Karriere-Interview: Leila Yavari, Fashion Director und Head of Buying Stylebop.com

Heute stellen wir euch eine Frau vor, deren Gesicht viele bestimmt schon einmal gesehen haben. Ob Paris, Mailand oder London – Leila Yavari ist nicht nur eine der meistfotografierten Frauen der internationaler Fashion Week, sondern als Mode-Chefin und Einkäuferin des deutschen Onlineshops Stylebop.com ein begehrter Gast für die Front Row. Kurzum: Sie sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch was zu sagen.

Die 35-Jährige macht Trends nicht nur mit, sondern bestimmt mit ihrem Einkauf, was Trend wird. Ein hochinteressanter Beruf, wie wir finden. Wie Leilas Job genau aussieht und was das Geheimnis ihres guten Stils ist, verrät sie uns im Karriere-Interview.

Leila, du bist Fashion Director von Stylebop.com und ich bin mir sicher, dass viele Frauen gerne mehr über deinen Arbeitsalltag erfahren möchten. Worin liegt also deine Verantwortung?

Als Fashion Director und Head of Buying ist es meine Aufgabe, das gesamte Fashion-Department im Blick zu haben und die eingekauften Looks in unser Magazin und die visuelle Kommunikation zu übersetzen – das ist zumindest die technische Jobbeschreibung. Tatsächlich ist mein Job unglaublich vielschichtig, was wirklich großartig ist.

Wo befindet sich dein Büro und was ist der wichtigste Gegenstand auf deinem Schreibtisch?

Mein Büro ist in meiner Handtasche, da ich die meiste Zeit des Jahres reise. Ich habe ein MacBook Air, ein iPad, ein iPhone (für Visual- und Social Media), ein Blackberry für meine Emails und ein Moleskine Notizbuch, um mir alles Mögliche aufzuschreiben. Ich mache mir ständig Notizen!

Was muss noch immer griffbereit in deiner Handtasche sein?

Beurre des Lèvres von Biotherm. Das viele Fliegen trocknet die Haut aus und meine Lippen leiden immer am meisten darunter. Außerdem in meiner Tasche: OPI Avoplex Cuticle Oil to Go, Yves Saint Laurent Touche Éclat Concealer, Maison Pearson Haarbürste und ein tolles Buch wie „A Brief History of New Music“ von Hans Ulrich Obrist.

Wie oft steigst du in der Woche ins Flugzeug?

Das kommt auf den Zeitpunkt an – während der Fashion Weeks boarde ich sozusagen nonstop. Im Durchschnitt würde ich sagen mindestens zweimal die Woche.

Wie sieht dein Outfit aus, wenn du reist?

Zur Zeit: Eine Céline Hose, eine Jil Sander Bluse, ein Maison Martin Margiela Sweater, ein Paar Robert Clergerie Schuhe und eine Fendi Peekaboo Bag. Unangestrengt und bequem, aber chic genug, um direkt aus dem Flugzeug in ein Meeting oder zu einer Show gehen zu können.

Leila Yavari (Foto: Sandra Semburg)
Leila Yavari (Foto: Sandra Semburg)

Bevor du bei Stylebop angefangen hast, warst als Model bei Elite Models LA unter Vertrag, hast als Mode-Journalistin und Stylistin gearbeitet. Allein mit einem dieser Jobs wären viele schon zufrieden! Was würdest du sagen, waren dabei die wichtigsten Meilensteine deiner Karriere?

Meine Karriere ist nie einem „roten Faden“ gefolgt. Ich bin eher ein intuitiver Mensch und tendiere dazu, mich Hals über Kopf in Dinge zu stürzen, die ich gerne tue – das war vor allem in meinen Zwanzigern so. Diese Neugier immer etwas Neues zu lernen und daran zu wachsen, brachte mich vom Politikstudium zum Modeln, was ich ursprünglich nur als kleinen Ausflug gesehen hatte. Allerdings hat mir diese Erfahrung eine komplett neue Welt und ihre Möglichkeiten eröffnet, denen ich nicht widerstehen konnte. In meinen Dreißigern habe ich versucht etwas strategischer vorzugehen, aber am Ende läuft es immer auf das hinaus, was ich leidenschaftlich gerne tue.

Du hast einen Bachelor in Englischer Literatur und Politik und dann noch einen Master in Kulturtheorie an der University of California, Berkeley oben drauf gelegt. Zu welcher Art von Ausbildung würdest du jemandem raten, der davon träumt, letztendlich so wie du Karriere bei einem Onlineshop für Designermode zu machen?

Schwierig zu sagen, da ich keinem traditionellen Weg gefolgt bin und Mode immer eher ein Hobby für mich war. Ich bin der festen Überzeugung, dass, egal welchen Weg man einschlagen möchte, ein abgerundetes geisteswissenschaftliches Studium ein wundervolles Geschenk ist. Deutschland hat eines der weltweit besten Bildungssysteme und das Studium ist dazu fast umsonst – in den Staaten kann man davon nur träumen! Nutze diesen Vorteil, lerne dazu, arbeite an Dir, lies alles, was Du in die Finger bekommst, denke kritisch. Wenn man die grundsätzlichen Fähigkeiten besitzt, kann man, meiner Meinung nach, alles erreichen. Wenn einem der Zugang zur weiteren Ausbildung verwehrt sein sollte, ist das auch ok – arbeite hart, lies so viel Du kannst, besuche Museen, gehe zu Live-Konzerten, ins Ballett. Es gibt so viele Wege seine Neugier zu stillen und sich inspirieren zu lassen.

Angenommen du würdest nach einer persönlichen Assistentin oder Assistent suchen – wie müsste diese Person sein, um für dich arbeiten zu können?

Jemanden der klug, organisiert und „hard working“ ist, ein Problemlöser, jemanden, den ich respektiere und der einen guten Sinn für Humor hat und Persönlichkeit. Alles andere kann man lernen (oder verlernen), aber Persönlichkeit bleibt für die Ewigkeit. Und da man mehr Zeit mit den Menschen verbringt, mit denen man zusammen arbeitet, als mit irgendjemandem sonst, ist es wichtig, dass man sich auf der persönlichen Ebene versteht.

Man sagt „Kleider machen Leute“ und gerade in der Modebranche scheint seit dem Street-Style-Phänomen und Instagram ein persönlicher Stil wichtiger denn je – welche Rolle spielt dieser Aspekt deiner Meinung nach?

Ich glaube, dass gutes Aussehen und ein großartiger, persönlicher Stil ein Plus in jeder Branche sind – nicht nur in der Mode. Natürlich kann es manchmal auch ein Nachteil sein, es kommt immer darauf an, was man erreichen möchte. Ich denke, dass der Street Style-Trend den Fokus mehr auf die Individualität gezogen hat, als auf die Kleidung an sich – und das ist großartig. Originalität, Kreativität und Visionen triumphieren meiner Meinung nach über alles andere. Das und eine ausgeprägte Arbeitsmoral sind die Dinge, die eine Person einzigartig machen.

Als Teenager warst du ein Fan von Kurt Cobain. Wer oder was beeinflusst heute deinen Stil?

Als Teenager war ich verrückt nach jeder Art von Musik – wenn ich darüber nachdenke, bin ich es eigentlich immer noch. Meine Mutter war immer eine nachhaltige Inspirationsquelle, auf so viele verschiedene Arten, aber vor allem in puncto persönlichem Stil.

Inzwischen bist du selbst eine gefeierte Stil-Ikone. Für die Januar-Ausgabe der amerikanischen Ausgabe Glamour hat dich die Fotografin Sandra Semburg gerade in 31 Looks fotografiert, quasi einen Monat lang deine Outfits dokumentiert (hier bei paar Beispiele). Stell’ dir vor, ich möchte genau deinen Look nachshoppen. Welche Teile empfiehlst du mir?

Mein Rat ist immer eine Garderobe zusammenzustellen, die auf zeitlosen, luxuriösen Basics basiert, die man jede Saison aufs Neue tragen kann. Der Schlüssel zu einem eigenen Look liegt im unerwarteten, persönlichen Twist. Scheue Dich nie, Deine Persönlichkeit zu zeigen. Originalität und Spaß sind das Geheimnis guten Stils!

Wo kaufst du persönlich gerne ein?

STYLEBOP.com hat alles was ich mir an Kleidung wünsche könnte! Für alles Weitere suche ich gerne nach ungewöhnlichen oder speziellen Designobjekten. Ich liebe beispielsweise „1stdibs“ für Vintage-Möbel.

Eine der Lieblingsfragen in unseren Interviews ist die nach den „signature pieces“ oder „wardobe essentials“. Gibt es solche Teile auch in deinem Kleiderschrank?

Ich habe nicht wirklich ein Signature-Piece, aber definitiv ein paar Teile, die ich immer wieder trage. Zurzeit sind es ein paar großartige Lederhosen. Ich update sie gerne alle paar Saisons – diesen Herbst waren es die sportlich-lässigen Varianten von Emilio Pucci und Kenzo. Ich trage auch immer weiße T-Shirts von Jil Sander, ein Kleines Schwarzes von Valentino, Boyfriend Jeans von J Brand, einen Céline Blazer, Laurence Dacade Booties und Schmuck von Sophie Bille Brahe.

Leila Yavari (Foto: Sandra Semburg)
Leila Yavari (Foto: Sandra Semburg)

Stylebop feiert in diesem Jahr den 10. Geburtstag. Was macht den Onlineshop aus Deutschland nach wie vor erfolgreich? Immerhin ist die Konkurrenz auf dem Markt inzwischen riesig!

Das Jahr 2014 markiert einen Meilenstein in der Geschichte von STYLEBOP.com: Zehn unvergessliche Jahre, die der Philosophie gewidmet sind, das Beste vom Runway ins wahre Leben zu befördern – „from Catwalk to Sidewalk“. Diese Philosophie war und ist Kernbestandteil der STYLEBOP.com DNA. Außerdem denke ich hat die Auswahl der Produkte, das einzigartige Brand-Portfolio, die Magazin- und visuellen Inhalte, sowie der unvergleichliche Kundenservice STYLEBOP.com zur der Erfolgsgeschichte gemacht, die sie heute ist.

Zu diesem Erfolg trägst du viel bei. Kannst du dich daran erinnern, bei wie vielen Modeschauen du in diesem Jahr dabei warst? Und hast du einen Lieblingsdesigner, der es schafft, dich immer wieder zu begeistern?

Es ist fast unmöglich mitzuzählen! Ich war in allen vier Städten – New York, London, Mailand und Paris – wie in einem großen Wirbelwind! Es gibt so viele herausragende Talente, die unglaublich schöne Kleidung machen im Moment und es ist fantastisch so „intime“ Einblicke zu bekommen. Meiner Meinung nach ist Valentino unter den Besten. Die technische Expertise des Ateliers, kombiniert mit der modernen Vision des Hauses, bringt einige der wunderschönsten Looks hervor.

Wer sind die neuen Talente, auf die du im neuen Jahr setzt?

Ich bin fest davon überzeugt, dass man Marco de Vincenzo im Auge behalten sollte. Er wird immer stärker und hat mit seiner letzten Kollektionen einen wirklichen Durchburch geschafft.

Leila Yavari (Foto: Sandra Semburg)
Leila Yavari (Foto: Sandra Semburg)

Letzte Frage: Was ist deiner Meinung nach der wichtigste Trend in der nächsten Saison?

Definitiv der 70ies-Boho-Trend. Ich denke, er sagt eine Menge aus. Zum einen, in welche Richtung die Mode geht und zum anderen welcher Zeitgeist uns im Moment beeinflusst.

Vielen Dank für deine Zeit, liebe Leila!

Noch mehr Input findet ihr auf instagram – entweder auf der Seite von Stylebop oder Leilas persönlichen Account Filleilamignon.

(Headerfoto: Niko Schmid-Burgk, Streetstyle-Fotos: Sandra Semburg)

Kommentare

  1. Also wenn schöne, stilvolle Frauen dazu auch noch so klug sind, dann geht mir das Herz auf. Tolles Interview!

  2. Viel zu oft werden Geisteswissenschaftler belächelt. Wie oft werde ich gefragt, ob ich ich denn mit meinem Studium überhaupt einen Job kriegen werden – das macht mich echt wütend! Sie ist eine von vielen weiblichen Beispielen, die eine Geisteswissenschaft studiert und nun einen super Job haben.

    Leila macht einen sehr angenehmen und netten Eindruck, ich werde sie gleich bei Instagram suchen.

    • Liebe Nico, da muss ich dir leider widersprechen. Natürlich mag es Einzelfälle geben, aber meine Erfahrung zeigt, dass man es als Geisti halt schon schwer hat. Ich hab nach meinem BA in Geisteswissenschaften/WiWi ein Printvolo gemacht – also etwas, wozu nur wenige die Gelegenheit haben. Doch auch damit ist es schwer, Arbeit zu finden, von der man (gut) leben kann. Also habe ich einen Finanzmaster drangehängt und betreibe meinen ursprünglichen Job einfach als Ausgleich nebenher. Was ich sagen will: Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber keinesfalls Realität.

  3. Tolles Interview! Noch schöner wäre es allerdings, wenn sich nicht so viele Tippfehler eingeschlichen hätten 😉

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