Mega-Trend Frau: Die Gegenwart ist weiblich!

Namen großer Designer aus der Vergangenheit? Wahrscheinlich fallen den meisten Christian Dior ein, vielleicht Yves Saint Laurent, Christóbal Balenciaga oder sogar Hubert de Givenchy. Selten denken wir dabei an Designerinnen, außer vielleicht Coco Chanel. Warum? Liegt es daran, dass sie zu ihren Lebzeiten oft unterschätzt wurden und der Beruf des Designers die Domäne der Männer war? Oder im Klartext: Ist „Mode machen“ eigentlich Männersache?

Die Modewelt war stets vom Bild des genialen männlichen Designers geprägt, die wenigsten Frauen haben tatsächlich wegen ihrer außergewöhnlichen Kreativität und Führung Geschichte geschrieben. Nicht, weil es sie nicht gab, sie waren bloß kein großes Thema. Nike hat in ihrem Artikel „Aus Helden werden Heldinnen“ auf {This is Jane Wayne} geschrieben: „Heldengeschichten sind vor allem Geschichten über Männer. Sie handeln von tapferen, starken, überlegenden Männern, von solchen, die furchtlos sind. […] Auch im echten Leben war das einzig wirklich dominante Narrativ stets geprägt vom Bild des in vielerlei Hinsicht genialen Mannes.“

Und ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Nicht nur in der Religion, Geschichte, Wissenschaft, im Sport … Nein, in nahezu jedem Bereich fallen Namen großartiger Frauen unter den Tisch. So auch in der Modebranche.

Dabei gründete Jeanne Lanvin bereits 1889 ihr eigenes Modehaus – und das in einer Zeit in der Berufstätigkeit, schon gar nicht die Selbstständigkeit einer Frau ernst genommen wurde. Lanvin ist bis heute das älteste französische und weiterhin aktive Schneiderhaus. Wer kennt die französische Modeschöpferin Madeleine Vionnet, die als eine der ersten Mode ohne Korsett entwarf, oder Madame Grès, eine der begabtesten und stilprägendsten Couturières der Modegeschichte?

Aus Designern werden Designerinnen

Inzwischen läuft manches anders: Wir haben Heldinnen wie Carola Rackete oder Greta Thunberg, Frauen an der Spitze wie Angela Merkel als deutsche Bundeskanzlerin, die ehemalige britische Premierministerin Theresa May, selbst Hillary Clinton, die erste Frau überhaupt, die von einer der beiden großen US-Parteien ins Rennen um das Weiße Haus geschickt wurde. Frauen erhalten gesamtgesellschaftlich einen Machtzuwachs, so spricht das Zukunftsinstitut in Kelkheim gar von einen „Megatrend Frau“. Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert der Frau werden!

Und im Zuge der neuen, weiblichen Sichtbarkeit (um auf den Titel von Nike anzuspielen) heißt es eben auch: Aus Designern werden Designerinnen. Die Spitze der europäischen Modepyramide und das schlagende Herz unserer Modeidentität ist stetig, leise, scheinbar über Nacht (wenn auch offensichtlich nicht) von Frauen übernommen worden.

Die drei berühmtesten französischen Couture-Häuser werden heute von Frauen geleitet: Virginie Viard ist bei Chanel, Maria Grazia Chiuri bei Dior und bei Givenchy hält Clare Waight Keller seit zwei Jahren das Modezepter in der Hand. Diese neue Normalisierung der Sichtbarkeit schließt auch Frauen ein wie Sarah Burton bei Alexander McQueen oder Natacha Ramsay-Levi bei Chloé. Zuvor haben unzählige weibliche Führungskräfte es geschafft, die Dinge auf ihre eigene Weise zu leiten: Miuccia Prada, Rei Kawakubo, Stella McCartney, Vivienne Westwood, Donatella Versace, Vera Wang oder Isabel Marant.

Zudem kreist der Fortschritt um ganz neue Achsen von Prominenten und Social-Media-Stars. Türen zur luxuriösen Festung, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab, werden nun von weiblichen Newcomern aus allen Teilen des digitalen Zeitalters betreten, auch von denen, die es geschafft haben, glaubwürdig aus Schauspiel- und Musikkarrieren auf Mode umzusteigen: Da wären zum einen die Olsen-Zwillinge mit The Row, dann Victoria Beckham und jetzt Rihanna – die erste dunkelhäutige Frau, der LVMH ein Modelabel finanziert. Auch das It-Girl Alexa Chung, Alexandra Spencer und Teale Talbot mit Réalisation Par, die Pariser Modeikone Jeanne Damas mit Rouje oder Jeanette Madsen und Thora Valdimars, die mit Rotate und dank Instagram erfolgreich den Weg in die Mode gefunden haben.

Genial sind auch Rachel Mansur und Floriana Gavriel, die eine Lücke auf dem Handtaschenmarkt mit ihrem Label Mansur Gavriel mit als Erstes füllten. Jasmin Larian zog mit Cult Gaia hinterher. Auch die meisten heute erfolgreichen Schmuckmarken werden von Frauen geführt, die ebenfalls das Potential von Social Media nutzen: Rosh Mahtani von der Marke Alighieri, Helle Vestergaard Poulsen von Anni Lu oder Joyce Binneboese und Dana Roski von dem Berliner Label Wald.

Man wird sich natürlich irgendwann nicht an jeden einzelnen Namen erinnern können, aber zumindest werden künftige Generationen wissen, dass die Mode im 21. Jahrhundert vor allem von Frauen gemacht wurde. Dank der neuen Sichtbarkeit der Frau, gesellschaftlichen Veränderungen, großen weiblichen Vorbildern, Digitalisierung und gegenseitigem Empowerment nutzen Frauen in jedem Bereich ihr neues Potential aus. Klar ist, dass wir noch viel für Gleichberechtigung kämpfen müssen, schließlich haben wir einiges aufzuholen. Doch ich bin mir sicher: Die Gegenwart ist und die Zukunft bleibt weiblich!

Bilder im Header: via Prabal Gurung, Chanel, Rotate, Stella McCartney & PR

Kommentare

  1. Hallo,
    danke für diesen Arikel. Der war wirklich nötig. Ich sehe das genauso und ich bermerke immer mehr, wie Frauen, die schon immer einen guten Job gemacht haben, nun endlich Beachtung finden.

    Grüße
    Sandra

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