Karriere-Interview: Jessica Joffe, Style Editor bei Diane von Fürstenberg und neuer Star von „House of DVF“

Falls es euch bei diesem Wetter nach einer neuen TV-Serie dürstet und ihr keine Tatort-Fans seid, hätten wir da einen Tipp. Am Sonntag läuft auf E! Entertainment um 21 Uhr „House of DVF“ an, eine Reality-Doku, in der die Designerin Diane von Fürstenberg mit ihrem Team nach einer neuen Markenbotschafterin für das internationale Modeparkett sucht.

Die Show ist eine Mischung aus „Germany’s Next Topmodel“ und „The Apprentice“ und dank der herrlich schrägen Bewerberinnen nicht nur sehr unterhaltsam, sondern auch lehrreich, was die Arbeit in der Modeindustrie anbelangt. Jessie hats in einem Rutsch durchgeguckt und ich bin gerade bei Folge 5.

Den Counterpart zu der schillernden Persönlichkeit von Diane von Fürstenberg, übrigens der Erfinderin des Wickelkleids, bildet die gebürtige Hamburgerin Jessica Joffe, die als Style Editor für DVF arbeitet. Sie sorgt dafür, dass die Sendung trotz betrunkener oder zickiger Teilnehmerinnen im Gegensatz zu anderen Shows niemals niveaulos wirkt.

Zur Launch-Party letzte Woche in dem neuen Hamburger Concept Store UZWEI reiste die „intellektuelle Stilikone“ (WELT) aus New York an – ein Heimspiel für Jessica Joffe, denn sie wurde in Hamburg geboren. Ihr Vater Josef Joffe ist Journalist und einer der Herausgeber der deutschen Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Ihre Mutter Christine Brinck ist ebenfalls als Autorin tätig, während ihre Schwester Janina Joffe in London als Kuratorin arbeitet.

Kurzum: Dieser Abend war der perfekte Anlass für ein Karriere-Interview!

Hallo Jessica, erst mal bitte ein aktuelles Update: Du hast als Journalistin/Schauspielerin/Drehbuchautorin/Model gearbeitet – was ist denn dein Hauptberuf?

Seitdem ich bei Diane von Fürstenberg arbeite, bin ich nicht mehr als Model oder Schauspielerin tätig – ich konzentriere mich voll auf meinen Job als Style Editor bei DVF. Ich habe einen für deutsche oder europäische Verhältnisse vielleicht eher unorthodoxen Lebenslauf. In Amerika ist es dagegen gar nicht so unüblich, das man über Umwege seinen eigenen Weg findet. Auch für diese ganzen It-Girls heute ist es nicht mehr ungewöhnlich, ein Slashy also DJ/Model/Künstler/Consultant zu sein. Diese Generation hat verstanden, wie man sich  vermarktetet und dass mehrere Jobs überhaupt nicht bizarr oder weniger ernsthaft wirken, sondern dass jedes Projekt eine positive Auswirkung auf alle anderen haben kann. Für meine Zwecke macht es dagegen keinen Sinn mehr, alles mögliche zu machen, weil ich einfach älter geworden bin.

Immerhin bist du jetzt ein amerikanischer TV-Star. Kannst du erklären, wie dir der Durchbruch gelungen ist?

In Deutschland habe ich immer das Gefühl, mich für das, was ich gemacht habe rechtfertigen zu müssen – dabei habe ich die Gelegenheiten, die mir angeboten wurden, immer am Schopf gepackt. Schon als Teenager habe ich mein ersten Modeljobs bekommen und nach der Schule dann aber Vergleichende Literaturwissenschaft in Stanford studiert. Aber ich wollte nicht an der Uni bleiben und habe deshalb angefangen als Reporterin für den New York Observer zu arbeiten. Ich habe aber nicht nur über Mode, sondern auch sehr viele Literatur-Kritiken und Celebrity-Interviews geschrieben. Gleichzeitig bekam ich neue Angebote wieder als Model zu arbeiten und dann haben sich für mich mehrere Möglichkeiten ergeben. Ich habe zum Beispiel sehr spät, aber ernsthaft mit dem Schauspiel angefangen. Dafür bin ich nach Los Angeles gezogen, habe richtig trainiert und mir selbst eine Deadline gestellt: Wenn ich mir mein Leben nach drei Jahren ohne die Schauspielerei nicht mehr vorstellen kann, dann mache ich weiter. Aber wenn ich mir vorstellen kann doch etwas anderes zu machen, dann muss ich damit aufhören, denn als Schauspieler muss man sich voll in diese Aufgabe reinschmeißen, sonst funktioniert es nicht. Es ist so schwierig als Schauspieler eine Karriere zu machen – man muss es wirklich lieben.

Wie genau kann man sich deinen Job bei DVF vorstellen?

Ich bin seit über einem Jahr „Branding Consultant“. Alles was ich mache, hat mit „Editing“ zu tun. Ich kümmere mich um Content für die Website, arbeite mit den Produkten und bin für Teile der PR-Strategie verantwortlich. Das ist ein unglaublich toller Job, weil ich viele verschiedene Beiträge leisten kann und noch nie eine Stelle hatte, bei der ich alle meine Talente verbinden kann. Ich schreibe jede Woche eine Kolumne, reise um die Welt und arbeite jetzt auch viel mit dem Mädchen zusammen, das die erste Staffel von „House of DVF“ gewonnen hat. Ich liebe es, an Problemen zu arbeiten und kreative Lösungen zu finden!

Hättest du dir denn je träumen lassen, dass du eines Tages in einer Reality-Doku mitspielst?

Nie im Leben! Das merkt man auch in den ersten Episoden: Da halte ich mich eher im Hintergrund auf und man sieht, wie ich noch überlege. Nach der dritten oder vierten Folge habe ich mich aber voll ins Zeug geschmissen, weil ich gemerkt habe wie wahnsinnig lustig es ist, bei der Sendung mitzumachen. Ich kannte dann auch die Mädchen besser und habe verstanden, was da für eine Welt für das Fernsehen kreiert wird. Es hat enormen Spaß gemacht!

Wie „echt“ ist die Serie und wie sahen die Drehtage aus?

Es gab kein Drehbuch. Diane hätte das nie im Leben erlaubt. Wir haben einen sehr vollen Terminkalender, der Jahre im Voraus geplant ist. Die Filmerei wurde um die wichtigsten Events wie DVF Awards geplant und die Mädchen haben bei uns ein Bootcamp gemacht. Wir haben sie durch alle Abteilung durchgejagt: Produktion, Merchandising, PR, Marketing, Design. In acht Episoden haben die Mädchen gelernt, wie eine Idee zu einem Kleid wird und wie man das Kleid verkauft – und natürlich auch wie man eine Fashion Show organsiert! Auch ich habe wahnsinnig viel dabei gelernt, während ich zusammen mit Stefani Greenfield, der legendären Gründerin der „Scoop“-Läden, als Mentor und Coach mit den Mädchen gearbeitet habe. Jeder Tag war anders, manchmal waren wir bis 1 oder 2 in der Früh unterwegs. Es war auf jeden Fall actionlastig.

"House of DVF" – die 1. Staffel läuft, die 2. kommt! (Foto: Timothy White/E!)
„House of DVF“ – die 1. Staffel läuft, die 2. kommt! (Foto: Timothy White/E!)

Wie wurde die Show von der Presse in den USA aufgenommen?

Man weiß es ja vorher nie, aber die Serie wurde sehr positiv aufgenommen – sowohl von den Medien als auch vom Publikum. Das Fernsehen läuft 24 Stunden am Tag und es gibt gefühlt 350 Milliarden Shows mit denen man seine Zeit verbringen kann – dass man überhaupt einen Zuschauer findet, der sich für eine neue Show ohne Stars interessiert, das ist für mich schon interessant. Aber dank Social Media sah man schnell auf Twitter und Instagram, wie das Feedback war und dass die Zuschauer einen emotionalen Bezug zu den Mädchen gefunden haben, was für mich sehr spannend war.

Inzwischen steht fest, dass es eine zweite Staffel von „House of DVF“ geben wird. Wie hat sich dein Leben seit der Serie verändert – wirst du jetzt dauernd auf der Straße angesprochen?

Überhaupt nicht. Ab und zu fragen die Leute: „Und, wie ist es so mit der und der?“ Aber das ist total süß, nicht hysterisch. Ich liebe es, mit den Zuschauern zu sprechen. Wir sind ja alle keine Schauspieler und die Leute haben einen echten Bezug zu uns, vor allem aber natürlich zu den Mädchen und zu Diane. Für mich ist die Serie sehr humorvoll und die ganzen Erlebnisse drumherum einfach nur lustig. Wenn du Leute zwischen 19 und 26 Jahren aus New York kennst, die sich für die nächste Staffel bewerben wollen, dann sag‘ ihnen Bescheid!

Diane von Fürstenberg kommt in der Serie taff, aber auch sehr warmherzig rüber. In einer Folge sieht man, wie sie durch ein Kaufhaus wirbelt und selber ihre Kleider an die Frau bringt. Wie ist sie denn wirklich?

Sie ist so cool, wahnsinnig nett und sympathisch. Das ist, glaube ich, auch der Trick, warum ihr Label nach 40 Jahren immer noch exisiert. Wenn die meisten Leute nur 50% von sich geben, dann gibt sie 200%. Immer noch! Sie hat mehr Energie als jemand, der nur halb so alt wie sie ist. Sie ist wirklich ein einzigartiger Mensch.

 

Würdest du sagen, dass sie ein Vorbild für dich ist?

Absolut! Sie ist wahnsinnig menschlich und fördert in diesem Büro im Meatpacking District eine sehr kreative Energie. Sie lebt übrigens in einem Apartment oben drüber und ist immer da. Sie liebt das und hat niemals ihre Leidenschaft verloren. Jeder, der in seinem Kern einen Funken Unternehmergeist spürt, sollte unbedingt ihr Buch „The Woman I Wanted to Be“ lesen. Dank des Wrap Dress war sie sehr jung ganz schnell sehr erfolgreich. Aber jedes Mal, wenn sie an etwas gescheitert ist, hat sie 24 Stunden später etwas Neues angefangen. Diese unglaubliche positive und nicht stagnierende Art ist für mich auf jeden Fall vorbildlich und inspirierend. Sie ist eine tolle Chefin!

Ein gutes Schlußwort, denn das wünscht sich jeder! Danke für deine Zeit, liebe Jessica.

Mehr Fotos von Jessica Joffe und dem Launch-Event bei UZWEI seht ihr in der Galerie!

Kommentare

  1. Ein wirklich super interessantes Karriereinterview! Ich lese sie immer mit großer Begeisterung! Weiter so und Merci
    (4. Absatz, 4. Zeile – da fehlt ein kleines „der“)

  2. Wo habt ihr denn House of DVF vorher geschaut? Ich war grad in den USA als es anlief und total genervt, dass ich es hier nicht über VPN sehen konnte…

  3. Das ist ja eine sehr schöne und erfolgreiche Frau. Ich bin jedesmal so dankbar für Karriereinterviews. Damit füllt ihr die „Marktlücke“, denn zumindest für mich ist da nach wie vor ein großes Fragezeichen, was meine Zukunft in der Modebranche anbetrifft. So stelle ich mir das zumindest vor, in der Modebranche.

    Und eine schöne Hommage an Diane von Fürstenberg, die immer noch umwerfend ist, egal ob als Frau oder Label.

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