seiten einer unabhängigen, nationalen Mode-Institution über die Fashion Week hinaus und neuer Produktionsstätten gibt es Nachholbedarf. Es bleibt also spannend!

Danke, Julia! Das Buch ist ab sofort bei Amazon bestellbar! Und einen ersten Klick ins Buch gibt es bei Randomhouse.

 

 

 

Kommentare

  1. SabinaSabina Wertes sagte am

    Marlene Sörensen sieht spannend aus. Wir haben hier in Frankfurt dank OF eine spannende kreative Szene, die reizvolle Modeteile entwirft. Daher freue ich mich immer über Mode aus D zu lesen. Danke für das Interview. Sabina OceanblueStyle

  2. Sehr empfehlen kann ich zu dem Thema auch das „Das Modebuch Berlin 2013/2014“ vom Berliner Stadtmagazin Zitty. Ich hatte es mir im Januar in München am Bahnhof mitgenommen und war mehr als überrascht, was da so alles an Stories und Tips zu finden war. Und mir fiel auch auf, wieviel die Berliner Landespolitik für die Modeszene tut, also in Form von Förderungen und Wettbewerben. Diesbezüglich ist in Bayern „tote Hose“.
    Aber dieses Buch werde ich mir natürlich auch besorgen 🙂

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