TOP5: Unsere Lieblingskünstler auf Instagram

In der Kunstwelt passieren gerade ziemlich fragwürdige Dinge. Während ihre Grenzen sowieso seit Jahren immer fließender werden, kooperieren Künstler wie Jeff Koons mit Modelabeln wie Louis Vuitton. Über Geschmack lässt sich streiten – aber komisch ist das ja schon, wenn ein Künstler, dessen Arbeit doch eigentlich autonom sein sollte, sich mit kapitalistisch agierenden und unter fragwürdigen Bedingungen produzierenden Mode-Riesen zusammentun.

Abseits davon gibt es aber auch andere Zusammenarbeiten und Erweiterungen. KünstlerInnen malen nicht nur, sie töpfern auch, verkaufen ihre Formen und Ideen an nachhaltig produzierende, kleine Labels und machen gemeinsame Sache mit kleinen Einrichtungsläden. Inwiefern ist das dann noch Kunst? Ist das schon Handwerk oder einfach Kreativität?

Die Liste an Sachen, die in der Kunstwelt gerade neue Bahnen läuft, ließe sich noch ewig so fortführen. Kunst und Design finden immer mehr zusammen, Kunst wird global und Künstler sind überall Zuhause. Unter anderem auch im Internet. Auf Instagram lassen sich deshalb ganze Ausstellungen kuratieren. Zum Teil entstehen sogar Trends, ausgehend von der Arbeit eines Künstlers: Das beste Beispiel ist Christiane Spangsberg, deren One-Line-Drawings von einem Tag auf den anderen unsere Netzblase überfluteten, sodass Mode- und Interiorwelt nachzogen.

Manche Künstler lassen einen über die Plattform an ihrem Leben teilhaben, andere stellen ihre Werke aus. Über die Ausstellungs-Praxis letzterer Gruppe lässt sich streiten und im jeden Fall sollte man kritisch hinterfragen, was es mit Kunst, deren Produzenten, unserer Wahrnehmung macht, wenn wir über Instagram Einblicke in die Arbeit von ein paar wenigen durch unsere Blase gefilterten Künstler bekommen. Was bedeuten also die Social-Media-Affinität, das Wissen im Feld der Hashtags und der Wille zur Selbstdarstellung in Bezug auf die Möglichkeiten von KünstlerInnen heute? Dies ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Freude.

Die Freude darüber, dass sich so leicht Einblicke schaffen lassen, man sich inspirieren lassen kann, neue Ausstellungen und Lieblingskünstler entdeckt – und die sonst so umstrittene Plattform vielleicht auch einfach mal toll sein kann. Mal ganz abgesehen davon, wie abgefreakt es eigentlich ist, wenn man herausfinden kann, wem der oder die LieblingskünstlerIn folgt und welche Bilder ihn oder sie somit Tag für Tag erreichen. Damit ihr einen Einblick bekommt, von welchen KünstlerInnen ich da so spreche, habe ich hier meine liebsten für euch zusammengestellt:

Matthew Stone

Matthew Stone beschreibt sich selbst als Künstler und Schamane.
Als Maler, Fotograf, Bildhauer, Performancekünstler, Kurator, Autor, Optimist und kultureller Provokateur spielt er verschiedene Rollen gleichermaßen. 1982 in London geboren, lebt und arbeitet er immer noch in der Stadt. 

Matthew malt für seine Arbeiten Pinselstriche auf Glas, fotografiert diese und bearbeitet sie dann aufwendig in Photoshop. Das Ergebnis wird auf Leinwände gedruckt. Fertig ist der perfekte dreidimensionale Pinselstrich. Lebendig, aufgequollen vor Bewegung und Farbe. Von Menschenhand und wirklich gemalt, aber doch nicht ganz natürlich. Wunderschön.

Russell Leng

Er macht Kunst, weil es ihn frei macht. Nein, Russell Leng macht Kunst, weil er dann erst richtig merkt, wie frei er ist.

Wir mühen uns manchmal ab, den Vorgaben anderer zu entsprechen oder einfach nur den To-Dos und Terminen nachzuhecheln. Wer ein Kunstwerk macht, dem steht frei, ob er die gesamte Leinwand mit Glitzerpartikeln besprenkeln oder einen Sonnenschirm in der Mitte aufschneiden und oben drauf kleben möchte. Egal wann, wo und ohne To-Do-Liste.

Solche Dinge und andere – es muss ja nicht immer so aufwendig und freiheitszelebrierend sein – macht auch Russell Leng. Er lebt in Vancouver und meine Lieblingsserie trägt den Titel Peach Beach.

Jasmin Müller

In ihrem Instagram-Profil steht, dass sie Grafik-Design, Holzschnitte und Fotografie macht. Aufmerksam auf Jasmin Müller bin ich aber nicht über Instagram geworden, sondern in Hamburg. Und zwar als ich die tolle Sophia Zarindast für eine Homestory (Spoiler!) besucht habe. Dort stehen nämlich schöne Drucke von Jasmin herum – und weil ich mich gleich in die Farben und die ästhetische Leichtigkeit verliebt habe, folge ich der jungen Künstlerin aus Hamburg nun auch auf Instagram und erfreue mich ihres wunderbaren Blicks auf die Welt.

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Flora and Form

Hier hätten wir dann ein Beispiel für Kooperationen, die Künstler heutzutage machen. Ein unglaublich schöner Feed, dessen Ruhe einen sozusagen (Achtung, Wortschöpfung!) insta-meditieren lässt. Der Stil der Zeichnungen und die Farben differieren nur leicht, die Künstlerin verwendet ähnliche Formen – aber trotzdem üben sie eine seltsame Magie auf einen aus. Neben malerischen Produkten töpfert sie auch und macht Muster für Mode und Textil.

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Sedna Ali

Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als Visual Artist und Illustratorin. Vielleicht weil sie sich selbst lieber in Richtung Gestaltung verortet oder weil der Bereich der Bildenden Kunst ihr zu eng gesteckt ist. Ihre Arbeiten reichen von abstrakten Formkompositionen in Grundfarben über schwarz-weiße Experimente bis hin zu digitalen Spielen mit der Kunstgeschichte. Ein toller Einblick in die Breite künstlerischen Schaffens. Genial an der ganzen Instagram-Sache ist ja auch, dass es völlig egal ist, woher ein Künstler stammt. Der perfekte Ort also um altes Schubladendenken und Länderklischees aufzulösen.

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Header: Matthew Stone, Russell Leng, Jasmin Mueller, Flora and Form.

Kommentare

  1. dokicky sagte am

    Auch spannend und sehr schön zum Stöbern: @karten_dorothea_lechner Grußkarten in allen Varianten: eine Kombination aus mode- & beautyinspirierten Collagen und Handwriting

  2. Ja, man beobachtet das genau so wie Mode auch Kunst zum Mainstream durch den Medien wird und alle auf einmal das selbe posten, liken usw. Auf unzählige Blogs sieht man Kunst a la Christiane S. und den sogenannten lineart Trend. Ich frage mich jedes mal, ob man das auch wirklich mag, oder einfach mit dem Trend schwimmen möchte.
    Ich dagegen bin ein großer Fan von Oda Jaune, ihre Werke sind einmalig!
    Kostantina

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