#MBFWB: Das Fazit der Berliner Modewoche Spring/Summer 2017

So manch einer macht sich einen Spaß daraus, zu behaupten, dass die Berliner Fashion Week der perfekte Zeitpunkt sei, um in den Urlaub zu fahren. Man würde ja sowieso nichts verpassen, bis auf die Dandy-Diary-Party vielleicht. Ein Schlag ins Gesicht der Designer, die mit ihren Teams in den letzten Monaten fleißig an ihren neuen Kollektionen

So manch einer macht sich einen Spaß daraus, zu behaupten, dass die Berliner Fashion Week der perfekte Zeitpunkt sei, um in den Urlaub zu fahren. Man würde ja sowieso nichts verpassen, bis auf die Dandy-Diary-Party vielleicht. Ein Schlag ins Gesicht der Designer, die mit ihren Teams in den letzten Monaten fleißig an ihren neuen Kollektionen gearbeitet haben. Und ein Schlag ins Gesicht derer, die sich ein Bein dafür ausreißen, dass Berlin als Modestadt verstanden wird.

Unser Fazit nach der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin im Juli 2017: Jetzt geht’s endlich los. Und wer mit Schirmchen-Cocktail im Urlaub weilt, verpasst all das!

Denn nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ tragen Förderprogramme wie das des Berliner Mode Salons ihre Früchte. Das bedeutet: die Kollektionen der Berliner Designer werden aussagekräftiger, weil sich die Kreativen dank finanzieller Hilfe erst einmal auf das konzentrieren dürfen, was sie am besten können: entwerfen statt exceln.

Neben Lala Berlin – das Label wird inzwischen in 20 Länder verkauft – machen jetzt nicht mehr teuer einkaufte Modemarke oder Promis wie früher Boris und Lilly Becker die Berliner Fashion Week attraktiv, sondern die hiesige Modeszene.

Designer wie Malaikaraiss, Marina Hoermanseder und Hien Le zählen jetzt zu den Zugpferden der MBFWB.

Topmodel Antonia Wesseloh läuft für Marina Hoermanseder Spring/Summer 2017 (Foto: PR)
Topmodel Antonia Wesseloh läuft für Marina Hoermanseder Spring/Summer 2017 (Foto: PR)
Marina Hoermanseder Spring/Summer 2017 (Foto: Gero Breloer für Catrice)
Großer Andrang bei Marina Hoermanseder Spring/Summer 2017 (Foto: Gero Breloer für Catrice)
Malaika Raiss Spring/Summer 2017 (Foto: PR)
„Beaches“: die neue Spring/Summer 2017 Collection von Malaikaraiss (Foto: PR)

Wer konkrete Zahlen zum Modestandort Berlin lesen möchte: Projekt Zukunft Berlin, eine Initiative der Berliner Senatsverwaltung, hat im Vorfeld der Fashion Week ein paar Zahlen veröffentlicht, die sich sehen lassen können:

  • Die Umsätze der Modestadt Berlin sind in den letzten vier Jahren um 118% auf 3,8 Mrd. Euro gestiegen
  • 2.400 Unternehmen und 21.500 Erwerbstätige sind im Modebereich tätig
  • Berlin steht für die höchste Dichte an Modeunternehmen in Deutschland
  • 200.000 Fachbesucher besuchen jede Saison 70 Modeschauen und 6 Modemessen, allen voran die Premium Exhibitions
  • Die Berlin Fashion Week bringt der Berliner Wirtschaft jährlich zusätzliche Umsätze von 240 Millionen Euro ein
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Pflichtermin: die Leitmesse Premium Exhibitions am Gleisdreieck

Auch einer unser Lieblingsnewcomer William Fan zeigte wieder eine rundherum runde Kollektion und wurde von der Presse begeistert gefeiert.

Neben Marina Hoermanseder und Nobi Talai ist er nun der dritte Mentee des Fashion Council Germany. Ihn sollte man unbedingt im Auge behalten, denn auch was sein Verkaufstalent betrifft, ist William eine Ausnahme, in dem er das Thema der Zeitmagazin Konferenz Mode & Stil „New Order“ gleich in die Tat umsetze. (Hier geht’s zu Jessies Bericht von Tag 3.)

William Fan Spring/Summer 2017 (Foto: PR)
Konnte man gleich nach der Show bestellen: William Fan Spring/Summer 2017 (Foto: PR)

Zu den Highlights in dieser Saison zählten ebenso die Shows von Labels wie Odeeh und Dorothee Schumacher, die ihren Sitz zwar nicht in Berlin haben, aber für die deutsche Mode stehen.

Odeeh Spring/Summer 2017 (Foto: Gero Breloer für Catrice)
Die Odeeh Spring/Summer 2017 fand im Berliner Stadtschloss statt (Foto: Gero Breloer für Catrice)
Foto: Dorothee Schumacher Spring/Summer 2017
Zieht viele internationale Einkäufer an: Dorothee Schumacher Spring/Summer 2017 (Foto: PR)

Dass die Zeiten des Minimalismus vorbei sind, zeigten auch die Streetstyles von dieser Woche. Die Berliner haben Spaß an Mode – und wie! Eine hübsche Galerie mit Fotos von der Fotografin Asia Typek könnt ihr euch z.B. beim W Magazine anschauen.

 

Noch ein positives Zeichen für den Modestandort Berlin: Zeitgleich wurde bekannt, dass Tim Labenda den diesjährigen europäischen Woolmark Prize gewonnen hat.

Tim Labenda im Berliner Mode Salon
Tim Labenda im Berliner Mode Salon

Fazit der Berliner Modewoche Spring/Summer 2017: Berlin braucht nicht mehr nach Paris oder London schielen. Wir haben unsere eigenen Stars und genau darin liegt das Potential der Veranstaltung.

Die wichtigsten News im Rahmen der Berliner Modewoche:

    1. Vogue-Chefin Christiane Arp gab im Rahmen der Zeit Konferenz Mode & Stil zusammen mit Ann-Sofie Johansson (Creative Advisor von H&M) und Thorsten Mindermann (Geschäftsführer H&M Deutschland) eine zweijährige Zusammenarbeit zwischen dem Fashion Council Germany und H&M bekannt. Gemeinsam wollen sie junge Talente des deutschen Modedesigns nachhaltig fördern. Die Protegés erhalten Unterstützung durch das Netzwerk des Fashion Council Germany und den H&M-Experten, die ihnen Theorie- und Praxiswissen zum Auf- und Ausbau der eigenen Marke vermitteln. Die Bewerbungsphase für das „Fellowship Programme by the Fashion Council Germany and H&M“ startet am 15. Juli 2016 und läuft bis zum 31. August 2016.
    2. Nach bereits sieben erfolgreichen Saisons auf der Berliner Fashion Week setzt auch die Beauty-Marke Catrice als offizieller Partner und Make-up Sponsor ihre exklusive Zusammenarbeit mit dem Berliner Mode Salon fort.
    3. Der Berliner Mode Salon und der Onlineshop Luisa via Roma verkündeten eine Retail-Kooperation. Eine Auswahl der insgesamt 40 teilnehmenden Designer der Modeausstellung wird im Januar 2017 zwei Wochen lang sowohl den stationären Shop in Florenz als auch das Onlineangebot bereichern. Whoop, whoop!
    4. Zalando belebt die Bread & Butter als öffentliche Verkaufsmesse wieder. Die Sause findet im September 2016 statt. Mehr dazu lest ihr in unserem Diary von Tag 1.

 

Die Odeeh Show fand übrigens im neuen Berliner Stadtschloss statt, siehe Header. Eine schöne Metapher für die aufstrebende Modestadt Berlin: Es wird!

(Headerfoto: Gero Breloer für Catrice)

Von Alexa

Ich liebe schreiben, bloggen und schöne Dinge zu entwerfen, also mache ich all das.

Als Journalistin habe ich für Magazine und Zeitungen wie Business Punk, Fräulein, Gala, FTD/how to spend it, Instyle, Lufthansa Magazin, Stern, Tagesspiegel, Vanity Fair und zitty gearbeitet. Meine Online-Erfahrungen habe ich u.a. Stylebook und styleproofed gesammelt. Mein Blog heißt Alexa Peng, mein Schmuck-Label vonhey. Ich komme aus dem Rheinland und bin in einem Dorf am Waldesrand aufgewachsen, wo nur einmal in der Stunde ein Bus fuhr. Da muss man sich was einfallen lassen, um sich nicht zu langweilen. Meine Tante hatte in der Stadt eine Boutique und einen Schrank voller Kleider, Schuhe und Taschen, mit denen wir Kinder verkleiden spielen durften. Wir haben Modenschauen im Hobbykeller veranstaltet und die ganze Nachbarschaft eingeladen. Dass ich mal was mit Mode machen würde, war also klar. Nach dem Abi habe ich an der AMD in Hamburg Mode-Journalismus studiert und später an der UdK in Berlin einen Master of Arts in Kulturjournalismus gemacht. In Zukunft will ich mein Label weiteraufbauen, die Welt sehen und gute Geschichten schreiben.

(Foto: Sandra Semburg)

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.