Karriere-Interview: MB Akinyemi, Global Social Media Manager

In meinem letzten Uni-Semester meines Studiums habe ich bei Mytheresa im Bereich PR/Social Media ein Praktikum in München absolviert und MB Akinyemi kennengelernt. Damals war sie als Social Media Coordinator tätig und meine Ansprechpartnerin. Wir hatten gleich zu Beginn einen super Draht zueinander, denn MB ein absoluter Social-Media-Profi und sehr interessanter Mensch. Neben ihrem Hashtag-Life ist sie eine absolute Healthy Food-Fanatikerin und macht täglich Yoga. Ihr ausgefallener Stil ist ihr Markenzeichen, denn bei MBs Outfits geht es immer kunterbunt zu.

In ihrem Kleiderschrank befinden sich überwiegend Vintage-Stücke, die sie auf Reisen sammelt. Sicherlich ist ihr Modegespür auch von den verschiedenen Orten, an denen sie gelebt hat, entstanden, denn die 33-jährige ist in Nigeria geboren, in den Niederlanden aufgewachsen, hat in New York gelebt und ihr journalistisches Handwerk beim renommierten London College of Fashion gelernt.

Mittlerweile ist sie als Global Social Media Manager bei Escada in München tätig und hat sich für uns Zeit genommen, um über Facebook, Snapchat und Co. zu sprechen.

Ihr Geheimrezept für einen erfolgreichen Instagram-Account – und wie man überhaupt Social Media Manager wird, verrät sie in unserem Karriere-Interview.

Liebe MB, was war deine erste Begegnung mit Social Media?

Das muss Myspace.com gewesen sein, ich fühle mich schrecklich alt, das einzugestehen. Ich kann mich noch genau daran erinnern: Da war dieser Musiker, den ich für mein Abschlussprojekt der Uni interviewte, in den war ich ein bisschen verknallt. Für das Interview habe ich auf Myspace recherchiert und mir gedacht, warum mache ich eigentlich keinen eigenen Account. Der Rest ist dann Geschichte.

Kannst du dich noch an deinen ersten Facebook-Post erinnern?

Ich glaube, dass war ein spam-artiges Fotoalbum meiner Urlaubsbilder. Urlaubs- und Food-Bilder sind meine große Leidenschaft. Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Dreh raus hatte, denn am Anfang wusste ich nicht so recht, wie ich Social Media einzustufen habe. Meine Social Media Posts sollen wie meine journalistischen Texte ansprechend sein. Standard-Sätze wie etwa „Juchhu, Urlaub für drei Wochen“ langweilen mich. Jeder Post sollte berühren.

Wann hast du erstmals bemerkt, dass man aus dem Posten sogar einen Beruf machen kann?

Um ehrlich zu sein bin ich in den Bereich Social Media reingerutscht. Ich denke darüber folgendermaßen: Ich bin eine Geschichtenschreiber- und -erzählerin und genau das mache ich jetzt in digitaler Form. Bevor ich Social Media Manager wurde, war ich bereits begeisterter Nutzer und habe als Freiberuflerin gearbeitet. Für mich war es wichtig, nicht so isoliert zu leben und mich mit der Welt da draußen zu verknüpfen. Mein erster Job war dann Social Media Coordinator, denn dieser Beruf hat einfach perfekt zu meinem Portfolio gepasst.

Social Media Manger ein komplett neuer Beruf. Welche Fähigkeiten braucht man, um in diesem Bereich erfolgreich zu sein?

Du musst es wirklich lieben, an dein Handy gefesselt zu sein. Abgesehen davon ist die Recherche, egal ob mit dem Handy, Tablet oder in Magazinen und Büchern eine wichtige Fähigkeit, die man beherrschen sollte. Die Industrie ist einfach extrem schnelllebig: Einmal mit dem Auge geblinzelt und schon hat man was verpasst. Daher muss man sich mit der aktuellen Pop-Kultur auskennen und alles lesen, was relevant ist. Außerdem ist die Kunst von Social Media auch die Art und Weise, wie man eine Geschichte erzählt. Klar, ich kann jemandem erklären, wie man Snapchat benutzt und den richtigen Filter auswählt, aber die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, sollte bereits vorhanden sein.

 

Welche Ausbildung würdest du empfehlen?

Definitiv etwas im Kommunikations-Bereich. Es gibt so viele verschiedene Facetten bei Social Media, vom Community Manger zum Global Social Media Manager, aber was sie alle gemeinsam haben ist die Kommunikation und das Storytelling.

Welche Verantwortungen hast du als Global Social Media Manger bei Escada?

Kurz gefasst, es beinhaltet alle Tätigkeiten, die es braucht, um unsere Grundwerte effektiv und fesselnd auf all unseren Kanälen, in allen Märkten von Asien, USA bis Europa zu kommunizieren. Im täglichen Geschehen bedeutet dies, dass ich den Content im Rahmen eines Strategieplans produziere, Kontakte mit wichtigen Bloggern und Influencern pflege und an regelmäßigen Meetings mit den verschiedenen Teams aus den Bereichen Merchandising, Online Marketing und PR teilnehme. Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich ist die Konzeption von Kampagnen.

Warum braucht das Modelabel Escada jemanden wie dich?

Auf jeden Fall wegen meines eher komischen Namens! Haha, Spaß bei Seite, ich glaube, mein Talent, Geschichten zu erzählen und meine hohe Arbeitsmoral und natürlich weil ich nicht Normcore bin, haben dabei geholfen, den Job zu bekommen. Generell habe ich ja nichts gegen Normcore, aber eine Marke wie Escada, die farbenfrohe Silhouetten kreiert und Stärke ausstrahlt, braucht eine Person, die diese Werte verkörpert.

Gibt es monatliche oder jährliche Social-Media-Strategien oder postest du spontan?

Unsere Langzeitplanung ist monatlich. Diese umfasst alle relevanten Events, Blogger-Kollaborationen und lässt dazu noch Spielraum, spontan tägliche Geschehnisse zu posten.

Wie sieht ein typische Büro-Tag für dich aus?

Der Tag startet für mich bevor ich ins Büro gehe. Ich checke meine Emails, lese die Nachrichten und unsere Social Media Kanäle, während ich mein Zitronenwasser trinke. Danach fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Mein Büro-Morgen beginnt meistens mit der Planung für unseren Content und Besprechungen mit dem Grafik-Team und unseren Praktikanten. Am Nachmittag habe ich in der Regel Meetings mit den verschiedenen Teams, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Oftmals sitze ich gerne im kreativen Bereich zum brainstormen. Dort finde ich dank des schönen Interiors und hellem Licht viele Inspirationen. Außerdem entwickle ich hier Konzepte und erstelle Präsentationen.

Bitte nenne uns die fünf goldenen Regel für Social Media Posts?

  1. Ansprechende Bilder – benutze keine Filter, denn es ist schön, realistische Bilder zu zeigen.
  2. Coole Überschriften – sei smart, für Labels ist es wichtig, sich kurz zu fassen!
  3. Benutze nicht zu viele Hashtags, Marken sollten niemals mehr als drei benutzen!
  4. Markiere relevante Partys und Locations, kommuniziere mit deinen Followern und beantworte deren Fragen.
  5. Verlinke deinen Account mit deinem Store/Website, falls du eine hast.

Wie bekommt man mehr Follower?

Wenn du etwas zielstrebig aufbaust, dann kommen sie von allein! Das braucht allerdings Zeit. Wichtig ist regelmäßig zu posten, relevante Hashtags zu benutzen. Arbeite an deiner Sichtbarkeit, indem du mit wichtigen Influencern zusammen arbeitest.

Wie oft sollte man am Tag posten?

Ein bis drei Mal, aber das hängt von der jeweiligen Strategie ab.

Welche Bilder sind deiner Erfahrung nach am beliebtesten?

Tiere sind sehr beliebt, denn jeder findet einen kleinen Welpen süß. Accessoires, ansprechende Bilder von Mode-Shootings und natürlich Gigi, Kendall und Taylor Swift kommen immer gut an.

Was würdest du als Modelabel oder Onlineshop niemals auf Instagram oder Facebook posten?

Alles Negative über andere Marken und Produkte. Sei immer positiv und offen, denn es geht darum deine Geschichte zu erzählen.

Welches war der Posts, für den du die meisten Likes auf Facebook oder Instagram bekommen hast?

Wir bekommen viele Likes für Bilder, die die Escada-Geschichte widerspiegeln. Ausserdem Content mit Bloggern oder Online-Influencern sind sehr beliebt.

Was würdest du niemals auf deinem eigenen Instagram- oder Facebook-Account posten?

Häschen! Ich mag Hasen einfach nicht, auch wenn ich dafür wohl auf viel Unverständnis treffe. Halbnackte Bilder à la Kim Kardashian würde ich auch niemals posten, obwohl ich sie ja für eine tüchtige Geschäftsfrau halte. Vielleicht sollte ich mir mal ein paar Tipps von ihr geben lassen…

Stichwort: „Digital Detox“: Wie schaltest du ab?

Ich schalte ab, indem ich meine beiden Smartphones, das iPad und den Laptop abschalte, eine alte Schallplatte raus krame und dazu einen Tee im Bett trinke. Kochen finde ich auch sehr entspannend und Yoga praktiziere ich täglich.

Was steht denn momentan auf deiner Wunschliste?

Ich bin ein großer Fan der aktuellen Gucci-Kollektion. Der Plissee-Rock in gold und das grüne Spitzen-Kleid haben es mir besonders angetan.

 

Du hast Modejournalismus am London College of Fashion studiert – was haben Modejournalismus und Social Media gemeinsam und wie hilft dir deine Ausbildung in deinem Job heute?

Mein Studiengangsleiter am London College of Fashion hat mir einmal den Tipp gegeben: So bald du das Wer? Wo? Wie? Was? Warum? und Wann? identifiziert hast, ist es wichtig dein Publikum ausfindig zu machen. Das Gleiche gilt für Social Media, du bist nirgendwo, wenn du es nicht schaffst, in den Kopf deiner Zielgruppe zu gelangen.

Beeinflusst die Arbeit dein Privatleben? Bist du immer online und wie viele Handys besitzt du eigentlich?

Ich habe zwei Handys, bin aber nicht ständig online. Generell neige ich dazu, mein Arbeits-Handy abends und am Wochenende auszuschalten. In der Regel mache ich vor dem Abendessen noch schnell ein Foto von meinem Essen (ich liebe meine Food-Bilder) und schließe es anschließend aus. Es ist wichtig, gerade in dieser hektischen Zeit, den Menschen in deiner Umgebung die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Welches Hashtag benutzt du am liebsten und denkst du mittlerweile schon in Hashtags?

#doesnteverybody? Momentan mag ich die Hashtags #life und #squadgoals.

Gibt es Bilder und Posts, die du eher langweilig findest?

Selfies finde ich nervig, ganz besonders im Bikini. Das gesagt, muss ich zugeben, dass hinter Selfies oft sehr harte Arbeit steckt. Grundsätzlich bevorzuge ich Bilder mit Bedeutung dahinter.

Wie ist es möglich, eine Marke erfolgreich aufzubauen – nur mit Hilfe von Social Media?

Als erstes ist es sehr wichtig zu wissen, wer du als Marke bist. Ich weiß, dass klingt offensichtlich, aber sobald man sich damit auseinandergesetzt hat, ist die Social-Media-Strategie leichter zu planen. Anschließend ist es sehr wichtig, diese Geschichte dem Publikum zu vermitteln und regelmäßig mit verschiedenen Posts zu unterstreichen. Influencer können zum Erfolg einer Marke beitragen.

Wer ist dein liebster Instagrammer?

Das ist schwer zu sagen, denn ich habe mehrere. Im Bereich Mode und Styling würde ich sagen Solange Knowles, Christene Barberich, Pandora Skyes, Eva Chen, J.Crew. Sjana Elise Earp und Summer Perez sind tolle Inspirationen für Gesundheit und Fitness.

Was war dein letzter Post und die Geschichte dahinter?

„Orange Haze Series“ aka das LSD-Outfit, da es so knallbunt war mit dem orangefarbenen Sweater und dem gelben Rock. Ich liebe Vintage und Musik, daher stimme ich meine Outfits immer danach ab.

Wenn du ein Vorstellungsgespräch hast, checkst du vorher, ob der Kandidat einen Instagram-Account besitzt? Würdest du sagen, dass es auch als Visitenkarte hilfreich ist?

Absolut, denn ich checke jeden Instagram-Account von Leuten, die an einer Kollaboration mit uns interessiert sind. Es ist auf jeden Fall ein wichtiges Portfolio, denn viele Designer sind Instagram bekannt. Es ist eine wunderbare Plattform, um in Kontakt zu treten, daher ist es auch so wichtig, seinen Standpunkt klar zu veranschaulichen und effizient zu kommunizieren.

Vielen Dank liebe MB für das Interview!

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