„Reform soll die größte Küchenmarke der Welt werden “ – Jeppe Christensen im Interview

In meinen Wohnungskolumnen (Teil 1 und Teil 2) habt ihr es vielleicht schon gelesen: Die Suche nach einer Küche für unsere Eigentumswohnung habe ich abschliessen können und letzte Woche wurde nach monatelanger Planung endlich bestellt. Ich bin unheimlich gespannt, wie das Ergebnis in etwa zwei Monaten aussehen wird!

Fündig geworden bin ich bei der Kopenhagener Marke Reform, deren Konzept denkbar simpel aber genial ist: Die Schränke sind von Ikea, die Fronten werden von internationalen Architekten wie Cecilie Manz, Norm Architects, Afteroom, Note Design Studio oder Sigurd Larsen, designed und in hochwertigen Materialien in Handarbeit in Dänemark und Litauen hergestellt. Das Label legt seinen Fokus auf Handwerk, Funktion und Ästhetik und so entstehen aus einem Massenprodukt individuelle Designküchen dank abwechslungsreicher Fronten und Arbeitsplatten.

 

Wie die Gründer Jeppe Christensen und Michael Andersen 2014 auf die Idee gekommen sind, den preisgünstigsten und schlichtweg besten Küchenschränken von Ikea ein neues Gewand zu verpassen? Das verrät mir CEO Jeppe Christensen heute im Interview.

 

Hi Jeppe, fangen wir doch gleich ganz vorne an. Wie hat alles begonnen?

Alles fing im Sommer 2014 an. Michael, der große Bruder meines Jugendfreundes, und ich haben gemeinsam ein paar Bier getrunken und über diese Idee gesprochen. Uns ist aufgefallen, dass es ein wachsendes Interesse an maßgeschneiderten Küchen gibt. Die Preisspanne aber für solche Produkte liegt in der Regel weit über dem Budget vieler. Wir haben Reform ins Leben gerufen, um außergewöhnliches Design mehr Menschen zugänglich zu machen.

Wieso die Küche und nicht ein anderer Raum?

Die Küche ist das Herzstück des Hauses. Ironischerweise wird sie aber beim Design oft übersehen.

Jeppe mit seiner neugeborenen Tochter Barbara

Gemeinsam hinterfragen wir Traditionen, erforschen die Kultur und entdecken neue Perspektiven.

Stimmt. Und welches Konzept verfolgt ihr genau?

Alle Küchenkollektionen von Reform werden in Kopenhagen in enger Zusammenarbeit mit den interessantesten und international renommiertesten Designern und Architekten entwickelt. Gemeinsam hinterfragen wir Traditionen, erforschen Kulturen und entdecken neue Perspektiven, zum Beispiel wie wir in unseren Küchen leben und arbeiten.

Ikea spielt für euer Unternehmen eine große Rolle, obwohl ihr mit dem Möbelhaus nicht zusammenarbeitet. Wird sich das jemals ändern? Oder mit anderen Worten: Warum gibt es keine bessere Option als Ikea?

Ikea ist unübertroffen, wenn es darum geht, hochwertige Küchenmodule zu günstigen Preisen herzustellen. Diese Kombination ermöglicht unseren Kunden, eine bezahlbare Designerküche zu bekommen – und das ist unsere wichtigste Mission. Wir fügen unsere Fronten und Arbeitsplatten zu den Ikea-Schränken oder alten Küchen hinzu, um einen ästhetischen, aufgeräumten und persönlichen Stil zu schaffen, der hochwertige Konstruktion, Funktion und zeitloses Design vereint.

Tatsächlich wird es bald möglich sein, eine komplette Reform-Küche zu bekommen. Wir werden dieses Jahr eigene Schränke auf den Markt bringen.

Wahnsinn, klingt toll. Erzähl doch mal ein bisschen von den Höhen und Tiefen der Gründung eines Unternehmens. Ihr habt bereits mehr als 40 Mitarbeiter.

Das Merkwürdige an der Reise mit Reform ist, dass es ein langes Hoch war. Ich würde fast sagen, dass wir keine wirklichen Tiefen erlebt haben. Natürlich gibt es Herausforderungen, aber das ist auch das, was es so spannend macht. Allein in den letzten zwei Jahren haben wir mehr als 40 Mitarbeiter eingestellt und sichergestellt, dass sie den Geist von Reform spüren. Doch wir möchten auch, dass sie glücklich sind und ihnen ihre Arbeit Spaß macht – das ist eine große Herausforderung.

Wir müssen zudem unsere Strukturen innerhalb des Unternehmens wahren. Heißt: Wir müssen uns um Dinge kümmern, die bei einem Start-up, bei dem die Ausführung wichtiger als der Papierkram ist, oft vernachlässigt werden. Glücklicherweise waren Michael und ich uns dieser Herausforderung von Anfang an bewusst. Wir haben darauf geachtet, qualifizierte Mitarbeiter einzustellen, die von Anfang an auf diese Dinge geachtet haben. Ich glaube also, dass wir ziemlich gut organisiert sind und bin hoffentlich nicht der Einzige, der ein wenig damit zu kämpfen hat, sich von dem kleinen Start-up-Unternehmen wegzubewegen (lacht).

Du hast es ja bereits gesagt: Unternehmer zu sein ist eine große Herausforderung. Was ist der beste Rat, den du je erhalten hast, und wie gibst du ihn an deine Mitarbeiter weiter?

Ein einfacher Rat, der nichts mit Unternehmensführung zu tun hat, ist, das Leben ernst zu nehmen. Im Leben geht es um Prioritäten, also denkt darüber nach, was ihr an eurem schätzt und wie ihr diese kurze Zeit auf der Erde verbringen wollt. Und wenn ihr das getan habt: Just do it!

Unternehmer zu sein ist kein Hexenwerk, also denk‘ nicht zu viel darüber nach, handle einfach! Die schlimmsten Unternehmer sind die, die zu wenig machen. Wenn man eine Entscheidung trifft, wird etwas passieren – vielleicht nicht das, was man erwartet hat, aber trotzdem wird etwas geschehen. Das ist wichtig, wenn man versucht, etwas Neues aufzubauen. Diese Einstellung versuche ich an meine Kollegen weiterzugeben: Nimm dein Leben ernst! Wenn du die meiste Zeit nicht zufrieden bist (ich liebe die 80/20-Regel; man sollte 80 Prozent glücklich sein), ändere es; und das gilt auch für die Arbeit bei Reform. Wenn meine Kollegen nicht zufrieden sind, ermutige ich sie, herauszufinden, was das Richtige für sie ist.

Was sind denn die nächsten Schritte? Ich habe gehört, dass ihr spannende Designkooperationen plant.

Ja. Wir haben einige großartige Designs mit talentierten Designern, die bald auf den Markt kommen. Ich freue mich sehr, die ersten drei Entwürfe Ende Mai zu präsentieren. Es sind sehr unterschiedliche Designs mit neuen und aufregenden Aspekten.

Unsere eigenen Schränke sind auch etwas, woran wir schon seit langer Zeit arbeiten. Es ist also ein großer Meilenstein für uns, dass wir jetzt auch eigene Schränke anbieten können, die unseren Kunden ermöglichen, zwischen verschiedenen Materialien, Farben, Qualitäten und vielem mehr in ihrer Küche zu wählen. Im Frühling/Spätsommer kommen sie auf den Markt.

Natürlich achten wir bei Reform auf diese Trends, aber versuchen gleichzeitig, nicht davon abhängig zu sein. Wir wollen Küchenklassiker schaffen, die modern, ästhetisch und auch noch in 30 Jahren schön sind.

Interior Trends wechseln nicht so schnell wie in der Mode, aber da Instagram so viel Inspiration bietet, wechseln Trends auch in Bezug auf die Inneneinrichtung immer schneller. Es gibt definitiv Küchentrends. Wie stellt ihr sicher, dass ihr etwas Zeitloses anbieten könnt?

Die Interior Trends wechseln definitiv schneller denn je. Immer noch nicht mit dem gleichen Tempo, wie man es in der Modebranche kennt, aber doch sehr schnell. Natürlich achten wir bei Reform auf diese Trends, aber versuchen gleichzeitig, nicht davon abhängig zu sein. Wir wollen Küchenklassiker schaffen, die modern, ästhetisch und auch noch in 30 Jahren schön sind.

Wir achten darauf, dass sich unsere Designer beim Entwerfen auf die Langlebigkeit der Küchen konzentrieren. Es ist aber auch in Ordnung, eine Variante in einer Trendfarbe zu wählen, sie sollte nur immer etwas Zeitloses bieten. Es muss nicht immer weiß sein!

Was sind eure Pläne für Reform?

Wir träumen davon, erschwingliche Küchen zu designen, die für so viele Menschen wie möglich verfügbar sind. Ich möchte, dass Reform die größte Küchenmarke der Welt wird, ohne jemals Kompromisse bei unserer Qualitäts- und Designstrategie einzugehen, bei der wir den Status Quo ständig in Frage stellen können.

Vielen Dank für das Interview, liebe Jeppe!

 – In  freundlicher Zusammenarbeit mit Reform –

Alle Bilder via PR

Kommentare

  1. Nina M. sagte am

    Hmmm, bei der Aussage mit der Schaffung von zeitlosen Klassikern bin ich mir nicht so sicher. Schon seit einiger Zeit wird Instagram überflutet von Scandi-Wohnungen im Farbschema „beige-grau/taubenblau-rosa“. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Ästhetik möglicherweise bis in zehn Jahren als veraltet empfunden werden wird.

    • Jessie sagte am

      Dafür gibt es ja viele unterschiedliche Modelle. Wir haben uns zum Beispiel auch für eine weniger instagram-able Küche entschieden, dafür aber für eine, die uns hoffentlich sehr lang gefallen wird. Aber dann gäbe es ja dank Ikea-Möbeln immer noch die Freiheit, nach einigen Jahren die Cabinets auszutauschen, ohne gleich eine neue Küche kaufen zu müssen.

  2. Wobei das Konzept ja nicht neu ist. Superfront stellt schon seit geraumer Zeit tolle alternative Fronten und auch Möbelfüße- und griffe für Ikeaküchen her, sowie für andere Aufbewahrungsmöbel wie etwa die Besta-Reihe. Wir haben uns für Superfront-Fronten in der Küche entschieden und die sind super. Wir haben es grifflos gelassen und es sieht supermodern, urban und elegant aus. Niemand glaubt uns, dass unsere Küche letztlich von Ikea ist.

    • Jessie sagte am

      Ja, in den USA gibt es inzwischen sogar noch mehr Unternehmen, die sich darauf spezialisieren, das hatte ich m Vorfeld auch recherchiert. Superfront ist wenige Monate älter und macht auch echt schöne Sachen! Bei Reform kann man auch Pax-Verkleidungen kaufen. Unser Flurschrank kriegt zum Beispiel auch eine 🙂

      • Unsere Nachbarn haben sich Küchenfronten für Ikea-Möbel vom Tischler anfertigen lassen. Ich war total baff, dass sie auch nicht mehr bezahlt haben als wir für unsere Superfront-Fronten. Manchmal sind custom-made-Lösungen echt die bessere Wahl. Unseren Durchgangsbereich zur Wohnküche hatten wir extra so geplant, dass wir einen Einbauschrank darin unterbringen konnten. Auch diesen haben wir vom Tischler machen lassen. Ist Hammer geworden!

  3. Wunsch: „Die größte Küchenmarke der Welt werden“. Das ist so bildhaft dafür, was allgemein schief läuft.
    Immer nur wachsen, wachsen, wachsen…
    Das kann doch nicht ernst gemeint sein?!
    Erfolgreich geht auch ohne Weltherrschaftsziele. Lieber Diversität als Monopole.

  4. Ein toller Informationsaustausch, der Reform ein wirklich spannendes Gesicht gibt. Ich finde es generell wirklich schwierig, eine Küche zu finden, das finanzierbar und individuell auf die Bedürfnisse angepasst sind. Reform geht in diese Richtung und macht das möglich

    Beste Grüße,

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Geben Sie einen Text ein

Ich akzeptiere

Geben Sie Ihren Namen ein