Interview mit Schmuckdesignerin Jana Patz von The Medley Institute

Die Schmuckdesignerin Jana Patz gründete 2010 das Berliner Label The Medley Institute mit dem Ziel, Mode und Design in überraschenden Entwürfen verschmelzen zu lassen. Grundlage für ihre kreativen Konzepte bildet das Arbeiten mit für Mode untypischen Materialien wie beispielsweise Porzellan oder Holz. In der neuen Kollektion Edition No. VIII präsentiert sie stark auf natürliche Formen reduzierte Designs aus reinem Sterlingsilber. Minimalismus, der uns überzeugt hat und vorstellungswürdig ist.

Daher haben wir uns Jana geschnappt und sie zum Interview gebeten!

Hallo Jana, wie und wann bist du zum Schmuckdesign gekommen?

Es gab eine ganz starke Sehnsucht unterschiedliche interdisziplinäre Ansätze zu vereinen und im Kontext Mode neu zu denken, um neue Vorschläge für tragbare Objekte zu formulieren. Ich möchte gerne neue Begrifflichkeiten für den Schmuck finden – weg von dem dekorativen Moment. Eher verstehe ich meine Schmuckstücke als Objekte die Material-und Formkontrast zu einem bestehenden Outfit sind.

Ich fand es wichtig neben meiner Lehrtätigkeit an der Universität der Künste in einem aktiven Designprozess zu stecken und die Erfahrungen der täglichen Herausforderung eines Labels teilen zu können mit den Studierenden und sich auch so eine Aktualität zu bewahren. 2010 lud mich Stephan Schneider aus Antwerpen in seinen Paris Showroom ein – und hat mir auf diese Weise ermöglicht meine ersten aufregenden Erfahrungen zu machen und zu prüfen, wie die Einkäufer auf mein Label reagieren und mich über die Jahre weiter zu entwickeln.

Wie verläuft bei dir der Prozess des Entwerfens? Wie entsteht deine Schmuckkollektion?

Ich sammle eigentlich die ganze Zeit Materialien, Texte, Bilder, und mach Experimente…All diese Gedanken kommen dann in dem Moment zusammen, wenn ich in der Entwurfsphase bin. Ich zeichne weniger – sondern baue die Ideen gleich 1:1 –  um Proportionen und Formen direkt überprüfen zu können. Die ersten Prototypen werden oft direkt am Körper, in einer anatomischen Studie entworfen. Die entstandenen Objekte/ Schmuckstücke sind dann eigentlich prozessbasierte Material- und Formstudien, welche in Ihrer Form aber immer sehr konzentriert, pur und minimalistisch sind.

Welche Materialien nutzt du?

Das ist immer unterschiedlich in jeder Edition – abhängig vom Thema.
Für die Edition NO. VIII haben wir ausschließlich reines Sterling Silber verwendet, welches auch zum Teil 18kr vergoldet wurde.

Der Name Medley verrät schon ein wenig, dass immer wieder neue Materialien entdeckt werden. Materialien und Technologien, welche untypisch für die Mode sind, werden neu interpretiert und weiterentwickelt. Wichtig ist aber, dass das Endprodukt hochwertig verarbeitet werden kann und auch beim täglichen tragen funktioniert.

Wer setzt deine Designs um?

Das hängt immer davon ab, mit welchen Materialien oder Techniken ich arbeite.
Für vergangene Kollektionen in dem Porzellan als Material genutzt wurde, habe ich die Prototypen und Gussformen in meinem eigenen Studio entwickelt. Die Musterung und Produktion wurde dann aber von einer Porzellanmanufaktur in Thüringen umgesetzt.
Die aktuelle Edition no. VIII besteht aus 925iger Sterling Silber welches später auch vergoldet wird. Hier arbeite ich mit einer Goldschmiedin aus Berlin zusammen.
Mir ist wichtig, nahe an der Produktion zu sein um immer wieder die Qualität prüfen zu können und gemeinsam mit den Produzenten die beste Lösung zu finden, welche auch in der Produktion und im Verkauf funktioniert .

Was macht die „Edition No VIII“ so besonders? Wie würdest du den Stil deiner Designs beschreiben?

Der Unendlichkeit eine Form zu geben, war die Hauptinspiration für Edition No. VIII. An verschiedenen Stellen des Körpers finden sich ähnlich verlaufende Kurven, reduziert werden diese auf klare, natürliche Formen und werden zu Loops und Schlaufen. So entstanden puristische Objekte, die Ähnlichkeit mit einer Möbius-Schleife oder dem Symbol der Unendlichkeit, der Acht, aufweisen. Durch die Fokussierung auf ein einziges Material wird die Bedeutung der puren Formen betont. Neue Platzierungen der Schmuckstücke brechen gängige Tragegewohnheiten auf.

Woher rührt der Minimalismus deiner Designs?

Der Ausgangspunkt ist ja die Frage, wie Schmuck neu definiert werden kann – weg vom traditionellen, dekorativen Moment. Sich konzentrieren auf die Stärken der Entwürfe. Alles unnötige weglassen und auf den Punkt formulieren.

Wie viele Designer habe auch ich den Traum Dinge zu entwerfen, die lange bestehen können, Ihren Wert behalten – auch weil sie eine zeitlose und pure Formsprache haben.

Was sind die Bestseller bei dir?

Eigentlich fast alle Ringe ganz besonders der feine doppeldraht Ring VIII 01-R. Aber auch die meisten Armreifen.

 

Woher nimmst du deine Inspiration?

Eigentlich sind das alles Dinge & Situationen die mir im Alltag begegnen.  Es ist eine Sammlung von Eindrücken – auch ganz gewöhnliche Momente.
Es ist ein Zusammenspiel dessen. Dinge die Fehlen, Bedürfnisse die noch unformuliert sind… so entstehen die Themen. Aber auch ganz konkret begleiten mich seit vielen Jahren: Die Musiker Jan Jelinek und Carsten Nicolai, konkrete Kunst mit Anton Stankowski und Max Bill, Materialwelten & Arbeitswelten aller Gestaltungsdisziplinen.

Welches sind deine liebsten Designs?

  • VIII- 04-B Interlooped Double Plate Bracelet (der ist so ein schönes Objekt, und man fragt sich , wie das eigentlich funktioniert mit dem Knoten aus Metal)

  • VIII-03-B Wire Bracelet Right Angle ( den trag ich fast jeden Tag , auch gern  als Armspange in dem ich immer meine Pullover/ Hemden einschiebe)

In welchen Läden und online kann man deine Designs kaufen?

Wohin geht’s 2014?

Wir zeigen im März in Paris eine neue Edition No.IX – die wird auch einige Schmuckstücke für Männer haben. Ich beobachte bei den aktuellen Shows Fall/Winter 14/15 eine starke Veränderung und Neudefinition des männlichen modischen Bildes. Ich glaube fest daran, dass es in diesem Bereich eine starke Sehnsucht gibt nach neuen Entwürfen und sich zukünftig die Rollenbilder noch mehr auflösen werden. Ich freu mich auf alles was kommt. Das Jahr hat schon so toll mit dem Vogue Salon begonnen.

 

Kommentare

  1. Ich hätte Interesse am goldenen Armband und an den Ringen. Leider habe sie auf keiner der vorgestellten Seiten entdeckt. Wenn man direkt auf die Seite von The Medley Institute geht, findet man 3 vorgeschlagene Online Stores, aber dort gibt es sie auch nicht…Find ich schade, wenn es so schwierig ist, etwas zu bekommen, was hier vorgestellt wird.

  2. Katharina sagte am

    Wunderschöne Designs sind das. Ich bin verliebt in alle (!) Stücke. Vor Jahren gab es in Herford eine großartige Max Bill Ausstellung – man hört sonst so wenig von dem guten Mann. Schön, dass er (immer noch) Inspirationsquelle ist! 🙂
    Katharina // katinka

  3. Liebe Jessie, bekommen wir bitte noch einen Link oder eine Info wo genau jetzt die guten Sachen zu bekommen sind…? Das wär echt toll!!!

    • journelles sagte am

      Es gibt leider noch keine weiteren Links, aber schreib die Designerin gern persönlich an. Da ist sicher was machbar!

      • Aber wieso stellt sie eine Kollektion vor, die man dann nirgends kaufen kann? Diese Logik erschließt sich mir leider nicht ganz…

        • Jana Patz sagte am

          Liebe Paula

          Wir freuen uns sehr, dass Dir die aktuelle Kollektion gefällt!

          Du kannst diese gern bei Ave oder Haltbar bestellen, DIe Teile sind dort verfügbar und können Dir zugesendet werden.

          Hier der Kontakt:
          AVE
          Sophienstr. 32
          70178 Stuttgart
          0711-2265023

          Haltbar
          PESTALOZZISTR. 28
          80469 MÜNCHEN
          089-76758380

          Weitere Läden werden in der kommenden Saison dazu kommen – dazu können wir Dich dann gern ganz bald updaten.

          Liebe Grüsse
          Jana/ The Medley Institute

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