Karriere-Interview mit Hanneli Mustaparta

Im Rahmen ihrer Jury-Tätigkeit für Designer for Tomorrow treffe ich Hanneli Mustaparta, Fotografin, Model, Bloggerin und neuerdings Calvin-Klein-Botschafterin, zu einem kleinen Karriere-Interview. Zuletzt gesehen haben wir uns im Rahmen einer gemeinsamen Presse-Reise nach Kopenhagen. Das ist jetzt 3 Jahre her, seitdem ist viel passiert. Schon damals wusste Hanneli genau, was sie dort tut, bei welchen Marken sie sich präsentiert, bei welchen nicht – auch wurde ihr das ein oder andere Extrawürstchen gebraten. Weil sie immer wusste, wie sie mit viel Charme die Leute um den Finger wickelt. Ihre Model- und Foto-Skills sind das Sahnehäubchen, die die einstige Streetstyle-Bloggerin gut einzubinden weiss.

Unser Gespräch beginne ich daher mit unserem letzten Treffen im hohen Norden.

Hanneli, drei Jahre sind eine lange Zeit, ich hoffe, dir ist es gut gegangen – viel ist passiert und jetzt sitzt du hier in der Jury des Dft-Awards neben Stella McCartney!

Ja, verrückt, oder? Was alles passiert ist… gute Frage, viele tolle Dinge. Besonders ereignisreich war wohl, dass die amerikanische Vogue Online mich für ihre Kolumne angeschrieben hat und eben der Vertrag mit Calvin Klein.

Was ist das für ein Vertrag?

Ich bin Botschafterin und Freundin des Hauses und habe ihnen geholfen, ihren Tumblr zu starten. Es ist eine dauerhafte Kollaboration mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Zusammen mit Vogue sind das zwei wichtige Dinge, die dich auf ein ganz neues Level bringen. Ansonsten  mache ich viel Art Direction, meine eigenen Kampagnen, zum Beispiel jüngst mit Rag & Bone, die die weitaus populärste war. Sie haben die Bilder sogar in ihren Stores aufgehängt, obwohl das sonst nie passiert. Alles, was ich mache, klingt sehr stürmisch, aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit und die bringt mich jedes Mal auf eine neue Ebene. Ich freue mich, dass die Leute verstehen, wie viel ich leisten kann. Die meisten sind total überrascht, wie viel ich eigentlich ernsthaft mache.

So wie die Fotografie und Artdirektion.

Genau. Ich wollte schon als kleines Kind Fotografin werden, deshalb ist es für mich sehr natürlich. Aber wenn man mich nur auf dem Roten Teppich sieht, glauben die meisten, es stecke nichts dahinter.

Also darf man sagen: Fotografin slash Model slash Blogger…

Ohja, das sind einige Slashes! Ich bin Fotografin und nenne mich nicht einmal mehr Bloggerin. Ich glaube es ist nicht wichtig, wo wir die Dinge zeigen, sondern wie und was wir machen. Ich fotografiere und mache die Artdirektion. Kürzlich erst habe ich im Prinzip alles auf einmal gemacht: Ich war das Model, habe meinen Assistenten zwei Tage lang gebrieft, was wie fotografiert wird und er hat nur noch auf den Auslöser gedrückt. Es war so lustig, dass ich alles gemacht habe – inklusive Styling. Ich kann viel mehr, als viele Leute denken.

Aus der Ferne leidet darunter vor allem die Ausgangsbasis, dein eigenes Blog wird im Prinzip gar nicht mehr gefüttert.

Ja, weil ich dafür keine Zeit mehr habe. Ich vermisse das Bloggen und will auch nicht damit aufhören. Momentan kann ich es aber nur updaten, wenn ich Zeit dafür habe.

Da ich nun eine neue Assistentin in meinem Team habe, hoffe ich, bald wieder mehr machen zu können. Als ich angefangen habe, war das Bloggen mein einziger Job und der hat mir all diese Dinge, die ich heute mache, ermöglicht. Deshalb werde ich auch nie ganz damit aufhören.

Wie sieht dein Team aus?

Es ist sehr schwierig, Leute zu finden, die meine Marke verstehen. Zumal ich mich  lange nicht als Marke verstanden habe, schließlich überlegt man sich ja nicht einfach: Hey, ich bin jetzt eine Marke! Aber alles, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, ließ mich dann doch zur Marke werden. Es ist verrückt, worum man sich kümmern muss.

Ich habe drei Agenten, die in einem Büro sitzen und sich um alle Anfragen kümmern. Dann ist da noch die neue Assistentin und weil ich es klein halten will, buche ich bei bestimmten Jobs Freelancer dazu, zum Beispiel Fotografie-Assistenten.

Das heisst du gehst in New York auch täglich ins Büro?

Nein, ich möchte gar kein Büro! Ich habe schliesslich keine Kinder, kann morgens in Ruhe von zuhause aus arbeiten, nebenbei mein Müsli essen und dann erst um 11 Uhr unter die Dusche springen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag nach 11 Uhr aus?

Den gibt es so nicht, denn jeder Tag ist anders. Ich habe immer unterschiedliche Meetings, gehe zu Präsentation und Modenschauen, oder aber ein Kunde ist in der Stadt, den ich zum Mittag- oder Abendessen treffen muss. Ich gehe in Showrooms, bereite Fotoshootings vor, mache Location-Scouting, sichte Kollektionen, die ich stylen soll, bin bei Magazinen, um Editorials zu schiessen, suche Kleider für Red-Carpet-Events aus… oder bin natürlich bei Calvin Klein oder mit Stella McCartney in Berlin!

New York ist dafür vermutlich DIE Stadt, in deiner Heimat Oslo wäre ein solcher Alltag kaum vorstellbar.

New York ist unheimlich wichtig, es stimmt, das wäre nirgends anders machbar. Ich habe immer von der Stadt geträumt, als ich gemodelt habe, und als ich dann plötzlich hinziehen konnte, ging es nicht mehr nur um’s Modeln – heute mache ich erst, was ich wirklich liebe.

Man sagt ja so schön: If you can make it there…

(mit Hanneli im Chorus): You can make it anywhere!

Und nun sitzt du neben Stella McCartney in der Jury des Designer for tomorrow Awards.

Ich habe schon mal in einer Jury neben Tim Blanks und Jonathan Saunders für H&M gesessen und man lernt so viel großartiges Talent kennen. Stella McCartney ist eine so starke, inspirierende Frau und so gut in ihrem Job – sie hat eine riesige Fanbase, jede Kollektion ist auf den Punkt. Allein neben ihr zu sitzen ist eine Ehre. Sie hat wesentlich mehr Erfahrung, aber wir haben oft sehr ähnliche Ansichten. Besonders ihr Engagement für Tiere und dass sie keine tierischen Materialien nutzt, ist beeindruckend.

Wieso glaubst du, wurdest du von Peek & Cloppenburg als Jury-Mitglied eingeladen?

Oh, das musst du sie fragen. Aber ich bringe die Konsumentensicht mit. Ich designe nicht, habe keine Marke oder einen Store und kümmere mich somit um die Wünsche und Ansprüche des Konsumenten. Ich bin bei all den Modewochen, sehe zahlreiche Modenschauen und weiss, was gut ist und was nicht. Für die Show habe ich die Designer nach ihren Ansätzen befragt und die Kollektionen aus der Nähe betrachtet. Es gibt Favoriten, aber ich warte auf die Laufstegshow. Stella hat den Designern noch kleine Tipps gegeben, in welche Richtung sie gehen sollen. Das ist sehr wertvoll.

(Anmerkung: Gewonnen hat den Dft-Award Ioana Ciolacu Miron.)

Wohin geht deine Reise in Zukunft? Gibt es schon Pläne für die nächsten Jahre?

Ich verstehe, dass die Frage immer gestellt wird, beantworte sie aber nur ungerne. Ich arbeite sehr hart und sehe, wie sich immer neue Türen öffnen. Solange ich immer die Dinge mache, die ich liebe, werden sich auch neue Wege finden. Ich weiss noch nicht, was das sein wird, aber so lange ich zu den richtigen Angeboten ja, zu den falschen nein sage, kann eigentlich nichts passieren. Ich bin froh, dass ich keinen 10-Jahres-Plan habe!

Hast du keine Angst, dass der Hype mal enden könnte?

Man sagt das ja nun schon seit 2,4,5 Jahren… alles wird sich weiter entwickeln und ich glaube an den Darwinismus! Man sieht Leute kommen und gehen… Glaubst du, es ist ein Hype?

Ich meine weniger den Blog-Hype, sondern vielmehr, dass du als eigene Marke oder auch als It-Girl wahr genommen wirst. Die Halbwertzeit kann oftmals sehr kurz sein.

Es geht eher darum, wie ich mich als Person weiter entwickle und dass Marken weiterhin einen Mehrwert in mir sehen. Es müssen immer neue Wege und Ansätze der Zusammenarbeit gefunden werden. Ich sage lieber viel ab und mache nur die wenigen Dinge, die ich wirklich liebe – so wie die Jury-Tätigkeit hier. Vielleicht designe ich eines Tages auch mal eine eigene Kollektion, doch dazu lag bislang noch nicht das richtige Angebot auf dem Tisch.

Als nächste Schlagzeile sehe ich hier auf Journelles schon deine Modelinie. Lieben Dank für das Interview!

Kommentare

  1. Ich bin und bleibe ein echtes kleines Fangirl. Nur wenige Damen in dieser Branche bleiben so natürlich, sympathisch und authentisch wie die liebe Hanneli!

  2. elle-adore sagte am

    Ich finde das Interview richtig toll und bewundere total, wie viel sie tatsächlich tut. Sehr informativ 🙂

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