Das Zeitalter der Digital Personal Shopper: Mit „sold out“ und #OldCeline machen sie ihr Geschäft

Von dem Wort "ausverkauft" lassen sie sich nicht abschrecken. Im Gegenteil! Dadurch machen sie erst ihren Umsatz

Vorab eine kleine Geschichte: Wahre #OldCeline-Fans durchforsten derzeit alle Shops, nehmen viel Zeit für die Suche auf sich und zahlen nicht selten ein Vermögen, um die letzten Designs von Phoebe Philo in die Finger zu bekommen. Das britische Model Rosie Huntington-Whiteley ist ebenfalls ein Fan von Philos Ästhetik und im Besitz einer umfangreichen #OldCeline-Kollektion. Dennoch gibt es Lücken in ihrem Kleiderschrank; bis vor Kurzem fehlte ihr zum Beispiel ein ausverkaufter Statement-Mantel aus der Herbstkollektion 2017. Für ein Topmodel dürfte das ja eigentlich kein großes Problem sein. Geld hat sie, Kontakte zur Branche ebenso.

Pustekuchen! Auch eine Rosie bekommt anscheinend nicht alles, zumindest nicht sofort. Nachdem sie etliche Secondhandshops abgeklappert sowie Stylisten angefragt hatte, wandte sie sich an ihre Fans, die bei der Suche nach dem fast zwei Jahre alten Mantel helfen sollten. Sie postete ein Bild in ihren Stories und teilte so ihre Suche mit neun Millionen Followern, die sofort loslegten. Und hier kam Gabriel Waller ins Spiel: eine australische Personal Shopperin, die dafür bekannt ist, dank ihrer zahlreichen internationalen Kontakte die begehrtesten Designerstücke zu finden. Waller wiederum wandte sich an ihre Verbindungen in Dänemark, die den Mantel in einem einwandfreiem Zustand fanden. In weniger als einem Monat hatte Rosie ihren Traummantel.

Ein Happy End – nicht nur für Rosie. Denn eine Woche, nachdem Waller den Mantel gefunden hatte, meldete sich die Stylistin von Hailey Bieber. Sie bat um den gleichen Mantel. „Ich hatte Gänsehaut. DIE Quelle zu sein, war ein Traum, der wahr wurde“, erzählt Waller. Seitdem kann sich die Australierin vor Anfragen kaum retten. Vor kurzem fand sie die Madame-Boots von Celine für Kourtney Kardashian.

Auf die Idee, mit dem Tracken von begehrten Designerteilen Geld zu verdienen, kam sie bereits im Jahr 2016. Damals lebte sie als Einkäuferin und Stylistin in Los Angeles. Für Kunden musste sie immer wieder Teile bestellen, die in den USA nicht erhältlich waren. „Ich wusste, dass es dafür ebenfalls ein Potenzial auf dem australischen Markt gibt. Ich habe mich in L.A. darauf konzentriert, Beziehungen aufzubauen“, sagt Waller.

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Im Juli 2018 startete sie dann mit einer Handvoll Kunden und wertvollen Kontakten auf der ganzen Welt ihr Shopping Business, das nach nur wenigen Monaten boomte. Inzwischen kann Waller jeden Luxusartikel beschaffen und schnell liefern. Zudem kann sie Teile (aus jedem Bild) identifizieren und entsprechend finden. „Ich habe mich auf die Beschaffung von Produkten spezialisiert, die sehr gefragt oder ausverkauft sind, eine limitierte Auflage haben oder exklusiv für einen bestimmten Markt produziert wurden.“ Außerdem kann sie so gut wie jeden Artikel direkt vom Laufsteg aus vorbestellen und bekommt sie damit am schnellsten für ihre Kunden. Braucht sie Teile, die nicht mehr produziert werden, sucht sie in der Vintage-Szene.

Philo Fans verwandeln ihren Herzschmerz in Geld

Waller hat eine Nische gefunden: Frauen, die nach gewissen Designerteilen lechzen, aber ein zeitaufwendiges Recherchieren nicht in Kauf nehmen möchten, oder einfach nicht die notwendigen Kontakte haben. Dass dieses Business-Modell funktioniert, beweist nicht allein Wallers Erfolg. Inzwischen gibt es noch weitere Digital Personal Shopper. So bietet Bettina Looney, die vor allem auf Instagram berühmt ist, einen ähnlichen Service mit ihrer Firma Bettina Looney Ltd. an. Vor einigen Wochen hat sie die Madame Boots in verschiedenen Größen oder Alphabet-Anhänger von Celine in ihren Stories angeboten. Mit einem flotten Swipe Up landet man bei Whatsapp und kann ihr direkt schreiben. Per Mail kann man ebenfalls Produkte anfragen.

Personal Shopper und Dienstleister, die ausverkaufte Artikel für einen Kunden finden, sind nicht neu. Doch dank dem Hype um Celine pre Slimane ist das Business-Modell beliebter geworden und die Umsätze steigen. Die Designerstücke aus der Philo-Ära sind so begehrt wie nie, dummerweise aber nur noch schwer zu bekommen. Und wo eine Käuferschaft, dort nicht lange eine Marktlücke. Denn der Verlust eines Kultdesigners mit einer fanatischen Fangemeinde ist eine einmalige Gelegenheit. Nicht nur für Personal Shopper.

So ist laut des amerikanischen Vintageshops The RealReal die Suche nach Celine direkt am Wochenende nach Slimanes Debüt um 52 Prozent gestiegen. Zwischen dem 27. September und dem 2. Oktober 2018 stiegen die Besucherzahlen von Celine auch auf Vestiaire Collective um satte 275 Prozent, während die Zahl der verkauften Celine-Artikel um 43 Prozent gewachsen ist. Auch bei eBay gab es eine Steigerung der Suchanfragen um 225 Prozent für Phoebe Philo {Quelle: Business of Fashion}. Der Ansturm schien die Enttäuschung mit Slimane zu signalisieren und zeugt von einer Loyalität, die es heute nur selten gibt.

Philos Ästhetik, so argumentieren viele Fans, stellte eine grundlegende Veränderung dar. „Sie gab uns ein lang geschlitztes Kleid anstelle einer kurzen Shorts und weite Hosen, die uns aus einer engen Jeans herausgeholt haben“, sagte Gabrielle Boucinha, die den Instagram-Account @OldCeline ins Leben gerufen hat {Ny Times}. Angespornt von dem „Gefühl eines Endes“ wird der #OldCeline-Hype also noch eine Weile andauern und den Umsatz in Secondhandshops sowie bei Digital Personal Shopper steigen lassen.

Wer auf der Suche nach den begehrten Teilen ist, kann bei Gabriel Waller oder Bettina Looney anfragen: Mit Geld, Geduld und ein wenig Glück lässt sich jedes Teil finden. Wer die Suche selbst in die Hand nehmen möchte, sollte regelmäßig bei Ebay, Ebay Kleinanzeigen, Vestiaire Collective, Fashionette oder Kleiderkreisel vorbeischauen – da finden sich ebenfalls Celine-Schätze.

DIE AKTUELL BELIEBTESTEN #OLDCELINE-ARTIKEL:

Madame Boots

Pirate Mules

Alphabet Anhänger

Python Boots

Box Bag

Handtaschen wie die Box Bag sowie einige wenige Stücke pre Slimane findet ihr noch immer hier:

Von Alexandra

Schreiben sollte mir eigentlich leicht fallen, könnte man meinen, doch wenn es darum geht, etwas über mich selbst zu erzählen, bin ich – ja sagen wir mal – überfordert. Wo fange ich an? Vor eineinhalb Jahren habe ich bei Journelles als Praktikantin angefangen. Danach ging es weiter in die Moderedaktion vom Tagesspiegel und dann wieder zurück an die Uni. Nebenher habe ich hier als freie Autorin geschrieben und arbeite nun seit meinem Abschluss als Redakteurin bei Journelles.

Ich mag Mode und Beauty: Ich liebe neue Trends, gute Tipps und noch bessere Shoppingempfehlungen. Doch fast noch mehr mag ich es, Mode als Phänomen zu betrachten: Wieso gibt es diesen Trend? Woher kommt er? Welchen Einfluss hat die Politik oder Gesellschaft auf die Mode? Und umgekehrt!

Wenn ihr meine Texte lesen solltet: Dankeschön! Es gibt nichts Schöneres, als zu wissen, dass einige meine Artikel mögen. Und bitte seid gnädig mit mir, wenn ich Fehler mache. Ich lerne immer noch ... das wird sich wohl auch nie ändern ;-)

Kommentare (1) anzeigen

Eine Antwort auf „Das Zeitalter der Digital Personal Shopper: Mit „sold out“ und #OldCeline machen sie ihr Geschäft“

Falls jemand eine Céline Box Bag (Medium, Liege Leder, Camel) loswerden möchte, bitte melden!
Bin leider keine Rosie Huntington-Whiteley und verfüge auch nicht über weltweite Kontakte oder 9 Millionen Follower😩
Interessanter Artikel. Mich hätte noch interessiert was für die personal Shopper dabei an Provision rausspringt.

Viele Grüße

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007
den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.