„Mode macht es einem nicht immer leicht, sie zu lieben mit ihren irren Trendzyklen, ihrem Coolnessgehabe, ihren ausbeuterischen Praktiken“ – Interview mit Buchautorin Marlene Sørensen

Ein Buch zu schreiben ist alles andere als leicht. Und doch hat die Journalistin Marlene Sørensen (ihr Closet Diary solltet ihr euch unbedingt anschauen!) gerade ihr zweites Buch „Woher hat sie das? Lieblinge für jeden Anlass“ herausgebracht. Literweise Herzblut und Hingabe stecken darin. Bereits mit ihrem ersten Werk „Stilvoll: Inspiration von Frauen, die Mode lieben“ hat sie einen Bestseller gelandet – und das zweite scheint ebenso vielversprechend.

Man könnte zwar meinen, über Anlassmode sowie alle möglichen Mode-Regeln und Tipps sei alles gesagt. Stimmt nicht ganz – das beweist ihr neustes Buch auf 176 Seiten. Marlene wollte herausfinden, warum sich Frauen so anziehen, wie sie sich anziehen – und was sie zu welchem Anlass wählen. Dafür traf sie sich mit vielen stilsicheren und bekannten Frauen wie Model Eva Padberg, Modedesignerin Stine Goya oder DJane Susanna Kim. Dazu kommen Interviews, Legeseiten, smarte Tipps und Inspirationen.

Mehr verraten möchte ich an dieser Stelle nicht. Das macht dann lieber Marlene selbst!

Interview: Alexandra Kutek

Du bist vor einigen Jahren in deinem erfolgreichen Mode-Ratgeber „Stilvoll“ Frauen mit verschiedenen Persönlichkeiten und Geschmäckern der Frage auf den Grund gegangen, was guten Stil ausmacht. Nun kommt dein Buch „Woher hat sie das? Lieblinge für jeden Anlass“ heraus. Wie kam es zu der Idee? Und worum geht es genau darin?

Ich würde gerne behaupten, dass mich eines Tages ein Geistesblitz traf. In Wahrheit war es so: Der Verlag rief an und fragte, ob ich nach dem ersten Buch Lust hätte, ein zweites zu schreiben. Ich sagte: Klar. Der Verlag: Hast du eine Idee? Ich: Äh … Anlässe? Beim Überlegen wurde glücklicherweise schnell klar: Es gibt tatsächlich lauter Anlässe im Leben, bei denen man modisch gut und sicher dastehen möchte. Genau davon handelt dieses Buch: Was zieht man im Büroalltag und beim Galadinner an, beim Gang zum Spielplatz und auf einem Langstreckenflug und bei vielen anderen Gelegenheiten an. Dazu gibt es Tipps, Markenempfehlungen, Styling-Kniffe und Interviews mit Frauen, von denen ich dringend wissen wollte: „Woher hat sie das?“

Du stellst in deinem Buch viele schöne und bekannte Frauen wie die Schauspielerin Jessica Schwarz, Model Eva Padberg oder Künstlerin Maryam Keyhani vor. Wie hast du deine Wahl getroffen?

Vollkommen subjektiv. Mir gefällt deren Stil und ich wollte sie nach ihren Geheimnissen befragen. Alle Frauen im Buch haben gemein, dass sie nicht nur viel über Mode erzählen können, sondern zu sich selbst stehen. Sie reden smart, reflektiert und mit viel Witz über so viel mehr als „Bei welchen Club-Outfits kommt man in Feierlaune?“ oder „Wie packt man für eine Reise mit Handgepäck?“ Wobei es natürlich auch darum geht. Mir war wichtig, dass nicht nur (m)ein Geschmack vorkommt, sondern viele verschiedene gefeiert werden. Ich selbst werde zum Beispiel nie jeden Tag einen extravaganten Hut tragen wie die Künstlerin Maryam Keyhani. Doch ihre Einstellung, gerade im Alltag mit zwei Kleinkindern oft aufs Dezente oder gar Praktische zu pfeifen, finde ich sehr nachahmenswert.

Gibt es eine Aussage, die dir besonders gefällt?

So viele! „Jede modische Entscheidung birgt Stärke und Selbstbestimmung“ von Stine Goya fällt mir sofort ein. Oder wieder Maryam Keyhani: „Ich warte nicht mehr auf einen Anlass, ich selbst zu sein“. Jessica Schwarz, mit der ich über Mode als Selbstschutz gesprochen habe, sagt: „Ein Kleid ist nur so gut, wie man es verkauft.“ Vom ersten Tag des Schreibens hat mich aber ein Satz begleitet, den einmal Nora Ephron geschrieben hat und in dem alle Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit steckt, die man der Mode entgegenbringen sollte: „If only one third of your clothes are mistakes, you’re ahead of the game.“

Was war das Beste und was das Schwierigste, dieses Buch zu schreiben?

Das Beste: Dieses Buch überhaupt zu schreiben. Das Schwierigste: Dieses Buch überhaupt zu schreiben – neben meinem Tagesjob als Journalistin, mitten in meinem Familienalltag, trotz meiner Schreibkrisen. Das hat mir gezeigt, was ich alles schaffen kann. Aber auch, was ich nicht mehr schaffe. Zum Beispiel beim morgendlichen Gang in die Kita je wie eine Mode-Buchautorin auszusehen. Meinen Beruf glaubt mir da keiner.

Was hast du während des Schreibens und Recherchierens über Mode gelernt?

Wie viel Freude sie mir bereitet. Was seltsam von jemandem klingen mag, der sich gerade ein ganzes Jahr lang mit wenig Anderem beschäftigt hat und auch sonst viel über Mode schreibt. Oder, vielleicht im Gegenteil: gar nicht seltsam. Mode macht es einem nicht immer leicht, sie zu lieben – mit ihren irren Trendzyklen, ihrem ‚Coolnessgehabe‘, ihren ausbeuterischen Praktiken. Andererseits ist sie so vielfältig, dass man sich entscheiden kann: Was passt zu mir, wie will ich aussehen, was unterstütze ich? Jedes Mal, wenn ich eine der Frauen fürs Buch traf, hatte ich noch mehr Lust, es zu machen wie sie. Nämlich mein eigenes Ding. Denn dann kann Mode Sicherheit schenken, Stolz machen und Vergnügen bereiten.

Dein Buch soll dabei helfen, das Richtige für jeden Anlass zu finden. Sprichst du aus eigener Erfahrungen?

Ich habe dieses Buch quasi schon recherchiert, bevor ich wusste, dass ich es schreibe. Etwa durch jahrelanges Überpacken auf jeglichen Reisen, meine alljährliche Suche nach Winterstiefeln oder die Frage: Was meint das Hochzeitspaar auf der Einladung zum Polterabend wohl mit ‚Holiday Casual‘? Eine Entschlüsselung von Dresscodes gibt’s im Buch übrigens auch.

Dein Buch ist für alle, die auf der Suche nach neuer Inspiration für jeden Anlass sind. Was inspiriert dich für deine Looks?

Ganz unterschiedliche Einflüsse. Es kann eine gesamte Modenschau sein oder ein einzelnes Paar Schuhe, das mir aus einer Kollektion gefällt, ein Look auf Instagram, der neue Mantel einer Freundin, eine Seite in einem Magazin oder ein Teil aus meinem eigenen Kleiderschrank, das ich länger nicht getragen habe. Ein Rat aus dem Buch, den ich in Zukunft wieder öfter selbst befolgen will: gelegentlich eine Modenschau mit der eigenen Garderobe zu machen. Dabei fällt auf, was man außer der zehn Teile, die man ständig trägt, noch so alles hat, was davon noch brauchbar ist und wie man es frisch kombinieren kann (oder, nun ja, was man Neues kaufen müsste, um es frisch zu kombinieren).

Welchen Einfluss hat Instagram inzwischen auf deine Looks?

Das schwankt – wie meine Zuneigung zu Instagram. Ich bin gelegentlich genervt von den einheitlichen Looks und Posen (und von meinem eigenen Durchscrollen, bei dem nicht wirklich viel hängenbleibt). Andererseits habe ich dank Instagram Marken entdeckt, die ich sonst nie gefunden hätte, und Frauen, die ich inspirierend finde. Es kommt also vor, dass ich mich ‚beinfluencen‘ lasse. Aber auch, dass ich wochenlang nur spärlich schaue, was auf Instagram los ist.

Für guten Stil braucht es kein großes Budget. Würdest du das so unterschreiben? Und wenn ja: Wo kann man für wenig Geld gute Items finden?

Erstens: Second Hand. Jessica Schwarz empfiehlt zum Beispiel Dear (Stargarder Str. 9, 10437 Berlin), Jasmin Gerat den Laden Soeur (Marienburger Str. 24, 10405 Berlin) und Clare Langhammer, die auf dem Cover einen Vintage-Rock trägt, ist ein großer Fan von Vestiaire Collective – für Champagnerlaunenkleider, die keinen finanziellen Kater bringen, aber auch für alles andere von der Celine-Sonnenbrille bis zum Valentino-Kleid.

Zweitens: The Outnet für Designerteile mit teils spektakulären Rabatten. Man muss schnell sein, wenn etwas in den Verkauf geht, deshalb hilft’s, sich Wunschteile vorab zu notieren.

Drittens: Ich bin gerade ziemlich begeistert von Arket, sowohl vom Design als auch von der Qualität (gerade für Kindersachen) und dem Konzept, weniger, dafür nachhaltiger zu konsumieren. Ein Kleid von Arket kann schon mal 130 Euro kosten und die Vintage-Teile bei Vestiaire Collective sind nicht unbedingt günstig, aber ich glaube: Zu wenig darf ein (neues) Kleidungsstück auch nicht kosten. Dann zahlt nämlich jemand anderer dafür drauf.

Was sind deine 5 Key Pieces für den Kleiderschrank?

  1. Was die eine Frau als Klassiker empfindet, ist der anderen total schnuppe. Deshalb glaube ich zum Beispiel nicht, dass man unbedingt ein „Little Black Dress“ besitzen muss, wenn einem Blumenmuster viel besser gefallen. Aber falls man das kleine Schwarze sucht, gibt es kaum ein besseres als das Silk Scarf Neck Tunic Dress von Alex Eagle.
  2. Ein guter Blazer. Ich mag da voreingenommen sein, weil James mein Mann ist und Steffi meine Freundin, aber der The Luxat Blazer von Ohhhmhhh x James Castle ist nicht nur gut, der ist perfekt.
  3. Ein weißes Hemd oder auch eine weiße Bluse. Die Auswahl ist riesig, hier sind meine Favoriten: von Arket oder Filippa K..
  4. Ein Overall macht alles mit und macht sich dabei sehr lässig. Wie dieser von MajeM.i.h. Jeans oder dieser von Closed. Oho, gerade gesehen, der ist im Sale! Verdammt, verdammt … 

  5. Turnschuhe. Egal ob Flat Whites, Ugly Sneaker oder Converse-Klassiker: Eine Frau braucht Schuhe, in denen sie vorankommt. Ich habe mir gerade diese schlicht Schwarzen von New Balance gekauft.

Was befindet sich momentan auf deiner Wishlist?

Ein Anzug, in dem mich mir im Home Office vorkommen kann wie im Eckbüro. Da hat & Other Stories gerade einiges zu bieten, zum Beispiel diesen Blazer plus Hose aus roséfarbenem Cord oder diese Kombi in Glencheck. Auf diese gegürtelte Version aus rotem Samt von M.i.h. Jeans fange ich dann schon mal an, zu sparen.


Eigentlich nicht mein übliches Beuteschema und deshalb genau richtig: Ankle Boots in Schlangenleder-Optik von Aeyde.

Ich brauche recht akut ein Kleid für eine Hochzeit Ende September in London und bin sehr verknallt in das Wrap Dress von Albus Lumen. Der Preis? Halleluja! Aber bei einem ‚Ja‘ wäre dieses Kleid sicher für immer …

Wie wirkt es sich auf unsere Laune aus, wenn wir schöne Kleidung tragen, in der wir uns wohl fühlen und worin fühlst du dich am wohlsten?

Der Eckbüro-Anzug, den ich mir gerade wünsche, würde die Arbeit zwar nicht für mich machen, aber ich ginge darin sicher motivierter ans Werk. Denn wenn ich im Pyjama vor dem Rechner sitze, was ständig selten vorkommt, erledige ich meinen Job zwar auch, aber in schöner Kleidung fühle ich mich einfach besser. Entschlossener. Erwachsener. Und das hilft gerade dann, wenn mir die Verpflichtungen des Erwachsenseins über den Kopf wachsen. Was selten ständig vorkommt.

Was ist eine gute Styling-Formel für ein Bewerbungsgespräch?

Da zitiere ich gerne die Fashion-Entrepreneuerin Anita Tillmann aus meinem Buch: „In einem Vorstellungsgespräch beeindruckt mich ein gepflegtes Erscheinungsbild mehr als jede aktuell angesagte oder teure Marke. Es klingt vielleicht altmodisch, aber ich lege Wert auf Höflichkeit und Respekt. Dazu gehört auch, dass man sich vor einem Jobinterview die Haare zurechtmacht und saubere Fingernägel hat.“

Mit welchen Accessoires ist man zu jedem Anlass gut beraten?

Mit Ohrringen. Sie sind schnell addiert und machen in der Summe aus jedem Outfit mehr. Ich nehme einmal die Hoop Earrings Wishplate Duo von Malaika Raiss, die VenusOhrringe von Sophie Bille Brahe, die Oyster Earringsvon Nina Kastens und die Graduated Hoops von Otiumberg.

Und was trägst du, wenn es morgens ganz schnell gehen muss?

Jeans und T-Shirt. Ein Mantel oder einen Blazer, der mehr hermacht als Jeans, T-Shirt und Turnschuhe, die bei jedem Tempo mitgehen.

Gibt es für dich so etwas wie Modeflops?

Man soll ja niemals nie sagen. Denn sobald man es gesagt hat, ist die Mode schon wieder weiter und was man gerade noch für bekloppt hielt, ist plötzlich Trend. Zu Steghosen, bauchfreien Tops, Miniröcken und Sock Boots sage ich dennoch beherzt „Nein, danke“. Nicht pauschal, sondern für mich. Diese Teile stehen mir einfach nicht.

Dein absoluter Lieblingsort zum Shoppen weltweit?

Nur einer? Na, schön. Bei Illums Boligus in Kopenhagen möchte ich bei jedem Besuch auf der Stelle einziehen.

Vielen Dank für das interessante Interview, liebe Marlene!

Das Buch „Woher hat sie das?“ ist hier erhältlich.

Das Buch Stilvoll gibt es hier – auch als Taschenbuch.

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