Power Dressing und Real Clothing – Was wir von der Stockholm Fashion Week mitgenommen haben

Überraschung, die nordischen Fashion Weeks sind gestartet und Stockholm macht den Anfang, in den nächsten Tagen zieht Kopenhagen nach. Auch wenn wir leider nicht vor Ort sein konnten – Jessie macht ja gerade Mexiko unsicher und irgendjemand muss ja hier im Office die Kontrolle über all das Modegeschehen in der Welt da draußen haben 😉 – haben wir die Schauen aufmerksam verfolgt und wollen euch natürlich nicht vorenthalten, was wir an Trends gespottet haben. Und da war eine Sache, die uns wirklich bei allen Labels aufgefallen ist und im nächsten Herbst sicher ganz groß wird.

Also aufgepasst, hier kommt unsere Trendlektion mit kleinem Ausflug in die Modegeschichte von der Stockholm Fashion Week:

Der neue Trend heißt Power Dressing. Dass die Skandinavier noch nie romantisch verspielt waren (außer es geht um den berühmten schwedischen Landhaus-Stil im Interior Bereich), dürfte uns allen klar sein: Acne Studios, Monki, Weekday, Filippa K, Tiger of Sweden – alles Labels, die nicht für romantische Volants bekannt sind, sondern für klare Schnitte und moderne Sportlichkeit. Dass die Schweden also beim „Ballett Beautiful“-Trend raus sind: keine großartige Überraschung.

Vielmehr konnte man eine ganz gegensätzliche Strömung spüren: „Dressed For Success“ und nicht „Dressed for my Fitness Programme“. Woher kommt der Trend? Aus den guten alten 80er-Jahren. Die waren im Gegensatz zu ihren vorigen Jahrzehnten, in denen unter anderem der Vietnamkrieg zur Gegenbewegung des Hippietums geführt hatte, politisch und auch ökonomisch endlich wieder stabiler. Mode wurde wieder konservativer, die Vorstellung, dass für Mann und Frau gleiche Gesetze gelten sollten, endlich realer und zunehmend auf der Welt akzeptiert.

Und hier kommt das Wörtchen „Power Dressing“ ins Spiel, denn immer mehr Frauen konnten sich in der vorher von Männern dominierten Geschäftswelt durchsetzen und wollten durch ihren Look auch genau das ausdrücken: Auf der einen Seite Autorität, auf der anderen Seite Weiblichkeit. Bestes Beispiel damals? Die Tweed-Kostüme von Chanel und Lagerfelds rising star.

Auch Giorgio Armani entwarf Kleidung für Managerinnen und stellte Anzüge ohne Futter her, Gianni Versace schaffte das „Real Clothing“-Konzept, bei dem Mode nicht mehr nur gut auszusehen hatte, sondern eben auch alltagstauglich und berufsfreundlich sein musste.

Und genau das ist es auch, was die Skandinavier besonders gut können. Real Clothing. Im hohen Norden gelingt nämlich, was dem Deutschen manchmal noch nachhängt: Praktikabilität mit Ästhetik zu vereinen. Alltagstauglichkeit mit Design. Hier werden keine Dolce&Gabbana Krönchen aufgesetzt und von einer italienischen Opern-Welt geträumt, keine Gucci-Dekadenz mit untragbaren Preisen angefeuert und keine Sportswear ins Extreme gezogen wie bei Vetements.

Ganz im Gegenteil. Im Gegensatz zu anderen Modenschauen, bei denen man sich am Ende fragt, wer das bitte tragen soll, kann ich mir bei der Stockholm Fashion Week jeden einzelnen Trend sehr gut auf der Straße vorstellen. Das graue Kostüm mit Rollkragenpullover von House of Dagmar beim Weg zur Arbeit, den petrolfarbenen Suit mit gemusterter Bluse von Rodebjer beim Weggehen, den Nadelstreifen-Anzug von Hope beim Einkaufen im Supermarkt, den Samt-Look von Hunkydory bei einer fancy Party und das karierte Ensemble mit Fellapplikationen bei einem Spaziergang durch den Park.

Whyred F/W 17

Aber genau diese Realness ist es ja auch, wofür wir die Skandinavier so lieben und was die Stockholm Fashion Week jede Saison wieder so interessant macht. Denn hier sieht man keine Trends, die sich erst durchsetzen müssen, sondern Kleidung, die wir am liebsten genauso tragen würden. Im Alltag. Auf der Straße. Im Leben.

Fotos: vogue.com und fashionweek.se

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