Karriere-Interview: Ninon Goetz und Alexandra Springer von Très Click

Neben Edition F hat im letzten Jahr der Launch von Très Click für Gesprächsstoff gesorgt. Denn neben Krautreporter kommt damit ein weiteres Onlinemagazin aus Deutschland. Très Click ist dank catchy headlines und einer starken Social Media Präsenz sehr schnell bekannt geworden. Innerhalb kürzerster Zeit zählt die Facebook-Seite 24.000 Fans.

Was eine Handtasche mit der Karriere der beiden Macherinnen zu tun hat verraten uns Ninon Goetz und Alexandra Springer im Karriere-Interview.

Liebe Ninon, liebe Alexandra: Wo habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Bei einer Shop-Eröffnung in Hamburg. Alex hatte die “Alexa” von Mulberry
am Arm, obwohl die damals in Deutschland so gut wie nicht zu bekommen war. Ich
habe sie darauf angesprochen – drei Wochen später habe ich Alex zu Grazia Online
geholt. Wir sagen immer, wir müssten der Tasche ein Denkmal bauen, denn ohne sie
wäre alles ganz anders gekommen.

Ein Job bei der GRAZIA ist für viele doch ein Traum – warum war es dennoch Zeit für eine Veränderung?

Bei der Themen-Recherche für Grazia sind wir ständig auf englischsprachige Seiten
gestoßen, die wir richtig toll fanden. Wir haben uns immer gefragt: Warum gibt es so
etwas nicht auf deutsch? Warum macht das niemand? Und irgendwann wurde daraus
dann: Warum machen WIR das nicht? So hat alles angefangen. Trotzdem: Grazia zu
verlassen ist uns beiden nicht leicht gefallen. Aber gleichzeitig wussten wir: Wenn wir
das jetzt nicht machen, dann machen wir das nie.

Welche beruflichen Qualifikationen bringt ihr für die Gründung, Redaktion und
Vermarktung eures Magazins mit? Wie ergänzt ihr euch gegenseitig?

Wir haben Online- und Print-Erfahrung, was uns sehr zu gute kommt. Außerdem hat
Ninon lange in der Werbung gearbeitet, dieser Background ermöglicht es uns,
Publisher und Agentur in einem zu sein.

Wie war der Vorlauf: Habt ihr einen Businessplan geschrieben, Kurse
oder Coachings gemacht?

Natürlich haben wir einen Business-Plan geschrieben, obwohl wir heute sagen
müssen: Das hilft eher Banken und Investoren. Da ist sehr viel “in die Glaskugel
schauen” dabei, gerade wenn es um Online-Traffic geht. Kein Mensch kann
vorhersagen, wie sich so etwas genau entwickelt. Zum Glück haben wir unsere
Erwartungen bisher weit übertroffen, aber es hätte auch anders laufen können.

Außerdem haben wir uns in Sachen SEO usw. fit gemacht, aber auch da finden wir im
Nachhinein: Hätten wir uns schenken können. Den Kampf um beliebte Suchwörter
können wir als Start-up gar nicht gewinnen, da sind Zalando und Co. perfekt optimiert
und einfach unschlagbar. Das macht uns aber auch frei, so zu schreiben, wie wir
wirklich sind. Ob ein Text viele Keywörter hat oder nicht, kann uns egal sein,
Hauptsache er liest sich gut und ist interessant. Ein wahrer Luxus in der Online-Welt!

100.000 Euro – so viel Geld habt ihr angeblich von euren Investoren
für den Start von Très Click bekommen. Was hat sie an eurer Idee
überzeugt? Wie habt ihr das Geld eingesetzt? Sprich: Für was braucht
man bei einer Gründung eigentlich das meiste Geld?

Die Investoren fanden unseren Background gut. Außerdem konnten wir klar zeigen,
dass ähnliche Konzepte in den USA bereits bestens funktionieren, wir das Rad also
keineswegs neu erfinden müssen. Neben den Gründungs- und Markenrecht-Kosten
haben wir das meiste Geld in die Programmierung gesteckt. Wir wollten möglichst
flexible Tools, damit wir zum Beispiel Artikel ganz abwechslungsreich gestalten
können. Was die laufenden Kosten betrifft, sind die Bildrechte mit am teuersten.
Obwohl wir da sehr gut verhandelt haben und von tollen Fotografen unterstützt
werden, die uns ihre Bilder teilweise sogar kostenlos zur Verfügung stellen.

Wo habt ihr angefangen? Am Küchentisch oder gab es gleich ein Très Click Büro?

Wir haben tatsächlich am Küchentisch angefangen, werden aber wahrscheinlich bald
umziehen.

Wie hoch empfindet ihr den Druck mit fremdem Geld kreativ zu arbeiten
und Erfolg nachweisen zu müssen?

Wir haben das Glück mit Menschen zusammen zu arbeiten, die uns total vertrauen und
an uns glauben. Die sind eher geschockt, wie viel wir in der kurzen Zeit geschafft
haben, daher empfinden wir nicht so viel Druck von außen. Wir machen uns aber
selber viel Druck, immer besser, schneller, origineller zu werden, das treibt uns an.

Très Click wurde gut angenommen: In kürzester Zeit hattet ihr 20.000 Facebook-
Freunde – habt ihr für die Page geworben oder war das rein organisch?

Ganz am Anfang haben wir Facebook-Ads geschaltet, das tun wir aber längst nicht
mehr. Unser Motto ist ja “Würde ich’s klicken? Würde ich’s posten? Würde ich’s
sharen?” Mit dieser Einstellung haben wir uns innerhalb kurzer Zeit eine sehr aktive
und teilfreudige Community erschlossen, einige unserer Posts haben über 100.000
Likes, die erfolgreichsten Videos werden auf unserer Seite millionenfach geklickt.
Dieses direkte Feedback motiviert uns sehr und zeigt uns, dass da noch viel Luft nach
oben hin ist.

Das Motto von Très Click lautet „Fashion just got fun“: Wie ist das zu
verstehen? Wieso empfindet ihr die Berichterstattung über Mode in
Deutschland als zu ernst oder sogar langweilig?

Mode ist seit jeher ein elitäres Thema, das durch Online stark demokratisiert wurde.
Bis vor kurzem gab es ein paar Wenige, die aus einem Elfenbeinturm berichteten, was
angesagt ist – heute ist Fashion zum Dialog geworden. Diese Entwicklung finden wir
spannend und das wollen wir auch weiter voran treiben. Damit geht auch einher, dass
man weder sich selbst, noch das Thema zu ernst nimmt.

 

Screenshot: www.tres-click.de
Screenshot: www.tres-click.de

 

Ihr macht ein Online-Magazin für Mode, Beauty und Popkultur. Gerade der Begriff „Popkultur“ wurde in der Vergangenheit überstrapaziert. Warum ist euch dieser Zusatz dennoch wichtig?

Wir hätten auch schreiben können “Das Magazin für alles, was uns Spaß macht,
aufregt, berührt und interessiert” – aber das wäre etwas zu lang geworden. Popkultur
ist ein toller Begriff, weil er so unpräzise ist und jeder hinein interpretieren kann, was
er möchte.

Ihr selbst vergleicht euch mit den „Flitzern“, also den Jungs, die nackt über das Fußballfeld rennen – was macht ihr anders als eure Kollegen?

Wir können nicht sagen, ob wir etwas anders machen, als andere, wir können nur
sagen, dass unser Hauptantrieb Spaß und das Spielerische ist. Dass wir gerne Risiken
eingehen und sehr leidenschaftlich bei der Sache sind. Und dass wir – ähnlich wie
Flitzer – schnell und aus dem Bauch heraus handeln, weil wir finden, dass sich so das
Zeitgefühl am besten einfangen lässt.

Eine wichtige Einnahmequelle für jedes Magazin ist die Werbung: Gerade in
den Print-Medien muss man bei der Veröffentlichung auf die Anzeigenkunden Rücksicht nehmen, sie thematisch einbinden usw. Wie gestaltet sich das bei Très Click? Wie bleibt ihr trotz des finanziellen Drucks von Seiten der Investoren unabhängig?

Wir setzen voll auf Native Advertising und wollen beweisen, dass das mehr als ein
leeres Buzzword ist. Wenn gut verpackte Inhalte auf die richtige Zielgruppe treffen,
wird aus schnöder Werbung plötzlich nützliche Information. Unseren Leitsatz (Würde
ich’s klicken? Würde ich’s posten? Würde ich’s sharen?) setzen wir auch bei
Sponsored Stories um. Damit haben wir bisher sehr schöne Erfolge erzielt, aber wir
stehen natürlich erst ganz am Anfang. Man darf nicht vergessen: Es gibt uns erst seit
drei Monaten!

Macht ihr euch andersrum keine Sorgen, dass durch Artikel wie „Taugt
das iPhone als Vibrator?“ potentielle Anzeigenkunden verschreckt
werden? Da ist man in Deutschland ja manchmal sehr empfindlich, was zu „laute“ Themen anbelangt.

Nein, nicht wirklich. Wenn man sich schon bei der Kreation zu stark von möglichen
Befindlichkeiten anderer einschränken lässt, leidet das Produkt, der User und
letztendlich der Advertiser, weil er niemanden mehr erreicht. Unser Job ist es in
allererster Linie, ein aufregendes Magazin für unsere Leser zu machen und das
Vertrauen, das wir uns gerade mühsam erarbeiten, nicht zu verspielen. Davon
profitieren am Ende alle, gerade auch die Anzeigenkunden.

Welche Online-Magazine würdet ihr als eure Vorbilder nennen?

Ganz klar: Refinery29!

Die zweite spannende Online-Gründung aus Deutschland in diesem Jahr heißt Edition F – seht ihr solche Projekte als Konkurrenz oder Mitstreiter?

Konkurrenz? Nein, Edition F bedient ja völlig andere Themen. Aber das Portal gefällt
uns sehr gut!

Was für Arbeitgeber wollt ihr sein bzw. was wollt ihr vielleicht auch in diesem Bereich anders als große Verlagshäuser machen? Welche Einstiegsmöglichkeiten bietet ihr bei Très Click?

Vor kurzem waren wir bei einem großen Verlag eingeladen. Eine Redakteurin hatte
eine gute Idee für die kommende Print-Ausgabe, doch die Entscheidung musste erst
mit zwei unterschiedlichen Teams abgestimmt werden. Am Ende war es für die
Umsetzung der Idee zu spät. Uns sind flache Hierarchien wichtig und dass jede Stimme gehört wird. Bei so einem kleinen Team machen natürlich alle alles, wir hoffen, dass wir diese kurzen Wege und schnellen Entscheidungen auch mit mehr Leuten umsetzen können.

Der Online-Journalismus wurde lange belächelt und auch ihr habt die Erfahrung gemacht, dass Online-Magazine oft nur als Resterampe der Print-Titel dienten. Jetzt dreht sich das Blatt: Immer mehr Zeitungen werden eingestellt und die Relevanz der Onlinemedien steht außer Frage. Sogar bei Spiegel Online gibt es jetzt die Rubrik „Stil.“ Wieso seht ihr eure Zukunft als Modejournalisten in den Online-Medien und nicht mehr im Print-Bereich?

Mode ist ein sehr schnelles Thema, das passt einfach unglaublich gut zu Online. Aber
es wird immer Geschichten geben, die besser im Print funktionieren und andere, die
man lieber online macht. Dieser Krieg zwischen den beiden Medien hält nur auf und
schadet am Ende allen. Dabei können sich die Disziplinen unglaublich gut ergänzen!

Kaum gelauncht, habt ihr auch schon eine eigene Kollektion Sweatshirts auf den Markt gebracht. Inwiefern trägt die Kollektion zu eurem Geschäftsmodell bei? Wird es in Zukunft mehr Mode von Très Click geben?

Die Kollektion spiegelt genau das wieder, was wir mit unserem Magazin machen:
Unterhaltung für Mode-Fans, die sich nicht so ernst nehmen. Die Sweatshirts (und auch die Namen) haben wir selbst entworfen, der Erfolg hat uns selber überrascht. Die Shirts
wurden von Vogue (online), Couch, Petra, Jolie, Bunte, Grazia etc. gefeatured und
hängen mittlerweile bei Anita Hass und Jades.

OMG! Ratet mal, wer sich in unser Shirt verknallt hat! @georgiamayjagger

Ein von @tresclickmag gepostetes Foto am

Ihr habt beide Erfahrungen in der Branche und ein gutes Netzwerk: Wäre
euch der Start als absolute Newcomer und No Names ebenso gelungen?
Wie gestaltet sich euer Arbeitsalltag? Macht ihr Très Click schon hauptberuflich?

Ganz klar: Nein. Man braucht ein gutes Netzwerk und natürlich Erfahrung, aber das ist
in jeder Branche so. Wir machen Très Click 8 Tage die Woche, also rund um die Uhr. Im Moment bleibt kaum Zeit für etwas anderes, völlig normal für ein Start-up, also.

Eure Editorial Guideline lautet wie gesagt: „Würde ich’s klicken? Würde ich’s posten? Würde ich’s sharen?“ Wie schafft man es also, dass ein Artikel geklickt wird? Was ist das Erfolgsrezept für einen guten Online-Artikel?

Hmmm … schwierige Frage. Es ist mehr so ein Gefühl, das manche Themen in einem
hervorrufen – und andere eben nicht. Das Schlimmste, was wir tun können, ist, unsere
Leser zu langweilen. Wenn ein Artikel uns schon nicht wirklich tickt, können wir das
auch kaum vom Leser erwarten. Da wir unsere eigene Zielgruppe sind, können wir das
ganz gut einschätzen.

Und welcher eurer Artikel führt derzeit die Top-Liste zurzeit an?

Kein Artikel, sondern eine Aktion: Unser Adventskalender. Auch hier haben wir uns
gefragt: Was würde uns wirklich Spaß machen? Daraufhin haben wir ein ganz
einfaches Tool entwickelt, das die ewig gleichen Verlosungen zum Spiel macht: Ein
GIF, in dem alle Geschenke verpackt sind. Nur wer zum richtigen Zeitpunkt geklickt
hat, konnte sich für das Teil registrieren. Das hat den Usern offensichtlich viel Spaß
gemacht – und uns auch!

Vielen Dank für Eure Zeit und weiterhin so viel Erfolg!

Kommentare

  1. An und für sich ein gutes Interview, aber irgendwie fehlt mir da der „Karriere“-Teil vom Karriere-Interview. Die Website wird zwar durchleuchtet, aber wer sind die beiden überhaupt? Ihr Werdegang? „Ich war irgendwann mal in ’ner Werbeagentur und hab für Zeitschriften geschrieben“ ist halt auch wenig informativ.

  2. hmm..ganz nett das Onlinemagazin aber meiner Meinung nach die Themen sehr oberflächlich und zu kurz gehalten. Aber wer´s mag?!

    Ich muss zugeben, der Humor gefällt mir auch nicht so ganz. Kommt nicht ganz echt und natürlich rüber.

    Ansonsten wirklich sehr nett.
    Viel Glück und Erfolg 🙂

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