JOURgarderobe: Closet Diary mit Julia Schygulla, Head of Bumble Germany

Was wir von Julia Schygullas Closet Diary lernen können? Klassische Hemden sind wie gute Manieren...

An dieser Stelle muss ich mich jetzt leider outen: Ich bin ein riesiges Fan-Girl von unserer heutigen Closet-Diary-Kandidatin. Ich traf Julia Schygulla das erste Mal, als ich auf der Berliner Fashion Week auf der Premium mit 18 Jahren einen Stand für ein Schmucklabel leitete. Als sie mir nach einem kurzen Gespräch eine Visitenkarte in die Hand drückte, auf dem das rote Logo der InStyle prangte und sie DIE Julia Schygulla, Fashion News Director, meines damaligen Lieblingsmagazins war, war ich verliebt – und konnte kaum glauben, dass ich mich gerade locker flockig mit ihr unterhalten hatte.

Und das mit der Frau, die meinen Traum zu leben schien: Modejournalistin. Jetzt wo ich das ganze niederschreibe, mag es etwas creepy klingen und Julia selbst kann sich an diesen Moment wahrscheinlich nicht mal mehr erinnern.

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Kein Wunder, denn die 32-Jährige ist in ihrer Karriere schon viel rumgekommen und hat jede Menge interessante Menschen und Designer, darunter Carine Roitfeld, Miranda Kerr und Edgardo Osorio wie wir in diesem Closet Diary lernen, getroffen. Mittlerweile arbeitet sie als Head of Bumble Germany, DER neuen Networking-App, in München.

Mehr verrate ich euch jetzt aber nicht, denn Julia hat selbst viel zu erzählen. Viel Spaß mit ihren 7 Tagen und 7 Looks:

MONTAG

Wer glaubt, die Techszene sei weniger chic als die Modewelt, hat meine Kolleginnen bei Bumble noch nicht getroffen. Jede sieht aus, als sei sie der amerikanischen Vogue entsprungen. Viele von ihnen haben davor auch in der Fashionszene, z.B. bei Bergdorf Goodman, gearbeitet. Das heißt: Seit meinem Jobwechsel von Fashion zu Tech hat sich mein Kleidungsstil nicht wirklich verändert. 

Heute ist ein normaler Office-Tag in unserem Headquarter in der Münchner Prannerstraße. Ich trage eine Bluse mit Gingham-Muster, einem zentralen Trend dieses Sommers. Vichy-Karos können schnell zu niedlich wirken, der Oversize-Schnitt der Bluse mit weiten Ärmeln balanciert das schön aus. 

Zu Jeans und Tasche habe ich jeweils eine nette Interview-Anekdote aus Journalisten-Tagen: Von der hochgeschnittenen Jeans von Topshop war Supermodell Miranda Kerr so begeistert, dass sie direkt fragte, von wem das Modell sei. Auch wenn die Modeszene derzeit das Ende der Skinny-Jeans vorhersagt, finde ich, dass  die hochgeschnittene, knöchellange „Jamie“-Jeans die beste Figur (Topmodel approved) macht, weshalb ich mehrere Modelle in unterschiedlichen Waschungen im Schrank habe. 

Die „Antigona“-Bag von Givenchy begleitet mich seit exakt vier Jahren bzw. acht Fashion-Week-Saisons durchs Leben. Ich hatte gerade auf der Berliner Fashion Week die legendäre französische Modejournalistin Carine Roitfeld interviewt, die damals mit ihrer Tochter Julia Testimonial der Givenchy-Kampagne war. In einem euphorischen Rausch kaufte ich danach diese Tasche als Erinnerung. Bei mir heißt die „Antigona“ also „Carine“. 

Dazu: Satinsandalen mit Strass-Schnalle von Uterque. Am liebsten trage ich Non-Colours wie Schwarz, Weiß und Dunkelblau. Seit ich für Bumble arbeite, mischt sich allerdings das ein oder andere gelbe Teil dazwischen, denn Yellow ist unsere Corporate-Farbe. 

Bluse: Zara (ähnlich hier), Jeans: Topshop, Schuhe: Uterque (ähnlich hier), Tasche: Givenchy, Armband: Gabriele Frantzen, Ring: Juwelier Harald Erichsen, Ohrringe: Maria Black und Catbird

DIENSTAG

Meine InStyle-Chefredakteurin Annette Weber schrieb mal den Satz: „Weiße Blusen sind wie gute Manieren, sie kommen niemals aus der Mode.“ Da hat sie Recht! Im Grunde könnte ich jeden Tag und zu (fast) jedem Anlass eine weiße Bluse tragen, deshalb ist mein Kleiderschrank voll von Modellen in allen Varianten und Materialien. Mein aktueller Favorit ist das klassische Baumwollmodell des Pariser Labels „Maison Labiche“ mit „Bonjour“-Stickerei auf der Brust. 

Die „Liya“-Jeans von Citizens of Humanity hat den perfekten Sitz: hoch geschnitten, nicht zu weit, nicht zu eng. Die Pompom-Clutch von Gaia ist ein Projekt von Bumble mit der Marke Gaia. Syrische Flütchlingsfrauen in Dallas fertigen diese Taschen aus nachhaltigen Materialien. Der komplette Erlös geht an wohltätige Zwecke. Super!

Da ich aktuell ein Dinner für Bumble vorbereite, laufe ich heute durch die Stadt von Florist zu Restaurant. Paul Andrew hat die Traumschuhe für solche Tage entworfen. Die „Rhea“-Flats aus Wildleder mit Slingback und Glitzerkugel sind bequem aber trotzdem irre elegant. Dank der spitzen Kappe verlängern sie optisch das Bein. Daher DIE bequeme Alternative zu Pumps mit High Heel. 

Bluse: Maison Labiche (ähnlich hier), Jeans: Citizens of Humanity, Clutch: Gaia for Bumble (ähnlich hier), Schuhe: Paul Andrew (ähnlich hier)

MITTWOCH

Wie ja schon am Montag erwähnt: Ich bin nicht der allergrößte Fan von bunten Farben. Gestern war ein langer Tag, weshalb ich heute in der früh lieber zehn Minuten länger schlafe als vorm Kleiderschrank zu stehen. An solchen Tagen lautet meine Modedevise: Schwarz!

Ich habe viele enge Kontakte in der dänischen Fashionszene und viele Kopenhagener Labels sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. So Saks Potts, die Modemarke der talentierten Catherine Saks und Barbara Potts. Seit ihrer ersten Show auf der Kopenhagener Fashion Week beobachte ich interessiert ihre Karriere und die ging bisher rasant nach oben. Inzwischen kann man die coolen Entwürfe der Marke in allen wichtigen Onlineshops finden. Heute trage ich ein Logo T-Shirt von Saks Potts. Dazu eine Zigarettenjeans von H&M, ein No-Brainer.

Ein so dezentes Outfit pimpe ich gerne mit Accessoires: Satinsandalen mit Quastenschnürung von Pucci und Statementohrringe von Uterque. Und wieder dabei: Meine liebste Businessbag, die „Antigona“ (aka „Carine“) von Givenchy.

T-Shirt: Saks Potts (ähnlich hier), Jeans: H&M, Ohrringe: Uterque (ähnlich hier) , Schuhe: Emilio Pucci (ähnlich hier), Tasche: Givenchy

DONNERSTAG

Schon in der Früh hat es heute in München 25 Grad, im Laufe des Tages sollen es 30 werden. Kein Problem, wenn man am Wochenende an den See fährt. Bikini, Sommerkleid, Sandalen und ab dafür!

Büro und anschließend noch Drinks mit Freunden ist da modisch schon etwas komplizierter, aber dafür gibt es in diesem Sommer ja Rüschentops. Die sind elegant, funktionieren (zumindest in Kreativberufen) im Office und am Abend und sind dabei herrlich luftig.

Der heitere Gesichtsausdruck lässt sich entweder darauf zurückführen, oder auf die Tatsache, dass dieses Outfit ein „Best of“ der Summer Sales 2016 und 2017 ist. Die Hose hat mich 2016 bei H&M 10 Euro gekostet, das Top bei Zara in diesem Jahr 20 Euro. Da freut sich das Girokonto!

Die Accessoires in diesem Look sind nicht ganz so preiswert, dafür aber Klassiker, die man viele Saisons lang tragen (und sich daher mit dem „Cost per Wear“-Prinzip schönreden) kann: „minimal baroque“-Sonnenbrille von Prada, „Kate“-Bag von Saint Laurent und „Enza“-Pumps von Jean-Michel Cazabat.  

Top: Zara (ähnlich hier), Jeans: H&M, Schuhe: Jean-Michel Cazabat (ähnlich hier), Sonnenbrille: Prada, Tasche: Saint Laurent

FREITAG

Nichts sagt „Out of office“ wie ein Sweater und Jeansshorts. Wir sind ja in München, die Woche gab es viel zu tun, daher geht es heute easy mit Freunden in den Biergarten. 

Den Sweater mit „Surf in Paris“-Schriftzug habe ich während meines Arbeitsaufenthaltes im Pariser Surferladen Cuisse de Grenouille gekauft, der direkt ums Eck von meinem Appartement im Marais lag.

Die Jeansshorts von Zara mag ich besonders gerne, weil sie hoch in der Taille sitzen. Dazu nudefarbene Römersandalen von Ancient Greek Sandals und die „Kate“-Bag von Saint Laurent.

Die Sonnenbrille von Thierry Lasry ist mein Lieblingsmodell, trotzdem habe ich sie an einem Tag zweimal im Uber liegen lassen. Aber Franz Beckenbauer wusste ja schon: „Gute Freunde kann niemand trennen.“ In diesem Sinne: Prost, Wochenende!

Sweater: Cuisse de Grenouille (ähnlich hier), Shorts: Zara (ähnlich hier), Sandalen: Ancient Greek Sandals, Tasche: Saint Laurent, Sonnenbrille: Thierry Lasry

SAMSTAG

Eine meiner engsten Freundinnen feiert heute Abend ihren Geburtstag. Die Frage „Was tragen?“ ist bei solchen Anlässen schnell beantwortet. Schon als kleines Mädchen habe ich Kleider geliebt. Die Frage „Kann ich heute ein Kleid anziehen?“ hat meine Mutter eines Winters zu Kindergartenzeiten in den Wahnsinn getrieben. Aber es ist ja Sommer, ich bin alt genug selbst meine Garderobe zu bestimmen und der Anlass Geburtstag ruft förmlich nach einem Kleid. 

Ich liebe die Dresses der deutschen Designerin Dorothee Schumacher. Sie sind verspielt, aber dennoch nicht zu girly. Immer feminin und chic mit extravaganten Details, hier mit Pailletten-Stickereien. Dazu Schuhe sind von Aquazzura, eine meiner absoluten Lieblingsmarken. Ich habe diverse Paar im Schrank, vor allem deshalb, weil Designer Edgardo Osorio das schier Unmögliche möglich gemacht hat: High Heels, die WIRKLICH bequem sind. Man merkt, wie viel Liebe er in den Entwurf jedes einzelnen Modells steckt. Mal abgesehen davon, ist Edgardo selbst eine der nettesten und brillantesten Persönlichkeiten in der Modeszene – und auch abseits davon. Ihr merkt, ich könnte ein stundenlanges Loblied auf Label und Designer singen…

Dazu eine Clutch von Fendi, für modische Moodswings: Eine Seite ist in schlichtem camelfarbenem Leder gehalten, die andere Senfgelb. 

Kleid: Dorothee Schumacher (ähnlich hier), Schuhe: Aquazzura (ähnlich hier), Clutch: Fendi (ähnlich hier)

SONNTAG

Eines der besten Dinge an München ist der Tegernsee aka Bayern aus dem Bilderbuch. Ich fahre heute zu Freunden raus und gehe aufs Waldfest, einer Art Mini-Oktoberfest im Wald. Im Sommer finden mehrere davon am Tegernsee statt.

Für all jene, die zu solchen Anlässen keine klassische Tracht mögen und auch über München und die Wiesn-Saison hinaus trachteninspirierte Mode tragen wollen, gibt es das Münchner Label Federrock. Ich trage einen A-Linienrock aus Hirschleder mit blauen Paspeln, dazu ein farblich abgestimmtes handgestricktes Jäckchen aus Merinowolle.

Dazu ein schlichtes weißes T-Shirt von H&M, ein „Candy Watch Bracelet“ von Gabriele Frantzen und bordeauxrote Wildleder-Slipper von Schoshoes Milano, die mit meinen Initialien bestickt sind.

Meine Lieblingssonnenbrille von Thierry Lasry darf natürlich auch nicht fehlen. Falls sie euch auf einer Bierbank oder im Taxi begegnet, wisst ihr jetzt ja, wer sie da wahrscheinlich wieder hat liegen lassen.

Rock und Strickjacke: Federrock, T-Shirt: H&M, Schuhe: SchoShoes, Armand: Gabriele Frantzen, Sonnenbrille: Thierry Lasry

Von Marie

Der erste Satz, wenn mich Leute kennenlernen ist: „Das ist aber selten.“ Ja, ich bin ein seltenes Exemplar: Berliner Eltern, Berliner Blut, Berliner Göre. Tatsächlich bin ich so sehr mit der Hauptstadt verbunden, dass ich meinem Kiez in Schöneberg seit über 20 Jahren die Treue halte und noch nie von hier weggezogen bin – und auch nicht dran denke. Und obwohl wir Schöneberger zwar sehr viel von Bio-Supermärkten und esoterischen Edelsteinläden halten, gibt es hier auch das ganz große Mode-Paradies: das KaDeWe. Der Tempel des Shoppings und der Ersatzkindergarten für meine Eltern, sozusagen das Småland bei Ikea für mich (andere Kinder haben dort ihren ersten Wutanfall, ich schmiss mich in voller Rage im Atrium des KaDeWe auf den Boden und weigerte mich zu gehen). Kein Wunder also, dass Mode und ich nie wirklich Berührungsängste hatten.

Spätestens seit der Oberstufe, in der ich – dank Blair Waldorfs Inspiration aus Gossip Girl (ja, das war meine Serie zusammen mit Gilmore Girls) – die Schule nie ohne Haarreif, Fascinator oder eine gemusterte Strumpfhose betrat, hatte auch mein Umfeld begriffen: Marie macht was mit Mode. Und weil ich damit in meinem katholischen "Elite-Gymnasium" so ziemlich die Einzige war, suchte ich meine Verbündeten 2011 woanders: im Internet. Auf meinem Blog Style by Marie. Und so begann meine modische Laufbahn.

Noch mehr Gleichgesinnte und vor allem Freunde fand ich auf der Akademie für Mode & Design in Berlin, bei der ich 2013 meine Ausbildung in Modejournalismus und Medienkommunikation startete. Was für mich seit der 1. Klasse klar war, nämlich das Schreiben mein Ding ist, wurde jetzt zu meinem Beruf: Journalistin. (Denn ja Oma, es gibt noch etwas anderes als Modedesignerin). Dank meines Blogs und einem Praktikum bei der Harper’s Bazaar Germany in der Online-Redaktion blieb ich auch dem Internet und dem Online-Journalismus treu. Und ratet mal, wo ich jetzt bin: Genau, bei Journelles, dem Blogazine, was alle meine Leidenschaften verbindet: Bloggen, Schreiben, online sein – zusammen mit euch!

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14 Antworten auf „JOURgarderobe: Closet Diary mit Julia Schygulla, Head of Bumble Germany“

Wow – Was ein Closet Diary! Wahnsinns Frau und ich muss jeden einzelnen ihrer Looks irgendwie nachstylen 😉

Meeeeehr davon. Ich glaube, das ist das erste Closet Diary, welches meinetwegen auch über einen Monat laufen könnte. Julia ist eine tolle Inspiration und die Infos hinter ihren Modestücken sind sehr interessant. Ich kann mir nun vorstellen, warum Marie schon damals in sie verknallt war:)!

Ich bin auch hin und weg. Ich liebe jeden einzelnen Look und finde es super wie hier auch Low Budget Teile einfliessen. Mega

Das ist wirklich ein beeindruckendes closet diary!!! Was für ein großartiges Gespür für Kombinationen, Farben und Materialien!!!
Und dabei einfach nur cooooool!!!
DANKESCHÖN!!!

Boa, das ist das perfekte Closet-Diary. Jedes Outfit ist auf den Punkt. Könnte mir das noch Stunden lang weiter angucken..

Ich finde es leider auch ziemlich spießig und vor allem unkreativ … nicht gerade das, was man von einer ehemaligen Modejournalistin erwarten würde. Aber vielleicht ist das auch der neue Job und sie muss sich so anziehen.

Die „jüngeren“ Looks von Dienstag und Freitag gefallen mir gut an ihr, außerdem der rote Lippenstift!

Ich glaube, das ist mein allerliebstes Lieblings-Closet Diary! Habe gleich mal eine Bestellung bei Maison Labiche aufgegeben. Wahnsinnig inspirierend, Julia Schygulla. Und das Lächeln macht die Outfits noch umwerfender!

Wow, wie geschmackvoll und stimmig Julia Schygulla gekleidet ist. Was für eine schöne und interessante Frau! Will man direkt mehr von sehen und lesen!

Julia und Jessie!
Das ist finde ich recht cool, dass jemand, den ich aus meinem Heimatort kenne, auf der Seite meiner seinerzeitigen Klassenkameradin erscheint.
Und der Style gefällt mir auch gut!
Andreas S.

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.