Karriere-Interview: Jennifer Dixon, Editorial Director Stylebop.com – das Update!

Jennifer Dixon? Vielen von euch dürfte der Name bereits bekannt sein, denn es gab auf Journelles schon einmal ein Karriere-Interview mit der gebürtigen Hamburgerin. Damals war sie die Mode-Chefin von InStyle Deutschland und damit einen der begehrtesten Posten der deutschen Medienbranche inne. Inzwischen ist sie zu dem Münchner Onlineshop Stylebop.com gewechselt, wo sie zum Editorial Director berufen wurde.

Das fanden wir natürlich hochinteressant, zumal wir beide aus einer Generation von Redakteuren stammen, für die ein Posten bei einer Onlineredaktion früher fast einer Degradierung gleich kam. Wirklich, Anfang der Nullerjahre wollte keiner den Job machen, sondern weiterhin die Texte in Word tippen und nach Abgabe auf das Erscheinen des Heftes am Kiosk warten, um das Ergebnis zu bewundern.

Inzwischen hat sich viel getan und alles ist anderes: Viele Printmagazine sterben aus, wir lesen die Nachrichten zuerst online und auch die Trends werden mehr von den Blogs und sozialen Medien gesetzt. (Mehr dazu auch in unserem Gesprächsstoff „So sieht unser Redaktionsalltag wirklich aus„.)

Wie also kam Jennifer zu ihrem neuen Job, welche Herausforderungen standen ihr bevor und was musste sie neu lernen? Und wie verführerisch ist es, wenn man jeden Tag von Bergen von Kartons mit Klamotten, Schuhen und Taschen zum Einkaufspreis umgeben ist?

All das erfahrt ihr in unserem Karriere-Update!

Liebe Jennifer, du bist seit kurzer Zeit Editorial Director bei Stylebop. Was zählt zu deinen Aufgaben?

Ja, ich habe bereits am 1. April angefangen. Als Editorial Director leite ich das Redaktionsteam und bin für alle Fashion-Onsite-Inhalte verantwortlich, d.h. für die Themen auf der Seite, im Magazin sowie in den Newslettern, außerdem für die Stylings und die Beschreibung der Looks.

Warum braucht ein Onlineshop einen Editorial Director bzw. ein eigenes Magazin?

Stylebop führt mittlerweile über 250 Luxuslabels sowohl etablierte Designer wie Valentino oder Alexander McQueen als auch progressive und aufstrebende Talente wie Vetements, Off-White oder Attico.

Das Buying-Team fungiert quasi als Kurator und wir übersetzen die New Arrivals „From Catwalk to Sidewalk“ auf allen Kanälen. Als Editorial Director kann ich Ideen sammeln, bündeln, zusammenfassen und zur richtigen Zeit weitergeben. Wir machen Trends des Shops sichtbar und möchten inspirieren.

Das Onlinemagazin setzt sich mit dem Thema Zeitgeist auseinander und berichtet von den neuesten Bewegungen aus Fashion, Musik, Kunst und Kultur; hier können wir bei den Themen noch mehr in die Tiefe gehen, bzw. einen anderen Blick auf sie werfen.

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Wie schwer ist dir der Wechsel von Print zu Online gefallen?

Gar nicht schwer, nach 14 Jahren war es einfach der richtige Zeitpunkt für etwas Neues und Spannendes!

Was reizt dich an der Online-Arbeit?

Genau das! Es ist neu und spannend, es ist die natürliche Weiterentwicklung meines vorherigen Jobs. Besonders spannend ist, direkt Ergebnisse zu sehen und schneller mit Themen auf Aktuelles reagieren zu können.

Wie kann man sich deinen neuen Arbeitsalltag vorstellen?

Ich arbeite sowohl mit dem Editorial-Team an Themen auf der Seite und für die Newsletter als auch mit dem Styling-Team an den Looks, die auf der Seite zu sehen sind.

 

Welche Dinge musst du dazu lernen?

Meine Arbeit ist analytischer und natürlich gibt es einige technische Details, die ich vorher bei meiner Arbeit nicht benutzt habe. Im Großen und Ganzen ist mir aber alles vertraut.

Wie beginnt für dich dein Tag – und wie endet er?

Nach einem ersten Check meiner Email und der News meiner Lieblingsseiten BoF, WWD und Vogue.com stehen Meetings mit dem Editorial-Team, sowie Foto- und Layout-Abnahmen an. Ich bin zudem häufig im Fotostudio und arbeite an den Looks. Das ist sehr verführerisch, meine Wishlist wächst jeden Tag…

Wie groß ist dein Redaktionsteam? Was für Stellen gibt es bei euch im Team?

Im Redaktionsteam gibt es die Grafik-, Foto- und Textredaktion; die Redaktionsteam teilt sich dann noch einmal auf in Editorial- und Copywriting.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten zu einer klassischen Redaktionsarbeit? Und worin die Unterschiede?

Die Arbeit ähnelt sich tatsächlich in vielem: Wir möchten informieren und inspirieren. Ich arbeite jetzt noch spontaner an Themen, was ein großer Vorteil ist.

Wie gestaltet ihr den Redaktionsplan? Früher hast du für eine monatlich erscheinende Zeitschrift drei Monate im Voraus gearbeitet, online muss täglich etwas Neues passieren, die Ware ist aktuell verfügbar.

Ich bereite auch jetzt einen Saisonplan vor, basierend auf den Trends der Modeschauen und unserem Einkauf und Themen, die wir besonders wichtig finden. Konkret gestalten können wir die Themen dann, wenn die Ware angekommen und auch im Fotostudio bearbeitet, d.h. gestylt wurde.

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Wie behältst du bei all den schönen Sachen im Shop den Überblick und findest deine Themen?

Das funktioniert sehr gut. Da ich ja auch für das Styling verantwortlich bin und insofern viel Zeit im Fotostudio verbringe, bekomme ich einen sehr guten Überblick über die täglich eintreffenden Ware. So komme ich sofort mit den neuesten Teilen in Berührung, was auch perfekt mit der Themenzusammenstellung einhergeht.

Bei unserem ersten Interview hast du uns erzählt, dass es dir am meisten Freude macht, Konzepte für Mode- oder Legeseiten zu entwickeln. Was macht dir bei deinem neuen Job am meisten Spaß?

Konzeption von Themen ist ja immer noch meine Hauptaufgabe, sei es für Newsletter oder auf der Seite. Allerdings merke ich gerade, dass das Zusammenstellen der Looks mir auch super viel Spaß macht, also es geht wieder ein bisschen „Back to the Roots„, zurück zu meinen Anfängen als Stylistin.

Die Leser bzw. Kunden sind nicht mehr nur deutsch, sondern kommen aus aller Welt. Musst du jetzt auch größer, sprich internationaler denken?

Ab einem bestimmten Level ist Mode, sind Trends ja immer international. Die Designer, die wir verkaufen, die Streetstyle-Fotos, die wir für unsere Themen benutzen, sind international.

 

Wie kannst du deinen eigenen Stil und Geschmack bei diesem neuen Job verwirklichen?

Mode ist immer auch subjektiv, die Layouts, die Looks, die ich abnehme, gefallen mir natürlich auch immer aus einer persönlichen und nicht nur professionellen Perspektive, insofern wird man meinen Stil auch immer durchsehen, aber klar, in einem Stylebop-Rahmen.

Du liebst Accessoires. Da ist der Job bei einem Onlineshop sicher sehr gefährlich. Bei welchen Teilen wirst du schwach?

Jeder Besuch in unserem Fotostudio ist SEHR gefährlich, hier sehe ich immer die neuesten Teile und natürlich ist immer etwas dabei, was ich dann unbedingt sofort haben muss! Schuhe sind nach wie vor das Schönste für mich und komischerweise gibt es dann immer noch den einen, den ich so noch nicht habe und ganz dringend brauche…

 

Als Modechefin konntest du junge Talente bewusst pushen. Geht das auch in deiner neuen Position? Wer sind für dich zurzeit die spannendsten Namen?

Ich bin ja nicht Modechefin, sondern Editorial Director und leite die Redaktion. Aber klar sind wir auch immer auf der Suche nach neuen Labels und Designern. Wann immer mir etwas Interessantes auffällt, gebe ich das weiter. Wir daten uns dazu regelmäßig ab.

Momentan spannend finde ich beispielsweise Attico und Off-White und freue mich auch auf Marques Almeida, die wir ab Juli 2016 neu führen werden.

Hat sich dein Lieblings-Look für das Office inzwischen verändert?

Nicht wirklich, mein Go-to Basic sind immer noch Jeans, in jeder Form! Es gibt so viel spannende neue Styles & Labels, Jeans werden einfach nie langweilig. Beispielsweise meine Levi’s von Re/Done Jeans (siehe unten), die sitzen perfekt!

 

 

Deine Lieblingsadresse im Netz auf der du zwischendurch immer wieder surfst, um dich inspirieren zu lassen?

BoF und WWD, toll finde ich auch die Themen auf Vogue.com und Whowhatwear.com. Inspirieren lasse ich mich aber inzwischen auch viel über Instagram.

Wer sind deine Insta-Lieblinge?

Carlyne Cerf de Dudzeele, Amanda Brooks und Christine Centenera.

Vielen Dank für deine Zeit, liebe Jennifer!

 


(Headerfoto: Adam Katz/Le 21ème)

Kommentare

  1. Vielen Dank für das interessante Interview mit dieser tollen Frau. Ich bin schon seit Jahren „Fan“ von ihr und habe mich deshalb sehr über dieses Update gefreut, was für eine beneidenswerte Karriere. Witzig, dass es früher eine „Strafe“ war Online arbeiten zu müssen. Dafür sind diese Jobs ja heute umso spannender. Sonnige Grüße aus Freiburg Freiburg, Neele

  2. Es war noch nie eine Strafe oder Degradierung für Redakteure online arbeiten zu „müssen“. Lediglich die schlechte Bezahlung und die schlechteren Arbeitsbedingungen haben Printredakteuren das Gefühl gegeben, etwas Besseres zu sein. Ein Riesenfehler der Verlage, den Onliner auch heute noch ausbaden. Denn unter den Bedingungen hat sich nichts geändert.

  3. Ich sehe es genauso wie Jessie. Als gelernte Printredakteurin war das für mich damals undenkbar im Onlinebereich zu arbeiten.

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