Zum Tod von Sonia Rykiel: Warum wir die „Königin des Stricks“ vermissen werden

Letzten Donnerstag, am 25. August 2016, starb Sonia Rykiel an den Folgen ihrer Parkinson-Erkrankung in Paris. Sie wurde 86 Jahre alt. Was hinterlässt die französische Designerin, die als „Königin der Stricks“ gefeiert wurde?

Bunte Strickkleider und Streifenpullover? Nicht nur. Vor allem hinterlässt sie eine Haltung, bei der es um Selbstbestimmung und individuelle Freiheit geht, zusammengefasst in einer von ihr selbst begründeten Bewegung namens „Rykielism„.

Damit war Sonia Rykiel eine der ersten Frauen, die über 50 Jahre lang all die Ideale lebte, die uns heute als „Neuer Feminismus“ oder „Girl Power“ in den Medien wiederbegegnen.

Als sie in den Sechziger Jahren mit ihrem Sohn schwanger war, fand sie nichts zum Anziehen, das weich und elastisch war und entwarf kurzerhand chice Strickkleider, in denen man sich als Frau wohl fühlt – sei es auf dem Sofa, im Büro oder beim Shoppen auf den Champs de Elysee. „Ich träumte davon, Kleider zu tragen, die mich von der Masse abheben, die zu sein, von der man sagt ‚Oh, wie ist sie schön und intelligent!'“, zitiert sie das ZeitMagazin.

Nachdem sie im Alleingang mal eben die Umstandsmode neu erfunden hatte und die Pullover und Kleider in der Boutique ihres Mannes erfolgreich verkaufte, eröffnete Sonia Rykiel bald eigene Boutiquen.

Zu den ersten prominenten Fans zählten Stilikonen wie Audrey Hepburn und Françoise Hardy, die ihre engen Pullover liebten. 1972 kürte das amerikanische Modemagazin WWD Sonia Rykiel zur „Queen of Knits“. Die zweifache Mutter fand das lustig, konnte sie doch selbst keine einzige Masche stricken.

Obwohl oder gerade weil sie eine Quereinsteigerin war, hatte die Französin einen guten Sinn fürs Geschäft: Ihr Unternehmen wuchs dank Parfüm, Herren- und Kindermode, Taschen und Schuhen, außerdem stattet Sonia Rykiel als eine der ersten Designerinnen auch Hotels aus.

 

Bis 2012 blieb die von ihr gegründete Firma in Familienbesitz, ihre Tochter Nathalie und Enkelin Lola arbeiten ebenfalls im Unternehmen. In einem Interview mit WWD beschreibt sie ihre „Mamie Sonia“ als liebevolle Matriarchin: „Auf eine faire und wunderbare Art war sie war mehr eine Königin, als Chefin.(…) Sie war die süßeste, netteste und großzügigste Person.“

So steht die Marke Sonia Rykiel auch für Herzlichkeit und Humor. Die Mode von Kollegen wie Yves Saint Laurent oder Karl Lagerfeld ist sexy, elegant und très parisienne, aber ihr fehlt diese kindliche Verspieltheit, die das Markenzeichen von Sonia Rykiel ist, man denke an Pailletten, Kussmünder, Sternchen oder applizierte Großbuchstaben.

Sonia Rykiel H/W 2016
Sonia Rykiel H/W 2016
Journelles-Sonia-Rykiel-Pre-Collection-2017
Sonia Rykiel Cruise Collection 2017

 

Besonders ihre Ringelpullover transportieren eine Fröhlichkeit, die sofort anstecken wird. Jessie hat zum Beispiel ein Streifenshirt, darauf das Konterfei der Designerin, als Comicfigur stilisiert: ein kleines Männchen mit einem knallroten Schopf und kastigen Ponyhaarschnitt. Immer, wenn ich Jessie darin sehe, geht mir das Herz auf.

sonjarykiel_streifenshirt

 

So ist auch der Nachruf auf der Website des Labels mit einem lachenden und weinenden Augen geschrieben: „Mit ihrem Tod verliert die Modewelt eine Ikone, Pionierin und Schokoladenliebhaberin. Sie war mehr als eine Designerin, eine aussergewöhnliche Frau und Künstlerin, die ihr Leben den Frauen und ihrer Freiheit gewidmet hat.“

Bei so einem Vermächtnis ist es für uns keine Frage, dass die Marke in Zukunft relevant bleibt.

 

Die aktuelle Designerin heißt Julie de Libran und hat nicht nur die Fähigkeit den ikonischen Rykiel-Looks ein zeitgemäßes Update zu verpassen, sondern weiterzudenken. Julianne Moore, Kirsten Dunst, Rachel Weisz, Selena Gomez, Elle Fanning oder Chloe Grace Moretz – sie alle zählen zu den modernen Sonia-Rykiel-Fans und decken dabei mal eben eine Zielgruppe von 18 bis 55 Jahren ab.

Lola Rykiel (Foto: Sonia Rykiel/Facebook)
Lola Rykiel (Foto: Sonia Rykiel/Facebook)
Julie de Libran (Foto: Sonia Rykiel/Facebook)
Julie de Libran (Foto: Sonia Rykiel/Facebook)

 

Im Herbst 2016 kommt jetzt eine Make-up-Kollektion in Zusammenarbeit mit dem Kosmetik-Unternehmen Lancome auf den Markt, die garantiert ebenfalls viele neue Anhänger finden wird. Sonia Rykiel hätte das gefallen.

(Fotos im Header: Sonia Rykiel, Facebook; Pullover via Stylebop)

Kommentare

  1. Nicole sagte am

    Ihr Tod kam für uns, die Öffentlichkeit, sehr überraschend. Es war wie bei Bowie im Januar. Ich konnte es zunächst nicht fassen. Auch wenn es komisch klingt, so ist leider das Leben….
    Ich finde nicht, dass die Marke ein zeitgemäßes Update benötigt. Die älteren Kollektionen finde ich auch heute noch durchaus tragbar. Ich wollte von ihr schon immer ein Strickteil haben, jetzt habe ich eins gefunden und hoffe, es bald tragen zu könne.

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Geben Sie einen Text ein

Geben Sie Ihren Namen ein