Den Blog von Golestaneh verfolge ich schon lange. Jedes ihrer Outfits würde ich sofort auch tragen – genau daraus hat die studierte Juristin eine Geschäftsidee entwickelt und in Köln einen eigenen Shop eröffnet. Hier gibt es alle wichtigen Trends für ein vergleichsweise schmales Budget. Immer mit dabei: Söhnchen Max, sechs Monate. Bloggen, Boutique und Baby – wie schafft sie das? Ich habe Golestaneh in Köln besucht und mit ihr über ihre Arbeit, Mode-Blogger und den Kölner Stil gesprochen.
Kurze Vorstellung bitte: Name, Alter, Beruf?
Golestaneh Mayer-Uellner, 33, Bloggerin, Shop-Besitzerin, Juristin, Mami.
Wo wurdest du geboren und wo bist du aufgewachsen?
Im Norden Irans am Kaspischen Meer. Mit sieben kam ich nach Bayern und wohne seit 1991 in Köln. Mein Studium absolvierte ich zwischenzeitlich in Gießen.
Was war der erste oder wichtigste “modische Moment” in deinem Leben,
der dich geprägt hat?
Mein erster modischer Moment war mit fünf Jahren. Ich stand mit meiner Mutter vor dem Schaufenster eines Schuhladens und zeigte auf ein Paar, das sie mir kaufen sollte. Ich zeigte so lange darauf, bis ich sie kriegte.
Woher kommt dein Vorname und hat er etwas zu bedeuten?
Er stammt aus dem Iranischen und bedeutet “Blumengarten”.
Wie nennen dich deine Freunde?
Golly oder auch gerne Gollum.
Wann und warum hast du mit dem Bloggen angefangen?
Als meine beste Freundin 2008 nach Berlin zog, musste ich eine neue Freizeitbeschäftigung finden. Auf der Suche nach ein paar bestimmten Schuhen stieß ich auf die Seite von Polyvore. Auf Polyvore kann man sich einen virtuellen Kleiderschrank zusammenstellen und mit dem dort angebotenen Tool Collagen bzw. Sets basteln. Ich war vor allem von der Möglichkeit begeistert, dass die Mitglieder der Polyvore Community die in den Collagen verwendeten Artikel per Mausklick kaufen konnten. Mit dem damals noch unausgereiften Tool stellte ich täglich viele Sets mit Outfits von mir oder von Celebrities und Runwaylooks zusammen. Irgendwann eröffnete ich einen Blog auf blogger.com, weil ich nur so meine eigenen Bilder in meine Polyvore-Ordner kopieren bzw. clippen konnte. Ich war damals die erste, die ihre eigenen Bilder bei Polyvore hochlud und ihre Outfits wie im Magazin zum Nachkaufen zusammenstellte. So wurde das Polyvore-Team auf mich aufmerksam und wir optimieren seitdem in enger Zusammenarbeit das Programm, so dass die Mitglieder heute überwiegend nach diesem Muster Sets zusammenstellen. Diese Idee verlagerte ich dann mehr und mehr auf meinen eigenen Blog und mittlerweile auch auf meinen Laden, wo man die von mir ausgewählten Looks zu erschwinglichen Preisen nachkaufen kann.
Wer schießt die Fotos und mit was für eine Kamera?
Mein Mann, wenn wir zusammen unterwegs sind. Ich stelle die Canon EOS 1000D Kamera ein und habe dann 60 Sekunden, bis mein Mann die Geduld verliert. Daher bleibt mir nie Zeit zu posen, ich kann froh sein, wenn das Bild scharf ist.
Erinnerst du dich an dein allererstes Outfit?
Ja, Skinnyjeans, T-Shirt, Blazer und die lookalike Tribute Sandalen von YSL. Das Outfit könnte ich heute wieder genauso tragen.
Welchen Anspruch hast du an deinen Blog und die Inhalte/Fotos?
Auf meinem Blog Golestaneh poste ich meine täglichen Outfits, Runway-, Celebrity- und Bloggerstyles, die mir am Besten gefallen, zeige wo man die jeweiligen Sachen als Original oder look alike nachkaufen kann und stelle Trendvorhersagen zusammen. Kein Blabla, nur pure Fashion-Inspiration.
Was zeichnet deiner Meinung nach einen guten Mode-Blog aus?
Tolle Bilder, coole neue Looks und der Hinweis, wo man die Sachen herkriegt. Einfach viel modische Inspiration, denn wenn ich geistige will, lese ich einen klassischen Roman.
Von welchen Blogs und Magazinen lässt du dich selbst inspirieren?
Carolines Mode, Elin Kling und Vogue Paris, ich liebe Emmanuelle Alts Style und ihre Modestrecken.
Wer ist für dich eine echte Stil-Ikone? Frau und Mann!
Kate Moss und Karl Lagerfeld.
Du hast Jura studiert, richtig? Wie kam es zu deiner eigenen Boutique?
Da ich schon immer was mit Mode machen wollte und in meinen Schulferien nähen gelernt habe, um später Design zu studieren, war es nur eine Frage der Zeit, wann ich mit Jura aufhöre und mich endlich meiner Passion widme. Deswegen schlug ich zu, als ich letztes Jahr den leeren Laden in der Kettengasse, einer Seitenstraße der Ehrenstraße, sah und machte Nägel mit Köpfen.
Welches Konzept verfolgst du mit deinem Shop, was möchtest du deinen Kunden bieten?
Ich möchte meinen Kunden all die Infos und Inspirationen, die ich als langjährige Modebloggerin gesammelt habe bieten. Mein sicheres Gespür für aufkommende Trends – mein erster Post bspw. war über die Herbst-/Winterkollektion 2009 von Isabel Marant, die mittlerweile zu den angesagtesten Designern der Welt gehört. Damals suchte ich vergeblich nach einem Laden in Deutschland, der ihre Kollektion führt. Einfach eine Rundum-Beratung, die besten look-alike-Teile, die ich auf dem Markt finde und Outfits mit denen sie selbst Trends setzen können. Aber vor allem will ich ihnen keine Sachen andrehen, die sie nach einer Saison wegschmeissen, sondern länger im Kleiderschrank behalten können, weil sie modisch und zeitlos sind.
Wegen Blogs und Streetstyle-Fotografie ähneln sich die Looks und Trends in vielen Großstädten – würdest du dennoch sagen es gibt einen „Kölner Stil“?
Wenn man sich die modische Szene wegdenkt, ist der Stil der Kölner mit Robert und Carmen Geiss zu vergleichen.
Nach was suchen deine Kunden besonders, was sind in Köln die Bestseller?
Im Moment sind es bedruckte T-Shirts von Eleven Paris, look alikes von Isabel Marant und burgundy farbene Strickpullis von Second Female.
Wo gehst du gerne einkaufen (offline + online)?
Natürlich bei mir und Schuhe und Taschen gerne bei Mytheresa und Net-a-porter. In den Läden in Köln und in der Umgebung gibt es fast nie die Sachen, die ich suche.
Was sind deine 5 Lieblingsteile im Kleiderschrank?
Ein grauer Minirock, eine blaue Leojeans von Just Female und ein blau/rot/weiß kariertes Hemd aus meinem Laden, außerdem meine roten Chloe Susannas und meine rote Celine Trapeze Tasche.
Du bist Mutter geworden – was hat sich für dich seitdem verändert?
Noch mehr Organisationsarbeit. Zu meinen üblichen Aufgaben, Einkauf, Verkauf, Schaufenstergestaltung, Ladendekoration, Erstellen von immer neuen Layouts für meine Shop-Flyer, Produktfotografie, Blogprogrammierung- und design, den täglichen Updates des Blogs, Facebook-Fanpage, Instagram, Pinterest und Co. und der ständigen Suche nach neuen Trends, ist nun die Organisation rund um meinen inzwischen 6 Monate alten Sohn Max hinzugekommen, die, wie alle Mütter wissen, vor allem im ersten Jahr eigentlich ein Fulltimejob ist.
Baby, Bloggen, Laden – wie kannst du am besten abschalten, was ist dir in deiner Freizeit wichtig?
Wenn ich meinen kleinen Max in die Arme nehme und er mich anlächelt, vergesse ich alles andere. Daher verbringe ich meine Freizeit am liebsten mit meiner Familie.
Was antwortest du Leuten, die sagen „Hey, ich will auch ein berühmter Mode-Blogger werde – hast du ein paar Tipps für mich?“
Lern’ erst was Anständiges, vom Bloggen alleine können nur wenige leben. Finde deinen eigenen Stil, sei kreativ und vor allem originell.
Was wünscht sich Golestaneh dieses Jahr zu Weihnachten?
Eine Nacht durchschlafen.

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