Labelwatch: Jérome Studio – die nächsten nachhaltigen It-Bags

Regelmäßig stellen wir in unserem Format Labelwatch neue aufstrebende Marken und Designer vor. Bei ganz aufmerksamem Blick kommt euch das heutige Label vielleicht nicht ganz unbekannt vor, denn die Taschen tauchten schon ein paar mal im Closet Diary oder Trend du JOUR auf. Das Berliner Taschenlabel Jérome Studio schafft es nämlich immer wieder, unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ein Grund mehr also die Marke en détail vorzustellen.

Im Interview mit Designer Jerome Berg erzählt er von seiner Leidenschaft für Mode und den nachhaltigen Ansprüchen der Produktion seiner Taschenmodelle – wo in Deutschland produziert wird und wie die Verarbeitung funktioniert.

 

Wie kam es zu der Gründung deines eigenen Taschenlabels Jérome Studio?

Wenn ich es rückblickend betrachte, geht der Ursprung des Labels wohl bis in meine Kindheit zurück. Als ich neun Jahre alt war, kaufte sich meine Mutter eine besondere Tasche, von der sie schon lange geträumt hatte. Als ich eines Tages alleine zu Hause war, fiel mein Blick auf die Tasche und ich hatte eine fantastische Idee, wie man sie redesignen könnte. Ich griff zu Schere und Heißklebe-Pistole und machte mich ans Werk. Als ich meiner Mutter bei ihrer Heimkehr stolz meine Arbeit präsentierte, war sie ganz aus dem Häuschen – allerdings anders als ich es mir erhofft hatte. Ich glaube dieser Moment war prägend für meine spätere berufliche Laufbahn.

Als ich 2009 nach Berlin kam, bin ich schnell in die Modeindustrie gerutscht, mit allen positiven sowie negativen Erfahrungen. Was mir an der Arbeit mit klassischen Modelabels nicht gefiel, war die Tatsache, dass die meisten Designs für große und schlanke Menschen entworfen werden. Immer wieder habe ich das Feedback der tatsächlichen Kunden mitbekommen, mal war es Freude, oft aber auch die Enttäuschung, weil die Schnitte nicht für ihre Figur gemacht waren. Ich wollte daher lieber ein Produkt kreieren, das ausschließlich positive Emotionen auslöst, unabhängig von gesellschaftlichen Normen oder der eigenen Statur – eine Tasche passt einfach jedem! 2012 habe ich dann den Schritt gewagt und Jérome Studio gegründet.

 

Wie entsteht bei dir die Idee für eine neues Design oder Taschenmodell?

Am Anfang der Entstehung einer neuen Kollektion oder eines neuen Taschenmodells frage ich erst einmal mich selbst, was in unserem Portfolio fehlt. Kundenfeedbacks sind bei der Weiterentwicklung der Brand aber ebenso wichtig. Ich hätte nie erwartet, dass meine Kunden oft sehr ausführlich Feedback schreiben und zwar sogar von Hand und in Briefform – das freut und berührt mich sehr. Ich bin zwar ein Fan von Fortschritt, die Designs skizziere ich aber nach wie vor von Hand.

Ein wichtiger Punkt an der Designentwicklung sind aber nicht nur das Design an sich oder die gewünschte Funktion des Accessoires, sondern auch, was die Tasche in der Produktion kosten würde – oftmals verändert diese Kalkulation das Design nochmal gravierend. Mittlerweile habe ich den ungefähren Preis bereits im Kopf, sodass der Ausschluss einer Idee nicht mehr so häufig vorkommt. 

 

Dein Label steht für nachhaltig produzierte Taschen aus Deutschland. Wie genau kann man sich die Produktion vorstellen?

Wir produzieren in einer Manufaktur in Deutschland. Wir stellen außerdem sicher, dass unsere Lederlieferanten mit umweltfreundlicher Technologie auf dem neuesten Entwicklungsstand arbeiten und unter Einhaltung aller Gesundheits- und Sicherheitsgesetze produzieren.

Zudem haben unsere Taschen eine aufwändige Verarbeitungsweise: Für den Stand der Tasche verwenden wir ein dunkelblaues Spaltleder, das gibt der Tasche die richtige Basis und die eigentliche Form. Da das Spaltleder sich aber in den Jahren verfärben könnte, verwenden wir für die Außenseite ein pflanzlich gegerbtes Anilin-Leder und somit ein sehr hochwertiges Finish. Dazu kombinieren wir dann die meist goldene Hardware.

 

Welche nachhaltigen Ansprüche stellst ihr selbst an das Label und die Produktion?

An erster Stelle steht natürlich das Leder und das Bewusstsein, dass wir echtes Leder verwenden und dieses und ebenso das Tier, von dem es stammt, wertschätzen. Unser Leder wird ausschließlich aus der Fleischproduktion gewonnen und pflanzlich gegerbt, unser Lederlieferant verifiziert uns, dass in keinem Leder eine Chromgerbung vorgenommen wird.

Ich denke es versteht sich von selbst, dass kein Kunde eine Tasche im mittleren Preissegment aus einer Plastikhülle auspacken möchte. Wir verzichten in der Produktion sowie im täglichen Business auf Plastik. Nach sieben Jahren haben wir den Ausschuss an Samples drastisch minimiert, im Schnitt benötigen wir nur ein Muster, bis es in die tatsächlich Produktion geht. Wir waren zweimal letztes Jahr persönlich in der Produktion, was bedeutet dass wir somit den CO2-Ausstoß dieses Kreationsprozesses ebenfalls extrem minimiert haben, auch wenn die Produktion nur rund zwei Stunden von Berlin entfernt ist.

Für Kunden aus Berlin bieten wir einen Kurierservice mit einer Zeitspanne von drei Stunden an, diese Fahrten werden ausschließlich mit dem Fahrrad durchgeführt. Letzte Woche hatte ich ein Fitting in Charlottenburg, wenn es zeitlich möglich ist laufe ich auch gerne zu einem Termin. In diesem Fall waren es zweieinhalb Stunden zu Fuß – ein nachhaltigeren Lieferservice gibt es glaube ich nicht…

 

Wie beschreibst du die Taschenmodelle der neusten Kollektion?

Wir möchten uns langsam aber sicher von dem Gedanken an eine saisonalen Kollektion verabschieden, da ich finde dass dies nicht mehr zeitgemäß ist und nicht zu Jérome Studio passt. Ich sehe unsere Taschen nicht als saisonale Produkte, jedes Modell kann zu jeder Jahreszeit getragen werden. Das neueste Modell sind die Mini Flap Bag sowie die etwas größere Flap Bag.

 

Und wo kann man nun deine traumhaften Taschen kaufen?

Derzeit sind wir in unterschiedlichen Shops vertreten – in New York bei Olivela, London bei Rêve En Vert sowie thewearness.com. Wir achten darauf, dass die Shops, mit denen wir arbeiten ein gewisses gesellschaftliches und umweltbewusstes Engagement vorweisen.

Und natürlich in unserem hauseigenen Onlineshop.

Alle Bilder via PR. 

Text von Sarah Luisa Kuhlewind

Kommentare

  1. Danke für diese Vorstellung. Es sind wirklich schöne Stücke.

    Leder aus der konventionellen Fleischproduktion (meine Vermutung, denn es wird nicht weiter darauf eingegangen) als nachhaltig zu bezeichnen, empfinde ich persönlich trotzdem als schwierig.

    • Na ja, das kommt darauf an, wie man Nachhaltigkeit definiert. Leder aus der konventionellen Fleischproduktion zu verwenden ist meines Erachtens schon deshalb nachhaltig, da man ansonsten die Tierhäute nach der Entnahme des Fleisches entsorgen würde. Wenn man Nachhaltigkeit ausschließlich mit Veganismus gleichsetzt, hast Du natürlich Recht. Obwohl der bei einer veganen Lebensweise so progagierte Verzehr von Mandelmilch und Avocados ein ökologischer Supergau ist, der auch eine streng vegane Lebensweise eigentlich nicht wirklich nachhaltig macht.

      Aber es scheint im Moment bei der Frage der Nachhaltigkeit eh so zu sein, dass man nicht alles richtig machen kann, da irgend jemand immer ein Haar in der Suppe findet.

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