TOP5: Die wichtigsten Tendenzen für die Modewelt in 2020

Das Jahr steckt noch in Kinderschuhen und es fühlt sich noch nicht so recht nach einem völlig neuen Jahrzehnt an. Während Jessie in den letzten Wochen Südafrika entdeckte und langsam im Alltag ankommt, tummelten wie uns auf der Berlin Fashion Week, die zusammen mit den Männermodenschauen in Paris den Jahresauftakt für die Modebranche bildet.

In der Mode herrscht eben kein Stillstand. Und wie sich die Branche in diesem Jahr weiterbewegen wird, prognostizierte vor einigen Wochen die Online-Plattform Business of Fashion in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey. Seit einigen Jahren ist der jährlich erscheinende Trendreport The State of Fashion die Grundlage der Modebranche, um sich über kommende Entwicklungen und Tendenzen zu informieren.

Die fünf wichtigsten Trends, beschrieben in dem über 100 Seiten langen und in kompliziertem Englischvokabular verfassten Bericht, haben wir hier heraus gefiltert und für uns verständlich gemacht. Voilà, hier kommt das Horoskop 2020 für die Modebranche!

1. Nachhaltigkeit an erster Stelle

Um gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen: Mode ist noch nicht nachhaltig. Stattdessen ist die Modeindustrie nach der Erdölbranche weiterhin eine der umweltschädlichsten Industrien weltweit und trägt maßgeblich zur Umweltverschmutzung bei.

Mit der wachsenden Klimabewegung zeichnet sich nun auch in der Mode eine moderate Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein ab. Neben vielen Eco-Fashion Labels, der Verwendung von Bio-Baumwolle und Recyclingmodellen, hat sich jedoch noch kein massiver globaler Wandel abgezeichnet.

Statt Nachhaltigkeit nun insbesondere für PR-Zwecke einzusetzen, wird die Modebranche dazu genötigt, nun wirklich zum Handeln zu kommen und bedeutungsvolle Änderungen zu beginnen. Nur durch radikale Verbesserungen können Marken dem Druck und Verlangen der Konsumenten nach Nachhaltigkeit und Transparenz entgegenkommen. Wir sind gespannt, was in diesem Jahr passieren wird. Doch so lange können wir als Modeliebhaber in unserer passiven Rolle handeln – bewusster und weniger konsumieren, nachfragen und aufmerksam gegenüber der Produktion und Herkunft unserer Kleidung sein. Und immerhin bringt eine solche Veränderung auch viele neue Labels auf den Markt, die entdeckt werden wollen.

 

2. Die nächste Social Media-Generation

Dass soziale Medien und Netzwerke zu unserem täglichen Alltag gehören, ist kein Geheimnis mehr, denn durchschnittlich verbringen wir täglich 37 Minuten auf Apps wie Facebook, Instagram und Co. Seit dem letzten Jahr ist diese Entwicklung überraschenderweise jedoch rückläufig. Nutzer verbringen weniger Zeit auf den Plattformen und zeigen geringere Aufmerksamkeit – nämlich gerade mal durchschnittlich zwei Sekunden – pro Post.

Grund dafür ist vor allem die Entwicklung der sozialen Medien, die, ursprünglich für den sozialen Austausch gemacht, nun immer stärker zu Werbeplattformen werden. Das eigentlich Persönliche und Soziale geht bei den vielen gesponserten Posts und Werbeanzeigen verloren, während Algorithmen generieren, welche Beiträge die meiste Reichweite erzählen.

Auch Modelabels und Designer, die soziale Kanäle für ihr Marketing nutzen, müssen sich mit dieser Entwicklung anfreunden und neue Strategien entwicklen, um weiterhin Authentizität und Aufmerksamkeit zu kreieren, ohne dabei die Kunden mit billiger Werbung zu überfluten. Also ein Plädoyer für mehr angepassteren und reduzierten Content, dafür mit persönlichem Bezug. Ganz nach dem Motto: weniger ist mehr.

3. Die Revolution der Materialien

Bereits einige der größten Modeunternehmen entdecken für ihre Kollektion innovative und technologische Fasern als neue nachhaltige Alternativen. Es gibt Leder aus Ananas oder Algen, Jersey aus Bambus oder tierschützende Seidenarten.

Von H&M bis hin zu globalen Markenkonglomeraten wie Kering steigen die Investitionen in der Forschung und Kooperationen mit nachhaltigen Produktionslaboren. Neben biologischen Lösungen, bei denen Textilien vorwiegend aus natürlichen Abfällen gewonnen werden, wie Kaffeesatz oder Orangenschalen, werden auch technologische Innovationen und der 3D-Druck zunehmend bedeutsamer.

Durch eine jüngeren Generation, die plötzlich neue nachhaltige Interessen entwickelt und laut Statistiken auch bereit ist mehr Geld für nachhaltige Kleidung auszugeben, werden Modelabels dazu genötigt, neue Produktionsmöglichkeiten zu nutzen. Und mal sehen, vielleicht tragen wir bald von Kopf bis Fuß Ananas oder Alge? Für wen das alles noch zu utopisch klingt, der kann in unserem Artikel zu Lederalternativen das Ganze im Detail nachlesen.

4. Die Kultur der Inklusion

Die eben beendete Modewoche hat bereits deutlich gemacht, wie stark Diversität und Inklusion nun zum Thema in der Mode werden. Neben Models verschiedenster Kulturen, Altersgruppen und Typen, wurde die Mercedes-Benz Fashion Week erstmals mit einer Gruppenshow vier südafrikanischer Designer eröffnet und zeigte damit, wie Mode Kulturen und Menschen verbinden kann.

Auch auf dem internationalen Modemarkt wird die Tendenz bemerkbar, sich vom diktatorischen Schönheitsklischee der schlanken, grossen, blonden Frau zu verabschieden und eine neue Wahrnehmung gegenüber des weiblichen Körpers zu schaffen. Während das amerikanischen Unterwäschelabel Victoria’s Secret seine gleichartige und reklamehafte Modenschau einstellte, gewinnen inklusive Labels wie Rihannas Savage x Fenty wachsende Bedeutung.

Und auch gesellschaftsrelevante Themen wie Sexualität, Geschlechterrollen und Toleranz rücken verstärkt in den Mittelpunkt und bewegen dazu, auch außerhalb der Mode zum Umdenken.

5. Die neue Bedeutung Asiens

Dass der asiatische Markt für einen Großteil der Umsätze im hochpreisigen Luxussegment verantwortlich ist, ist kein Geheimnis. So sehen wir bei einem Bummel am Ku’damm oder im KaDeWe doch oft asiatische Touristengruppen in den Designerläden und Handtaschen-Abteilungen. Doch neben der starken Kaufkraft wird der fernöstliche Kontinent auch für sein eigenes Design und den Vertrieb von Kleidung wichtiger.

Durch landesübergreifende Online-Plattformen und soziale Netzwerke haben asiatische Labels die Chance, am globalen Markt teilzunehmen und ihre Kollektionen über E-Commerce Anbieter wie Alibaba oder Amazon zu präsentieren. Befeuert wird diese Entwicklung aufgrund neuer Verkaufsregulierungen und Zahlungsmethoden der Onlinegiganten. So wird erwartet, dass uns in nächster Zeit immer mehr ungekannte Labels und Produkte aus dem asiatischen Markt begegnen und neue Vertriebsplattformen für den internationalen Markt entstehen. Wir sind gespannt und freuen uns schon, die ersten Entdeckung mit euch zu teilen!

Bilder im Header via unsplash.com

Text von Sarah Luisa Kuhlewind 

Kommentare

  1. Kerstin sagte am

    Dankeschön für solch wichtigen Impulse. Wir uns als Konsumenten bleibt genau nicht die passive Rolle, sondern wir sind aktiv für diesen Prozess verantwortlich, mit jeder einzelnen Kaufentscheidungen bestimmen wir die Entwicklung dieses Marktes. Wir müssen uns für einen wirklichen change genau dieser Verantwortung noch viel bewusster werden.

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