Labelwatch: Khaite – Die New Yorker Brand holt uns zurück in die Zukunft

Alle Jubeljahre, immer, wenn die Sterne günstig stehen und viel Glück in der Luft liegt, erscheint plötzlich ein Modelabel am Horizont, das unser Herz ordentlich durchschüttelt, uns neue (Anzieh)-Perspektiven verspricht und einfach erfrischend neu ist.

So etwa in der Vergangenheit geschehen mit den tollen Taschen von Mansur Gavriel, deren Sortiment schließlich auch um Ready-To-Wear und außerst entzückendes Schuhwerk erweitert wurde oder den ziemlich perfekten Sandalen von Maryam Nassir Zadeh. Auf unseren Streifzügen durchs Netz und Social Media ist uns nun ein weiterer Fashion-Kandidat für die Rubrik „besonders wertvoll” über den Weg spaziert. Die Rede ist vom New Yorker Label Khaite.

Das noch junge Label wurde im Herbst 2016 von Cate Holstein gegründet und hatte mit dem Onlineshop The Line direkt einen starken Partner für Vertrieb und Image an seiner Seite. Hier launchte exklusiv die damals noch hauptsächlich aus Denim bestehende, erste Kollektion.

Khaite Pre-Fall 2018

Alle Fotos: Khaite

Inzwischen wurde die Range um Lederwaren, Outerwear, Kleider, Knitwear, Blusen und Hosen erweitert – in seinem Design-Approach und der Aussage ist sich Khaite jedoch treu geblieben und hat seine Message durch die Erweiterung des Portfolios eher noch bestärkt.

Die Entwürfe von Holstein zeichnen glasklare, feminine Schnitte aus. Die Linien sind gerade und sehr weiblich, ohne zu hübsch oder girly zu wirken. Ein bisschen, so könnte man sagen, ist Khaite eine nahbarere Version von Céline. Mode für selbstbewusste, zielstrebige Frauen, die Wert legen auf Ästhetik, hochwertige Verarbeitung, Understatement und eine gewisse Selbstverständlichkeit.

Aus diesem Grund tue ich mich auch mit dem Stempel eines It-Labels schwer. It-Labels zeichnet gleichzeitig immer auch eine gewisse Vergänglichkeit aus, da ihr Hier-und-Jetzt-Status (den sie nicht selten mitbegründen) gleichzeitig ihren Erfolg und auch ihr Verfallsdatum bedeuten. Cate Holsteins Label ist zu basic und zeitlos, als dass man es in eine Trendschublade stecken könnte oder sollte.

Khaite Pre-Fall 2018

Alle Fotos: Khaite

Alle Teile werden in New York designt und in Los Angeles angefertigt. Die Farbpalette bewegt sich im eher gedeckten Bereich von Blau zu Beige, Wollweiß, Schwarz, Waldgrün, dazwischen knalliges Rot. Die Jeans sind schlicht und sitzen perfekt. Die Cashmere-Pullover bekommen durch kastig geschnittene Dekolletees oder Volumen am Oberarm gezielt gesetzte Highlights. Blusen werden am Hals geknotet und Kleider sind asymmetrisch und farblich abgesetzt durchgeknöpft.

Es ist eine frische, moderne Interpretation von amerikanischer Everyday-Wear aus den Neunzigerjahren. Bei Khaite denken wir direkt an GAP und Diane Keaton im Woody Allen-Film „Der Stadtneurotiker”. Harling Ross fasste diesen Stil unter dem Namen „Menocore” sehr treffend auf {The Man Repeller} zusammen.

Das zweite Geheimnis von Holsteins Label ist das der tragbaren Einzelstücke. Jedes einzelne Teil von Khaite steht so aussagekräftig für sich selbst und ist dabei mit fast allem problemlos kombinierbar, dass man schon mit ein, zwei Teilen echte (Under)Statement-Pieces in seine Garderobe integriert.

Es scheint fast so, als läge in der Ruhe wirklich die Kraft. Denn schaue ich auf unsere anderen, ehemaligen Favoriten Mansur Gavriel, Maryam Nassir Zadeh oder auch Staud, kann man vieles über diese Marken sagen, aber keinesfalls, dass sie übermäßig laut und hysterisch daherkommen. Im Gegenteil: alle vereint die gekonnte Umsetzung und Neuauflage von Altbekanntem. Aber eben so, dass es sich so neu anfühlt, als hätte man zuvor noch nie eine Five-Pocket-Jeans oder ein Baumwollkleid dieser Art gesehen.

Der Begriff „Essentials” ist Cate Holstein übrigens verhasst. Sie sieht in ihrer Marke Khaite keinen Lieferanten für eine Grundausstattung, sondern möchte jedes Teil ihrer Kollektionen als geschätztes Einzelteil wissen, das so im Kleiderschrank noch gefehlt hat.

Natürlich lassen inzwischen auch die Copy Cats nicht mehr auf sich warten. Highstreet-Marken wie H&M, Mango oder Zara sind schon auf den Zug aufgesprungen und haben durchgeknöpfte Longsleeves in Rippstrick, 7/8-Denim um Raw-Look und Trenchcoats á la Khaite im Sortiment.

Nun habe ich so viel geschwärmt, da fragt ihr euch sicher, warum ich nicht schon längst von Kopf bis Fuß in Khaite gekleidet durch Berlin flaniere, oder? Gutes Design und Produktion haben eben ihren Preis und so werde ich die Kleidung aus der Feder Cate Holsteins leider bis zu meinem Sechser im Lotto durch den Bildschirm anschmachten müssen. Favoriten habe ich natürlich trotzdem 😉

Hier kommen die meine Khaite-Highlights aus den Onlineshops:

Bilder im Header via Khaite.com

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