Privat und beruflich ein Dreamteam: Interview mit dem Designer-Ehepaar Libby & Sam Edelman

Yasmina, Valerie, Therese, Paloma, Patti, Dakota – die Gedanken von Sam Edelman kreisen fast ausschließlich um Frauen. Während jede andere ihrem Mann deshalb so richtig Feuer unter dem Hintern machen würde, ist genau das für Libby Edelman überhaupt kein Problem. Nicht nur, weil die zuvor genannten Damen lediglich die Bezeichnungen von einigen seiner Schuh-Modelle sind, sondern weil sie selbst seit mehr als 25 Jahren – privat wie auch beruflich – glücklich mit dem Designer verheiratet ist.

Die beiden „Sole Mates“ haben sich 1979 auf einer Schuh-Messe kennengelernt, acht Jahre später haben sie mit dem Ballet Flat den Grundstein für Ihr „Sam&Libby“-Imperium gelegt, das sie seitdem kontinuierlich vergrößern und mittlerweile auch um Accessoires und Apparel erweitert haben.

Wie schafft man es, sich nicht auf die Nerven zu gehen, obwohl man jeden Tag nicht nur das Bett, sondern auch das Büro teilt? Worüber sprechen die Edelmans sonntags am Frühstückstisch? Was sind die Vor- und was die Nachteile, wenn der Business-Partner so extrem vertraut ist?

Wir hatten die Gelegenheit zu einem exklusiven Kurz-Interview mit dem Designer-Couple, das drei erwachsene Kinder hat und in der Nähe von New York lebt.

Sie beide haben sich vor 38 Jahren auf einer Schuh-Messe kennengelernt. In was haben Sie sich zuerst verliebt? In die Idee, gemeinsam ein Schuh-Imperium aufzubauen – oder ineinander?

Libby: Wir haben uns definitiv bei Gesprächen über Schuhe verliebt, aber wir haben damals noch nicht realisiert, was das einmal bedeuten würde. Ich habe damals für das Seventeen Magazine gearbeitet und den Schuh-Markt betreut.

Sam: Sie kaum bei der Messe als Editor in meinen Showroom – und ich habe den ganzen Termin damit verbracht, ihre Telefonnummer zu ergattern.

Libby: Und irgendwann hatte er Erfolg – er bat mich um ein Treffen, doch es hat nicht sofort geklappt. Am Ende wurde es dann eine ziemlich schnelle, Wirbelwind-Romanze. Naja, und der Rest ist Geschichte. (lacht)

Wie müssen wir uns Ihre Zusammenarbeit vorstellen? Sitzen Sie im gleichen Büro und besuchen Sie alle Business-Meetings gemeinsam? Oder hat jeder von Ihnen sein ganz eigenes Aufgabenfeld?

Sam: Wir fahren morgens grundsätzlich nicht gemeinsam zur Arbeit, denn ich bin eher ein Morgenmensch und könnte direkt nach dem Aufstehen damit loslegen, all die Fehler auseinander zu nehmen, die wir mit der Firma in der Vergangenheit vielleicht einmal gemacht haben. Libby hat morgens gerne noch ein wenig Ruhe und läuft dann gegen Nachmittag zur Höchstform auf. Wir haben jeder ein eigenes Büro, doch wir gehen gemeinsam in fast jedes Meeting. Es gibt aber auch Tage, an denen sehen wir uns erst abends beim Dinner wieder.

In welcher Hinsicht gehen Sie die gleichen Dinge oder Entscheidungen völlig unterschiedlich an und ergänzen sich dadurch perfekt? Würden Sie sagen, dass der Eine der kreative und der Andere eher der wirtschaftlich denkende Part ist?

Libby: Sam ist der Designer und die kreative Kraft der Marke, doch er hat auch einen sehr starken Geschäftssinn. Er greift also über alle Facetten der Firma hinweg aktiv in die Prozesse mit ein.

Sam: Libby leitet das Trend-Department und legt die Themen für jede Saison fest. Sie gibt mir die zuverlässige und stabile Basis, die ich brauche, um meine Visionen in die Tat umzusetzen. Und sie ist meine Muse. Für immer und ewig meine Muse.

Sie sind Ehe- und auch Business-Partner – was ist die größte Herausforderung, und was die größte Chance daran?

Libby: Es ist super, ganz unterschiedliche Meinungen und Ideen zu haben. Wir ticken oft sehr verschieden und fordern uns dadurch gegenseitig heraus. Doch genau das pusht jeden von uns zu Höchstleistungen. Und am Ende schaffen wir es immer, uns auf einen gemeinsamen Nenner zu verständigen und die gleichen Dinge gut zu finden.

Wenn es darum geht, berufliche Entscheidungen zu treffen – in welchen Momenten macht es die Tatsache, dass Sie sich gegenseitig so außergewöhnlich gut kennen einfacher, und wann sogar schwieriger?

Sam: Wir können die Sätze des anderen vervollständigen und zu Ende führen, so gut kennen wir uns. Außerdem spiegelt unser privates Leben unsere ganz persönliche Vorstellung von Ästhetik wider. Wir sind ein ultimatives Team.

Libby: Es ist eine einzigartige Chance, sich aufteilen und so die ganz verschiedenen Aspekte des Geschäftslebens selbst angehen zu können. Natürlich ist es manchmal schwierig, einzelne Dinge oder Entscheidungen nicht persönlich zu nehmen. Doch wir teilen die gleiche kreative Vision und arbeiten zu jeder Zeit auf das gleiche Ziel hin.

Sam, abgesehen von all dem Input, den Ihre Frau in ihrer Funktion als Business-Partner beisteuert: Würden Sie sagen, dass es im Schuh- und Accessoire-Bereich sogar besonders clever ist, eine Frau an der Seite zu haben, die zeitgleich Muse und Zielgruppe ist?

Sam: Frauen sind meine größte Inspirationsquelle, und Libby meine ultimative Muse. Doch in meinem Team arbeiten noch 50 weitere, außergewöhnlich tolle Frauen, die mich jeden Tag aufs Neue inspirieren. Es ist mir extrem wichtig, mich mit meinen potenziellen Kundinnen zu umgeben, denn es gibt keinen besseren Weg, herauszufinden, was die Träume, Wünsche und Bedürfnisse von Frauen sind. Und schließlich ist ja genau das mein Ziel: Frauen das geben, was sie glücklich macht.

Sie arbeiten und leben zusammen und verbringen dadurch weitaus mehr Zeit miteinander als andere Paare. Haben Sie ein Ritual oder eine Tradition, die Ihnen dabei hilft, nach dem Feierabend das Berufliche außen vor zu lassen und in ihr Privatleben zu wechseln?

Libby: Unsere einzige Regel ist, dass wir nicht gemeinsam zur Arbeit fahren. Doch abgesehen davon schalten wir das Berufliche sogar absichtlich nicht aus, denn gute Ideen und Inspirationen können einem schließlich zu jeder Tages- und Wochenzeit kommen. Es passiert also nicht selten, dass wir auch beim Frühstück am Sonntagmorgen über die Arbeit sprechen.

Sam, Hand auf’s Herz, wie oft schenken Sie Ihrer Frau ein Paar Schuhe?

Sam: Ständig! Ich liebe Schuhe! Sie sind einfach meine absolute Leidenschaft und mein größtes Hobby. Und weil ich Libby beim Shoppen immer in meinem Kopf habe, bekommt sie mindestens einmal im Monat ein neues Paar.

Und wieviele Schuhe würden wir in Ihrem Schrank finden, Libby?

Libby: Ich kann mich in dieser Hinsicht wirklich extrem glücklich schätzen. Und ich muss gestehen, dass ich definitiv mehr Paar Schuhe habe, als ich zählen kann. Und fast alle meine Favoriten sind von Sam Edelman. Meinem „Sole Mate“.

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare

  1. Carolin sagte am

    Tolle Schuhe – und ein sehr schönes Interview! Da merkt man gleich, dass du versierte Journalistin bist, liebe Anna-Lena. Wie schön, dass du jetzt hier bist <3

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