Mode-Mythen: „Wer Billigmode kauft, unterstützt Ausbeutung und Kinderarbeit“

Im Rahmen der Mythen-Woche haben wir eine Feldstudie betrieben, über die „Made in„-Kennzeichnung und vermeintliche „natürliche“ Materialien wie Baumwolle berichtet. Hier wollen wir noch einmal tiefer in die Materie gehen: Große Ketten verkaufen T-Shirts für 5 Euro und brüsten sich auf ihren Websites mit strengen Kontrollen – wie glaubwürdig sind solche „Code of Conducts“, also

Im Rahmen der Mythen-Woche haben wir eine Feldstudie betrieben, über die „Made in„-Kennzeichnung und vermeintliche „natürliche“ Materialien wie Baumwolle berichtet. Hier wollen wir noch einmal tiefer in die Materie gehen: Große Ketten verkaufen T-Shirts für 5 Euro und brüsten sich auf ihren Websites mit strengen Kontrollen – wie glaubwürdig sind solche „Code of Conducts“, also eine Sammlung von Richtlinien, welche sich die Unternehmen selbst auferlegen? Immerhin verlassen wir uns als Verbraucher darauf. Die Antworten der Experten sind eindeutig.

„Diese Kontrollen sind grundsätzlich mit Vorbehalt zu lesen. Hier geht es immer um Löhne und problematische Produktionsformen. Ich meine es ist auch ein Irrtum, das der Textileinkauf immer denkt, der Kunde, würde nicht 10 oder 20 Cent mehr bezahlen!“ Thomas Meyer zu Capellen, Prof. für Textilkunde, Akademie Mode und Design (AMD)

„Bei diesem Preis kann man das nicht glauben. Erst durch unabhängige Drittorganisationen mit überprüfbaren, konsistenten Standards entsteht Glaubwürdigkeit. (…) In unserer Produktdatenbank sind die Anbieter von Textilien aus fair gehandelter Baumwolle hinterlegt.“ Edith Gmeiner, Fairtrade Deutschland

„Ich denke nicht, man kann einfach nicht billig und fair zugleich produzieren. Allerdings garantieren hohe Preise eben auch nicht automatisch, dass das Produkt fair hergestellt wurde. (…) Vor allem von den Textil-Discountern würde ich abraten. Wichtig ist, dass der Konsument immer wieder kritische Fragen stellt, seine Kaufentscheidungen bewusst trifft und nach nachhaltigen Alternativen fragt. Dadurch wächst der Druck auf die Unternehmen und die Politik den Arbeitern in den Produktionsländern menschenwürdige Verhältnisse zu ermöglichen und für mehr Transparenz zu sorgen.“ Julia Knüpfer, Designerin Ica Watermelon

„Sicher gibt es große Ketten, die mit Kontrollen werben, die nicht ernst zu nehmen sind. Es gibt aber auch solche, die wirklich nachhaltige Kleidung anbieten und diese per Mischkalkulation oder aus dem Marketingbudget subventionieren.“ Heike Scheuer, Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.

Fazit: Auch hier werden wir als Verbraucher ziemlich allein gelassen. Texte wie „Unsere Verantwortung“ oder „Nachhaltigkeit“ auf einer Website reichen nicht aus, um Vertrauen zu schaffen. Besser ist, wenn ein Unternehmen von einer unabhängigen Stimme (Textilsiegel, ÖKO-Test, Greenpeace o.ä.) positiv bewertet wurde.

Von Alexa

Ich liebe schreiben, bloggen und schöne Dinge zu entwerfen, also mache ich all das.

Als Journalistin habe ich für Magazine und Zeitungen wie Business Punk, Fräulein, Gala, FTD/how to spend it, Instyle, Lufthansa Magazin, Stern, Tagesspiegel, Vanity Fair und zitty gearbeitet. Meine Online-Erfahrungen habe ich u.a. Stylebook und styleproofed gesammelt. Mein Blog heißt Alexa Peng, mein Schmuck-Label vonhey. Ich komme aus dem Rheinland und bin in einem Dorf am Waldesrand aufgewachsen, wo nur einmal in der Stunde ein Bus fuhr. Da muss man sich was einfallen lassen, um sich nicht zu langweilen. Meine Tante hatte in der Stadt eine Boutique und einen Schrank voller Kleider, Schuhe und Taschen, mit denen wir Kinder verkleiden spielen durften. Wir haben Modenschauen im Hobbykeller veranstaltet und die ganze Nachbarschaft eingeladen. Dass ich mal was mit Mode machen würde, war also klar. Nach dem Abi habe ich an der AMD in Hamburg Mode-Journalismus studiert und später an der UdK in Berlin einen Master of Arts in Kulturjournalismus gemacht. In Zukunft will ich mein Label weiteraufbauen, die Welt sehen und gute Geschichten schreiben.

(Foto: Sandra Semburg)

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14 Antworten auf „Mode-Mythen: „Wer Billigmode kauft, unterstützt Ausbeutung und Kinderarbeit““

Ist ja schön und gut, dass diese Themen hier überhaupt stattfinden, ich finde es in der Ausgestaltung allerdings recht dürftig. Da kommt dann unter dem Schlagwort „Kinderarbeit“ eine kurze Zitatesammlung, die „Feldstudie“ ist ein wahlloses Zettellesen im KaDeWe – ich weiß nicht, ob ihr euch und den LeserInnen damit einen Gefallen tut. Ich finde: Wenn, dann richtig; und wenn man das als Blog nicht leisten kann – wofür ich völliges Verständnis habe -, dann doch lieber auf die dementsprechenden, wirklich fundierten (wissenschaftlichen) Beiträge verweisen..

hey, danke für dein feedback! vielleicht kannst du mir deine lese-tipp schicken? 1000 dank!

Kann dem nur zustimmen. Initiative „sehr gut“, Ausführung „mangelhaft“ – setzen!
@Journelles: Ihr könnt und sollt hier nicht die Welt retten und seid natürlich auch nicht unparteiisch und (Vorsicht: Unterstellung), wollt es Euch sicher nicht mit möglichen Kooperationspartnern in der Branche verderben. Mit einer sachlichen Darstellung von Tatsachen muss man sich nicht in die Nesseln setzen, kann aber passieren. Wenn Ihr davor Bedenken habt, dann das Thema lieber ganz umschiffen, denn wer kritisch berichtet, muss sich auch unbeliebt machen wollen. So haben wir alle nichts davon und es bleibt ein fahler Beigeschmack bzw. Unmut und auch ein wenig das Gefühl, veralbert worden zu sein. Das mögen die Wenigsten unter uns.

Das Zitat von Julia Knüpfer trifft genau meine Meinung. Ich glaube, dass wir als Konsumenten mit unserem Verhalten (kaufen, fragen, fordern) große Gestaltungsmacht haben und die Verhältnisse für Mensch und Umwelt an den Stationen der Erzeugung sehr gut beeinflussen können! In kleinen Schritten, aber mit der Zeit nachhaltig!

Das hilft mir jetzt relativ wenig weiter. Wie viel Kinderarbeit nehme ich in Kauf, wenn ich bei H&M und ähnlichem kaufe? Welche Ketten (sei es Zara, Mango, H&M, Primark …) haben welche CoCs und inwiefern sind diese von Dritten nachgeprüft? Was kann ich als Konsument machen, wenn es in meiner Umgebung nur hässliche/langweilige Kleidung mit Siegel gibt und ansonsten nur das schlechte Gewissen bleibt? Das Fairtrade-Siegel existieren hilft im Zusammenhang mit Billigkeitten auch nicht weiter.
Oder geht es in diesem Artikel darum, dass man nicht bei Kik kaufen sollte, weil die Sachen da böse sind?
Alles zusammen: Ich hab mir sehr viel von eurer Woche erhofft, gerade vom Thema günstigerer Mode und Fairness. Aber das hier hilft mir nicht weiter, ich glaube, das könnten die meisten halbwegs Google-erprobten auch in einer Stunde runterschreiben.

Danke, dass du dich für diese unbequemen Themen einsetzt! Was ich spannend finde, ist die H&M Aktion für Bangladesh, an der Kasse wird man gebeten, den Betrag für eine Spende aufzurunden. Ist das nicht eine Abwälzung der Verantwortung auf den Kunden, für die H&M dann auch noch eine Spendenquittung erhält? Und wer kontrolliert in solchen Fällen, ob das Geld auch tatsächlich ankommt?

Und ich würde mir in Zukunft wirklich konkrete Namensnennungen wünschen. Gerade ein so beliebter Blog ist Teil des „Druck machens“, wie es im Artikel beschrieben wird.

wenn man sich dem thema annimmt, dann auch mit etwas mehr tiefgang und seriösität. hier sind ja lediglich zitate aneinander kopiert wurden. ziemlich einfach gemacht… wissenschaftlich fundtierte recherche geht anders. dann macht doch lieber fun themen und zeigt schöne wohnungen und hübsche kleidung.

Also der Artikel ist peinlich und keinen Post würdig. Dieses Thema ist jedem bekannt und nur um sein gewissen zu beruhigen ein paar Infos hinzu klatschen ist lächerlich… Außerdem sind Leute die nicht 2000 Euro für eine Tasche übrig haben, auf H&M und Co. zum Teil angewiesen. Das ist nur zum Teil die Schuld des Konsumenten, die Politik und einzelnen Länder tragen die Schuld… den Käufern ein schlechtes Gewissen zu machen und die Schuld abzuwälzen ist meiner Meinung nach dreißt und unverschämt.

Die Zitatsammlung erweckt (gerade dank der Einkürzung im Zitat von Frau Knüpfer) den Eindruck, am Preis eines Produkts ließe sich ableiten, wie verantwortungsvoll die Kaufeintscheidung sei. Das ist nicht nur eine elitäre Position, sondern auch eine falsche Information. Es droht eine Gleichsetzung von Wohlstand mit verantwortungsvoller politischer Teilhabe und dabei wird verkannt, dass erstens viele teure Marken unter den gleichen Bedingungen produzieren wie billige und dem Käufer keine Transparenz ermöglicht wird, und dass zweitens Konsum allein nie eine ungerechte Ausbeutungssituation abschaffen wird, solange es keine politisch-wirtschaftlichen Strukturen hierfür gibt.
Ich hoffe, ihr nehmt die Kritik an der Serie ernst. Auch wenn das hier nicht der Spiegel ist, wollen eure Leserinnen wohl doch mehr als die Artikel ihnen zutrauen.

Was mich wirklich stört, ist das Wort Mode-MYTHEN in der Überschrift. Denn ist es ja wahrlich kein Mythos, dass wir mit Primark und Co. die Ausbeutung und Kinderarbeit unterstützen!!!!

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr auch Labels, die eben in Deutschland herstellen lassen wie wir (Cashmere N Pearl Berlin) einmal vorstellen würdet….

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.