Luxus im Laub – Karl Lagerfeld entführt uns mit Chanel in einen magischen Zauberwald

Mit Chanel geht jede Saison die Modewoche in Paris dem Ende zu. Es handelt sich immer um ein gespanntes Warten und Rätselraten, schließlich lässt Karl Lagerfeld sich in Sachen Inszenierung nicht das Zepter aus der Hand nehmen. Die Präsentationen des französischen Modehauses zählen zu den größten Spektakeln der Branche und es darf sich jede*r glücklich schätzen, der*die eine Einladung zu diesem Event in den Händen hält.

Wie schafft es Lagerfeld nur bei bis zu acht Kollektionen im Jahr, für die er sich neben Chanel ebenfalls für Fendi verantwortlich zeichnet, das Publikum zuverlässig mit immer neuen Ideen zu überraschen? Es ist in der Tat eine Meisterleistung und sein Geist scheint ein kreatives Fass ohne Boden zu sein. Geht nicht gibt es bei Lagerfelds Chanel nicht. Und so nahm uns der große Meister für seine Winterkollektion 2018 an die Hand und führte uns in einen magischen, verzauberten und schier endlosen Wald.

Während ich fleißig durch meinen Instagram-Feed scrollte, ärgerte ich mich regelrecht, diese fantastische Waldlandschaft, die Chanel im Grand Palais hochgezogen hatte, nicht auf einem größeren Bildschirm betrachten zu können. Aus einem über und über mit Laub bedeckten Boden wuchsen knorrige Laubbäume in die Höhe und flankierten den natürlichen Runway beidseitig wie eine altehrwürdige Allee. Wo Karl Lagerfeld im März das ganze Laub hergezaubert hat?

Ich weiß es nicht, es würde mich aber nicht wundern, wenn es bereits seit den Herbstmonaten sorgfältig in einem Pariser Lagerhaus aufbewahrt auf seinen großen Moment gewartet hat.

Unweigerlich denkt man an die deutsche Romantik und den deutschen Wald als Sehnsuchtsort dieser Epoche Anfang des 19. Jahrhunderts. Für den Dichter Eichendorff war der Wald eine „Art Hallraum der Seele“, bei Karl Lagerfeld handelt es sich tatsächlich auch um eine innerliche Rückkehr zu seinen deutschen Wurzeln, da er die ersten acht Jahre seines Lebens in einem wohl identischen Haus im Wald verbracht hat. Logisch, dass erneut das Gemurmel um ein mögliches Ende von Lagerfelds Karriere laut wurde, das durch die Métier d’Arts Präsentation in seiner Geburtsstadt Hamburg zuletzt ordentlich angefeuert worden war.

I’ve always loved autumn. This is a kind of Indian summer, with all the leaves. It’s a beautiful mood.

Vielleicht war Herrn Lagerfeld nach Präsentationen in einem fiktiven Supermarkt, auf dem Mond, am Flughafen und auf einer Raketenbasis (samt Rakete!) auch einfach nach Wald. Wer weiß das schon.

Die Models präsentierten die 83 Look starke Kollektion wie auf einem herbstlichen Spaziergang und flanierten über die großzügige, von Bäumen gesäumte und mit Blättern bedeckten Allee hinunter und wirbelten das Laub mit ihren luxuriösen Kreationen auf.

Ensembles bestehen aus Hosen, Westen, Jacken, Blazern und Röcken, alle im gleichen Tweed-Bouclé gehalten, und wurden nur durch großzügige Schals aufgebrochen. Es folgten goldene Lurex-Röcke und -Culottes, schimmernde Overknees mit weitem Schaft. Und schließlich, immer anders wiederkehrend, ein scheinbar irisierendes Blättermuster auf Mänteln, fließenden Seidenblusen und -röcken. Als hätte sich das Laub der Bäume einfach auf der Kleidung der Models niedergelassen. Gebrochen wird dieser Look von erstaunlich 80er-lastigen Promkleidern und 90er Jahren Pufferjackets.

Es scheint, als verliere sich Lagerfeld in einer Zwischenwelt aus seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart. Es findet alles auf stimmige Weise zueinander, die stilistischen Brüche innerhalb der Kollektion sind einerseits hart, das Gesamtbild harmoniert dennoch. Ich muss gestehen, dass ich mich schwer tue mit der genauen Richtung, die Karl Lagerfeld einschlagen möchte. Seit mehreren Saisons sind die Kollektionen von Chanel handwerklich einwandfrei, makellos im Design. Und doch habe ich das Gefühl, stets doppelt oder dreifach zu sehen. Vermutlich so, wie es uns allen nach der vierten Kollektion von Alessandro Michele ging.

Es ist immer atemberaubend schön, perfekt inszeniert und makellos umgesetzt … aber das gewisse Etwas, wie es zuletzt bei der Métier d’Arts Kollektion in der Luft lag, das kann ich nicht ausmachen.

Was denkt ihr? Kündigt sich ein schleichender Abschied von Karl Lagerfeld an?

Hier kommen unsere Lieblingslooks der Winterkollektion 2018 von Chanel

Alle Bilder via Vogue Runway

Bilder im Header via Vogue Runway

Kommentare

  1. lisa@journelles.deninacep@web.de

    Es ist nicht böse gemeint, auch wenn es so klingen mag: Ich finde Lisas Schreibe langweilig, mir fehlt der Pepp und die Frische. Und in den Office Gear Artikeln vermisse ich vom Stil Marie.

  2. lisa@journelles.deamelie.heller@web.de

    Mich lässt dieser Artikel ärgerlich zurück. Wenige neue Informationen, dafür viel Interpretation und nicht wirklich nachvollziehbare Kritik. „Seit mehreren Saisons sind die Kollektionen handwerklich einwandfrei“ – und vorher war es zusammengetackertes Gelump? Oder worauf bezieht sich dieser Kommentar? Wie kann ich das überhaupt beurteilen, ohne die Stücke in der Hand gehalten zu haben?
    Alles toll, aber das gewisse Etwas fehlt.
    Auch die Vermutung, dass Karl Lagerfeld seinen Abschied vorbereitet – er ist (wahrscheinlich) 84! Es braucht keinen großen Insiderverstand, um das zu mutmaßen (auch wenn ich mir bestimmt noch weitere 20 Jahre mit ihm wünschen würde 🙂

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