Wohnungskolumne: Meine Kitchen Story – So planten wir unsere Traumküche mit dem Marmorcenter (Teil2)

Im ersten Teil meiner Küchenplanungsgeschichte habe ich von der Ideenfindung, den Korpi und den Reform-Fronten berichtet, im zweiten Teil soll es um die Geschichte unseres aussergewöhnlichen Quarzits gehen. Ohne das doch recht intensive Einsetzen des Marmo-ähnlichen Gesteins wäre unsere Küche nämlich nur halb so schön geworden!

Im Stil- und Designfindungsprozess bemerkte ich anhand meines Instagram-Moodboards ein deutliches Faible für aussergewöhnliche Steine. Die Integration eines Marmor-Blocks schien daher schon früh unausweichlich. Dass ich auch die Arbeitsplatte sowie die Rückwand und Ablagefläche aus demselben Stein planen wollte, zeichnete sich ebenso schnell ab – war aber in erster Linie natürlich eine Kosten- und auch Praktikabilitätsfrage.

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Und so zogen mein Mann und ich durch die Steincenter in und um Berlin herum, ließen uns in diversen Fliesencentern beraten und wurden schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Marmor? So empfindlich, ungeeignet als Küchenarbeitsplatte! Keramik-Nachbildungen sahen irgendwie immer „fake“ aus, Granit fand ich nie schön, Beton war keine Option. Und weil ich den perfekten Stein nicht finden konnte und auch etwas unsicher ob der Handhabe war, bin ich sehr dankbar, dass mir Stan Rusch vom Marmorcenter in Römhild, MCR, empfohlen wurde.

Wir haben zwei Mal telefoniert, ich habe ihm meine Inspirationsbilder und Ideen zugeschickt und anhand dessen hat er sich für uns auf die Suche nach einem passenden Stein gemacht. Die „alles ist möglich“-Einstellung gab mir frischen Mut und ich hatte im Gefühl, dass das was werden könnte mit uns und dem Stein – eigentlich war es schon beim ersten Gespräch so nett, lustig und auf einer Wellenlänge, dass ich richtig euphorisch war! Auch meine Bedenken konnte mir Stan nehmen (dazu später mehr).

Anfang März, keine Woche nach unserem Gespräch, landeten die ersten Bilder von den Tafeln in meinem Posteingang, die Stan in Italien gescoutet hatte. Der Betreff „Steinauswahl“ machte mich ganz hibbelig und da ich gerade unterwegs war, kaufte ich extra ein neues Datenvolumenpaket.

Stan’s Auswahl:

Gleich drei der Tafeln kamen meiner Vorstellung unheimlich nahe – und treffsicher wählte ich den mit Abstand teuersten Stein (erste Reihe in der Mitte) mit goldenen Venen namens Calacatta Super. So schön es gewesen wäre, einen Kleinwagen allein für das Material in unsere Küche zu stellen, sprich ohne Verarbeitung, Lieferung, etc, war keine Option. Von meinem zweiten Favoriten, dem „White Macaubas“, fragte ich dann noch weitere Bilder der Platten an, während der dritte Liebling bereits verkauft war. Auch hier galt: schnell sein, denn lange können die Platten nicht reserviert werden.

Stan versicherte mir, dass der White Macaubas eine gute Wahl sei, da es sich um einen widerstandsfähigeren Quarzit handele.

Echter Quarzit hat seinen Ursprung in Sedimenten und besteht aus Quartzkörnern, die mehr oder weniger neu kristallisiert sind und sich verfestigt haben. Seine Bildung steht in Zusammenhang mit der Metamorphose von alten Sandsedimenten, die sich an der Erdoberfläche (Dünen an der Küste und Wüstengebiete) oder unter Wasser (See- und Flussbecken) abgelagert haben. Die Beschaffenheit der echten Quarzite ist normalerweise kristallzuckerartig, in der die Quatzkristalle makroskopisch beobachtet werden können. (Quelle: Litos)

Von der Auswahl zum Aufmaß zum Einbau

Mit meinen eher schlechten Photoshop-Kenntnissen fügte ich die Platte in unser Küchen-Rendering ein, hielt das Muster des Pewter-Linoleums von Reform gefühlt hundert Mal an das Foto und war dann irgendwann so weit, Stan das „go“ zu geben. Er reservierte die Platte und ließ sie mit der nächsten Fuhre, die mehrere Platten aus Italien liefern sollte, zu sich ins Marmorcenter nach Süddeutschland liefern.

„Der lange Vorlauf muss nicht immer unbedingt sein, aber wir legen Wert darauf, dass die LKWs, die aus Italien zu uns kommen, auch immer voll bestückt sind. Auch wegen des CO2-Gedankens, der bei uns in der Firma mit der Wasseraufbereitung und den ganzen Solaranlagen bis dahin geht. Das ist uns einfach wichtig.“ Im Werk angekommen, wird der Stein zunächst zwischengelagert, bis das genaue digitale Aufmaß vor Ort gemacht wird.

„Ein Aufmaß ist wichtig, gerade bei den schrägen Wänden und Böden beim Altbau, da ein Stein nicht so einfach nachzubearbeiten ist wie beispielsweise ein Holz. Wir gehen wirklich digital in die verschiedenen Ecken rein und können schauen, wo Vorsprünge und Ausklinkungen sind oder wo die Steckdosen liegen. Wir messen genau aus, damit alles perfekt passt. Das wird vom Aufmaß-Gerät dann auch direkt an den Computer weitergeleitet.“

Es sollten ein paar Monate vergehen – unser Bau verzögerte sich lediglich um drei Monate 😉 – bis wir einen Termin für das Aufmaß vereinbaren konnten. Die Küche stand zu diesem Zeitpunkt keine Stunde final, aber ich bin sehr froh, dass die Maße für unseren Block, die Ablage und die Rückwand gemacht werden konnte!

Steinexperte Stan Rusch von MCR 

 

Nachdem das Aufmaß übermittelt wurde, kommt der Stein auf die große Säge, wird grob zugeschnitten, geht dann über CNC-Maschinen und über Wasserstrahl-Maschinen, bis er dann von Hand nochmal nachgearbeitet wird. Die Oberfläche wird poliert und imprägniert, sodass der Stein robuster gegenüber Säuren und Ölen ist. „Nichtsdestotrotz ist es immer noch ein Naturstein. Wenn die Oberfläche wieder aufmachst, das heißt bürsten, flammen, ledern, mit dem Waterjet bearbeiten, dann gehst du immer in die Oberfläche rein und zerstörst sie eigentlich einfach wieder. Ein Stein mit einer polierten Oberfläche ist für eine Küche also immer erstmal der sichere Weg.“ Ein kleines Risiko bleibt aber dennoch. Auch wenn ein Quarzit geologisch gesehen kein Marmor ist, enthält er dennoch Bestandteile, die Säuren einziehen. „Das Problem ist nicht die Säure an sich, sondern die Zeit. Wenn du eine Zitrone verkehrt herum auf den Stein legen würdest und du hast das feuchte Mikroklima darunter, dann kann es schon passieren, dass irgendwann ein Fleck auftritt. Genauso bei Rotwein. Das ist ähnlich wie bei einem Holzboden oder anderen natürlichen Stoffen, die dürfen sich dann auch ein Stück weit natürlich verhalten und bekommen mit der Zeit einfach eine gewisse Patina.“

Soweit die Theorie. Bis zum Einbau haben wir den Stein jedoch nicht live gesehen. Wie aufgeregt ich war, als Mitte Juli der LKW mit der Lieferung kam? Ihr könnt es in meinen Instagram-Stories in den Highlights unter „Bau Finale“ nachschauen!

Die Platten für die Flächen wurden einzeln hinaufgetragen und mit grösster Sorgfalt verbaut – es ging tatsächlich blitzschnell. Vom Timing her musste zunächst die Arbeitsplatte installiert werden, dann wurde das Regal darauf gebaut und erst zum Schluss konnten die Rückwand und Ablagefläche gebaut werden. Mit dem Regal lief es nicht reibungslos, mit dem Stein glücklicherweise schon!

Das finale Ergebnis!

 

Wenn man bedenkt, dass wir den Stein nur anhand von Stans Foto und dank seiner Beratung ausgewählt haben und wir die Planung nur mündlich am Telefon durchgesprochen haben, so ist das Ergebnis einmal mehr fantastischer als ohnehin. Besser hätte ich es mir nicht mal in meinen Träumen ausmalen können – es ist das perfekte Zusammenspiel mit den Reform-Fronten!

Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, dann schreibt Stan doch einfach an über die Website – MCR ist deutschlandweit im Einsatz.

Wer keine aufwändige Planung, aber unbedingt ein modulares Steinmöbel von MCR haben möchte: Gibt es jetzt auch in Form von „N’stee“ (in Berlin erhältlich bei DerRaum – Felix Lühring oder im Küchen Atelier Piekarz)! Sieht auch mega gut aus!

– In Kollaboration mit MCR. Unbezahlte Werbung –

 

Kommentare

  1. Sandra sagte am

    Hallo Jessie,
    eure Küche sieht unserer Küche an der wir schon ein Jahr lang planen sehr ähnlich. Unser Umbau hat sich leider massiv verzögert, aber so kann ich jetzt noch ein wenig von deinen Erfahrungen profitieren.
    Vielen Dank für den Tipp mit MCR. Darf ich fragen was der Stein fertig montiert pro gekostet hat? So lange der Einbau unserer Küche noch nicht absehbar ist, traue ich mich nicht nicht bei den Unternehmen anzufragen was die Arbeitsplatte in etwa kosten wird.
    Ich hoffe unsere Küche wird ähnlich gut im Endergebnis.

    • Jessie sagte am

      Huhu Sandra, drücke euch die Daumen! Ich weiss den Preis pro Quadratmeter ehrlicherweise nicht, das müsstest du individuell pro Stein anfragen!

  2. Christine sagte am

    In diese Küche bin ich richtig verliebt und das obschon ich selbst gar kein Küchen-Fan bin.
    Alles passt, ist sehr clean und doch nicht kühl.Wunderschön!

  3. Superyaro sagte am

    Hallo, die Küche sieht super aus. Wir haben auch Reform auf dem Schirm, die Ergebnisse sind erstaunlich, wenn man bedenkt dass die Boxen Ikea sind.

    Zwei Fragen habe ich:

    Welches Gewerk hat euch die Bora verkauft/gespendet? Leider gibt es die nicht solo zu kaufen, man braucht offenbar immer ein Küchenstudio dazu, will aber alles selber machen…

    Gibt es die durchgefärbten Basic im Programm oder war das eine Ausnahme bei Euch?

    Lg
    Jaro

    • Jessie sagte am

      Huhu Jaro, wir haben Bora selber gekauft und zwar über unseren Architekten, der auch die „Handelslizenz“ dafür erworben hat – wie ein Küchenstudio sozusagen. Da kommst du nicht dran vorbei leider. Kann dir gern seinen Kontakt per Mail senden. Das Modell ist ganz neu, gibt es genau so im Programm! LG Jessie

  4. Wunderschöne Küche! Wirklich traumhaft.

    Sag mal, wie lang ist die Arbeitsplatte und ist die aus einem Stück Stein also ohne Verbindungsfuge?

    • Jessie sagte am

      Danke dir! Es gibt eine Verbindungsfuge, die haben wir im vornherein festgelegt (beim Aufmaß). Länge sind ungefähr drei Meter meine ich, da es noch bis ins Regal hinein geht!

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