Lange nichts mehr gehört: Was ist eigentlich bei Marc Jacobs los?

Marc Jacobs und ich, das ist wohl die längste Mode-Liebesbeziehung meines kurzen Lebens. Ich weiß den Moment nicht mehr genau einzuordnen, an dem ich zum ersten Mal bewusst auf die Entwürfe des New Yorker Designers gestoßen bin, doch ich schätze es war im Jahr 2003 oder 2004. Denn mit Mode ist es wie mit Rap-Musik: Man beginnt erst mit zunehmendem Alter genau auf die Lyrics zu hören beziehungsweise sich mit den kreativen Köpfen hinter einer Brand zu beschäftigen.

Auf meinen Abiturball trug ich ein aus heutiger Sicht gewöhnungsbedürftiges Kleid aus der inzwischen eingestellten Zweitlinie Marc by Marc Jacobs. In meinen Kopf eingebrannt hat sich die Frühjahrskollektion 2007,  in der die Models zu Pachelbels Canon in D-Major in Traumentwürfen über den Laufsteg schwebten. Ich habe damals eine Woche lang über nichts anderes gesprochen.

Und nun? Schauen wir dabei zu, wie ein einst als „Designer des Jahrzehnts“ gefeierter Modeschöpfer langsam unterzugehen scheint. Die Verkaufszahlen sinken stetig, die Zweitlinie Marc by Marc Jacobs wurde vor zwei Jahren in die Hauptlinie integriert aka. aufgelöst und laut {Business of Fashion} werden dieses Jahr mehrere europäische Verkaufsposten von Marc Jacobs schließen; angefangen mit dem Flagship-Store in London.

Merkwürdig an der Geschichte ist, dass es keinen wirklich logischen Grund für den scheinbar schleichenden Niedergang gibt. Weder hat sich das Modelabel finanziell verzockt (soweit bekannt), noch hat Marc Jacobs selbst durch Skandale á la John Galliano die Gunst der Branche verloren. Woran kann es also liegen, dass seit mehreren Saisons das Gemurmel um einen Ausstieg Jacobs aus seinem gleichnamigen Label, das seit 1997 zur LVMH-Gruppe gehört, nicht abreißt und bei der Präsenation seiner Frühjahrskollektion 2018 in New York im September wieder besonders laut wurde?

Foto: Steven Klein

Als Marc Jacobs Anfang der Neunzigerjahre sein gleichnamiges Label gründete, hatte er bereits eine Auszeichnung als Womenswear Designer of the Year vom Council of Fashion Designers of America (kurz CFDA) in der Tasche, die er 1993 für seine Arbeit bei der Marke Perry Ellis erhalten hatte. 1997 wurde dann zum erfolgreichsten Jahr in der Karriere des Designers. Der Luxuskonzern LVMH kaufe die Marke Marc Jacobs, LVMH-Miteigentümer Bernard Arnault ernannte Jacobs zum Chefdesigner bei Louis Vuitton und schließlich zeichnete der CFDA Marc Jacobs ein weiteres Mal als Womenswear Designer of the Year aus, während in New York die erste eigene Boutique eröffnete.

In seinen 16 Jahren als Creative Director bei Louis Vuitton hat es Marc Jacobs geschafft, das Label durch Kollaborationen mit Künstlern wie Takashi Murakami, überzeugende Ready-to-Wear-Kollektionen und atemberaubende Defilées wieder auf den Pfad des Erfolgs zu bringen und den Umsatz auf über eine Milliarde Dollar im Jahr zu steigern. Noch immer ist Louis Vuitton die wertvollste Marke im Besitz von LVMH. Gleichzeitig feierte die Fachpresse jede seiner Kollektionen und Marc Jacobs selbst als aufregend unangepassten Außenseiter der Branche.

Seinen guten Riecher bewies er nicht zuletzt mit seinen Kampagnen, für die er als einer der ersten fast ausschließlich mit Stars statt Models zusammen arbeitete, perfekt unperfekt in Szene gesetzt von Starfotograf Jürgen Teller. Viktoria Beckham war etwa eines dieser Sternchen. Sie wurde nicht zuletzt dank Marc Jacobs in der Welt der High Fashion akzeptiert und gilt inzwischen als angesehene Designerin.

Die neue Marc Jacobs Kampagne, geschossen von Steven Meisel, lässt diesen Witz vermissen und sieht eher aus als wäre sie aus dem Jahre 2001 zu uns gebeamt worden  – und ich meine das nicht im positiven, nostalgischen Sinne.

Marc Jacobs‘ von den Kritikern gefeierte, von den Kunden verschmähte „Grunge-Kollektion” für Perry Ellis, 1993

Foto: Condé Nast Archive via Vogue Runway
Foto: Condé Nast Archive via Vogue Runway
Foto: Condé Nast Archive via Vogue Runway
Foto: Condé Nast Archive via Vogue Runway
Foto: Condé Nast Archive via Vogue Runway
Foto: Condé Nast Archive via Vogue Runway

Für mich wird Marc Jacobs immer der leicht verschrobene, linkische Mann mit Zauselhaar, Kassengestell auf der Nase und Mickey-Mouse-Sweatshirt sein, der zu den wenigen Designern gehörte, die es schafften Presse und Kunden jede Saison eine komplett neue Vision zu präsentieren, ohne dabei ihre Handschrift zu verlieren. Denn wer auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen war, nach exzentrischem Schuhwerk und bisweilen hysterischen Farbkombinationen und Kopfbedeckungen, der war bei ihm genau richtig.

Inspiriert von Jugenkultur, Kunst und der Musikszene zeichneten die Kollektionen von Marc Jacobs auch immer ein gewisser Realismus aus, der bisweilen sehr gewöhnungsbedürftig daher kam. Mut zu Häßlichkeit nannte die Branche es gerne. Es war das unzensierte Verarbeiten von Eindrücken, die Jacobs wie ein Schwamm aufsaugte. Wo andere Modehäuser ihre Referenzen ins Schöne übersetzten, blieb Jacobs Realist und verlieh auch den unschönen Ecken und Kanten noch Nachdruck.

Wie kann es sein, dass ein Modelabel ohne triftigen Grund plötzlich mehr und mehr untergeht?

Dieses Talent ist dem Designer in den vergangenen Jahren abhanden gekommen. Erstmals enttäuscht war ich gegen 2009, als Jacobs sich scheinbar einer mittelschweren Midlife-Crisis hingab. Aus dem Lausejungen wurde ein durchtrainierter, braungebrannter Gigolo mit Diamentenohrringen und leicht prolligen Tätowierungen. Hätte er keinen braunen Haare gehabt, ich hätte ihn manchmal fast mit David Beckham verwechselt. Irgendwie hatte ich schon damals das Gefühl, dass mit dem neuen Look von Jacobs seine Unbedarftheit und ein Stück seiner herrlichen Selbstironie dran glauben müssten. Gleichzeitig wurde die Zweitlinie Marc by Marc Jacobs immer zielloser und beliebiger – und schließlich eben eingestellt.

2013 verließ Jacobs seinen Posten als Chefdesigner bei Louis Vuitton mit einer fulminanten Abschluss-Show ganz in Schwarz. Diese stand ganz in der Tradition der fantastischen Präsentationen, in denen Jacobs seine Visionen immer auf der Fashion Week präsentierte und  in denen nichts unmöglich schien (wir denken an die Lokomotive auf dem Laufsteg, gigantische Rolltreppen und Models im Gewand von Krankenschwestern).

Inszenierungen, die ihm mit der eigenen Marke so nie gelangen, wenn es sich auch immer um das große Finale der New York Fashion Week handelte. Vielleicht fehlte ihm hier die starke Identität, die ihm bei Louis Vuitton ein stabiles Fundament und einen roten Faden lieferten, was Selbstbewusstsein und Sicherheit garantiert. Ich komme auch nicht umhin zu vermuten, dass Jacobs schließlich von der Oberflächlichkeit der Industrie übermannt wurde (siehe die Playboy-Transformation oder seine exzentrische Fokussierung auf seinen Bullterrier Neville, die nur von Karl Lagerfeld und seiner Choupette übertroffen wird) und in deren Folge er ein großes Stück seiner verqueren Individualtität abgegeben hat.

Mit der Snapshot Bag ist Jacobs zwar wieder eine kleine Rückkehr in die It-Bag-Toplisten gelungen, doch so richtig, richtig begehrt ist sie auch nicht. Und auch in den eigentlich krisensichere Verkaufskanälen der Beauty- und Parfumlizenzen gehen die Verkaufszahlen zurück.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie es mit der Marke Marc Jacobs weiter geht

Nach wie vor sind seine Kollektionen ein verrücktes Fest mit starken Referenzen zur Jugendkultur. Doch auch hier tappte Jacobs in die PC-Falle, als er für seine Frühjahrskollektion 2017 Models mit pastellfarbenen Dreadlocks über den Laufsteg schickte und sich den (berechtigten) Vorwurf der kulturellen Aneignung gefallen lassen musste.

Foto: Courtesy of Marc Jacobs

Es fehlt das gewisse Etwas, die Seele, das Neue. Eventuell fehlt auch einfach der Marc Jacobs in den Kollektionen von Marc Jacobs. Denn nur kunterbunt und verrückt reicht heutzutage nicht mehr, es muss auch innovativ, inspirierend und wegweisend sein. Mindestens aber tragbar und ergo gut verkäuflich. Am Ende kann man seine Rechnungen schließlich nicht mit schönen Ideen und Publicity bezahlen, sondern braucht Geld.

Vergangenes Jahr verkaufte der Luxusgüterkonzern und Anteilseigner von Marc Jacobs, LVMH, die Marken Donna Karan und DKNY für einen dreistelligen Millionenbetrag an die G-III Apparel Group, da die erwarteten Gewinne ausblieben. Die Äußerung Bernard Arnaults im Januar 2017, er mache sich zur Zeit mehr Sorgen um die Marke Marc Jacobs als um den US-Präsidenten, zeigt sehr deutlich, woher der Wind beim Hauptanteilseigner von Marc Jacobs weht.

 

 

Ich hoffe natürlich, dass uns Marc Jacobs weiterhin erhalten bleiben wird, weil er doch noch immer einer der sympathischsten, engagiertesten und offensten Charaktere der Branche ist.

Die aktuelle Entwicklung zeigt aber auch, wie wichtig es ist als Marke eine starke Personality und Ausrichtung zu haben. Das beruhigt mich auf eine seltsame Weise auch wieder, weil es zeigt, dass bei allem Konsumwahn die Kunden doch noch immer nach einem starken Image und Identität verlangen.

Habt ihr Marc Jacobs als Marke noch auf dem Schirm?

 

Bilder im Header via Jürgen Teller für Marc Jacobs, Marc Jacobs, W Magazine

Kommentare

  1. „Doch auch hier tappte Jacobs in die PC-Falle, als er für seine Frühjahrskollektion 2017 Models mit pastellfarbenen Dreadlocks über den Laufsteg schickte und sich den (berechtigten) Vorwurf der kulturellen Aneignung gefallen lassen musste.“
    In einem deiner letzten Artikel hast du auch schon von „kultureller Aneignung“ geschrieben und nennst hier nun ganz konkret ein Beispiel. Deshalb frage ich nun mal nach, weil es mich wirklich interessiert: Findest du es wirklich problematisch, wenn weiße Frauen (in diesem Fall Models) mit Dreadlocks durch die Gegend laufen? Falls ja, warum? Ist es denn nicht vielleicht nur eine Frisur? Muss man sich wirklich über alles aufregen? Bitte nicht falsch verstehen, ich verabscheue jede Art von Diskriminierung und finde es gut und wichtig, sich dagegen auszusprechen. Aber ist nicht irgendwo mal eine Grenze?

    • Liebe Sina,

      schön, dass du nachfragst. Ja, ich finde es in der Tat problematisch, wenn Menschen sich an bedeutsamen Gegenständen anderer Kulturen zu kommerziellen Zwecken oder zur Unterhaltung bedienen. Vor allem, wenn es sich um Minderheiten handelt. Natürlich kann man hier übertreiben und ich würde niemals jemandem absprechen zum Beispiel einen Kimono zu tragen, wenn die Person das Kleidungsstück faszinierend findet. Wenn sich Leute allerdings auf Festivals Indianerfedern auf den Kopf setzen, sich an Karneval dunkel anmalen und als „Schwarzer” gehen, sich beim Holi-Festival in Wanne-Eickel Farbe ins Gesicht schmeissen oder sich eben Dreadlocks aus modischen Beweggründen verpassen, obwohl sie „weiß” sind, ja, dann finde ich es problematisch.
      Es geht immer darum zu hinterfragen, ob meine Handlung gerade den Ursprung der Tradidion oder des Symbols aus seinem Konzept hebt und im schlimmsten Fall zum Spaßobjekt degradiert. Denn dann handeln wir ohne Rücksicht und Respekt gegenüber anderen Kulturen und Glaubensgemeinschaften. Genauso fand ich es damals unnötig, als nicht-Christ mit einem Rosenkranz um den Hals herumzulaufen, weil Madonna es zum Modetrend gemacht hat.
      Dreadlocks sind ein Symbol der schwarzen unter anderem für Stärke und Macht und ein Zeichen gegen die Zerstörung der eigenen Kultur durch die White Supremacy.
      Wenn weiße Frauen bzw. Models auf Modenschauen einer weißen Gesellschaft also Dreadlocks als dekorative Elemtent ohne weiteren Hintergrund spazieren tragen, ist das unüberlegt.

      Inwiefern du deine Grenzen setzt, überlasse ich dir. Auch ich werde bestimmt selbst mal in die PC-Falle tappen. Aber es schadet doch nie, Dinge und das eigene Handeln zu hinterfragen, oder?

      Liebe Grüße,
      Lisa

      • Alessandra sagte am

        Danke für diese fundierte Antwort, ich bin ganz bei dir! Auch wenn ich selbst nicht frei von Fehlern bin und als Kind z.B. als Indianer verkleidet zum Faschingsball gegangen bin. Es ist einfach so wichtig Dinge immer wieder zu hinterfragen und seine Verhalten entsprechend zu ändern, gerade in einer oft zur Oberflächlichkeit neigenden Branche wie der Mode. Schön, dass ihr hier auf journelles Haltung zeigt! (Hab ich mir auch schon bei dem Duma-GAU gedacht)

        • Liebe Christiane,

          ich trage den geerbten, 40 Jahre alten Pelz meiner Oma auf, da ich ihn nicht weggeben, ihn aber auch nicht im Schrank vor sich hingammeln lassen möchte. Es ist das einzige Pelzteil, das ich besitze und da ich seit 7 Jahren kein Fleisch mehr esse und fast vegan lebe, habe ich eventuell weniger Tiere auf dem Gewissen als Menschen, die keinen Vintage-Pelz tragen und dauernd mit dem Finger auf mich zeigen. Damit lebe ich aber ganz gut, da diese Leute mich nicht persönlich kennen.

          Darf ich aus diesem Grund keine Meinung zu nichts mehr haben oder mich ansonsten versuchen korrekt zu verhalten?

          Liebe Grüße,
          Lisa

          • Ja, Vintage ist immer noch besser als brandneue Pelzbommel und -kragen. Aber stört dich beim Tragen der ollen Pelzjacke denn dann nicht die Vorstellung, dass dafür sehr viele kleine Lebewesen auf grauenvolle Weise gestorben sind- wenn auch vor 40 Jahren?

          • Liebe Sina,

            na, du hast dich ja jetzt auf mich eingeschossen. Ich finde die Vorstellung schlimm, ja. Aber wenn ich den Pelz nun weggebe, erwachen die Tierchen nicht zum Leben.
            Ich bin in einer Position, in der ich mich nie so verteidigen oder erklären werde können, dass du und die anderen, die sich (was euer aller Recht ist) am Pelz gestört haben, zufrieden sein werdet.
            Daher werde ich es auch nicht weiter versuchen. Ich habe an anderer Stelle mein Statement dazu abgegeben, daran hat sich nichts geändert.

            Liebe Grüße,
            Lisa

      • Also das verstehe ich dann ehrlich gesagt nicht ganz:
        Kimono ist also ok, „wenn die Person das Kleidungsstück faszinierend findet” ?
        Aber Dreadlocks/ Cornrows oder Federn im Haar nicht, auch wenn die Person wiederum DAS faszinierend findet?! Ich persönlich habe bzw. mache weder das eine noch das andere, aber ich empfinde es überhaupt nicht als sich lustig machen oder andere Kulturen abwerten wollen.
        Ich bin auch nicht beleidigt, wenn sich jemand in den USA zu Halloween als Deutscher mit Lederhosen oder Dirndl verkleidet. Sich dunkel anzumalen und als „Schwarzer zu gehen” finde ich hingegen auch unangemessen. Aber wie gesagt, bestimmte Frisuren nur bei Menschen mit bestimmter Hauptfarbe ok zu finden, finde ich nicht nachvollziehbar. Man kann sich auch kurz den Wikipedia Eintrag „Dreadlocks” durchlesen und wird möglicherweise staunen, wer wann warum schon diese Art von Frisur getragen hat…
        Und ja, du hast Recht- Dinge zu hinterfragen ist an sich eine gute Sache und jeder wird dabei zu einem anderen Ergebnis kommen. Ich persönlich würde z.B. auch keine echte Pelzjacke tragen, selbst wenn sie Vintage ist. Aber inwiefern du dort deine Grenzen setzt, überlasse ich dir.

        • Echt? Lisa trägt Pelz? Dachte, das wäre ein No-Go bei Journelles. Finde nicht, dass da persönliche Grenzen zu tolerieren sind. Das ist einfach absolut daneben.

          • Es ging um eine Vintage Pelzjacke und der Satz war eine Referenz zu Lisas Antwort, da sie es netterweise mir überlassen hat, meine Grenzen selbst zu setzen. Ich persönlich könnte auch bei jedem Pelzteil kotzen, das mir auf der Strasse begegnet. Ob nun Vintage oder nicht- es ist das Ergebnis unglaublicher Grausamkeit. Und ich persönlich finde auch, dass Pelztragen sich eben nicht mit Hypermoral (wenn auch bei anderen Themen) verträgt.

        • Liebe Sina,

          ich habe nur versucht zu erklären, warum ungefähr alle Medien damals Anstoß an dem Haarstil genommen haben, die die Models auf der Show getragen haben. In einem Kimono sehe ich kein Zeichen der Unterdrückung oder religiöses Kleidungsstück, daher sehe ich da kein Problem. Wenn sich jemand als Deutscher verkleidet, warum sollte das auch ein Problem sein? Es ist ja von vornherein nicht verboten sich in anderen Kulturen zu bedienen, man sollte nur manchmal schauen, was genau man auswhält, das ist alles.

          Wie gesagt, jeder soll es machen, wie er möchte. Ich habe es erklärt, warum manche Dinge für mich nicht infrage kommen und zwinge niemanden, es mir gleich zu tun.
          Man muss nicht immer das Haar in der Suppe suchen.

          • Nun, Deutsche werden ja ab und an auch mit ihrer Lederhosen- Bier- und Weisswurstkultur aufgezogen. Wenn man sich reinsteigert, könnte man in einer Verkleidung dieser Art eben auch eine Beleidigung sehen. Als würde Deutschland nur aus Bayern, Trachten und Saufen bestehen. Tut es nicht, aber es ist mir eben auch egal, wer das denken könnte.
            Und ich suche nicht das Haar in der Suppe, aber wenn man in einige Artikel in Folge eben solche PC Themen einbaut, muss man auch mit Fragen/ Kritik dazu rechnen. PS: Nur weil du es unproblematisch findest, einen Kimono zu tragen, könnten sich andere dadurch durchaus gestört/ angegriffen fühlen. Ich sags nur.

          • Liebe Sina,

            dann siehst du darin eine Beleidigung, ist doch in Ordnung. Macht sich als Deutscher verkleiden aber noch immer nicht zu einer kulturellen Aneignung im Rahmen der Definition, die Marc Jacobs medial entgegen gehalten wurde.
            Die Fragen habe ich beantwortet und die Kritik solltest du unter anderem dann an die InStyle, Papermag, Dazed & Confused, People Magatzine, i-D, New York Magazine oder The Cut geben. Die haben sich nämlich damals zu dem Thema geäußert und ich habe diesen Sachverhalt in meinem Artikel erwähnt, weil es eine wichtige Information für die Aussage war. Ich habe nicht selbst darüber geurteilt.

            Es kann sich jeder an etwas stören, das steht doch außer Frage. Ob es dann aber um CA geht oder jemandem nur die Nase des anderen nicht passt ist doch ein Unterschied.

            Liebe Grüße,
            Lisa

        • Johanna sagte am

          Der Deutsche ist nun eher weniger Teil einer unterdrückten und/oder diskriminierten Kultur, von daher kann das Verkleiden in Lederhosen überhaupt keine cultural appropriation sein. Ein wenig Sensibilität könnte manchmal nicht schaden, sich informieren auch nicht.

  2. Christiane sagte am

    das ist genau, was mich stört. Du darfst den Pelz tragen… aus den und den Gründen weil es für Dich ok ist. Aber andere massregeln, weil es Dich persönlich stört und Du es nicht genug PC findest….

    • Liebe Christiane,
      ich habe die Definition von Cultural Appropriation wiedergegeben und erklärt, warum es einen kleinen Shitstorm nach Marc Jacbos Show gab. Den habe ich ja nicht initiiert.
      Außerdem habe ich an keiner Stelle gemaßregelt, weder im Text noch in den Kommentaren.

      Liebe Grüße,
      Lisa

      • Naja, aber du hast eben schon geschrieben, dass du den Shitstorm (schlimmes Wort übrigens) berechtigt findest ( =Wertung und eben nicht reine Definition). Mich persönlich stört vielleicht auch einfach, dass du in deine Artikel recht viel Meinung reinbastelst, was dann insbesondere in Verbindung mit dem PC Zeigefinger irgendwie anstrengend wirkt. Aber ist ja auch gut jetzt, es zwingt mich glücklicherweise niemand, irgendwelche Artikel zu lesen. Weiss ich Bescheid in Zukunft.

        • Liebe Sina,

          gut, dann weiß ich nun, was du meinst. Tut mir Leid, dass ich eine Meinung habe und sie auch wiedergebe beziehungweise ich das auf eine Art tue, die dir nicht zusagt.

          Liebe Grüße,
          Lisa

        • Hallo Sina, als ich diesen Kommentar von dir gelesen habe, habe ich gedacht „genau das ist es!“ („Mich persönlich stört vielleicht auch einfach, dass du in deine Artikel recht viel Meinung reinbastelst, was dann insbesondere in Verbindung mit dem PC Zeigefinger irgendwie anstrengend wirkt.“) – mir geht es genauso. Klar darf Lisa ihre Meinungen haben und auch schreiben aber irgendwie kommt das bei den anderen journelles Autorinnen nicht so anstrengend daher und da fällt es mir nie auf. Also ich bin ganz bei Dir!

          • Liebe Verena,

            wir besprechen alle Themen für die Artikel auf Journelles in einer Konferenz und ich schreibe sie eben meistens dann für euch nieder. Es sind also Inhalte, die hier im Team besprochen, für wichtig befunden und dann verarbeitet und aufbereitet werden.
            Für mich ist es wichtig, einen Standpunkt zu haben (oder mehrere), der sich auch ändern kann und nicht in Stein gemeißelt ist. Dass man damit an manchen Stellen aneckt ist klar.
            Es ist ja (zum Glück) nicht die ganze Welt immer einer Meinung, sonst würde es auch schnell langweilig.

            Liebe Grüße,
            Lisa

  3. Guter Artikel! Ich finde es toll, wenn hier ausführlich und gut recherchiert über Themen berichtet wird, die einen überraschen… und die nicht ähnlich auf sämtlichen anderen Blogs auftauchen (keine Kritik an Euch, das bringt das Geschäft wohl einfach mit sich). Ich habe den guten Marc Jacobs noch auf dem Schirm. Dank seiner vielen tollen Taschen, die oft sehr bezahlbar waren. Marc by Marc Jacobs Taschen waren meist schlicht, klassisch mit coolen, modernen Elementen – besonders waren sie aber zeitlos. Kann ich noch ewig rumtragen und noch immer wird man danach gefragt. Und die Qualität ist super! Das sind sicher nicht die größten Taschenkunstwerke… aber das ist eine Chanel Tasche meiner Meinung nach auch nicht. Qualitativ hochwertige Taschen, die einen kleinen Wow Faktor haben und jeden Tag von morgens bis zum späten Abend funktionieren… damit hat er mich als Fan bekommen, egal was gerade ist.

  4. Liebe Lisa,
    ich habe lediglich im Kommentarbereich meine Meinung abgegeben bzw. näher nachgefragt und das hat einen kleinen Austausch entfacht. Wenn von dir im Artikel und in den Kommentaren dann gegensätzliche Aussagen getroffen oder Ansichten vermittelt werden, die aus meiner Sicht nicht zusammenpassen, frage ich eben nach. Das werde ich aber in Zukunft lassen, wenn du es so wahrnimmst, als hätte ich mich auf dich ‚eingeschossen‘.
    Auch deine ironische Entschuldigung dafür, dass du eine Meinung hast, wirkt irgendwie etwas unsouverän, aber es ist natürlich deine Sache, wie du mit Kritik umgehst.
    Viele Grüße!

  5. Lisa! Du bist eine echte Bereicherung für Journelles. Und zu der Pelz vs Cultural Appropriation Debatte: ich krieg Kopfschmerzen von Kommentator*innen die eine Äpfel vs Birnen Debatte anfangen. Denn: 1. über das Pelztragen seid ihr super gebildet. Aber 2. solltet ihr euch alle mal mit critical whiteness beschäftigen und mal drauf klarkommen dass wir white girls maln bisschen reflektierter mit der inbesitznahme fremder kulturen umgehen könnten 3. ja, das ist beides politisch und die diskussion ist notwendig aber 4. nein, Es ist keine sinnvolle Diskussion, wenn man das eine mangels anderer argumente zur Demontage eines komplett anderen Themas benutzt wird. Hilft weder dem einen Anliegen noch dem anderen. Weil: wenn ich zB Fleisch esse, darf ich andere nicht auf zB sexistisches Verhalten aufmerksam machen? Oder: ich darf nicht Flüchtlingen helfen während Obdachlose frieren? Hä? Merkt ihr hoffentlich selbst. Die* ohne pc fehler werfe den ersten Stein. (Ich darf hier als katholisch getaufte kurz mal die Bibel verwursten.)

    • Johanna sagte am

      Danke Antje! Die meisten Leute checken einfach nicht, dass es bei cultural appropriation gerade um das Bedienen an historisch oder aktuell unterdrückten Kulturen geht und vor allem oft um das Bedienen an Symbolen, mit denen diese unterdrückten Kulturen ihre Einzigartigkeit angesichts der mächtigeren Unterdrücker bewahrt haben – und eben nicht um den Amerikaner, der sich als Deutscher in Lederhosen verkleidet.

    • Liebe Antje,

      danke für deinen Kommentar und das Lob.
      Ich sehe das ziemlich genauso wie du und finde es gerade eher schade, dass über die PC-Diskussion der eigentliche Inhalt des Artikels bisschen untergegangen ist.

      Liebe Grüße von einer ebenfalls katholisch getauften abd absolut nicht bibelfesten Lisa.

    • Danke Antje! Und danke Lisa dafür, dass du diese Seite hier ein bisschen politischer machst. Finde ich super, genauso wie gut recherchierten Modejournalismus wie diesen hier.

  6. Liebe Lisa, ein wahnsinnig interessanter Artikel, danke dafür! Ich war früher auch ein riesen MJ-Fan, damals war seine Mode für mich SO begehrenswert. Das Ende kam dann schleichend aber konsequent. Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, wie es eientlich so gekommen ist und ob er wohl noch einmal ein comeback schafft. Ich habe unheimlich gerne Deine Zusammenfassung und Deine Gedanken dazu gelesen. Schade, dass die Kommentare sich nicht mit dem Thema aueinandersetzen, sondern von einigen für abwegige Belehrungen und Besserwissereien genutzt werden.

    • Liebe Andi,

      danke für deinen lieben Kommentar, ich habe mich eben sehr gefreut, ihn zu lesen. Witzig, dass wir hier anscheinend den gleichen Gedanken hatten.
      Es ist wirklich schade, weil er für mich noch immer einer der sympathischsten Designer ist (auch wenn ich ihn persönlich nicht kenne).
      Wir drücken die Daumen, dass er doch noch das Ruder herum reißt. oder 😉

      Ja, ich finde es auch schade, aber dafür sind Kommentarspalten eben da und ich lese mir auch alles durch. Obwohl ich mir ebenfalls gewünscht hätte, dass man über den Artikel spricht anstatt Vermutung über meinen Charakter anzustellen.

      Liebe Grüße,
      Lisa

  7. Liebe Leute, ich bin endgültig raus. Habe keine Lust mehr, Eure voll-korrekten PC/Animal Correct/ fur correct und sonstwas-korrekten Diskussionen zu lesen. Und zwar nicht, weil diese Meinungen nicht hörens- bzw. lesenswert wären, sondern weil Ihr nicht aufhören könnt! Eine Diskussion ist keine Bekehrung; Ihr müsst nicht so lange argumentieren, bis der Andere Eurer Meinung beipflichtet. Und dieses reflexhafte Finger-heben, sobald das passende Stichwort (Fleisch, Fell, Dreadlocks…..) fällt, geht mir mit zunehmender Existenz des WWW auf den Senkel. Wie sehne ich mich zurück nach den Zeiten, als man mehr tun musste, als nur einen Button zu drücken, um seine Gedanken der Welt kund zu tun…
    Also, schreibt gern weiter. Für mich ist mit dem Artikelende künftig der Beitrag vorbei. Die Kommentarspalte sei Euch überlassen.
    Liebe Grüße
    su

  8. Liebe Lisa
    Auch von mir ein fettes Dankeschön für diesen Artikel! Mir geht es ähnlich wie dir, ich erinnere mich noch, wie ich als Teenie die Anzeigen von Marc Jacobs wahnsinnig inspirierend fand, mir das Daisy Parfum wünschte und die Taschen von Marc by Marc Jacobs supercool fand. Winona Ryder von Juergen Teller inszeniert! Scarlett Johansson in Marc Jacobs im Film Lost in Translation. Sofia Coppola und Marc Jacobs als Bffs. Ja und irgendwie hat sich die Marke nicht weiter entwickelt und Marc Jacobs assoziiert man nun mehr mit Geordie Shore als mit Lost in Translation. Was ich sehr schade finde!
    Übrigens kann ich mich meinen Vorschreiberinnen nur anschliessen: Ich finde dich auch eine Bereicherung für Journelles!

  9. Ihr tut mir echt leid, wenn man Sich schon dafür entschuldigen muss, dass man sich als Kind als Indianer verkleidet hat…
    Wo ist die Lockerheit, wo ist die Toleranz? Es kann nun mal nicht jeder zum Holli-Festival nach Indien reisen, über eine witzige Aktion in ‚Wanne-Eikel‘ (was soll dieser Seitenhieb, wäre es in Berlin etwa erlaubt?) kann man doch den Einstieg in sowas finden…
    Bitte nehmt auch alle nicht zu ernst, seid tolerant und positiv!!

    • Liebe Ams,

      es hat niemand gesagt, dass man sich als Kind nicht als Indianer verkleiden darf. Es ging um Indianerfedern bzw. den Headdress der Häuptlinge und wenn damit Ladies auf Festivals wie dem Coachella herumlaufen.
      Ich verbiete niemandem irgendwas, finde es inzwischen aber als problematisch, einfach weil ich mich mit den Themen beschäftigt habe (unter anderem durch meinen Job „in der Mode”) und mit dem neuen Wissen diese Dinge neu für mich bewertet habe. Ich habe auch nicht gesagt, dass es in Berlin erlaubt ist. Ich habe Wanne-Eikel als Beispiel einer Kleinstadt genommen, um die räumliche und kulturelle Entfernung zu Indien hervorzuheben. Ich wollte hier natürlich keinem Einwohner aus Wanne-Eikel zu nahe treten und entschuldige mich, falls das der Fall war.

      Interessant ist, dass man direkt als Moralapostel abgestempelt wird, wenn man solche Überlegungen auf den Tisch legt und gesagt bekommt, man solle sich mal locker machen.
      Ich bin ein sehr toleranter und positiver Mensch, ich mache mir nur eben gerne auch Gedanken. Toleranz bedeutet für mich, sich auf Dinge einzulassen und sie zu hinterfragen (auch das eigene Handeln) und nicht dauerhappy alles gut zu finden und zu billigen, was um mich herum passiert.

      Und wo der Einstieg zu einem der ältesten Volksfeste der Hindus gegeben ist, indem man sich bei einem Rave, der losgelöst vom kalendarischen Termin des echten Holi-Festivals stattfindet, mit Farbe bewirft, sehe ich einfach nicht.
      Da bin ich dann vielleicht dickköpfig, aber es ist leider so.

      Liebe Grüße,
      Lisa

  10. Vollkommen absurd wird diese ganze sowieso schon absurde PC/CA Debatte, beim Versuch hochgeschwollen zu erklären, warum Wanne-Eikel als Demoobjekt für mögliche CA-Vergehen herhalten musste.
    Ich zitiere: „Ich habe Wanne-Eikel als Beispiel einer Kleinstadt genommen, um die räumliche und kulturelle Entfernung zu Indien hervorzuheben. Ich wollte hier natürlich keinem Einwohner aus Wanne-Eikel zu nahe treten und entschuldige mich, falls das der Fall war.“
    Mir fehlen die Worte!
    Was mich aber wirklich noch interessieren würde:
    Kann sich mal jemand aus Wanne-Eikel dazu äußern, was sie sich da beim jährlichen Farbbeutelwerfen denken?

    CA-Diskussionen sind notwendig und wichtig, aber mit den Versuchen, deine gewagten, aber vielleicht nicht ganz zu Ende gedachten Thesen im Artikel, zu rechtfertigen und zu erklären, führst Du das Ganze ad absurdum. Diesen Kampf kann man nur verlieren, es sei denn man lebt als Nonne im Kloster und selbst dann…

    Kontrovers kann man gern sein, aber dann bitte auch aushalten können.

    • Liebe Romy,
      ich halte aus, aber das heißt nicht, dass ich nicht versuchen darf, meine Gedankengänge (die bei dem Marc Jacobs Artikel nun nicht soo gewagt waren, oder?) versuchen zu erklären.
      Ich rechtfertige mich ja nicht. Die Entschuldigung war nett gemeint.
      Ich würde mich nicht darüber ärgern, wenn ich dort leben würde, das nächste Mal ziehe ich auch gerne meine Heimatstadt als Referenz hinzu, aber wenn es jemanden stört, entschuldige ich mich.
      Die Diskussion wurde von mir auch nicht angestoßen, ich schreibe genau ein einziges Mal darüber im Artikel: „Nach wie vor sind seine Kollektionen ein verrücktes Fest mit starken Referenzen zur Jugendkultur. Doch auch hier tappte Jacobs in die PC-Falle, als er für seine Frühjahrskollektion 2017 Models mit pastellfarbenen Dreadlocks über den Laufsteg schickte und sich den (berechtigten) Vorwurf der kulturellen Aneignung gefallen lassen musste.” Der Rest des Artikels geht um ganz andere Dinge, aber anscheinend hat das einen Nerv getroffen.

      Liebe Grüße,
      Lisa

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