Closet Diary mit Buchautorin Sarah Kessler

In dieser Woche nimmt uns die Autorin und Politikwissenschaftlerin Sarah Kessler mit und zeigt uns ihre Lieblings-Looks, die sie durch die Woche begleiten. Geboren In Kassel, aufgewachsen ins Ostwestfalen, mit Zwischenstationen in Newcastle und Galway, wohnt sie nun mit zwei Freundinnen in einer Wohngemeinschaft in Münster. Neben ihrem Zweitstudium, den Rechtswissenschaften, schreibt sie aus feministischer Perspektive über Gesellschaftsstrukturen, über Mode und veröffentlicht gerade ihren ersten Roman, „Tradition Mord“ der im hansanord Verlag am 1. April erscheinen wird.
Sarah hat eine große Schwäche für Vintage Sachen und liebt es Second Hand zu kaufen. Seid gespannt welche Schätze sie wie kombiniert und welche Marken dabei nicht fehlen dürfen.

 

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Montag

Welch ein Glück ich habe, in die erste richtige Frühlingswoche mit einem Frühstück in der Sonne unseres WG-Gartens starten zu dürfen! Ich bin absolut kein Morgenmensch und genieße es umso mehr, entspannt in die Woche zu starten – ein Luxus, den ich sehr zu schätzen weiß. In der vergangenen Woche habe ich die letzte Klausur meines Semesters geschrieben, mein Buch liegt in der Druckerei, so dass gerade keine akuten Deadlines nach mir verlangen. Ehrlich gesagt, ist das ein komisches Gefühl!

Zum zweiten Kaffee (ich bin echt ein Junkie!) hole ich mir meinen Moleskine-Wochenplaner und gehe meine Aufgaben und Termine für die Woche durch. Ich bin großer Moleskine-Fan: die Notizbücher erinnern mich stets an die avantgardistische Künstler:innenszene des 19. Jahrhunderts. Auch wenn alle Erfolgsratgeber etwas anderes propagieren: In mir sträubt sich alles gegen Routine. Sie macht mir Angst und hemmt meine Kreativität. So habe ich mein System des Wochenplans entwickelt, in dem ich mir zum Wochenanfang alle Aufgaben und Ziele notiere, um den Überblick nicht zu verlieren. Doch in meiner Tagesgestaltung bewahre ich die größtmögliche Flexibilität.

 

Mein weiterer Tag ist nicht besonders spannend. Ich erledige viele nervige Kleinigkeiten, laufe zum Kiosk, um zwei Päckchen auf den Weg zu bringen und arbeite mich durch meine Mails.
Als am Abend wieder alle Zuhause eintrudeln, beschließen wir, diesen schönen Frühlingstag dafür zu nutzen, um anzugrillen! Welch ein fantastischer Start in die Woche!

Bluse: Armedangles, Hose: &OtherStories (ähnlich hier), Haarband: Vintage (ähnlich hier), Schuhe: All Saints (ähnlich hier)

Dienstag

Am Dienstag läuft einfach nichts, wie es soll. Obwohl ich ansonsten jeden Tag bis in die Puppen schlafen könnte, ist für mich heute die Nacht um 5.15 Uhr vorbei. Als ich aufwache, freue ich mich zwar über die vielen Vögel, die schon so schön in unserem Garten singen, doch einschlafen kann ich nicht mehr. Nachdem ich mich irgendwann widerwillig damit abgefunden habe, beschließe ich die Zeit zu nutzen, lese die Zeitung und versende die ersten Mails, bis dann um 8 der Wecker klingelt und ich zum langersehnten Kaffee auf die Terrasse flitze und mich zu meiner Mitbewohnerin geselle.
Heute steht auf meinem Tagesplan ein sehr ungeliebtes Thema: Ich habe eine Beratung für meine Altersvorsorge – natürlich per Videokonferenz. Und auch wenn ich wünschte, dass es anders wäre, kann ich mich schließlich nicht ewig darum drücken. Erwachsen werden ist doch doof! An Tagen, an denen ich mich – so wie heute – am liebsten nur unter meiner Decke verkriechen möchte, wähle ich gerne ein lockeres Kleid, in dem ich mich etwas verstecken kann.

Meine heutige Wahl fällt auf das bunt gemusterte Kleid von Ba&sh, mit lockerem Gummizug auf Hüfthöhe. Das ist super gemütlich, aber ich fühle mich trotzdem seriös gekleidet. Dazu wähle ich meine neue Lieblingskette, die ein Geschenk einer lieben Freundin war. Sie ist von einer Berliner Künstlerin gefertigt.

Nachmittags bereite ich ein Shooting für die Kampagne zur Bewerbung meines Romans vor. Für Jungautorinnen wie mich ist es gerade zu Corona-Zeiten sehr schwer, Aufmerksamkeit zur  Erscheinung zu generieren, da ja keine herkömmlichen Veranstaltungen stattfinden können. Also versuche ich, alle Hebel in Bewegung zu setzen, denn das Thema „Partnerschaftsgewalt“, dem ich  mich in meinem Roman widme, geht mir sehr nah und benötigt so viel mehr Aufmerksamkeit, als es aktuell der Fall ist.

Nachdem ich alle To-Dos für heute abgearbeitet habe, mache ich einen kurzen Spaziergang in der  Sonne und gehe anschließend einkaufen, doch der Laden ist (mal wieder) wie leer gefegt, ich  bekomme kaum noch das, was ich brauche und auch, als ich auf dem Rückweg Sushi fürs Abendessen  mitnehmen möchte, ist die ganze Theke leer gekauft. Was ist denn nur los? Frustriert komme ich  Zuhause an und treffe – gerade noch rechtzeitig – auf meine Mitbewohnerin, die dabei ist, Essen bei  Roylas & Rice zu bestellen – ich komme also doch noch zu meinem Sushi!  

Kleid: Ba&sh (ähnlich hier) Kette: Artsy Berlin (ähnlich hier), Schuhe: Manolo Blahnik (ähnlich hier)

Mittwoch

Ich kann es kaum glauben, aber das Wetter wird tatsächlich noch besser. Nach einem schnellen  Kaffee starte in zum Markt. Ich liebe den Markt in Münster und habe es tatsächlich noch nie  geschafft, an den wunderschönen Blumenständen vorbei zu gehen, ohne schwach zu werden. Mit Sonne im Gesicht, Blumen auf dem Arm und frischen Brötchen in der Tasche mache ich mich auf den Weg nach Hause.

Ich trage einen mintfarbenen Hosenanzug von Laurèl und ein T-Shirt von Armedangles. Das glitzernde Highlight des Outfits sind meine Schuhe, die ich in vor ein paar Jahren in  New York gekauft habe und in denen sich heute die Sonne besonders schön spiegelt und lustige Schatten wirft. Anstatt für klassischen Schmuck habe ich mich für eine alte Brillenkette entschieden, an die ich meine FFP2-Maske gebunden habe.

Ich bin total aufgeregt, denn heute Vormittag shooten wir meine Kampagne! Doch Nicolas Kobus (der übrigens auch diese Fotos gemacht hat), ist ganz gelassen und schwupp die wupp sind die Fotos im Kasten. Nachmittags steht eigentlich die online Übertragung des Paritätsgipfels auf meinem Programm, doch ich muss spontan bei „Grün und Form“, einem Laden für Wohnaccessoires, einspringen, in dem ich einmal in der Woche aushelfe. Und so verbringe ich den Nachmittag damit, bestellte Produkte in Pakete zu packen. Ich finde es schön, auch in Zeiten der Pandemie etwas bunte Lebensfreude in die Welt zu versenden.
Kaum Zuhause, habe ich ein Zoom-Meeting – eine Vorbesprechung für ein Seminar, das ich im kommenden Semester belegen werde. Es geht um Migration und Delinquenz. Hier gibt es so viele Vorurteile und ich freue mich darauf, in einer Hausarbeit mit eben diesen aufräumen zu können. Außerdem knüpft das Thema ganz fantastisch an meinen Roman an. 

Hosenanzug: Laurèl (ähnlicher Blazer und Hose), T-Shirt: Armedangles (ähnlich hier), Schuhe: Steve Madden (ähnlich hier), Tasche: Grün und Form (ähnlich hier)

Donnerstag

Der Frühling hat inzwischen komplett Einzug in meinen Kleiderschrank gehalten und für heute wähle ich einen frischen Fliederton als Motto. Ich liebe dieses Kleid, das ich in New York gekauft habe und  von dem ich ehrlich gesagt die Marke vergessen habe (und auch das Schild ist inzwischen so verwaschen, dass man sie nicht mehr lesen kann).
Die Kombination der Farben (lila, weiß und grün)  entspricht übrigens der Farben der Suffragetten und so fühle ich mich immer sehr empowert, wenn ich das Kleid trage. Ich habe heute wirklich total gute Laune und arbeite vormittags an einem Artikel, der in der Sommerausgabe des Séparée-Magazins erscheinen wird.

In meiner Mittagspause verschlägt es mich erneut in den Garten. Hier lese ich in der aktuellen  Zeitschrift „Klettern & Bouldern“.
Es ist meine Vorbereitung für die kommende Woche, in der ich mit meinem Freund endlich ein paar Tage Klettern fahre. Wir haben uns den Hochdach-Kombi meiner Eltern so ausgebaut, dass wir ihn quasi als Camper nutzen können und mit zwei Winterschlafsäcken im Gepäck können wir den kalten Nächten trotzen. Ich kann es kaum erwarten, mitten in der Pampa  zu klettern – die Pandemie macht eben auch erfinderisch. Nirgendwo kann ich meinen daueraktiven  Kopf so ausschalten wie beim Klettern – es ist für mich das reinste Freiheitsgefühl.

Am Nachmittag stehen einige Calls auf dem Programm – es geht um meine Buchpremiere und ich  freue mich sehr, dazu bald mehr Infos geben zu können.
Abends kommt meine Schwester mit ihrem Freund zu Besuch. Da sie aus Schweden zu Besuch sind,  haben sich beide nach der Einreise testen lassen müssen und mit dem frischen (negativen) Ergebnis  haben wir entschieden, dass einem Treffen nichts im Weg steht. Es ist so schön und beinahe surreal, sich nun in Persona gegenüber zu sitzen und sich zu unterhalten. Da Reisen im Augenblick ja mehr oder weniger unmöglich sind, liebe ich es, mich an alten  Mitbringseln zu erfreuen und so decke ich den Tisch für unser Dinner mit einer Tischdecke, die ich aus Thailand mitgebracht habe. Das bunte Muster unterstreicht meine fantastische Laune.  

Schmuck: Erbstücke (ähnlich hier), Tasche: Yves Saint Laurent (die Clutch habe ich beim Schuster Lochen lassen, und trage sie mit einem Gurt von Liebeskind), Pullover: Stefanel (ähnlich hier), Kleid: Vintage (ähnlich als Rock hier) Schuhe: Gucci (Vintage über Rebelle)

Freitag

Der Freitag startet leicht verkatert. Meine Schwester hat für gestern Abend nämlich naturtrüben Wein mitgebracht. Bis gestern wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt. Er ist sehr histaminarm und stammt von einem Winzer aus Besigheim – perfekt für Menschen wie mich, die histaminintolerant sind.

Ich entscheide mich für ein lockeres Outfit in Pastelltönen. Der Body von Erlich Textil ist unglaublich bequem und zudem nachhaltig produziert – ich freue mich immer sehr, wenn ich solche  Label unterstützen kann.
Ansonsten gehört der Tag heute der Uni. Ich lese mich in mein Seminarthema ein und beginne mit  einer Gliederung.

Abends bin ich zum Dinner in der WG verabredet. Im ersten Lockdown haben wir das Format des  „Dinner around the world“ entwickelt, bei dem abwechselnd ein Paar ein drei Gänge Menü kocht und die anderen beiden Paare im eigenen Zimmer zum Essen „ausführt“. Jeder Gang ist einem anderen Land gewidmet, das zuvor per Zufallsgenerator bestimmt wurde. Heute ist meine  Mitbewohnerin mit ihrem Freund dran und es stehen Irland, Ägypten und Portugal auf der Speisekarte. 

Rock: Set (ähnlich hier), Body: Erlich Textil (ähnlich hier), Jacke: American Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Dior  (Vintage über Rebelle, ähnlich hier)  

Samstag

Obwohl Samstag ist, klingelt der Wecker schon um 8 Uhr – mein Freund hat nämlich ein Treffen mit seiner Lerngruppe. Ich nutze die Morgenstunden zum Lesen und bin dann mit einer Freundin zum Telefonieren verabredet. Dafür passe ich die heute doch eher wenigen Sonnenstunden ab und gehe spazieren. Münster ist von einer schönen Promenade umrundet, die auch liebevoll  „Fahrradautobahn“ genannt wird. Ich laufe einmal herum und setze mich anschließend in die Sonne.

Das grüne Kleid von Samsoe Samsoe passt sich der sonnigen – aber kalten – Atmosphäre perfekt an. Gegen die Kälte werfe ich mir einen Blazer von Strenesse über, den mir eine Freundin „vererbt“ hat  und der für mich den perfekten Allrounder darstellt. Ich liebe es, meine Outfits mit besonderen Accessoires aufzuwerten und trage heute einen Vintage Gürtel von Burberry, den ich mir von dem Gehalt meines ersten bezahlten Artikels gekauft habe.
Irgendwie verfliegt die Zeit heute und zack, ist der Tag beinahe um.

Heute Abend bin ich mit meiner  Mitbewohnerin zu einem Kinoabend verabredet. Über den Beamer schauen wir die Biografie von Astrid Lindgren und ich bin noch Tage später total mitgenommen von der tragischen  Lebensgeschichte, dieser so tollen und starken Autorin, deren Erzählungen ansonsten ja nur so von  Leichtigkeit strotzen!

Kleid: Samsoe Samsoe (ähnlich hier) Blazer: Strenesse (ähnlich hier), Gürtel: Burberry Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Stefano Costa (ähnlich hier)

Sonntag

Sonntage starten bei mir immer ganz gemütlich mit Kaffee und Brötchen. Am liebsten bleibe ich dafür bis zum Mittag in meinem Lieblings-Kimono, den ich bei einer Reise in Marokko in einer kleinen Boutique gefunden habe.
Heute hat die Schwester meines Freundes Geburtstag und da es ja im 
Augenblick so wenig Anlässe gibt, sich etwas schicker zu machen, freue ich mich richtig darauf, heute meinen Kleiderschrank zu durchforsten.
Wie euch an den letzten Tagen sicher aufgefallen ist: Ich  habe eine große Schwäche für tolle Vintage Teile. Mir gefällt alles an der Idee: Second Hand zu kaufen ist in jedem Fall nachhaltiger, als neue Kleidungsstücke zu erwerben und ich liebe es, mir auszumalen, was die Teile, die ich trage, in ihrem vorherigen Leben bereits erlebt haben. Bei was für einem Menschen waren sie Zuhause? Wurden sie oft getragen oder nur zu besonderen Anlässen  herausgeholt? Wohin wurden sie ausgeführt? Und so entschließe ich, heute einen Look zu kreieren, der ausschließlich Vintage ist. 

Ich entscheide mich für einen Rock von Red Valentino, den ich bei  Rebelle geschossen habe, dazu kombiniere ich einen kurzärmligen Wollpulli von Ganni (Vinted) und die Gucci-Schuhe, die ich bereits am Donnerstag getragen habe (ebenfalls über Rebelle). Für den Fall, dass sich Wolken vor die, im Augenblick noch strahlende, Sonne schieben, wähle ich eine Strickjacke von Isabel Marant, die ich ebenfalls gebraucht erworben habe.
Ich liebe das Gefühl, dass nun ich es bin, die diese Schätze ausführt. Und wer weiß, vielleicht gebe ich sie ja  eines Tages auch weiter und dann haben die Stücke eine weitere Geschichte, die sie mit sich tragen.

Rock: Red Valentino (ähnlich hier) Wollpulli: Ganni (ähnlich hier), Schuhe: Gucci

Die Fotos sind von Nicolas Kobus

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.