Interview: Delia Fischer von Westwing Home & Living über Einrichtung und Shopping-Clubs

Bei meinem Umzug neulich stellte ich mich vor die Herausforderung eine Einrichtung ganz ohne Ikea-Regal zusammenzustellen, was mir nicht gelungen ist. Zur gleichen Zeit lernte ich den Online-Shopping-Club Westwing kennen und so füllte sich meine Single-Bude nach und nach mit immer mehr hübschen Wohn-Accessoires von Labels, von denen ich vorher noch nie was gehört hatte

Bei meinem Umzug neulich stellte ich mich vor die Herausforderung eine Einrichtung ganz ohne Ikea-Regal zusammenzustellen, was mir nicht gelungen ist. Zur gleichen Zeit lernte ich den Online-Shopping-Club Westwing kennen und so füllte sich meine Single-Bude nach und nach mit immer mehr hübschen Wohn-Accessoires von Labels, von denen ich vorher noch nie was gehört hatte oder immer glaubte, dass ich sie mir nicht leisten könnte. Ich fand den Couchtisch, den ich so lange gesucht habe, tolle rote- und schwarz-weiße Kissenbezüge und zwei Acapulco Chairs zu vergleichsweise günstigen Preisen.

Die ehemalige ELLE-Redakteurin Delia Fischer hat Westwing 2011 in München gegründet und kann eine bislang beispiellose Erfolgsgeschichte erzählen: Mittlerweile gibt es Westwing in zehn Ländern, allein in Deutschland zählt man über eine Million Mitglieder und über 600.000 Seitenaufrufe pro Tag, pro Woche gibt es 2.500 neue Produkte und täglich werden 15.000 Pakete in die ganze Welt verschickt. Zeit für ein Interview mit der 29-jährigen Firmen-Chefin!

Mode über einen Onlineshop zu verkaufen stellt viele Hersteller vor eine Herausforderung, weil die Kunden die Sachen nicht anprobieren können und Schuhe oder Jeans wieder umtauschen. Bei Möbeln scheint der Onlineverkauf noch schwieriger, weil der Kunde auf dem neuen Sofa weder Probesitzen noch den Stoff anfassen kann – wieso sind Sie davon überzeugt, dass wir in Zukunft unsere Möbel verstärkt online kaufen? Und warum ist der Begriff „Shopping-Club“ dabei so wichtig?

Ich glaube, dass es einfacher ist, etwas für zu Hause auch von zu Hause aus zu kaufen. Man kann sich besser vorstellen, wie eine Leuchte über dem eigenen Tisch aussehen würde, wenn man gerade davor steht. Der Interior-Markt ist so riesig und aufgegliedert in tausende kleine Hersteller, dass es einem als Händler online etwas leichter fällt, zumindest einen Teil der Vielfalt darzustellen.
Was das Probesitzen angeht, glaube ich, kommt es auf das Produkt an. Das betrifft ja vor allem Großmöbel, also Sofas, Betten und Sessel. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kunden das fehlende Probesitzen oder -liegen gar nicht so stört, denn auch der Offline-Möbelhandel hat ja bei weitem nicht jedes Produkt in Ausstellung, sodass man auch dort letztendlich oft aus dem Katalog kauft. Aber bei Großmöbeln kommt es wirklich auf die Vorliebe des Kunden an!
Der riesige Accessoire- und Kleinmöbelbereich, also etwa bei Beistelltischen, Leuchten oder Küchen-Items, die man ja alle öfter mal kauft als ein Sofa, ist dafür quasi wie gemacht fürs Online-Shopping, denn im Gegensatz zur Mode muss man einen Kerzenhalter ja nicht anprobieren! Der Shopping-Club ist wichtig, da wir nicht alles anbieten, sondern eine kuratierte Auswahl an den schönsten Produkten, die nur unsere Mitglieder zu einem besonders günstigen Preis kaufen können.

Stuhl von Safavieh
Stuhl von Safavieh

Wie kommen die günstigen Preise – bis zu 70% günstiger gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller zustande?

Das hat zwei Gründe. Einmal einen ganz praktischen Grund: Das Modell eines Shoppingclubs bringt mit sich, dass wir keine Produkte auf Lager haben. Genauer heißt das, dass wir bei unseren Händlern Produkte reservieren und diese dann in einem Sale unseren Kunden anbieten. Erst nach Sale-Ende bestellen wir bei dem jeweiligen Hersteller die Anzahl an Produkten, die auch tatsächlich von unseren Kunden bestellt wurden. Der Hersteller liefert diese an unser Lager, dort wird die Ware geprüft, umverpackt und an die Kunden weiter verschickt. Die Lieferzeiten sind dadurch etwas länger als bei normalen Shops, aber wir sparen die hohen Lagerkosten und können so die Produkte günstiger anbieten.
Der Hauptgrund ist aber, dass unsere allein in Deutschland 1,2 Mio Mitglieder eine sehr interessante Zielgruppe für jeden Hersteller sind: Über 90% der Westwing-Mitglieder sind weiblich und zwischen 25 bis 55 Jahre alt. Es sind stylische, modeinteressierte Frauen –  aber nicht jede ist ein Design-Crack und Interior-Marken sind im Allgemeinen viel unbekannter als Modemarken. Auch die großen Labels sind nicht jedem ein Begriff. Daher bedeutet ein Sale einen riesigen Marketingeffekt für die Brands, die mit uns zusammenarbeiten und sich und ihre Produkte vor unseren Mitgliedern präsentieren. Dafür machen sie für die 4-tägigen Aktionen gerne einen Special-Preis. Denn sie sehen, dass viele unserer Mitglieder über Westwing auf den Geschmack gekommen sind und danach zu Fans der Marke werden und immer wieder etwas kaufen, nicht nur über den Specialpreis bei Westwing.

Nach welchen Kriterien suchen Sie und Ihr Style-Team die Waren aus – persönlichem Geschmack oder Trends? Wenn ja, welche Trends bzw. Nachfrage nach einer bestimmten Produktgruppe oder Einrichtungsstil spüren Sie? Sprich: Wonach suchen die Leute? Welche Sales laufen am besten?

Ich gebe zu, es gibt schon Produkte und Labels, für die mein Herz besonders schlägt. Aber mein Job ist, mich in verschiedene Stile reinzudenken und für unsere Mitglieder die besten und schönsten Stücke zu finden.
Natürlich sind Trends dabei wichtig – Inspiration finden wir dafür auf Messen, in Magazinen und Büchern oder in Blogs. Damit meine ich aber nicht nur den Bereich Home & Living. Auch Mode, Film, Musik und Kunst sind dabei genauso wichtig, es geht alles irgendwie ineinander über. Das heißt, ich lese die französische Vogue genauso aufmerksam wie die amerikanische Elle Decor oder die deutsche Schöner Wohnen. Denn ich finde es für Westwing schon sehr wichtig, dass wir bei Trends immer ganz vorne dabei sind. Und es macht einfach auch Spaß zu zeigen, wie man einen Modetrend – wie etwa Grunge – ins Interior übersetzen kann!

Bei den Styles ist der Scandi-Look noch immer sehr gefragt, aber auch das ganze Thema Boho, Ethno und Industrial hat gerade einen richtigen Boom. Vor einem Jahr hat es sich noch kaum verkauft, in den letzten Monaten können wir beobachten, wie es immer größer wird.

Gibt es Unterschiede in den zehn Ländern? Was kaufen die Deutschen, was die Spanier und Italiener?

Es gibt tatsächlich Unterschiede: Der Süden mag es lieblicher, in Italien verkauft sich viel mehr romantisches Interior, also etwa weiße Möbel im Shabby Chic-Look. Russland ist opulent, Brasilianer und Franzosen mögen es bunt und stylish. Wir haben in jedem Land erfahrene Living-Redakteurinnen im Team, die den Geschmack und die Vorlieben vor Ort kennt, da lernen wir immer wieder Interessantes! Zum Beispiel die bei uns extrem angesagten Ikat-Stoffe kommen in Spanien nicht so an, da die Ikat-Herstellung eine lange Tradition auf Mallorca hat und es in Spanien als altbackenes „Omi-Muster“ wahrgenommen wird.

My Boho Christmas
My Boho Christmas

 

Welche Pläne schmieden Sie für das nächste Jahr? Welche Ziele wollen Sie erreichen?

Wir haben Westwing von Anfang an nicht nur als Shop gesehen, sondern eher wie ein Magazin, in dem unsere Mitglieder Inspirationen und Deko Ideen bekommen und gleichzeitig auch passende Produkte kaufen können. Das heißt, wir setzen ganz stark auf inspirierende Fotos, stellen Trends vor, zeigen zu den Sales passende Home-Stories und Deko-Tipps. In die Richtung wollen wir noch stärker gehen und unseren Mitgliedern noch viel mehr Ideen liefern und vermehrt zeigen, wie schnell und einfach man neu kombinieren und stylen kann – und wie viel Spaß das macht!

In der Galerie seht ihr einen Preview der kommenden Westwing-Sales für November und Dezember 2013, u.a. mit Content by Conran, das „My Boho Christmas – Special“, Geschenke für Tierfreunde (man denke an Kissen mit Papageien), marokkanische Poufs und orientalische Deko-Items, alles für den Hüttenzauber, dekorativen „Juju Hats“ aus Kamerun, Duftkerzen von Parks uvm.

Von Alexa

Ich liebe schreiben, bloggen und schöne Dinge zu entwerfen, also mache ich all das.

Als Journalistin habe ich für Magazine und Zeitungen wie Business Punk, Fräulein, Gala, FTD/how to spend it, Instyle, Lufthansa Magazin, Stern, Tagesspiegel, Vanity Fair und zitty gearbeitet. Meine Online-Erfahrungen habe ich u.a. Stylebook und styleproofed gesammelt. Mein Blog heißt Alexa Peng, mein Schmuck-Label vonhey. Ich komme aus dem Rheinland und bin in einem Dorf am Waldesrand aufgewachsen, wo nur einmal in der Stunde ein Bus fuhr. Da muss man sich was einfallen lassen, um sich nicht zu langweilen. Meine Tante hatte in der Stadt eine Boutique und einen Schrank voller Kleider, Schuhe und Taschen, mit denen wir Kinder verkleiden spielen durften. Wir haben Modenschauen im Hobbykeller veranstaltet und die ganze Nachbarschaft eingeladen. Dass ich mal was mit Mode machen würde, war also klar. Nach dem Abi habe ich an der AMD in Hamburg Mode-Journalismus studiert und später an der UdK in Berlin einen Master of Arts in Kulturjournalismus gemacht. In Zukunft will ich mein Label weiteraufbauen, die Welt sehen und gute Geschichten schreiben.

(Foto: Sandra Semburg)

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9 Antworten auf „Interview: Delia Fischer von Westwing Home & Living über Einrichtung und Shopping-Clubs“

Wahnsinns-Karriere, beeindruckend! Wenn sie von 2005 an Elle-Redakteurin war – da war sie 21 – wie hat sie es zeitlich hingekriegt, vorher noch zu studiern? Vielen Dank für eine ergänzende Info!

Westwing ist großartig — ähnlich vom Stil her ist Kokoon, ebenfalls in München beheimatet. Nur so als Tipp 🙂

als Halb-Engländerin sei mir dieser Verschreiber großzügigst verziehen! Kokon hat auch einen Online-Store, für die Nicht-Münchner unter uns. Hat sich ja leider nicht in Berlin halten können, traf wohl nicht den hiesigen Trendnerv/minimalistischen Geschmack.

Einiges davon ist schön und auch schlicht, vieles aber auch opulent und naja schon fast kitschig. ABer der STore in München ist einfach toll, man kann auch stundenlang herumschlendern und alles angucken ohne von übereifrigen VErkäuferInnen belästigt zu werden.. auch ein Wohlfühlkriterium finde ich.

Liebe Hanna, liebe Jen,

anbei für euch die Antwort von Delia Fischer: “Als ich mit meinem
dreijährigen Modejournalismus-Studium anfing, war ich noch recht jung –
gerade 19 Jahre. Und als meine Kommilitoninnen ihre Diplomarbeit
schrieben, arbeitete ich bereits ganztags bei ELLE! Die Arbeit schrieb
ich quasi nebenher – abends und am Wochenende.”

Schönen Freitagabend und viele Grüße

Alexa

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.