Karriere-Interview mit Interior-Designerin Milia Seyppel

Wir berichten so viel über Designer und Interior, haben aber noch nie mit einer Interior-Designerin über ihren Werdegang gesprochen. Mit Milia Seyppel ändert sich das jetzt!

Die Hamburgerin haben wir über einen Mini-Hinweis in der Zeitschrift Couch entdeckt und waren von ihrer Website und den dort gezeigten Entwürfen sofort begeistert. Einer davon, die Müslischale „Splits„, wird sogar im Museumsshop des MoMA verkauft.

Wie schafft man es, so jung so erfolgreich zu sein? Alle Fragen zu ihrem Studium an der Bauhaus Universität in Weimar, Praktika, erste Berufserfahrungen, die Labelgründung und wo sie sich in fünf Jahren sieht, beantwortet uns die 33-Jährige in dem heutigen Karriere-Interview.


Liebe Milia, du bist Designer und Interior-Stylistin. Wollest du das schon immer werden?

Irgendwie hatte ich schon damals ein Faible dafür: Als Kind wollte ich auf jeden Fall Mode- oder Grafik-Designerin werden.

Du hast an der berühmten Bauhaus Universität in Weimar studiert. Welches Fach und warum wolltest du ausgerechnet dorthin?

Ich habe Produktdesign studiert. Die Uni hat mir einfach gut gefallen. Weimar hat eine spezielle Atmosphäre. Damals war die Stadt noch voller unsanierter, sehr schönen und günstigen Altbauhäusern, besetzt von Kunst- und Design-Studenten. Der Ort war in gewisser Weise „unfertig“ und es war Teil dieser Zeit, in verlassen Gebäuden Ausstellungen, Events und Partys zu organisieren. Wir haben viel gestaltet, in gewisser Weise auch unsere Zeit. Es war eine sehr intensive Zeit und das Studium war Mittelpunkt dessen. Nicht zu vergessen natürlich, dass die Bedingungen in Weimar sehr gut sind. Die Bauhaus Universität verfügt über sehr gut ausgerichtete Werkstätten. Von Fotografie über Video-, Holz-, Metall-, Druck und Keramik-Werkstätten: Es lässt sich wunderbar experimentieren und es gibt genügend Möglichkeiten und Freiraum, sich als Gestalter zu entwickeln. Es lebt sich gut in Weimar.

Welcher Designer oder Ära hat dein ästhetisches Empfinden
besonders geprägt?

Die Skandinavier und Japaner; die handwerkliche Perfektion alter japanischer Möbel, die Schlichtheit der Arbeiten von Finn Juhl bis Arne Jacobsen.

Du hast in den Studios von Denis Santachiara in Mailand, Joris Laarman
in Rotterdam und Christian Werner in Hamburg gearbeitet. Waren das
Praktika? Wie bist du an diese Jobs rangekommen?

Bei Denis Santachiara habe ich während meines Studiums ein Praktikum gemacht, Joris Laarman begann ebenfalls mit einem Praktikum. Bei Christian Werner habe ich dann als festangestellte Designerin gearbeitet.

Wie kam es nach der Uni zu dem Entschluss, sich selbständig zu machen und ein
eigenes Label zu gründen?

Vielleicht bin ich dazu im erzogen wurden. Ich habe bereits im Studium mein erstes Label „Frenchknicker“ zusammen mit Laura Straßer gegründet. Damals haben wir bereits auf Messen ausgestellt und Produkte auf dem Markt untergebracht. Mir wurde dann ziemlich schnell klar, dass ich auf diese Weise weitermachen möchte: Selber entwerfen und zwar unter meinem eigenen Namen.

Clap Tisch von Milia Seyppel (Foto: Janne Peters)
Clap Tisch von Milia Seyppel (Foto: Janne Peters)

Welche Marktlücke hast du damals gesehen bzw. welche möchtest du mit
deinem eigenen Label schließen?

Meine Marktlücke ist das Verbinden von Styling und Design. Man könnte sagen, dass ich „Design-Spezialistin“ bin. Ich konzipiere selber, kenne mich also aus mit Materialien und Herstellungsmethoden. Gleichzeitig arbeite ich als Stylistin und habe daher ein sehr gutes „Marktverständnis“. Ich kenne Produkte, Hersteller und weiß über die Trends Bescheid. Nicht zu vergessen, dass mich auch die Geschichte des Designs interessiert: Wie es zu diesem Begriff gekommen ist, Vergangenheit und Gegenwart. Meine Marktlücke ist meine Arbeitsweise.

Für was steht das Label Milia Seyppel also?

Für Qualität, Originalität, Verspieltheit. Milia Seyppel ist eine Auseinandersetzung mit Material, Ästhetik und Konzeption – wobei ich sagen muss, dass Design das immer ist oder zumindest sein sollte.

Du bist sehr vielseitig, entwirfst Uhren, Stühle oder Vasen. Hast du
ein Steckenpferd, also eine besondere Art von Möbelstück oder Material, mit dem du gerne arbeitest?

Mich reizt das Neue: neue Materialien, Formen und Konzepte – das ist mein Steckenpferd. Insgesamt arbeite ich dabei sehr grafisch.

"Metrisch": Zeichnungen von Milia Seyppel (Foto: Jonas von der Hude)
„Metrisch“: Zeichnungen von Milia Seyppel (Foto: Jonas von der Hude)

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen? Was bedeutet es, „Designerin“ zu sein: Zeichnest du den ganzen Tag am Schreibtisch oder
trifft man dich auch mal in der Werkstatt?

Ich arbeite immer unterschiedlich. Teilweise, ja, sitze ich am Schreibtisch, zeichne und baue Modelle oder arbeite sie am Computer aus. Streckenweise verbringe ich viel Zeit in Fotostudios oder bereite Produktionen vor, husche durch Hamburg und besorge Requisiten. In Werkstätten arbeite ich auch hin und wieder, kommt auf das Projekt an. Einen richtigen, immer gleichen Arbeitsalltag habe ich nicht.

Wie und wo kommst du auf neue Ideen?

Ideen sind Arbeit, sie fallen leider nicht vom Himmel oder wenn dann zu selten. Ich sitze und probiere, ich überlege, zeichne und schaue mir Sachen an und fange an nachzudenken, das gerne am Schreibtisch. Dann beginnt ein Prozess: An einem Punkt wandert das Design und Projekt dann ins Unterbewusste und vielleicht liege ich gerade im Bett, wenn mir die Lösung einfällt. Meistens aber eher am Schreibtisch.

Beobachtest du dich selbst oder andere Leute, um herauszufinden, wie man ihren Alltag per Design verbessern kann?

Ja, das mache ich. Ich beobachte meinen und den Alltag anderer, um mir zu überlegen, was ich gestalten möchte. Teilweise ist ein persönliches Bedürfnis dann Ausgangspunkt eines Designs. Darüber hinaus habe ich alle meine fertigen Designs im Gebrauch und prüfe sie wieder in meinem Alltag.

"Chapeau": Porzellan-Schüsseln von Milia Seyppel (Foto: Janne Peters)
„Chapeau“: Porzellan-Schüsseln von Milia Seyppel (Foto: Janne Peters)

Was bereitet dir an deinem Beruf die größte Freude?

Die Dinge in den Händen zu halten, wenn sie fertig sind. Es ist ein wunderbares Gefühl ein fertiges Produkt „in echt“ zu erleben. Ich beziehe das auch auf das Styling. Ein Foto ist ebenfalls ein Produkt für mich.

Was schätzt du an der Selbständigkeit?

Die Selbständigkeit hat mir die Möglichkeit gegeben, mich zu entwickeln und herauszufinden, wie und mit wem ich arbeiten möchte.

Welchen Herausforderungen steht man als junger Möbeldesigner gegenüber?

Sehr vielen. Es ist ein langer Weg dorthin, ein toller Entwurf reicht nicht aus. Es geht darum, über Jahre dabei zu bleiben und sich einen Namen aufzubauen. Das ist nicht immer einfach – und auch nicht immer gleich gut bezahlt.

Interior-Styling von Milia Seyppel für Living at Home (Foto: Silke Zander)
Interior-Styling von Milia Seyppel für Living at Home (Foto: Silke Zander)

Wie ist es dir gelungen, dein Label auf dem Markt zu etablieren?

Genauso: Dabeibleiben, weitermachen mit Leidenschaft. Jede Chance nutzen und sehen, wo man Chancen bekommt.

Welche Möbelmessen sind wichtig für dich? Wie schafft man es, dass
man dort seine Sachen ausstellen kann?

Es ist ein offen ausgeschriebener Wettbewerb: Man bewirbt sich und wenn man ausgewählt wird, darf man ausstellen.

Wie bewertest du die Wichtigkeit einer gut gemachte Website und Social Media
Präsenz für einen Interiordesigner?

Social Media bietet eine tolle Chance zu zeigen, wie man arbeitet, neue Kontakte aufzubauen oder mit bereits bestehenden in Kontakt zu bleiben. Das ist schon wichtig. Ich bin ein Instagram-Fan, das funktioniert wirklich gut und bringt mich tatsächlich weiter. Eine gute Internetseite ist essentiell – sie ist das digitale Portfolio eines Designers.

Du hast an zahlreichen Wettbewerben, Stipendien und Ausstellungen, seien es der Designpreis Deutschland, Ausschreibungen des Goethe Instituts oder die Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile teilgenommen. Was bringt das?

Sich zu präsentieren ist gut, um Hersteller zu finden, für Pressekontakte, sich auszutauschen mit anderen Designern und natürlich, um Feedback zu erhalten, zu erfahren wie die Dinge „ankommen“. Für mich war das immer wichtig. Es war ein Antrieb für mich. Ausstellungen habe ich oft zusammen mit befreundeten Designern gemacht. Man unterstützt sich und überlegt gemeinsam, wie man die Organisation stemmen kann.

Was ist der nächste Schritt für dein Label?

Ein zweites Regal, um all die Prototypen darauf abzustellen. Ich mache weiter wie bisher und kooperiere mit immer mehr mit Firmen – das soll sich auch in der Zukunft weiterentwickeln.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

In Honolulu auf der Hängematte mit einem Stift in der einen Hand, in der anderen ein schriller Cocktail.

Und wenn wir schon mal dabei sind: Wie würdest du dir deinen eigenen Laden träumen?

Ich würde mir einen geweißten Fussboden vorstellen, hohe Decken, viel Raum mit wenigen Dingen. Wenige, gut ausgewählte Dinge.

Warum ist dein Job nach wie vor dein Traumjob?

Weil es nichts Schöneres gibt, als sich die Welt, in der man lebt, selbst zu bauen.

Unsere letzte Frage für dich, liebe Milia: Was sollten wir alle unbedingt von dir kaufen und warum?

Ich würde meine Vasen-Reihe mit dem relativ naheliegenden Namen „Vases“ weiterempfehlen. Ich empfinde die Vasen als Skulpturen, ob mit oder ohne Blumen darin. Die Vasen bringen Freude, sie sind ein Mehrwert für den Raum in dem sie stehen, sie geben dem Raum Persönlichkeit. Erhältlich sind sie bei Karakter in Kopenhagen!

Danke für das Interview!

Mehr Arbeiten von Milia Seypell seht ihr in der Galerie:

 

(Headerfoto: Lisa Notzke)

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