Kolumne: Mid-Price Schmucklabels, die uns nicht in die Miesen stürzen

Jahrelang habe ich mich, was Schmuck betrifft, immer wieder bei Mango, H&M & Co. eingedeckt. Den ganz teuren Schmuck wie den von Tiffany & Co. konnte ich mir eben nicht leisten. Sagte nicht Elizabeth Taylor einst: „Große Mädchen brauchen große Diamanten.“ 

Wie gut, dass sich eine neue Kategorie auf dem Schmuckmarkt etabliert hat, in der es eben nicht mehr nur „günstig“ oder „teuer“, sondern auch (juhu!) „bezahlbar“ gibt: die Mid-Price Schmucklabels. Wie gern investiert man heute in Stücke, die zumindest vergoldet sind und nicht nach drei Mal tragen anlaufen, aber einen eben auch nicht in die Miesen stürzen.

Für Oxford-Absolventin Rosh Mahtani war das Erfolgsrezept denkbar einfach: Schmuck mit einer Aura von Abenteuer, ein ästhetisch ansprechender Instagram-Account und attraktive Preise (ab 200 Euro). Ohne Erfahrung im Schmuckbereich, dafür mit dem Verlangen eine Geschichte zu erzählen, gründete sie 2014 die Marke Alighieri und begann vergoldete Stücke als Hommage an die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri zu entwerfen.

Sie macht zuerst einen Entwurf aus Wachs, klebt diesen danach auf Gips, um eine feste Form zu erhalten und gießt dann geschmolzenes Metall dazu, das sie anschließend vergoldet. „Als Kind habe ich immer alte Münzen oder Steine gesammelt. Ich habe sie auf dem Flohmarkt gekauft und dann an meine Ketten gehangen“, erinnert sich die Designerin. Ihr Bestseller sind Halsketten mit Medaillons, die wie alte Münzen und so wie ein besonderes Mitbringsel aus einem Abenteuerurlaub aussehen. 

Die Griechin Konstantina Pantelous, deren Marke Hermina Athens, wie der Name verrät, ihren Sitz in Athen hat und nach ihrer Tochter Hermina benannt ist, stellt seit 2011 ähnlich einfache Schmuckstücke her. Inspiriert von der Antike arbeitet die ehemalige Dolmetscherin mit erfahrenen Silberschmieden und Kunsthandwerkern in Athen zusammen, um alle Elemente ihres Schmucks zu fertigen und liebt es dann, sie selbst mit handgemachten Quasten und Pom Poms zu schmücken. Ihre Stücke sind zeitlos und so gestaltet, dass sie über Generationen weitergegeben werden können.

Für Fans von „Souvenirs von exotischen Reisen“ ist Helle Vestergaard Poulsen, die zuvor als Kreativdirektorin bei einer Reihe von dänischen Fashion Magazinen gearbeitet hat, zu erwähnen. Die Dänin macht mit ihrem Label Anni Lu (der Name ist eine Kombination der beiden Personen, die Helle am meisten inspirieren: ihrer verstorbene Mutter Anni und ihrer Tochter Luella) seit 2013 wunderbare Kreationen wie bunte Armbänder, Ohrringe und Ketten aus 14 Karat massivem Gold oder 18 Karat vergoldetem Sterlingsilber, funkelnden Kristallen, kleinen Perlen mit unregelmäßigen Formen, Mineralien oder Muscheln.

Apropos, Perlen! Als Leslie Chetrit ein kleines Mädchen war, sammelte sie Zeitungsausschnitte und machte daraus inspirierende Collagen – mit dem Ziel irgendwann Schmuck zu entwerfen. Heute macht die französische Designerin den Schmuck, den sie unter dem Namen Timeless Pearly entwirft, am liebsten aus Perlen, die sie mit Edelsteinen kombiniert und an Goldketten hängt.

Dass es mit diesem Erfolgsrezept nicht nur Schmucklabels mit klassischen Designs schaffen, beweisen Joyce Binneboese und Dana Roski von dem Berliner Label Wald. Sie verbinden Anhänger und Ohrringe mit großen Muscheln, der Bestseller der Marke ist eine Muschelkette mit einer Perle im Inneren. Eine interessante Idee, die von vielen anderen Juwelieren kopiert wurde.

Der neue Coup? Bunte Perlenketten, die ein bisschen wie aus einem Kaugummi-Automaten wirken. Man kann sie nicht nur mit anderen Ketten aller Art layern, sondern sogar frei von Verlustängsten mit ihnen ins Meer springen. Erwachsen und seriös wirkt der spielgetriebene Schmuck natürlich nicht. Aber mehr Spaß, eine höhere Qualität, ein niedriger Preis – klingt nach einem perfekten Angebot.

Auffällig ist, dass viele dieser Mid-Price Labels bereits seit über fünf Jahren existieren, einige sogar länger, aber erst seit ein bis zwei Jahren wirklich erfolgreich sind. Zu verdanken haben sie das zum einem dem großen Potential von Instagram. Wer die Plattform clever als Marketingtool nutzt, seine Entwürfe ästhetisch zur Geltung bringt, kann in kürzester Zeit eine schöne Followerschaft – und damit potentielle Käufer generieren. Nicht zu letzt ergibt sich für Schmuckdesigner eine Möglichkeit, mit Schmuck in die Branche einzusteigen und somit eine solide Basis für ihr Unternehmen zu schaffen – ähnlich wie es bereits Mansur Gavriel oder Cult Gaia (Must-Read: Erst Taschen-Hype, dann Modekollektion) mit ihren It-Bags geschaffen haben. So hat Hermina Athens inzwischen hübsche Bucket Bags, Anissa Kermiche tolle Vasen und Saskia Diez Sonnenbrillen, Taschen sowie Parfüm im Sortiment.

Zum anderen findet nicht nur in der schnellen Modeindustrie ein Umdenken statt. Wie auch in der Mode entziehen sich immer mehr Schmuckdesignerinnen den alten Kreisläufen und verlegen sich auf echte Juwelierkunst. Dazu ist der Konsument inzwischen bereit, mehr als 14,99 Euro für Schmuckstücke zu zahlen. Sie werden nicht mehr für einen kurzlebigen Spaß gekauft, sondern dienen als  zeitlos schöne Wertanlage, die bestenfalls über Generationen hinweg weitergegeben werden sollen.

Unsere liebsten Schmuckstücke*:

*Dieser Artikel enthält Affiliate Links.

Kommentare

  1. schade, dass ihr nur bisherige Labels der vergangenen Monate sammelt, die zudem gerade in der Insta-Welt omnipräsent sind. So haben die „Tipps“ zumindest für mich keinen Mehrwert.

    • Ich sehe das so wie Janina. Leider läuft der Blog derzeit Gefahr, journalistisch weniger wertvoll und somit überflüssig zu werden. Ich für meinen Teil neige aktuell stärker dazu, meine Zeit lieber in das Lesen von anderen Blogs (amazedmag.de, beige.de etc.) zu investieren, bei denen deutlich mehr Zeit und Mühe in das Recherchieren und Verfassen von Artikeln gesteckt wird.
      Gruß, Olga

    • Alexandra sagte am

      Hii Janina, es ging mir in dem Fall weniger um Geheimtipps, als um erfolgreiche Schmucklabels aus dem Mid-Price-Segment, die dank Instagram und einem Umdenken der Kunden erfolgreich sind. Ich habe vergangene Woche in den News ein Label vorgestellt, das sein Schmuck aus alten Glasflaschen macht. Vielleicht wäre das ja etwas für dich? Happy weekend! LG, Alex

    • …wir arbeiten fleißig daran, unser Label bekannter zu machen, liebe Janina! One-of-a-kind Schmuckstücke – keins wie das andere. Vielleicht wäre das interessant für dich?! Alles Liebe aus unserer Hamburger Schmuckwerkstatt von PEACE OF SCHMUCK ♥

  2. Carolin sagte am

    Ich habe auch kein großes Budget, aber trage nur noch Echtschmuck (Gold), den ich mir ganz zu besonderen Anlässen schenken lasse oder selbst kaufe. Vergoldet zählt für mich nicht so wirklich darunter, vielleicht auch, weil ich dann immer Angst hätte, dass der Schmuck (besonders Ringe) nach und nach ihre Farbe verlieren würden. Mein Tipp: auch mal in Goldschmieden nachfragen. In Berlin gibt es eine ganz tolle, die echt goldene, vom Design sehr schöne Goldarmbänder (ab 250 Euro) und -Ketten (400 Euro) jeweils mit Anhänger herstellt. Woanders ist es bestimmt noch günstiger. So hat man wirklich etwas (oft Individuelles) für die Ewigkeit.

    • Carolin sagte am

      PS: Die Marke Elli (vor allem die Premium-Linie) macht auch schönen, echt goldenen Schmuck für den schmalen Taler.

    • Liebe Carolin, das klingt genau Bach den was ich suche! Magst du einen Tipp geben, wo die Goldschmiede in Berlin zu finden ist?
      Vielen lieben Dank,
      Kathi

      • Carolin sagte am

        Liebe Kathi,
        na klar: Das ist die Goldschmiede Lachotta in Friedrichshain. Man kann mit eigenen Designideen hingehen und die Stücke (zumindest die drei, die ich habe), sind von sehr guter Qualität.
        Liebe Grüße
        Carolin

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