Interview mit RewardStyle-Gründerin Amber Venz über das Blogbusiness und wie man damit Geld verdient

Jeder professionelle Blogger kennt Amber Venz Box – denn sie sorgt dafür, dass man mit Modebloggen Geld verdienen kann. Vor fünf Jahren gründete sie ihren eigenen Modeblog Venzedits und stellt ein Jahr später fest, dass es kein gutes Tool gibt, um die vorgestellten Kleider und Produkte schnell und einfach mit einem Affiliate-Link, also eine Verlinkung zu einem Onlineshop, für die der Blogger eine Provision erhält, zu versehen.

Also erfindet sie mit ihrem heutigen Ehemann Baxter selber eins: rewardStyle entspricht dem modernen Blogdesign, vereint in seinem Backend alle großen Onlineshops samt Produktübersicht und ermöglicht das Zusammenstellen einer Outfit-Galerie in Nullkommanichts. Heute hat rewardStyle zwei Büros in Dallas und London und zählt fast 100 Angestellte. Mit dem instagram-Tool liketoknow.it, das letztes Jahr gelauncht wurde, schreibt Amber Venz ein weiteres Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte.

Immer, wenn ich die 26-jährige Texanerin treffe, flammt vor meinem inneren Auge das Bild des „American Entrepreneur Dream“ auf: Von der Bloggerin zur Millionärin, ähnlich wie es der Italienerin Chiara Ferragni gelungen ist. Bei einem Brunch, der im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin und in Kooperation mit dem Onlineshop Edited stattfand, bekam ich die Gelegenheit mit Amber Venz über ihre kometenhafte Karriere und ihr Geschäftsmodell zu sprechen.

Auf der Fashion Week wird jedes Jahr darüber diskutiert, ob Berlin eigentlich eine Modestadt ist. Wieso lohnt es sich für rewardStyle in Berlin präsent zu sein?

Als Unternehmer schauen wir uns die europäischen Märkte an und da ist Deutschland einfach der größte. Das sieht man schon an unseren Studien: Nicht nur das E-Commerce ist stark, auch die Blogging-Community ist sehr ausgeprägt. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass allein die Follower-Zahl aussagt, wie viel Einfluss jemand hat, aber in Deutschland sitzen Blogger mit insgesamt etwa einer Million Follower auf instagram – das ist wirklich einzigartig, etwas vergleichbares gibt es in Frankreich zum Beispiel nicht. In Deutschland sind – anders als die Labels aus Großbritannien – vielleicht nicht alle Marken international bekannt, aber der Onlineshop Zalando ist zum Beispiel doppelt so groß wie Asos – dabei verkauft Zalando noch nicht mal in die USA. Daran merkt man, dass deutsche Brands hierzulande sehr stark sind.

Ihr habt rewardStyle im Juni 2011 gegründet. Wie ist es euch gelungen, die ersten Shops davon zu überzeugen ein Teil eures Netzwerks zu werden – und wie läuft es heute?

Das Ganze hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Und wie das eben so ist: Wenn man sich langsam einen guten Ruf aufbaut wird deutlich, ob man wirklich gut ist, in dem was man tut. Unser guter Ruf ist uns glücklicherweise vorausgeeilt, was die Kooperationsanfragen erleichtert hat. Anfangs haben wir nur Shops aus dem Modebereich für mich und meine Bloggerfreunde angefragt. Dann kamen andere vertikale Marktplätze wie „Home“ und „Mommy“, „Men’s“ und „Beauty“ dazu.

Gleichzeitig wurden anderen Plattformen wie Pinterest und instagram in den USA gelauncht und damit wurde die Nachfrage nach den Credits bzw. den Bezugsquellen immer größer, wobei sowohl der Umsatz und auch das Interesse für einen neuen Blog, Plattform oder Onlineshop immer vertikal verläuft. Das ist echt abgefahren. Unser Geschäftsmodell hat sich dadurch noch einmal stark verändert.

Einer der Gründe warum ich mich nun auf 2015 so freue ist, dass wir nicht die Quadratmeterzahl von unserer Bürofläche, sondern auch unsere Kapazitäten verdoppelt: Wir zeigen neuen Kunden, wie sie rewardStyle nutzen können, auch von der technischen Seite her. In den letzten Jahren haben wir sozusagen die Start- und Landebahn zusammen gebaut – jetzt können wir gemeinsam richtig durchstarten. Der ganze Vertrieb ist bereit und die Marken verstehen, was dank der Affiliate-Links geschieht und können die Vorgänge nachvollziehen.

Wichtig dabei ist, dass sowohl die großen als auch eher kleinen oder neue Onlineshops wie Edited den Wert von Bloggern zu schätzen wissen. Und das tun sie, sonst würden Events wie dieser Brunch heute hier nicht stattfinden. In der Wahrnehmung hat sich also in den letzten Jahren offensichtlich sehr viel geändert.

Um so eine Entwicklung zu schaffen braucht es Manpower – wie viele Leute arbeiten heute für rewardStyle?

Insgesamt 95 in den Büros in Dallas und London.

In Bezug auf den deutschen Markt: Was ist die größte Herausforderung für 2015?

Überhaupt neu auf dem Markt zu sein, bringt eine Menge Herausforderungen mit sich. In den USA haben wir rewardStyle ja bereits 2011 gelauncht, so dass wir genügend Zeit hatten, die Marke auszubauen. Aber die Aufmerksamkeit vieler deutscher Marken konnten wir aber erst Ende 2014 auf uns ziehen und uns erst dann näher vorstellen. Nun wissen sie Bescheid über unser Angebot, aber da es eine ganz neue Branche ist, müssen wir mit all den Leuten, die hinter einer Marke stehen, sprechen: Angefangen von der PR-Abteilung, den Leuten aus dem E-Commerce, dem Chief Marketing Officerund dem Chief Executive Officer. Das Schwierigste dabei ist, all diese Leute in einen Raum zu bekommen, nur für 30 Minuten, um rewardStyle einmal zu erklären.

Wer sind eure größten Konkurrenten in Deutschland oder generell in Europa?

Niemand macht ganz genau das, was wir machen. Im März werden wir zwei neue Produkte launchen und bald darauf noch ein drittes. Das macht uns noch einzigartiger. Außerdem sind wir sehr ehrgeizig bei dem was wir tun und legen Wert darauf, dass unsere Publisher einen guten Umsatz machen.

Affiliate-Marketing gibt es schon seit den 90ern, aber wir heben uns durch Leidenschaft und Innovation ab. So wie bei allem was man tut: Wenn man es nicht leidenschaftlich tut, ist man immer einen Schritt hinterher.

Meinst du es ist schwerer, deutsche Leser zu überzeugen, Affiliate-Links in einem Text anzuklicken? Ich habe das Gefühl, dass es in den USA eher akzeptiert und schon als normal angesehen wird.

Ich glaube, das ist alles eine Frage der Kommunikationsstrategie. Denn im Grunde wollen sie ja die Informationen: Von welcher Marke sind diese Schuhe? Wo kann man sie kaufen? Die Frage ist dann, wie die Antworten kommuniziert werden. Affiliate-Links sind vergleichbar mit der Musik-Identifikations-App Shazam. Du bist im Restaurant und willst wissen, welcher Song da gerade gespielt wird. Dabei denkt keiner daran, dass Shazam Geld mit Bereitstellung dieser Information macht. Blogger können es so darstellen, dass sie sich die Zeit genommen haben, herauszufinden und zu präsentieren, wo die Teile des Outfits zu bekommen sind.

2011 hast du die Firma zusammen mit deinem jetzigen Ehemann Baxter Box gegründet. Hast du erwartet, dass sie so schnell wachsen und zu einem Millionen-Unternehmen werden würde?

Nein. Wir haben RewardStyle damals wirklich zuhause in unserer Wohnung gegründet und das Konzept war ausschließlich dafür gedacht, mir und meinen Freunden beim Bloggen zu helfen. Im Juni 2011 hat mein Mann dann beschlossen: „Ok, wir gründen ein Office!“ Ich war dagegen und meinte: „Nein, ich kann das von zuhause aus machen. Und wenn wir jemanden anstellen müssen, kann er auch von zuhause aus arbeiten.“ Aber mein Mann ist immer derjenige, der uns pusht und bin froh, dass er das macht. Dadurch verhilft er uns zu dem Erfolg, den wir heute haben.

Aber auch ich habe schnell dazu gelernt. Kaum dass wir unsere ersten zwei Mitarbeiter unter Vertrag hatten, fing das Unternehmen immer schneller zu wachsen und wir sagten; Wir brauchen hier noch jemanden und da noch jemanden!“ Es war schnell klar, dass wir unsere vielen Pläne alleine gar nicht verwirklichen können.

Wo siehst du RewardStyle in fünf Jahren? Oder besser: was wünscht du dir für dein Leben in fünf Jahren?

Da geht es wieder um meine Mission, unabhängige Blogger und Content-Ersteller stärker zu machen. Es gibt so viele Möglichkeiten, über digitale Wege Geld zu verdienen. In fünf Jahren wird es dafür noch so viele weitere Tools geben. Ich bin wirklich gespannt auf das, was wir dieses Jahr launchen werden, weil uns das unserem großen Ziel ein ganzes Stück näher bringt.

Welche Blogs fallen dir ein, die deiner Meinung nach vorbildlich mit rewardStyle zusammenarbeiten?

 

Blair Eadie ist wirklich interessant, weil ihr Blog Atlantic-Pacific ausschließlich aus Bildern besteht und sie dazu nur kurze Texte schreibt, wo die einzelnen Sachen des Outfits zu bekommen sind. Das sagt etwas über unsere Kultur aus. Es gibt verschiedene Arten von Lesern: Die einen wollen wissen, was du so zu sagen hast und was ist in deinem Leben passiert. Die anderen wollen nur wissen, woher dein Outfit stammt. Eadie spricht die Letzteren an, sowohl auf ihrem Blog als auch auf instagram.

Ein anderer spannender instagram-Account ist Shop Dandy. Innerhalb eines Jahres hat die Macherin, Danielle, ihre Follower von 20.000 auf 100.000 Follower gesteigert. Jeden Tag postet sie zwei Outfits als Selfies. Das ist also praktisch die instagram-Version von Atlantic-Pacific, auf der wieder ganz klar und ausschließlich der Service angeboten wird, das Outfit und die Bezugsquellen zu präsentieren. 

 

Generell kommt es immer darauf an, was die Leute wollen: Etwas über eine Trennung hören, die Outfits oder was auch immer. Das herauszufinden, warum die Leser auf deinem Blog sind und was sie dort gerne vorfinden wollen, das bringt dich zum Erfolg.

Vielen Dank für das Interview, liebe Amber!

 Alle Fotos: Frank R. Schröder

Kommentare

  1. Sehr interessanter Artikel ! Ich selbst stehe erst in den Anfängen des Bloggens und kann solche Informationen gut gebrauchen. Unser Design ist zwar schon perfekt und die Inhalte sind auch da – aber genau das hat uns gefehlt. vielen Dank dafür.

  2. Amber Venz hört sich super cool an, sehr schlaue Idee, sehr straight umgesetzt. Aber muss sie unbedingt im Januar in Berlin in einem kurzen Jumpsuit mit nackten Beinen ‚rumlaufen? Das finde ich eher uncool und angestrengt!

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