JOURgarderobe: Closet Diary mit Nora Lina Wienholt, Communication Consultant

Eigentlich ist es ja meine Aufgabe, euch die hard facts unserer Closet-Diary-Kandidatinnen mitzuteilen. Allerdings hat mir die liebe Nora einen so unglaublich schönen und sympathischen Text geschrieben, dass ich es vermutlich gar nicht besser machen könnte. Was ich euch allerdings vorab versprechen kann: Euch erwartet eine sehr abwechslungsreiche Woche gefüllt mit wunderbaren Vintage-Fundstücken, Familien-Erinnerungen und einem versteckten Nähtalent. Immerhin ist Nora mein persönlicher Indiana Jones unter den Second-Hand-Huntern und macht jeden Flohmarkt zu ihrer eigenen Schatzsuche.

Wichtig ist ihr hierbei Achtsamkeit und reflektiertes Konsumieren von Kleidung, die sie immer mehr in ihren Alltag zu integrieren versucht. Ihr Credo? Auf Klassiker und Erinnerungsstücke zu setzen, an denen sie nicht nur eine Saison Freude hat. Auch für ihre beruflichen Laufbahn wurde das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren immer relevanter und das Arbeiten mit entsprechenden Labels ist zu ihrer großen Leidenschaft geworden. Social Media betrachtet die 28-Jährige aktuell noch als Pilotprojekt: Als Instagram-Newbie hat es nämlich ein wenig gedauert, bis man sie wirklich für die Plattform begeistern konnte.

Ihr merkt es – so richtig kurz kann ich mich dann doch nicht fassen. Und weil es noch so viel mehr zu unserer heutigen Kandidatin zu sagen gibt, überreiche ich der lieben Nora einfach selbst das Wort:

Leoparden-Muster, pinkfarbene Kord-Schlaghose, Kroko-Print. So kannte man mich schon mit 13 Jahren auf der katholischen Schule im schönen Hessen. Das Schicksal, „irgendwas mit Mode“ zu machen, war also früh besiegelt. 

Aus einem grünen Elternhaus kommend, waren mir die Hintergründe und Produktionsumstände der geliebten Kleider schon früh ein Anliegen. So kommt es, dass ich heute die für mich perfekte Kombination aus den Bereichen Mode, Nachhaltigkeit und Kommunikation in meiner Selbstständigkeit gefunden habe.

Nachhaltigkeit? Das ist ja in aller Munde und inzwischen ein ziemlich verwässerter Begriff. Für mich bedeutet es ganz einfach Gerechtigkeit. Gerechtigkeit im Sinne eines Gleichgewichts zwischen Umwelt, Wirtschaft und Sozialem. Klingt gut? Nun, als Ästhetik-liebender und modeaffiner Mensch ist es manchmal gar nicht so einfach, das auf den gesamten Kleiderschrank anzuwenden – und gelingt auch mir nicht immer.

Ich liebe es, Kleidung immer wieder neu zu erfinden: Das, was ich bereits habe, neu zu kombinieren. Es geht mir darum, mehr und mehr zu sensibilisieren für das, was wir tragen. Das bedeutet nicht, dass ich plötzlich alles „nicht-nachhaltige“, das bereits in meinem Schrank existiert, verbanne. Das wäre ja genau der falsche Ansatz.

Wenn es um das Kaufen von neuer Kleidung geht, dann gibt es inzwischen eine Vielzahl an Brands, die tolle Designs entwickeln, die man mit gutem Gewissen tragen kann. In einem meiner Projekte arbeite ich deshalb an Raven Collective, einem kuratierten Online-Marktplatz für genau diese Brands, um den gewissenhaften Konsum in der Modebranche ein Stück weiter voranzutreiben – und keine Abstriche im Design zu machen.

Wie meine liebe Freundin Cathi so schön zur mir sagte: „Zara, Mango & Co. sind Affären. Das, was du willst, sind Beziehungen.“

Nora Lina Wienholt auf Instagram: @noralina__

MONTAG

Ich starte diesen Montag mit meinem neuen Lieblingspullover. Feuerrot, Rollkragen, Merino: Das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Zugegebenermaßen freue ich mich ein bisschen, dass der ganz heiße Sommer vorbei ist und man wieder Pullover, Mäntel und Co. auspacken kann.

Heute muss ich viel von A nach B – da ist der Freitag-Rucksack ein perfekter Begleiter (für den ich gefühlt die halbe Nation umgekrempelt habe, aber was muss, das muss). Und diese Schuhe, tja. Die haben Mama zu mir gesagt. Ich glaube ich besitze sie seit fünf Jahren und liebe sie noch wie am ersten Tag. Einen schönen Wochenstart allerseits!

Pullover: Teym (ähnlich hier), Hose: HundHund (ähnlich hier), Schuhe: Karl Lagerfeld (ähnlich hier), Rucksack: Freitag (ähnlich hier)

DIENSTAG

Heute stehen einige Meetings mit Projektpartnern auf dem Plan. Weiße Blusen und Hemden sind hierfür in den verschiedensten Varianten mein All-Time-Favourite. Dazu Vintage Jeans von Maverick, die ein Geschenk einer Freundin waren und meine David-Bowie-Schuhe. Ich weiß nicht mehr, wer ihnen diesen Namen gegeben hat, aber ich fand ihn sehr passend.

Ich bin großer Fan von Stilbrüchen wie lässigen Jeans und feinen Schuhen oder sportlichen Oberteilen kombiniert zu Bügelfalthosen. Solche Outfits funktionieren sowohl tagsüber als auch am Abend, was für meinen Alltag ein großer Vorteil ist.

Bluse: Jan ’n June (ähnlich hier), Hose: Maverick Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Konstantin Starke (ähnlich hier), Ringe: Folkdays (ähnlich hier)

MITTWOCH

Mein Mittwoch startet seit einigen Wochen immer sehr frühsportlich: beim Yoga-Kurs im Park. Einen besseren Start in einen vollen Office-Tag kann ich mir kaum vorstellen.

Jedes Mal, wenn ich diese Bluse trage, denke ich an ihre schöne Geschichte: Ich habe eine Zeit lang in Havanna, Kuba, gelebt und hatte eine tolle Nachbarin, die Leinenhemden gefertigt hat. Jedes mit einer individuellen Stickerei. An einem meiner letzten Tage habe ich dieses schöne Einzelstück bekommen.

So richtig warm ist es nicht mehr, deshalb kombiniere ich dazu einen blauen Oversized-Mantel – ein Erbstück von meinem Großvater.

Mantel: Erbstück (ähnlich hier), Bluse: aus Havanna (ähnlich hier), Hose: Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Alina Schürfeld (ähnlich hier)

DONNERSTAG

Meine Lieblingskleidungsstücke: Mäntel. Wahrscheinlich mag ich den Herbst deswegen so sehr – jeden Tag ein anderes Modell ausführen. Dieses Exemplar habe ich vor einer halben Ewigkeit erstanden und ob man es glaubt oder nicht: diese Hose ist ein Erbstück von meinem Großvater. Ein paar Abnäher später und schon fügt sie sich perfekt in meinen Kleiderschrank ein.

An diesem Donnerstag steht ein großes Projektmeeting für mich an: Ich sitze mit dem Team von Raven Collective zusammen und wir planen den Launch des kuratierten Online-Marketplace. Stay tuned! 

Mantel: Filippa K. (ähnlich hier), Body: Erbstück (ähnlich hier), Hose: Erbstück (ähnlich hier), Gürtel: Aigner Vintage, Tasche: Furla Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Dr. Martens Vintage

FREITAG

Heute ist es grau und diesig. Ein perfekter Tag also für ein bisschen maritimes Flair. Vielleicht kommt da die heimliche Norddeutsche in mir zum Vorschein.

Den Mantel habe ich kürzlich auf einem Wochenend-Trip in Bologna erstanden. Eine wunderschöne Stadt mit unzähligen kleinen Boutiquen und Second-Hand-Läden, in denen man Stunden verbringen kann. Die geblümte Seidenbluse war ebenfalls ein Fund in dieser herrlichen Stadt.

An diesem Freitag stehen für mich vor allem administrative Dinge auf dem Plan, das bleibt nicht aus als Freiberuflerin. Abends läute ich bei einem Glas Wein mit Freunden das Wochenende ein.

Mantel: Italienische Manufaktur (ähnlich hier), Seidenbluse: Vintage (ähnlich hier), Hose: Maverick Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Vintage (ähnlich hier), Hut: Original Elbsegler (ähnlich hier), Ring: Erbstück (ähnlich hier)

SAMSTAG

Diesen sonnigen Samstag nutze ich, um letzte Urlaubsvorbereitungen zu treffen – es geht nächste Woche nach Indonesien. Ich freue mich riesig auf Bücher, Strand und Meer. Bis dahin stehen Einkäufe, Packliste, etc. an, man kennt das ja.

Dafür schwinge ich mich in meine super bequeme Selfnation Jeans und ein Hemd, von dem ich beschlossen habe, dass mein Vater es nicht mehr trägt. Die rote Tasche – eigentlich eine Kameratasche – habe ich kürzlich auf dem Flohmarkt am Maybachufer erstanden. Ein kleines Raumwunder und ein perfekter Begleiter für diesen Tag. Schönes Wochenende!

Hemd: Vintage (ähnlich hier), Hose: Selfnation (ähnlich hier), Gürtel: Vintage (ähnlich hier), Schuhe: Superga Second Hand, Tasche: Vintage (ähnlich hier)

SONNTAG

Auf der Suche nach etwas Luftigem für den anstehenden Indonesien-Urlaub habe ich diese Ulla-Popken-Bluse im Second-Hand-Laden gefunden. Damengröße 60, ein bisschen weit also. Das erlaubt mir aber, sie auch als Kleid zu tragen und die 6,50 Euro sind jeden Cent wert.

Neben Kofferpacken gönne ich mir diesen Sonntag noch ein bisschen Auszeit: Flohmarkt am Morgen, Kaffee und Spazieren am Nachmittag. Eine besonders geschätzte Begleitung für diesen Tag: die kleine Bauchtasche für Arm-Freiheit auf dem Flohmarkt.

Bluse: Vintage (ähnlich hier), Hose: Philomena (ähnlich hier), Schuhe: Vagabond, Bauchtasche: Closed

Alle Fotos: Anton Oliar

Kommentare

  1. Oooooh, ich bin begeistert! So eine schöne Frau und die Looks sind nicht nur individuell, sondern
    funktionieren auch und sehen toll aus! Der Text ist sehr sympathisch geschrieben und ganz besonders
    inspirierend finde ich, dass es keine Berührungsängste mit Männerklamotten und großen Größen gibt,
    sondern einfach getragen (und angepasst) wird was gefällt. Großartig!

  2. Ein wunderbares Diary diese Woche!
    Ganz toll ist Ihr der Dienstag und Donnerstag gelungen. Würde ich genau so 1:1 übernehmen!
    Lg Mel

  3. Schönes diary! Könntest du bitte die Boutiquen/ Vintage Läden in Bologna aufführen, bin gerade zufällig da.

    Danke und liebe Grüße

  4. Das ist ein prima Diary, ein eigener, individueller Stil, den man Nora Lina absolut abnimmt und eine sympathische Darstellung ihrer Garderobe, an der man erkennt, dass sie sich darin auch wirklich wohlfühlt. Klasse!!

  5. Das sind so schöne Looks, die würde ich am liebsten alle übernehmen 🙂 Einen klaren Favoriten habe ich nicht, aber die Cordhose ist toll!

    Liebe Grüße, Esra

  6. Catharina sagte am

    Jeder Look ein Unikat und inspirierend wie Nora selbst. Vor allem, wenn man sich manchmal selbst schwer tut die Schätze im Schrank neu zu entdecken. Vielen Dank dafür!

  7. Der gestreifte Mantel ist ein Traum. Ich bin auch begeisterte Secondhand-Einkäuferin und habe schon viele Lieblingsstücke gefunden. Bis dahin komme ich noch mit beim Thema Nachhaltigkeit. Wo ich nicht mitkomme, ist die Kombination von grünem Gewissen und Fernreisen. Die halbe Welt scheint dauernd in der Welt herumzufliegen. Warum macht man sich die Mühe, bewusst einzukaufen, bewusst zu essen, auf Bio und Regio zu achten – den ganzen Katalog halt – wenn man das dann beim Fliegen mit dem Arsch wieder einreisst? Nora, dieser Einwand richtet sich gar nicht gegen dich persönlich. Mir fällt nur so oft auf, dass viele Menschen das eine sagen und sich dann in ein Flugzeug nach Thailand setzen oder für einen Kurztrip nach Barcelona düsen. Ich begreife es nicht, dass eine ganze Generation, der grüne Themen scheinbar am Herzen liegen, beim Thema Luftverschmutzung mit dem Flugzeug (oder von mir aus auch mit dem Auto) nur mit den Schultern zucken. Und mir stinkt das.

    • Das ist sehr schwarz/weiss gedacht. Ich finde mich in deinem kommentar selbst gut wieder. Ich ernähre mich seit fast 2 Jahrzehnten vegetarisch, versuche Regionalität und Saisonalität zu berücksichtigen, beziehe Ökostrom, verbanne konstant Plastik aus verschiedenen Lebensbereichen, bestelle so gut wie kein Essen mehr nach Hause, trage immer eine Alutrinkflasche mit mir herum, kaufe Vintage, besitze kein Auto, nutze meine Füsse oder die Bahn so gut es geht, trenne meinen Müll etc.Allerdings ist meine große Leidenschaft das Reisen und vor allem fliege ich beruflich bedingt mehrfach im Monat quer durch die Welt. Sollte ich daher meine anderen Bemühungen einstellen oder sind sie dadurch weniger wert bzw. nicht authentisch? Ich denke, jedes bisschen Einsatz in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind gut und richtig. Ich bemühe mich halt in allen Bereichen, in denen es mir möglich ist. Niemand ist perfekt. Und vor allem glaube ich, dass man als Vorbild und mit ein bisschen Toleranz mehr Menschen, wenn auch in kleinen Schritten für das Thema sensibilisieren kann, als mit dem erhobenen Zeigefinger.

  8. Wow!! Wirklich tolles Mode-Diary zum Thema Sustainable Fashion und dazu noch so ein großartiger, individueller Kleidungsstil, liebe Nora Lina. Ganz besonders habe ich mich in diesem Satz selbst wiedergefunden: „Leoparden-Muster, pinkfarbene Kord-Schlaghose, Kroko-Print. So kannte man mich schon mit 13 Jahren auf der katholischen Schule im schönen Hessen“. In der Abizeitung habe ich damals mit ähnlichen Outfits den 1. Platz im Ranking „Modische Fehltritte“ abgesahnt. 😀

    Liebe Grüße,
    Belinda

  9. marlene sagte am

    Schön, was Mode doch noch so alles sein kann. Dieses Diary empfinde ich als Mode im besten Sinn – persönliche Ausdrucksform, und nicht kurzweilige Befriedigung in aktuellen Trends. „If everybody looked the same, we’d get tired looking at each other.“

  10. Ein sehr inspirierendes CD! Es freut mich immer sehr, wenn mal nicht die üblichen fast Fashion Labels im Vordergrund stehen. Gerne öfters so. Wie wäre es mal mit dariadaria?

    Eins muss ich aber loswerden. Ich finde es wirklich sehr, sehr schade, dass ihr als Alternativen zu den fairen Labels Produkte von h&m verlinkt. Zum Beispiel auf einen roten h&m Pullover für 15€. Einen krasseren Gegensatz zum Thema Nachhaltigkeit kann es da ja gar nicht geben. Und ich würde mir wünschen, dass ihr darauf verzichtet.

  11. So ein schönes Closet Diary! Gerade die Erbstücke sind ja was ganz besonders und wurden richtig schön kombiniert und im persönlichen Stil integriert! Auch die Bluse aus Havanna (mit ihrer Geschichte) finde ich wundervoll! 🙂

  12. So ein tolles Closet Diary gab es schon lange nicht mehr! Ich liebe jedes Outfit und freue, dass endlich mehr Nachhaltigkeit in den Diaries eine Rolle spielt!
    Wundervoll liebe Nora, ich habe jetzt glatt Lust auf Flohmarkt bekommen! 🙂

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