JOURgarderobe: Closet Diary mit Ella Josephine Ebsen, Künstlerin und Musikerin

Unserer heutigen Kandidatin für eine neue Runde des Closet Diaries hören wir von Herzen gerne zu und hätten sie am liebsten gleich 14 Tage statt sieben begleitet!

Ella Josephine Ebsen (oder einfach Josi) ist Künstlerin, Musikerin und Stylistin und lebt als gebürtige Nordfriesin eigentlich in Berlin, nimmt uns in ihrem kunterbunten Closet Diary  aber auch mit nach New York. Hier kommt eine geballte Ladung Leidenschaft für Mode voller Ideen, Power und einem goldenen Herz am richtigen Fleck:

Ich freue mich, euch auf eine Woche New York und Fire Island mitzunehmen. Eigentlich lebe ich in Berlin, aber diesen Sommer habe ich für 14 Tage meine Koffer gepackt und bin rüber geflogen. Anlass war ein Videodreh für meine Band EKP und ein Konzert, das mein Freund Tim Knapp mit Fragile/ Wolfgang Tillmans auf Fire Island spielen sollte. Das erste Mal war ich vor zwei Jahren in Amerika. Hier habe ich sehr wichtige Freundschaften geschlossen und mit dem New Yorker Musiker Jay Pluck und Tim die Band EKP gegründet, in der ich Schlagzeug spiele und singe. Von dieser Freundschaft und der Band erzählt auch der erste Tag.

Ella Josephine Ebsen auf Instagram: @ellajosephineebsen

MONTAG

Wir drehen ein Musikvideo mit EKP für unsere erste Single „Happy/Sad“. Der Song ist im Dezember in Kreuzberg entstanden und besingt melancholisch-süß die Tragik des Scheiterns menschlicher Beziehungen.

Wir versuchen trotz des Atlantiks und der musikalischen Fernbeziehung uns immer wieder zu treffen. Das klappt bisher ganz gut. Jay kommt z.B. immer zwischen Weihnachten und Neujahr nach Berlin. Dann schließen wir uns im Proberaum oder im Trixx Studio ein.

Da der Videodreh auch ein Grund für meine Reise war, habe ich mir schon in Berlin Gedanken zum Styling gemacht. Die Buchstaben für die Haarspange habe ich bei Ebay bestellt. In den USA habe ich dann Haarclips in der Drogerie gekauft, die Buchstaben auf die Clips geschoben und mit kleinen Haargummis am Ende fixiert.

Wir treffen uns in Chinatown in einer kleinen Kunst-Galerie im Keller, die komplett schwarz gestrichen ist, und drehen hier ein paar Tanzszenen. Wir haben zwei Freunde dabei, die uns mit der Kamera filmen. Nachdem wir uns im Keller locker getanzt haben, geht es auf die bunten Straßen Chinatowns. Diese Stadt ist ein Gedicht!

Das Foto ist neben einem Aura-Fotoladen entstanden, der leider schon geschlossen hatte. Zu gern hätte ich euch ein Abbild meiner Aura zu dem Look präsentiert. Ich trage eine Baumwollbluse, die ich mit meiner fabelhaften Kollegin Julia Kenworthy von Mytheresa im Secondhandladen Made in Berlin gekauft habe. Es macht auch als Stylistin Spaß mit anderen StylistInnen einkaufen zu gehen. Styling Supervision! Die Bluse hat Schulterpolster und kleine silberne Nieten an der Knopfleiste.

An den Füßen trage ich meine alten Plateau-Birkenstocks aus Lack. Leider war der Lack ab und sie glichen einem abgelaufenen Autoreifen. Warum müssen Schuhe immer auseinander fallen, wenn sie anfangen, richtig bequem zu werden? Ich habe vor der Reise die Riemen mit klarem Nagellack angemalt, was sie kurzfristig wieder in neuem Glanz erstrahlen lässt.

Haarspangen: selbstgemacht mit Buchstaben (Ebay), Bluse: Vintage (ähnlich hier), Rock: H&M, Sandalen: Papillio / Birkenstock, Tasche: Fendi (second Hand)

DIENSTAG

Wir gehen auf den Brooklyn Fleamarket, um die Designerin Nikki Chasin zu treffen. Sie ist eine Freundin meiner Freundin und ich beobachte ihre Kollektionen seit einer Weile. So lange scharwenzele ich auch schon um ihr Baroness-Kleid herum, das es nie in meiner Größe oder in der richtigen Farbe gab. Nun ist es da und ich führe es gleich am Abend zum Essen aus. Ich habe über die Jahre ein Gespür entwickelt, mit welchen Schnitten ich mich wohl fühle und was gut zu meiner Körperform passt. Dazu gehören z.B. Kleider, die um die Hüften locker geschnitten sind und den Rumpf sowie die Beine optisch verbinden.

In meinem Beruf als Stylistin sowie als Kostümbildnerin bei Film und in der Werbung habe ich täglich mit sehr unterschiedlichen Menschen und deren verschiedenen Körpern zu tun. Ich arbeite mit Models, Kindern, Senioren, Teenagern, Musikern, Schauspielern – mit dick und dünn. Meine Arbeit ist sehr intim (bei mir lassen die Menschen im wahrsten Sinne die Hosen runter). Ich habe dadurch eine Verantwortung gegenüber den Leuten, ihnen ein gutes und sicheres Gefühl zu geben. Zum Beispiel, sie nicht unnötig falsche Größen anprobieren zu lassen. Deswegen versuche ich stetig meinen Blick zu schulen.

Die Modebranche kann im Beurteilen von Körpern sehr hart sein. Mir behagt das nicht und ich möchte da nicht mitmachen. Ich habe sehr viel Mitgefühl, was körperliche Unsicherheiten angeht – vielleicht, weil mein Körper auch nicht dem Klischee eines vermeidlich „perfekten“ Models entspricht (ich habe seit der Pubertät ein Lipödem).

Zum Kleid trage ich eine Sonnenbrille von dem Label Andy Wolf, für das ich gerade die neue Kampagne gestylt habe, und die mich schon als junge Stylistin mit Brillen für meine Modestrecken unterstützt haben. Die Ohrclips sind von der Berliner Schmuckdesignerin Sabrina Dehoff. Ich vertrage keine Ohrstecker, deswegen freue ich mich immer sehr, wenn es schöne Ohrclips gibt.

Bei der Tasche hatte ich ein unverschämtes Glück. Ich wollte mir vor meiner Reise noch etwas „Neues“ zulegen und habe sie bei Humana in Berlin-Neukölln gefunden. Mit ihrer pastelligen, zurückhaltenden Schönheit stand sie mitten im Secondhand-Chaos. Als ich den Preis von acht Euro sah, habe ich keine Sekunde überlegt und bin schnurstracks zur Kasse gegangen. Die Verkäuferin freute sich, dass endlich jemand die schöne Tasche kaufen wollte und fügte noch hinzu: „ Ja, die is doch von som Designer… Fendi… kennste?“

Kleid: Nikki Chasin (ähnlich hier), Sonnenbrille: Andy Wolf, Ohrclips: Sabrina Dehoff, Schuhe: Dr. Martens, Tasche: Fendi (Vintage)

MITTWOCH

Heute trage ich dieses knallbunte Kleid, das ich bei Beacons Closet, meinem liebsten Secondhandladen in New York, gefunden habe. Ich schätze Vintage-Mode dafür, dass viele Stoffe, insbesondere Baumwolle, mit den Jahren immer weicher und anschmiegsamer werden.

In Berlin würde ich das Kleid mit seinen riesigen Puffärmeln z.B mit weißen, sportlicheren Turnschuhen kombinieren, aber auf Reisen ist man ja limitiert. So trage ich meine bequemen, rosa Schlappen und einen Hut.

Wir verbringen den Tag im Met Cloisters in der „Heavenly Bodies“-Ausstellung und schauen uns noch mehr wunderbare Kleider der großen Couturiers an. Für mich ist die Ausstellung eine große Inspiration, vor allem die Kleider sowie der Kopfschmuck von Jean Paul Gaultier beeindrucken mich nachhaltig und dienen als Vorlage für ein nächstes Editorial für This is Jane Wayne, das ich gerade plane.

Kleid: Second Hand (ähnlich hier), Sonnenhut: TK Maxx, Tasche: Fendi,Schlappen: TK Maxx, Brille: Beacons Closet

DONNERSTAG

Wir machen uns auf den Weg auf die Insel Fire Island. Meine Bandkollegen Tim und Jay spielen auf dem Performance Festival Boffo mit Fragile/Wolfgang Tillmanns.

Fire Island ist sowohl historisch, als auch landschaftlich und architektonisch eine sehr spannende und wunderschöne Insel. Sie steht fast komplett unter Naturschutz. Es gibt keine Autos, dafür Rehe und Hirsche, die einem manchmal den Weg versperren. Viele Häuser sind im modernistischen Stil der 60er, aus Holz und auf Stelzen gebaut. Seit den 60er/70er -Jahren ist die Insel ein Ausflugsort und sichere Enklave für LGBTQI.

Wir werden ein paar Tage hier sein. Zwischen schwimmen, Videodreh am Strand, kochen und Corona trinken, bastle ich zusammen mit dem dänischen Künstler Anders Clausen, surreal anmutende Kostüme für die Performance von Fragile. Ausschnitte aus dem Konzert könnt ihr hier sehen.

Mein zart gestreiftes Kleid mit den maritimen Knöpfen und den Taschen habe ich bei Ebay ersteigert. Internet-Schnäppchen sind übrigens ein Skill, das ich über Jahre zur Professionalität trainiert und bei dem ich eine Art sportlichen Ehrgeiz entwickelt habe.

Die Sonnenbrille ist von Miu Miu und war ein Geschenk meiner großartigen Styling-Lehrmeisterin Julia Freitag. Ich war damals ihre Praktikantin. Es ist mein erstes zeitgenössisches Designerteil und ich trage die Brille seit vielen Jahren wegen der Qualität der Gläser so gerne. Sie lassen alles etwas goldener aussehen.

Kleid: Vintage (ähnlich hier), Brille: Miu Miu (ähnlich hier), Strohhut: H&M, Schlappen: TK Maxx

FREITAG

Das Foto ist am Tag nach der Party entstanden. Es war ein super Fest, der Auftritt von Fragile legendär! Später am Abend ist noch der New Yorker Rapper Don Christian aufgetreten, dessen neues Album ich euch ans Herz legen möchte. Heute haben wir tagsüber andere Performances am Strand vom Boffo Festival angeschaut. Mein Humor traf besonders Mariana Valencia mit ihrem Song “Does it Come with Rice?”.

Hier sind wir kurz vorm Sonnenuntergang zusammengekommen, um uns Sternschnuppen anzuschauen. Ich trage mein Lieblingskleid, die Baumwolle ist herrlich weich. Die Kette war Teil des Performance-Kostüms und ist aus einer Muschel, Tau (Treibgut) und goldener Folie gebastelt.

Kleid: Secondhand vom Flohmarkt am Maybachufer, Kette: selbstgemacht

SAMSTAG

Wieder auf dem Festland treffen wir uns am Abend mit Freunden und gehen in ein kleines spanisches Restaurant in Manhattan. Das Beste an dem Restaurant ist die Kombination aus abgenutztem, mediterranem Interieur gepaart mit älteren Kellnern, die im schicken Frack aufwarten. Sehr gemütlich und etwas bizarr.

Bei diesem Look weiß ich auch nicht, was mich da geritten hat. Vor dem Spiegel habe ich dann immer meine Mutter im Ohr: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ – aber entscheidet selbst. Ich trage ein preppy Burberry T-Shirt (vermutlich aus den 90er Jahren), das mir eine Freundin in Berlin geschenkt hat. Dazu meinen gern getragenen, langen Blazer, den ich beim Fundus-Verkauf „Chin Chin“ meiner Freundin und Kollegin Diana Dean ergattert habe. Die Sonnenbrille habe ich im November letzten Jahres bei Beacons Closet in Brooklyn gekauft. Der Ohrclip ist von Sabrina Dehoff und die Dr. Martens habe ich in einem Secondhandladen in Notting Hill in London gekauft. Aus einem Stück Restleder habe ich vor ein paar Jahren nach Vorlage eines Dries Van Noten-Brouges die „Kiltie Tassel“ gebastelt.

Blazer: M.i.h Jeans (ähnlich hier), Shirt: Burberry London (ähnlich hier), Rock: H&M (ähnlich hier), Schuhe: Dr. Martens, Ohrclip: Sabrina Dehoff, Tasche: Fendi, Brille: Beacons Closet

SONNTAG

Da ich es in 14 Tagen New York nicht geschafft habe, sieben Looks zu fotografieren, kommt hier ein Bild aus dem Stampa Hotel in Tiflis. Hier sitze ich gerade und schreibe dieses Tagebuch für euch. Georgien ist ein wunderschönes Land, mit bestem Essen und Wein. Wir haben herrliche Wanderungen im Kaukasus gemacht. Hier trage ich ein Pierre Cardin Hemd aus Rayon von meinem Freund, das er in einem Vintage-Laden in San Francisco gekauft hat.

Ich komme jetzt wieder zurück nach Berlin, freue mich auf den Herbst, Proben mit meiner neuen Berliner Band Mystik Studio, spannende Editorial-Projekte für This is Jane Wayne und sportliche Doppelkopf-Abende.

Hemd: Pierre Cardin (ähnlich hier), Hose: Uniqlo (ähnlich hier), Brille: Miu Miu, Schlappen: TK Maxx

Zu Josies Website geht’s hier entlang.

Kommentare

  1. management@journelles.dejohannaundmarxen@gmail.com
    Johanna sagte am

    WUAH JOSI – Was für eine tolle und sympathische und kreative und starke Frau!

  2. management@journelles.dehello@kikialbrecht.com

    Josi! Du Großartige! Was für ein wunderbarer Einblick & so ein toller Style!

  3. management@journelles.demealove.blog@gmail.com

    Wow, mega tolle Persönlichkeit. Auf jeden Fall ein super Diary mit viel interessantem Content. Die Looks sind nicht ganz meins, aber ich würde so einiges geben um dieses Pierre Cardin Shirt zu bekommen, man ist das schön!

    Liebe Grüße
    Mealove.blog

  4. management@journelles.demaren.enssle@tele2.de

    Wow, tolle Story, macht Lust auf mehr. Das Sonntags Outfit gefällt mit am Besten, aber die Kleider sind auch ne tolle Wahl – mir gefällt der Kontrast

  5. management@journelles.denellitzika@web.de

    Super sympathische Frau, die echt was zu erzählen hat. Bin ganz beeindruckt. Bei ihr scheint alles authentisch und nichts gestellt. Daher steht ihr auch alles was sie trägt.

  6. management@journelles.dego_cici@yahoo.com
    Cécile sagte am

    Toll! Frisch, authentisch, real! Ist eigentlich überhaupt nicht mein Stil, aber trotzdem inspirierend, klasse anzusehen und zu lesen! WEITER SO JOURNELLES!!!!

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