„Einfach machen! An einem gewissen Punkt hast du alles geplant und durchdacht, dann gilt es, einfach ins kalte Wasser zu springen – wärmer wird es nämlich nicht“: Interview mit Buchautorin Katharina Katz

© Knesebeck Verlag

Was Katharina Katz da aus dem Boden gestampft haben, ist gleich mehrere Blicke wert. Gerade erst hat sie den Ratgeber „Einfach machen: Der Guide für Gründerinnen“ auf den Markt gebracht. Darin begleitet sie mehr als 20 Frauen, die ihre Ideen bereits erfolgreich in die Tat umgesetzt haben. Sie erzählen von ihren Anfängen, Höhen und Tiefen und geben zahlreiche Expertentipps. Von der kreativen Entwicklung der eigenen Idee über das Konzept bis hin zum Businessplan, der Finanzierung oder zum Marketing – all die verschiedenen Aspekten einer Neugründung werden in dem Ratgeber erklärt.

Darüberhinaus ist Katharina selbst eine Macherin. Seit fast vier Jahren ist sie selbstständig, erarbeitet für Unternehmen neue Formate und hilft bei der Content-Strategie, Planung sowie Umsetzung. Grund genug also, die Buchautorin in unserem Karriere-Interview zu Wort kommen zu lassen und zu erfahren, was sie einem in der Selbstständigkeit rät. Ein Blick in die mögliche Zukunft sozusagen, voller Inspirationen, Tipps und Insides. Denn wer wird wohl besser wissen, was einen in der Selbstständigkeit erwarten könnte, wenn nicht Katharina selbst?

Interview: Alexandra Kutek

Herzlichen Glückwunsch, liebe Katharina! Du hast vor wenigen Wochen deinen Ratgeber „Einfach Machen – Der Guide für Gründerinnen“ herausgebracht. Wie kam es zu der Idee? Und worum geht es darin?

Ich bin seit fast vier Jahren selbstständig und habe während dieser Zeit immer wieder tolle Frauen mit spannenden Ideen kennengelernt, die sich gern selbstständig machen würden, sich jedoch aus Angst oder Unsicherheit nicht trauen. Die Fragen, Sorgen und Ängste sind ähnlich: Kann ich davon leben? Wie fange ich an? Was ist mit der Krankenversicherung und dem Finanzamt? Und woher bekomme ich eine Steuernummer?

Ich habe mir das am Anfang alles recht mühevoll zusammensuchen müssen. Und so kam ich auf die Idee, ein Buch mit allen Informationen, die man zum Gründen braucht, zu schreiben. Ich wollte allerdings nicht nur trockene Fakten liefern, sondern ein Buch schreiben, das informiert, aber auch inspiriert. Das so schön aufbereitet ist, dass man es gerne verschenkt und das Lust macht, sich auch mit den „trockenen Themen“ wie Steuern und Co. auseinanderzusetzen.

Und dabei begleitest du mehr als 20 inspirierende Frauen aus den unterschiedlichsten Branchen in persönlichen Interviews. Was hat man als LeserIn von den Geschichten dieser Frauen?

Nichts macht mehr Mut als richtig gute Vorbilder! Darum war es mir so wichtig, ganz unterschiedliche Frauen, Businessmodelle und Ideen zu zeigen. Natürlich ist es spannend zu sehen, wie man eine große Firma wie Outfittery mit mehreren hundert Mitarbeitern und Millionen an Kapital aufbaut, aber mindestens genauso spannend ist es zu sehen, wie sich der Alltag in einem Restaurant gestaltet, wie man einen Laden aufzieht, sich im Kreativbereich oder als Anwältin selbstständig macht. Solche persönlichen Geschichten, die Höhen und Rückschläge zeigen, machen oft viel mehr Mut.

Alle Frauen haben eine interessante Erfolgsgeschichte. Wie hast du deine Wahl getroffen?

Mir war eine Mischung wichtig. Sie sollten nicht nur aus Berlin kommen, wo ich lebe, sondern aus ganz Deutschland. Ich wollte kleine und große Unternehmen, kreative Masterminds und Frauen, die etwas zum Buch beitragen können, das ich selbst nicht beantworten kann.

Einige der Macherinnen wie Dorina von Mara Mea oder Sarah von dem Restaurant Hellmann & Klee kannte ich bereits vorher. Andere wie die Medienrechtsanwältin Shanti Sadacharam wurden mir von Freunden ans Herz gelegt und manche Geschichten wie die von Franziska von Hardenberg fand ich selbst so inspirierend und spannend, das ich unbedingt mit ihr sprechen wollte.

Gab es dabei eine Frau, die dir besonders gefallen hat?

Jules Villbrandt ist eine tolle Fotografin, deren Homestories inzwischen in vielen Magazinen gedruckt werden. Sie hat den Beruf aber nie gelernt. Am Anfang ihrer Karriere konnte sie kein Licht setzen und hat immer mit natürlichem Licht gearbeitet. Heute gehört genau das zu ihren Markenzeichen. Eins meiner Lieblingszitate aus dem Buch ist daher von ihr: „Das Gefühl ertappt zu werden, weil man etwas nicht so macht, wie es richtig ist oder die anderen es machen, kenne ich nur allzu gut. Ich trickse nämlich ganz viel. Manche Sachen weiß ich einfach nicht, aber ich weiß mir immer zu helfen.“

Schmuckdesignerin Nina Kastens/ © Mirjam Kluka/Knesebeck Verlag

Du konntest für dich also viel mitnehmen. Was hast du während des Schreibens über Selbständigkeit und Neugründungen gelernt?

Ja, ich habe mir ganz bewusst Frauen dazu geholt, die sich in Bereichen auskennen, von denen ich keine Ahnung habe: Wie man ein Restaurant eröffnet, zum Beispiel. Daher habe ich viel neues über den Bereich gelernt. Besonders spannend für meine Arbeit waren auch die Gespräche mit der Medienrechtsanwältin Shanti Sadacharam und mit Our Food Stories, denen eine Million Menschen auf Instagram folgen. Ich habe mit ihnen über Social Media und die Bildsprache in sozialen Netzwerken gesprochen – und mir natürlich auch einige Tipps eingeholt habe.

Was war das Beste und Schwierigste, dieses Buch zu schreiben?

Ich habe mit Ausnahme von der Schuhmacherin Stefanie Schöninger, die in Sydney lebt und mit der ich per Mail kommuniziert habe, alle Frauen bei einem persönlichen Treffen interviewt. Diese Gespräche gingen zum Teil über zwei Stunden und waren voller persönlicher Anekdoten, Tipps und Tricks. Das Schwierigste war daher, aus diesen Gesprächen die Geschichte auszuwählen, die ich im Buch erzählen wollte. Gleichzeitig waren diese wundervollen Gespräche auch der schönste Teil an der Arbeit am Buch.

Laura Muthesius und Nora Eisermann von Food Stories/ © Frida Edlund/Knesebeck Verlag

Worin siehst du die größten Herausforderungen bei einer Gründung?

Seine Idee in eine Konzept umzuwandeln. Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet: Reicht meine Idee aus? Für sein Konzept sollte man sich intensiv mit der Idee, Zielgruppe, Umsetzung, aber auch sich selbst und seiner gewünschten Rolle in der Selbstständigkeit auseinandersetzen. Oft merkt man bei diesem Schritt, das es für eine Selbstständigkeit nicht reicht.

Wie kann man sich sicher sein, ob man seine Idee in die Tat umsetzen sollte?

Wenn man ein gutes Konzept entwickelt, sich in einem Business Plan die Zahlen angeschaut hat und noch immer darauf brennt, mit dieser Idee sehr viel Zeit zu verbringen, sind das gute Voraussetzungen – eine Garantie gibt es natürlich nie. Alles ordentlich durchdenken, mit vielen Menschen darüber sprechen und sich Feedback einholen. Am Ende zählt das eigene Bauchgefühl: Will ich das machen, traue ich mir das zu? Dann los!

Sprichst du aus eigenen Erfahrungen?

Unbedingt! Ich habe mich wegen dem Schreiben selbstständig gemacht. Vor etwa drei Jahren kam im Food-Bereich, in dem ich hauptsächlich arbeite, das Thema Video auf. Diese von oben gefilmten Rezeptvideos kennt inzwischen jeder, der einen Facebook-Account hat. Damals war das in Deutschland neu und ich fand die Idee so toll, dass ich sie meinen Kunden anbieten wollte. Also habe ich mir eine Kamera und ein Stativ gekauft, mir ein Setting und Rezept überlegt und einfach mal losgelegt.

Das erste Video habe ich wegen des guten Lichtes in meinem Schlafzimmer gedreht. Es war eine Bacon-Marmelade und unser Schlafzimmer hat noch Tage danach nach gebratenem Speck gerochen. Mein Mann hat den Schnitt gemacht und wir haben das Video angeboten. Der Kunde hat es sofort genommen und direkt 20 weitere bestellt. Damit war für mich ein weiterer Businesszweig geboren. Inzwischen berate ich Verlage und Unternehmen, die diese Videos selbst produzieren möchten, zeige wie man dafür ein Story Board schreibt, kleine Tricks und Effekte sowie Styling.

Fiel dir der Schritt damals schwer, deinen festen Jobs zu kündigen und dich selbstständig zu machen?

Ich habe neben meinem Job in einem Berliner Fashion Start-Up bereits ein wenig selbstständig gearbeitet. Ich habe mich von Anfang an spezialisiert und fast ausschließlich im Bereich Food gearbeitet. Nach und nach kamen immer mehr Anfragen für Konzepte, Artikel und später auch Videos, die ich anfangs am Wochenende und abends abgearbeitet habe. Ich habe dann zunächst meinen Job auf eine drei-Tage-Woche reduziert und als der erste richtig große Auftrag kam, habe ich gekündigt und den Sprung gewagt.

Hast du dich dank des großen Auftrag hauptberuflich selbstständig gemacht? Oder gab es einen anderen Impuls?

Ich hatte in dem Start-Up eine Führungsposition im Bereich Content  & PR. Mir fehlte jedoch meine kreative Arbeit. Ich wollte wieder mehr selbst produzieren, eigene Ideen und Projekte umsetzen.

Was ist das Schönste daran, selbstständig zu sein? Was empfindest du als Nachteile?

Ich liebe die Freiheit. Ich kann mir Projekte und Kunden aussuchen, kann selbst entscheiden, wann und wo ich arbeite. Ich arbeite zum Beispiel gerne morgens kreativ, da bin ich am produktivsten. Abends flacht das deutlich ab, daher lege ich eher Besprechungen oder mache meine Buchhaltung am späten Nachmittag. Ein Nachteil ist sicherlich die Unsicherheit. Man hat eben nicht am Monatsende sein Gehalt auf dem Konto und eine bestimmte Anzahl Urlaubstage. Man hat keinen Kollegen, der einen vertritt oder den man mal um Rat fragen kann. Mit ein bisschen Planung, Rücklagen und einem guten Netzwerk kann man da aber viel abfangen.

Was sind die fünf wichtigsten Schritte bei einer Neugründung?

  1. Schreib dir ein Konzept. Setz dich ganz intensiv mit der Idee auseinander, sprich mit anderen darüber und überleg dir, wie dein Alltag in der Selbstständigkeit aussehen würde.
  2. Schaff dir ein Sicherheitsnetz: Ein finanzielles Polster, aber auch ein seelisches Sicherheitsnetz im Sinne von Freunden und Familie, die dich unterstützen und dir Mut machen, wenn es mal nicht so gut läuft.
  3. Hol dir Feedback ein! Dein Hauptjob in der Selbstständigkeit ist es, deine Idee an den Mann zu bringen. Hol dir also so viel Feedback ein, wie nur möglich. Alles, was du ausmerzt, bevor du richtig loslegst, spart dir später Zeit und Energie.
  4. Pass gut auf dich auf! Lass dich nicht von dem Klischee selbst und ständig verrückt machen. Plane Zeit für Sport ein, iss gut, achte auf dich! Es gibt gerade am Anfang keine Vertretung, also pass auf deine Gesundheit auf und nimm dir auch mal Zeit, um zu reflektieren, was gerade gut oder nicht so gut läuft!
  5. Einfach Machen! An einem gewissen Punkt hast du alles geplant und durchdacht, dann gilt es, einfach ins kalte Wasser zu springen. Wärmer wird es nämlich nicht.

Welche Fähigkeiten sollte man besitzen, um erfolgreich etwas Eigenes zu schaffen?

Man sollte eine Macherin sein. Selbstständig sein bedeutet gerade am Anfang, dass DU deine Idee auf den Markt bringst. Du bist dein eigener Sales Chef, deine PR-Spezialistin, Social-Media-Genie, dein Finanzguru und am Ende auch deine eigene Putzfrau fürs Büro. All das gehört dazu; dein eigentliches Produkt ist nur ein Teil davon.

Macherinnen Julia White und Silke Voigtlän von Wit & Voi/ © Jules Villbrandt/Knesebeck Verlag

Was sollte man vor dem großen Schritt beachten?

Bin ich wirklich bereit sehr sehr viel Zeit mit dem Produkt und der Idee zu verbringen oder ist es etwas, das mich jetzt fasziniert, aber in einem Jahr vielleicht schon langweilt?

In deinem Buch nennen die Gründerinnen von Wit&Voi einen Artikel auf Journelles als Durchbruch. Wie wichtig ist ein solches Feature für ein junges Unternehmen?

Am Anfang möchte man seine Idee raus in die Welt tragen, sie bekannt machen und wünscht sich, dass möglichst viele Menschen davon erfahren. Da ist so ein Feature Gold wert, ein echter Türöffner!

Ist ein Instagram-Account für ein Unternehmen in der heutigen Zeit ein Muss? Geht es nicht mehr ohne?

Es ist für jeden eine tolle Möglichkeit, sein Unternehmen zu präsentieren, das Produkt in verschiedenen Settings zu zeigen, die Geschichten dahinter zu erzählen. Es ist einfacher und kostengünstiger als eine ganze Webseite. Ich würde mich allerdings nie, auf nur einen Kanal verlassen. Vor ein paar Jahren war es noch Facebook und wer weiß, was als nächstes folgt.

Da hast du allerdings Recht. Doch welchen Einfluss hat Instagram momentan als Erfolgskatalysator?

Das kommt sicherlich auch auf das Geschäftsmodell an. Am meisten von direkten Verkäufen profitiert sicherlich ein Online Business, der Standort unabhängig arbeitet und bei dem ich direkt von der Plattform zum Shop gelange. Aber auch als PR-Kanal kann Instagram wahre Wunder bewirken, besonders wenn man zum Beispiel von einem Influencer gefeatured wird.

Was würdest du Frauen in Sachen Gründung mit auf den Weg geben?

Die größte Angst, die mir besonders bei Frauen immer wieder begegnet, ist die Vereinbarkeit mit der Familie: Was ist, wenn man Kinder bekommt? Ich habe mein Buch während meiner Schwangerschaft mit meiner Tochter Pauline geschrieben. Bei der Buch Release Party war sie zwei Monate alt und mit dabei. Mit einem guten Netz aus Familie und Freunden kann man alles schaffen. Einfach Machen!

„Einfach machen! Der Guide für Gründerinnen“ ist hier erhältlich.

Vielen Dank für das tolle Gespräch, Katharina!

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