Trendwatch: Was kommt nach dem oversized Boyfriend Blazer?

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Wenn 2019 das Jahr der Boyfriend-Blazer war, steht 2020 ganz im Zeichen von übergroßen Schnitten und extravaganten Ärmeln. Das Besondere: Anstelle von XXL-Looks, die danach aussehen, als hätte man sie aus dem Schrank des Mannes, Mitbewohners oder Vaters geklaut, verpassen Designer den neuen Styles jetzt ein feminines Update.

Ein Blazer ist der Klassiker schlechthin. Für maximal Selbstbewusstsein zeigt sich der modische Evergreen jetzt mit einer breiten Schulterpartie und herabgesetzten Nähten. Coole Puffärmel sorgen zudem für einen modernen Twist. Galt der Look früher noch als reiner Männermode-Trend, ist er heute das Key Piece in der Garderobe jeder Frau.

Britische Marinesoldaten etablierten einst den doppelreihigen, dunkelblauen Blazer mit goldenen Knöpfen als ein traditionelles Kleidungsstück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein etwas lässigerer Einreiher, inspiriert von der britischen Sport-Clubszene. Wieder trugen diesen ausschließlich Männer. Mehr als 100 Jahre dauerte es, bis der Look um 1950 zunächst die englische und dann die weltweite Freizeitmode eroberte. Die wohl berühmteste Interpretation des Blazers, wie wir ihn heute kennen, stammt von Yves Saint Laurent. 1966 setzte der Couturier mit seinem „Le Smoking“ ein modisches, aber auch ein politisches Statement. Er gab den Frauen mehr Power mittels Mode, indem er ein Kleidungsstück entwarf, das für Rebellion steht und bis heute modern ist.

Ob klassisch oder dekonstruiert, Designer interpretieren den Look immer wieder neu. Der angesagte XXL-Schnitt mit abgesetzten Ballonärmeln entfernt sich dabei sohl vom traditionellen Herrenjackett als auch von einer taillierten Frauenjacke. Stattdessen siedelt er sich in der Mitte an, verleiht einem ehemals maskulinen großgeschnittenen Modell ein feminin starkes Update und wird so zum Spiegel unserer Gesellschaft.

 

 

Diskriminierung, Unterdrückung, sexueller Missbrauch – In Zeiten von #MeToo und der Forderung nach einer klaren Gleichstellung der Geschlechter bleibt die modische Aussagekraft eines Statement-Blazers vor allem dann erhalten, wenn sich der Fokus auf eine starke Schulter legt. Frauen nehmen mit wachsender mediale Rückendeckung eine selbstbewusste, ehrliche Haltung an. Sie werden präsenter und deutlich lauter, was das Durchbrechen traditioneller Strukturen betrifft. Auch die Wahl der Kleidung kann ein Zeichen dafür sein. Mit breiten Schultern stellen sie sich der Männerdominanz entgegen und nehmen den Raum ein, der ihnen in der Gesellschaft zusteht.

Der Blazer wird zu einer Art Rüstung und Ausdruck weiblicher Emanzipation! So steht der Look auch in der nächsten Saison stellvertretend für einen generationsübergreifenden Freiheitskampf. Denn war das gewagt geschnittene Modell aus der Sommerkollektion von Brøgger in Kopenhagen noch eine Ausnahme auf dem Laufsteg, so zog das feministische Designs bei den kürzlichen Schauen in Mailand und Paris jüngst alle Blicke auf sich.

Bei Fendi werden eine abgesetzte Schulterpartie und große Ballonärmel sowohl bei Blazer als auch Bluse und Kleid gezeigt. Während der Schnitt hier in schweren drapierten Materialien recht steif wirkt, sorgen fließende Woll- und Viscosestoffe in zarten Farben bei Max Mara für grazile Akzente. In beiden Fällen lautet die Botschaft: Frauen adaptieren Männermodelle nicht mehr, sondern nehmen sie für sich in Anspruch – so funktioniert modischer Feminismus par excellence!

Bilder via PR.

Text von Sarah Luisa Kuhlewind.

Kommentare

  1. Christine sagte am

    Dieser Trend ist ein echtes Wagnis, wenn er das genaue Gegenteil dessen transportiert, was er eigentlich ausdrücken will.Viele der gezeigten Modelle, sind den Frauen einfach „zu groß“.
    Die Frauen wirken, als müssten sie in Ihre Kleidungsstücke noch hineinwachsen.
    In meiner Wahrnehmung wird hier keine Zurückweisung männlichen Dominanzstrebens symbolisiert, sondern ein in zu viel Stoff gehüllter Mangel an Souveränität.

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