Mode mit Botschaft: Bei Dior bleibt #metoo auch im Herbst 2020 präsent

Maria Grazia Chiuri, seit 2016 Kreativdirektorin bei Dior, lässt in ihre Kollektion regelmäßig feministische Elemente einfließen. So erschien es passend, wenn auch unbeabsichtigt, dass die Präsentation ihre neuesten Kreationen mit dem Weinstein-Urteil einherging. Der wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung angeklagte US-amerikanische Filmproduzent wurde am 25. Februar 2020 im Rahmen der #Meetoo-Prozesse schuldig gesprochen. Fast zeitgleich fand in Paris Chiuris Show für das französische High Fashion Label statt. (K)Ein Zufall?

Mit ihrer Herbst/Winter-Kollektion für 2020/21 schickt die italienische Designerin erneut eine gesellschaftliche Botschaft an die Modewelt. „Mode ist nicht nur Kleidung, sondern auch eine Reflektion der Gegenwart“, erklärte Chiuri jüngst in einem Interview mit der deutschen Vogue. Um ihre neuesten Entwürfe richtig in Szene zu setzen, arbeitete sie außerdem mit dem Künstlerkollektiv Claire Fontaine zusammen, das für Neoninstallationen feministisch geprägter Sprüche bekannt ist.

 

 

 

Slogans wie „Women Raise the Upraising“ und „Patriarchy = Opression“ schillerten in leuchtenden Lettern über dem Laufsteg im Jardin des Tuileries, wo die neue Kollektion präsentiert wurde. Frauenpower und der damit verbundene Ausdruck einer freien Sexualität bedeuten für Chiuri keinen Trend, sondern eine gesellschaftliche Konstante und Forderung, die gestern wie heute relevant ist.

Wir erinnern uns: Bereits in ihrer Sommerkollektion 2017 präsentierte die Designerin T-Shirts mit der Aufschrift „We Should All Be Feminists“ und richtete damit einen Appell an Frauen weltweit. Diese wurden für die anschließende Saison durch maßgeschneiderte Jacken und Hosen ersetzt und mit weißen Hemden sowie klassischen Krawatten komplettiert. Nebst maskulin anmutenden Looks zeigte die Designerin zudem lange Kleider und Miniröcke sowie Biker-Modelle und lässige Jeansjacken. Ein wiederkehrendes Element waren traditionelle Tartan-Muster, Batikelemente und rautenförmige Argyl-Motive.

Für einen besonderen Coup sorgte Chiuri mit ihrer Neuinterpretation der legendären „Bar“-Jacke. Das im Jahr 1947 von Christian Dior entworfene Modell ist Teil des stilprägenden „New Look“ und gilt bis heute als ein modisches Meisterwerk. Fun Fact, den Jessie im Showroom in Paris gelernt hat: Die Bar-Jacke darf den Titel übrigens nur tragen, wenn die Knöpfe mit Stoff überzogen wurden – sonst handelt es sich um die klassischen Blazer-Jacken.

Tragbar wird die neue Kollektion vor allem durch den besonderen Fokus auf Strick. Kuschelige Pullover wurden zu plissierten wadenlangen Röcken kombiniert, während die Schulmädchen- oder Buben-Ästhetik der Kollektion einen Hauch von Raffinesse verlieh. Nuancierte Grunge-Elemente und Krawatten aus Mesh sorgten für den nötigen Kontrast, die große Range der Outerwear macht Dior kommende Saison tragbarer denn je.

Showroom-Bilder vom Re-See in Paris von Jessie

Chiuri zeichnet mit ihrer Kollektion eine moderne Frau, die den Herausforderungen der Gesellschaft gewachsen ist und diesen auf modischer Ebene selbstbewusst begegnet. Ihr ausgeprägter Sinn für Weiblichkeit sowie die Auseinandersetzung mit politisch relevanten Themen machen Dior zum Wegweiser der Moderne. Zwischen #MeToo und Klimabewegung, sozialem Wandel und dem Wunsch nach mehr Authentizität nutzt das französische Label sein Prestige als Aufruf zur Revolution und avanciert somit erneut zum Liebling einer modischen Generation mit Haltung.

Runway-Bilder via PR.

Showroom-Bilder via Jessie

Text von Katharina Hogenkamp

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