Das neue Power Dressing: Statement-Sleeves – und wieso wir sie häufiger tragen sollten

Glocke, Trompete, Akkordeonfalten – man könnte fast ein ganzes Orchester für diesen Trend zusammenstellen. Und natürlich gibt es noch viel mehr: Rüschen, Schleifen, Volants, Überlänge. Statement-Sleeves sind aktuell super gefragt – doch hier ist das Ungewöhnliche daran: Sie sind es schon seit bestimmt fünf Jahren.

Jeder Saisonwechsel bringt eigentlich auch einen Wandel in der Mode: Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen. Das ist seit Jahren sowohl das Geschäftsmodell als auch der Leitgedanke der Modeindustrie.

Nicht mehr, wie es scheint. Zum Beispiel hatte der Midi-Rock 2014 sein Comeback gefeiert; knapp fünf Jahre später haben sich die Säume nicht einen Zentimeter bewegt. Samt ist seit so langer Zeit ein Topseller, dass man sich nur schwer daran erinnern kann, welchen Stoff man vorher jeden Herbst aufs Neue gekauft hat. 

Offen gesagt war dieses Zwei-Saison-Trendmodell sowieso kaputt; die Mode wurde zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sechs Monate oder ein Jahr sind eine lächerlich kurze Lebensdauer für ein Kleidungsstück, fünf Jahre dagegen, das ist mehr als eine Amtszeit in der Regierung oder ein Bachelorabschluss, man kann schwanger werden, ein Baby bekommen und es schon wieder vom Kindergarten abholen. DAS ist eine sinnvolle Zeitspanne für einen Trend!

Warum wir Statements-Sleeves tragen

Der Trendkreislauf verläuft aktuell auf zwei getrennten Wegen. Wir haben einerseits noch immer ein rasantes Tempo in der Branche mit einer kurzen Lebensdauer von Trends, anderseits gibt es noch diese langsam brennenden, eher lodernden Trends, die sich von Saison zu Saison nur sehr subtil verändern.

Statement-Sleeves hängen an Kleidern, Blusen, Sweatern, ja sogar Jacken nicht erst seit zwei Saisons, sie sind zweifellos zu einem Makrotrend dieses Jahrzehnts geworden. Die Frage ist nur wieso? Wieso bleiben die Statement-Sleeves Jahr für Jahr für Jahr, während andere Trends kommen und gehen?

Vielleicht sind sie eine Alternative zu den sogenannten Power Suits der 80er Jahre. Damals konnten sich immer mehr Frauen in der von Männern dominierten Geschäftswelt durchsetzen und wollten genau das durch ihren Look ausdrücken: auf der einen Seite Autorität, auf der anderen Weiblichkeit.

Jessies Pullover ist von Isabel Marant.

Mode sagt immer – ob bewusst oder unbewusst – etwas aus. Das Crop Top zum Beispiel: „Ich bin stolz auf meinen flachen Bauch.“ Angela Merkels Uniform zeigt wiederum, dass sich eine Frau, damit sie die Macht in der Männerwelt ausüben kann, so ziemlich wie ein Mann kleiden muss – nur heller und bunter.

Selbstverständlich müssen die meisten von uns nicht über Sanktionen gegen Russland oder die Einführung von neuen Geschäftsmodellen entscheiden, aber wir alle müssen uns morgens anziehen. Wahrscheinlich denkt die überwiegende Mehrheit der Frauen, die derzeit entweder Trompeten- oder Puffärmel trägt, auch nicht bewusst daran, mit Statement-Sleeves der Männerwelt zu zeigen, wo der Hammer hängt. Doch wir leben in einer Zeit, in der viele Entscheidungen über unseren Körper oder Lebenssituationen, in anderen Ländern sogar über Kleidung, sexuelle Freiheit, Entfaltung und Bildung, noch immer für uns getroffen werden. 

So oder so, im Zeitalter von #MeToo und Trump scheinen Statement-Sleeves, zwar subtiler als Slogan-T-Shirts, eine Willensbekundung oder Kampfansage zu sein. Vielleicht tragen wir sie deshalb so gerne: Mit breiteren Schultern kämpft es sich doch viel besser!

Passend zu den Minusgraden gibt’s hier die schönsten Sweater mit Statement-Sleeves:

Kommentare

  1. christiane sagte am

    Ich finde, dass Statement Sleeves an dicken Pullovern toll aussehen, aber im Winteralltag eher unpraktisch sind, da die Sleeves nur schwer unter die Mantel/ Winterjackenärmel passen. Sehr unpraktisch.
    Deshalb greift man dann doch lieber zur klassischen Alternative des Pullis mit normalen Ärmeln, der Trend hat sich meiner Meinung nach nicht wirklich durchgesetzt…

    • Alexandra sagte am

      Hahah, da gebe ich dir auch Recht. Im Artikel geht es vor allem um Statement-Ärmel im Allgemeinen, denn die tragen wir ja seit Jahren. Tatsächlich kenne ich bereits einige, die sich für Pullover mit Statement-Sleeves den Mantel sogar in einer größeren Größe kaufen 😉 Und laut Matchesfashion ist die Nachfrage nach diesen Pullovern ebenfalls stark gestiegen. Happy weekend! Liebst, Alex

  2. Was für ein toller Text ! Besonders diese Stelle: „…fünf Jahre dagegen, das ist mehr als eine Amtszeit in der Regierung oder ein Bachelorabschluss, man kann schwanger werden, ein Baby bekommen und es schon wieder vom Kindergarten abholen. DAS ist eine sinnvolle Zeitspanne für einen Trend!“ Das sehe ich auch so ! Hab den Artikel sehr gerne gelesen und stimme zu. Nur trage ich tatsächlich auch keine Statement sleeves mehr, einfach zu unpraktisch für mich, wenn man nicht gerade nur am Rechner sitzt 🙂

    • Alexandra sagte am

      Huhu Sara, lieben Dank für dein Feedback! Ich freu mich, dass dir der Text gefallen hat. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende! Liebe Grüße, Alex

  3. Die Dinger sind in jeder Form im Alltag extrem unpraktisch. Die weiten Exemplare passen nicht unter Jacken / Mäntel, die überlangen hängen überall rein und verdrecken folglich schnell. Hochkrempeln lassen sie sich auch nur schwer …
    Für mich ist der Trend nichts.

    • Alexandra sagte am

      Haha, kann ich gut verstehen. Ich riskiere es gerne mal, dass mein Ärmel in der Suppe liegt 😉 Liebe Grüße, Alex

  4. christiane sagte am

    Haha, Matchesfashion will die Dinger auch verkaufen…, deshalb müssen sie auch werben, am einfachsten, in dem behauptet wird, dass eine große Nachfrage nach Statement Sleeves besteht.
    Ich finde das Thema deines Artikel irgendwie uninteressant. Gut geschrieben, aber mal ehrlich, wer interessiert sich wirklich dafür, wie lange diese Ärmel ein Trend sind. Mal abgesehen rückt diese Form von Ärmeln immer aller paar Jahre in den Fokus… Momentan sind sie erst seit ca. 2 Jahren wirklich wieder angesagt. Auch die Länge der Röcke variiert…, es gibt Maxi, Midi und Mini, man findet alles der aktuellen Mode. Gibt es keine interessanteren Themen über die man schreiben kann?

    • Alexandra sagte am

      Mich interessiert das sehr 😉 Ich verstehe deinen Gedanken – und natürlich findet man ALLES in der Mode, das ist ja auch das Schöne. Dennoch gibt es Sachen, die man verstärkt auf den Laufstegen sowie Streetstyle-Fotos findet. Die versuchen wir herauszufiltern und fragen uns nach dem Wieso. Viel langweiliger wäre es doch, dir einfach nur die schönsten Teile aus dem Onlineshop zu präsentieren, oder? 😉 Wir haben noch viele weitere Artikel in der Pipeline, die dir dann hoffentlich mehr gefallen! Liebe Grüße, Alex

  5. Toller Post, ich finde die Auswahl sehr schön! Auf Fotos machen sich die Ärmel wirklich gut, aber in der Praxis fallen sie dann doch durch, leider. Trotzdem habe ich welche auf meiner Wunschliste 🙂

    Liebe Grüße, Esra

  6. Oh my, was sind das teilweise für Kommentare? Auf einem Modeblog spielen Trends natürlich eine Rolle und Mode muss doch zum Glück nicht (nur) praktisch sein. Wenn’s darum ginge, könnte man auch jeden Tag nur gemütliche mittelblaue Jeans mit Stretchanteil, Sweatshirt, Goretex-Anorak, Trekkingschuhe und Rucksack tragen.

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