Karriere-Interview mit Svenja Evers, Geschäftsführerin bei der PR-Agentur BOLD

„Wir sind gut, weil wir menschlich sind.“ Die BOLD Berlin Communication & Marketing GmbH steht für eine neue Generation PR-Agenturen – cool und erfolgreich, aber nicht auf Kosten unbezahlter Praktikanten. Nur zweieinhalb Jahren nach der Gründung zählt BOLD mit zu den Besten. Wie schafft man das? Im Interview verrät eine der Gründerinnen, Svenja Evers, mehr. Bei den

„Wir sind gut, weil wir menschlich sind.“ Die BOLD Berlin Communication & Marketing GmbH steht für eine neue Generation PR-Agenturen – cool und erfolgreich, aber nicht auf Kosten unbezahlter Praktikanten. Nur zweieinhalb Jahren nach der Gründung zählt BOLD mit zu den Besten. Wie schafft man das? Im Interview verrät eine der Gründerinnen, Svenja Evers, mehr.

Bei den German Press Days Autumn/Winter 2013 fiel auf, wie viele junge Leute es in den Bereich PR zieht. Vor allem Mode-PR scheint ein Traumberuf. Fragt sich, wie man dahin kommt. Svenja, erzähl’ uns bitte die Kurzfassung deines Werdegangs!

Ich habe an der UdK in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert und in Australien einen Master of Business Marketing gemacht. Dann habe ich auf Kundenseite im Brand Management bei Jack Daniels und Finlandia Vodka gearbeitet. Mit meiner heutigen Partnerin Julia Winkels träumte ich aber schon während des Studiums davon, dass wir eines Tages etwas zusammen machen. So kam es 2010 zu dem Entschluss, die Agentur BOLD zu gründen – auch aus dem Grund, dass in unseren Augen das Feld für junge, zeitgemäße Kommunikation noch nicht abgedeckt ist. Wir, die Geschäftsführer, sind Teil dessen und up-to-date was Facebook, Blogs usw. anbelangt  – das macht in unseren Augen einen großen Unterschied.

Inzwischen seid ihr 25 Leute, habt sowohl das Büro als auch den Showroom  vergrößert. Ende des Jahres eröffnet ihr sogar ein Office in Los Angeles. Was macht euch erfolgreich?

Unseren Namen BOLD haben wir ganz bewusst gewählt – es heißt ja „mutig“ auf Deutsch. Wir sind keine klassische Agentur und gehen an jede Marke und jedes Projekt mit genug Zeit, den richtigen Leuten, einem eigenen Blickwinkel und viel Herzblut heran. Wir verstehen uns als Kommunikationsagentur und betreuen z.B. auch viele Social-Media-Kunden, organisieren Facebook-Seiten, Events und machen Guerilla-Marketing. Wir schaffen Stories und machen keine reine Mode-PR.

Man hört immer wieder Horror-Stories von Agenturen, in denen die Praktikanten kein Geld bekommen, zwölf Stunden täglich arbeiten und zum Dank mit Kleiderbügeln beworfen werden. Wie sind die Arbeitsbedingungen bei BOLD?

Aus dem Grund wollte ich früher nicht in einer Agentur, sondern auf Kundenseite arbeiten. Ein Punkt, der uns sehr wichtig ist: Wir sind eine menschliche Agentur. Wir zahlen für die Branche faire Gehälter, auch an die Praktikanten. Alle machen um 19 Uhr Feierabend, keiner arbeitet bei uns am Wochenende. Klar gibt es während Fashion Week und Press Days Stoßzeiten, aber wir achten darauf, dass die Arbeit bei uns generell fair ist. Wir legen Wert darauf, dass unsere Angestellten Zeit haben, inspiriert zu werden und ein Privatleben führen. Wir wollen die Leute nachhaltig beschäftigen, nicht verheizen.

Wie fühlt es sich für dich an, selbst Chef zu sein?

Ich bin gerne Chef, das ist ein guter Job! Dabei geht es mir nicht um Hierarchien und Dominanz, sondern eher um die Überlegung, wie man das Beste aus sich und seinem Team herausholt. Wir fragen uns immer: Wie können wir gut sein, wie macht uns die Arbeit am meisten Spaß? Die Grundlage dafür ist, dass wir super-flexibel sind. Nichts ist in Stein gemeißelt. Wenn also der Praktikant sagt: „Euer Sample-System ist nicht optimal“, denken wir darüber nach, reden darüber und ändern das. Keine Meinung ist mehr wert als die andere. Manchmal hat der Praktikant bessere Ideen als ich – das muss mein Ego verkraften.

Kann man bei euch auch ein Volontariat machen?

Ja, wir bieten jeweils ein PR- Volontariat pro Team und Traineestellen im Event-Bereich an. Die meisten Bewerbungen gehen im Bereich Mode ein. Wir wünschen uns Bewerber, die sich auch für die anderen drei Units „Beauty & Indulgence“, „Urban“ und „Digital Lifestyle“ interessieren, weil wir davon überzeugt sind, dass sich alle Bereiche gegenseitig inspirieren.

Was erwartest du von Leuten, die bei euch arbeiten wollen?

Wir wünschen uns Charaktere, die in Erinnerung bleiben. Wichtig ist, dass sie die Augen immer offen halten und 360 Grad denken. Etwa: Wäre es nicht toll, wenn der Kunde X einen Pop-up-Store eröffnet oder wie wäre es mit einer Brand-Kollaboration, zum Beispiel Kaviar Gauche? Die typischen Mode-PR-Frauen arbeiten bei uns eher nicht. Wir schätzen pragmatische Frauen, die wie wir hands on sind. Man muss beraten, Ideen verkaufen und Menschen begeistern. Und auf die Frage „Welche Blogs sind für G-Shock interessant?“ sollte ein Bewerber sofort beantworten können.

„Mode-PR“ klingt glamourös –  haben die Leute ein falsches Bild von dem Job?

Wir hatten mal einen Bewerber, der gerne reist und erwartet hat, dass er während des Praktikums zu den Modewochen nach Paris und Kopenhagen fliegt. Das passiert leider eher selten. Klar macht es Spaß, Promis auszustatten und zu überlegen, welches Label zu welchem Magazin passt. Aber zum Job gehört vor allem Samples verschicken, Presse-Clippings scannen und viel telefonieren. Wir arbeiten nie mit Massenmails, sondern bieten eine maßgeschneiderte Kommunikation an, d.h. jeder Journalist wird von uns persönlich angeschrieben. Das braucht Zeit.

Wie ist der Anteil Frauen/Männer bei euch in der Agentur?

Der Frauenanteil ist auf jeden Fall höher, einfach aus dem Grund, dass sich mehr Frauen bewerben und die Mädels dann auch noch in den Bewerbungsgesprächen meist besser abschneiden. Wir hätten gerne 50/50, aber in der Praxis ist es bislang nicht möglich.

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Warum eröffnet ihr ausgerechnet ein Büro in Los Angeles ?

Abgesehen davon, dass es immer mein Traum war in Kalifornien zu leben, verstehen wir uns als internationale Agentur – das ist man tatsächlich aber erst, wenn man wirklich woanders ein Büro betreibt. In New York gibt es sehr viele gute Agenturen. Los Angeles hat viel Potential, die Stadt ist an einem ähnlichen Punkt wie Berlin – es gibt dort eine junge Kreativszene, die noch nicht genug repräsentiert wird und die wiederum ist für deutsche Marken interessant.

Welche Rolle spielt dabei Hollywood für euch?

Klar wollen wir auch Brücke zwischen den Stars und Deutschland sein – es wäre also toll, wenn eine Schauspielerin Mavi-Jeans trägt und einen Kinderwagen von Bugaboo fährt. Aber uns gefällt vor allem der urbane Lifestyle von Los Angeles.

Die anderen Berliner Agenturen haben bestimmt gestaunt, als sie von euren Expansionsplänen erfahren haben – gibt es einen Konkurrenzkampf untereinander? Immerhin wird überall gespart und die Budgets sind knapp…

Mit Agenturen wie Silk Relations, Agentur V oder K-MB sind wir partnerschaftlich verbunden und empfehlen uns gegenseitig weiter, wenn wir Anfragen nicht selber bearbeiten können. Das ist typisch Berlin! Es ist ja auch genug Arbeit für alle da. Für 15.000 Euro kann ein Label eine Anzeige in einem Frauenmagazin schalten – oder ein kleines Events veranstalten oder eine Sonderkollektion lancieren, über die von den Zeitschriften, Blogs und auf Facebook dann wiederum berichtet wird. Über eine Anzeige wird kaum berichtet, man hat mit PR also viel mehr Output. Aus diesem Grund werden viele Budgets aus der klassischen Werbung in PR geshiftet. Gut für uns, denn Kommunikation ist immer gefragt, um relevant zu bleiben.

Als Kommunikations- und Mode-Expertin frage ich dich: Wie schätzt du die Bedeutung von Modeblogs ein?

Die Blogs haben die Diskussion für sich entschieden. Man braucht beides: Unsere Kunden wollen sowohl in Print- und High-Gloss-Fashion-Editorials, weil es für die Image-Bildung wichtig ist, als auch in Blogs stattfinden. Blogs sind interaktiv, schneller, trendaffiner und darüber hinaus persönlicher und die Berichterstattung oft ausführlicher. Für mich sind Blogs und Print gleichberechtigt.

Wenn wir schon bei den „klassischen Fragen“ sind: Ist Berlin eine Modestadt?

Berlin ist für mich die einzige Modestadt in Deutschland! Und zwar, weil die Leute modemutig und deshalb inspirierend sind. Schon die Teenies auf den Schulhöfen sind total durchgestylt. In Hamburg und München wirken die Leute auf mich angepasster. In Berlin kann man sich Mühe geben, muss man aber nicht. Auch der Einfluss von den „Zugezogenen“, den vielen Spaniern und Schweden, ist ganz deutlich zu spüren. All das trägt zu einem größeren Modebewusstsein bei.

Danke für das Interview!

PS: Wer sich bei BOLD Berlin bewerben möchte, schickt die Unterlagen an [email protected].

Fotos: Bella Lieberberg

Von Alexa

Ich liebe schreiben, bloggen und schöne Dinge zu entwerfen, also mache ich all das.

Als Journalistin habe ich für Magazine und Zeitungen wie Business Punk, Fräulein, Gala, FTD/how to spend it, Instyle, Lufthansa Magazin, Stern, Tagesspiegel, Vanity Fair und zitty gearbeitet. Meine Online-Erfahrungen habe ich u.a. Stylebook und styleproofed gesammelt. Mein Blog heißt Alexa Peng, mein Schmuck-Label vonhey. Ich komme aus dem Rheinland und bin in einem Dorf am Waldesrand aufgewachsen, wo nur einmal in der Stunde ein Bus fuhr. Da muss man sich was einfallen lassen, um sich nicht zu langweilen. Meine Tante hatte in der Stadt eine Boutique und einen Schrank voller Kleider, Schuhe und Taschen, mit denen wir Kinder verkleiden spielen durften. Wir haben Modenschauen im Hobbykeller veranstaltet und die ganze Nachbarschaft eingeladen. Dass ich mal was mit Mode machen würde, war also klar. Nach dem Abi habe ich an der AMD in Hamburg Mode-Journalismus studiert und später an der UdK in Berlin einen Master of Arts in Kulturjournalismus gemacht. In Zukunft will ich mein Label weiteraufbauen, die Welt sehen und gute Geschichten schreiben.

(Foto: Sandra Semburg)

Kommentare (9) anzeigen

9 Antworten auf „Karriere-Interview mit Svenja Evers, Geschäftsführerin bei der PR-Agentur BOLD“

Sehr interessant und spannend, vor allem weil ich auch in diese Richtung gehen möchte, also Marketing und PR. Doch leider ist es für eine Bewerbung noch zu früh, muss noch studieren und Berlin ist dann doch ein bisschen weit weg von Zürich. 😉

Sehr interessantes, informatives Interview! Ich studiere ebenfalls PR& Kommunikation und interessiere mich dafür, später in diesem Bereich zu arbeiten. Danke für das Interview. Gerne mehr davon! Denn heutzutage ist es sehr schwer, sich einen Durchblick in der Branche zu verschaffen

Ein sehr interessantes Interview. Macht weiter so und bringt so spannende Karriere Interviews.

Ich finde diese Interviews auch sehr interessant, würde mir aber wünschen, dass ihr noch einmal Korrektur lest, bevor ihr es Online stellt. Es finden sich doch recht häufig in den längeren Artikeln viele holprige Sätze oder schlicht Fehler. Das passt so gar nicht zum sonstigen Niveau hier 🙂

Das Interview ist jetzt schon eine Weile online aber, es inspiriert mich immer wieder auf´s Neue. Ein Praktikum bei BOLD wäre grandios. Vielen Dank, dass ihr Mädchen wie mich, mit diesen Interviews motiviert und vor allem informiert.

Bitte: mehr!

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.