Ein Mann des guten Geschmacks: Unsere Homestory mit Philipp von Pharmacy

Das Beste schon mal vorneweg: Philipp hat eine Badewanne im Schlafzimmer!

Für unsere zweite Homestory besuchen wir den sympathischen Friseur in seiner wunderschönen 3-Zimmer-Altbauwohnung in Kreuzberg. Vor sechs Jahren eröffnete er dort den eigenen Salon Philipp Hofstetter – Pharmacy. Von seinen eigenen vier Wänden aus sind es nur ein paar Stufen im Treppenhaus, die ihn von seinem Laden trennen.

Philipp sagt selbst von sich, dass ihm schnell klar wurde, dass er partout nichts machen wollte, wozu man zuerst jahrelang studieren muss. „Ich bin eher der Arbeiter.“ Am liebsten hätte Philipp Landschaftsarchitektur studiert, dann Modedesign („Aber mit Stoffen konnte ich so gar nicht umgehen“) und schließlich Kommunikationsdesign.

Ob es schon immer sein Plan war Friseur zu werden? Eigentlich gar nicht. Aus einem kleinen Dorf bei Bayreuth kommend, war ihm zunächst gar nicht klar, welche Möglichkeiten der Friseurberuf für ihn bereit halten könnte und welches Bild er damals überhaupt von sich selbst hatte.

Kurz vor Schluss ließ er sich dann doch noch überzeugen und schrieb Bewerbungen an verschiedene Friseursalons – unter anderem auch an Udo Walz in Berlin. Alle wollten ihn haben, nur aus Berlin kam eine Absage. Bis in letzter Minute doch noch eine Nachricht von dem renommierten Friseur eintrudelte. Mit der Bitte, er solle doch direkt bei ihnen anfangen, weil jemand anderes abgesprungen sei. Gesagt, getan.

„Oma hat mir 300 Euro geliehen und dann bin ich los.“ Nach der ersten Zeit in Neukölln in einer WG zusammen mit zwei Jungs („Bevor ich anfangen konnte abends zu kochen, musste ich meist als erstes eine Stunde putzen“) und weiteren Stationen in Kreuzberg ist er jetzt angekommen.

Fragt man Philipp nach der Herkunft seiner Möbel, ist fast nichts einfach nur gekauf‘. Die meisten seiner Einrichtungsgegenstände haben eine kleine Geschichte, weil er sie über Umwege durch Freunde bekommen hat. Den beeindruckenden Teak-Esstisch und die dazu passenden Stühle? „Achso, das habe ich von einer Freundin übernommen.“ Der abgefahrene Teppich? „Der ist von meinem Ex-Freund.“ Und diese genialen Holz-Vasen? „Die hat ein Mitarbeiter mal mit in den Laden gebracht und dann stehen lassen.“ 

Mal abgesehen von einer guten Portion Glück und guten Freunden, hat Philipp ein Gespür für die richtigen Kombinationen und seinen eigenen Stil. Die beiden großformatigen Bilder hat er selbst gemalt und die schwarze ausladende Lampe in der Ecke neben dem Tisch ist ebenfalls selbst gemacht. 

Oma hat mir 300 Euro geliehen und dann bin ich los.

Wo lässt du dich inspirieren?

Ganz klassisch, denn ich liebe Magazine. Die Architectural Digest lese ich sehr oft. Allerdings kann ich auch nicht sagen, dass ich nur analog unterwegs bin, denn ich verliere mich auch gern mal bei Instagram. Da wird einem nur leider allzu schnell bewusst, wie sehr sich viele Wohnungen gleichen. Ich würde mir jetzt beispielsweise keine Monstera-Pflanze mehr kaufen, weil das gefühlt alle haben.

Hast du eine Lieblingsecke in deiner Wohnung?

Ja, den Erker. Da sitze ich morgens und trinke meinen ersten Kaffee. Okay, eigentlich ist das nicht nur mein erster, sondern auch mein einziger (lacht). Mein allerliebster Ort in der Wohnung ist und bleibt aber wohl mein Bett. Da verbringe ich ganze Tage. Wenn ich abends feiern war, liebe ich es den ganzen Sonntag im Bett zu liegen. Dann mache ich mir etwas Feines zu essen, drapiere das um mich herum und genieße die Leckereien. Zwischendurch gehe ich vielleicht in die Badewanne, schaue mir einen Film an – und lege mich dann direkt wieder ins Bett.

Gibt es etwas, das du in deiner Wohnung gern noch ändern würdest?

Ich hätte gern Lampen von Sebastian Scherer. Außerdem fehlt in der Küche noch ein Regal, das man zu machen kann – da ist gerade ein bisschen Chaos. Ich war gerade in Sydney, um eine Freundin zu besuchen. Sie ist Architektin und in ihrem Atelier habe ich ein Regal entdeckt, das genau in meine Küche passen würde. Und im Flur würde ich gern die gesamte hintere Wand verspiegeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass das super aussieht, wenn der Flur so ewig lang wirkt. Für den Erkerbereich hätte ich gern ein Daybed. Da habe ich gerade bei Instagram etwas gesehen, das mir gefallen würde.

Wie bist du auf die Wandfarbe für deine beiden großen Zimmer gekommen?

Über eine Fotostrecke in der deutschen Vogue nach Vorbild und Stil von Marie-Antoinette. Die Bilder waren komplett in pudrig-hellen und gedeckten Tönen gehalten. Das fand ich toll. Außerdem passt es zu den Zimmern mit dem pompösen Stuck. Früher war das hier in der Ecke wohl eine Offiziers-Gegend, deshalb sehen die Räume so schön geschmückt aus.

Ich liebe es Leute einzuladen und zu kochen. Und wenn ich das mache, dann übertreibe ich es auch ganz gern.

Als wir vom Wohnzimmer in die dunkel gestrichene Küche umsiedeln, kommt das Gespräch auf das Kochen. „Ich liebe es Leute einzuladen und zu kochen. Und wenn ich das mache, dann übertreibe ich es auch ganz gern.“ An solchen Abenden macht Philipp gern Aufwendiges, wie zum Beispiel Braten.

Philipp merkt wohl, dass ihm eine Vegetarierin gegenüber sitzt und fügt hinzu: „Als ich noch in Bayern gewohnt habe, war ich zehn Jahre lang Vegetarier. Nach dem Umzug nach Berlin – als ich angefangen habe, richtig zu arbeiten – habe ich aber gemerkt, dass ich etwas brauche, das mir mehr Energie gibt. Das Erste, was ich damals gegessen habe, war ein Döner.“

Philipp ist ein Gastgeber. Ein richtig guter. Das merkt man nicht nur daran, dass er extra ein köstliches Thymian-Tomaten-Brot für uns besorgt hat, obwohl er selbst kein Gluten verträgt, sondern auch daran, dass seine Einrichtung dafür gemacht zu sein scheint, Besuch zu empfangen.

Ein Sofa lädt zum Verweilen ein, gegenüber bietet ein gemütlicher dunkelgrüner 60er-Jahre-Loungesessel Platz für ein Gegenüber. Auf dem Couchtisch stehen halb abgebrannte Kerzen, die von langen Abenden erzählen. Und um sich an dem langen Esstisch aus Teakholz eine gut gelaunte Runde beim selbstgekochten Schmaus vorzustellen, braucht es auch nicht allzu viel Fantasie. „Ich kümmere mich einfach gern um Menschen. Mein Beruf ist da natürlich genau das Richtige. Und vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass die Arbeit für mich keine richtige Arbeit ist, sondern vielmehr eine große Freude.“

Kann sein, dass Philipp sich so wunderbar um andere kümmern kann, weil er sich auch gut um sich selbst kümmert. Die verstreut umher liegenden Bücher erzählen von Lesestunden, die er allein für sich verbringt. „Ich stehe meistens früh auf, damit ich morgens noch zwei bis drei Stunden für mich habe. Dann mache ich Sport und esse in Ruhe mein Frühstück oder ich lese einfach nur die Zeitung und trinke meinen Kaffee. Diese Zeit gehört nur mir. Das brauche ich vor der Arbeit.“

Im selben Haus befindet sich Philipps Friseursalon. Vom Grundriss her genau die gleiche Wohnung wie seine privaten vier Wände – aber doch ganz anders. Die Wände sind allesamt in einem leicht glänzenden Weißton gestrichen. Die Inneneinrichtung stammt von befreundeten Architekten, deren Büro für Interior Design sich Hülle & Fülle nennt.

Gibt es eine Stadt, in der du noch gern leben würdest?

Berlin ist meine Stadt. Ich mag es hier. Berlin ist eine Stadt, in der es für jeden einen Platz gibt. Das einzige, was hier fehlt, sind die Berge. Auf einer Alm zu leben wäre die einzige Alternative!

Danke Philipp!

Fotografin: Julia Novy

Kommentare

  1. Kerstin sagte am

    Danke für den schönen Artikel! Man bekommt einen tollen Eindruck und der Text ist wirklich schön geschrieben. Zum Nachdenken gebracht hat mich seine Anmerkung, dass sich die auf Instagram präsentierten Wohnungen häufig sehr stark ähneln…darüber habe ich auch schon viel nachgedacht. Die einzelnen Teile erzählen meist eine Geschichte, sind liebevoll ausgesucht, aber wenn es um die Art der Stücke, die Anordnung im Raum und Materialien und Farben geht, bewegt es sich doch meistens in einem Muster… Ist das ein Trend, der vorüber geht oder sind sich unsere Geschmäcker tatsächlich so ähnlich und werden durch soziale Medien nur noch stärker einander angeglichen? Wie auch immer, mir gefällt’s und freue mich immer wieder hinzuschauen, wenn sich in dem oberflächlich wahrgenommenen Muster intime Schätze verbergen, die eine Geschichte erzählen.

      • Das freut mich sehr, liebe Kerstin und liebe Sabrina! Dass sich der Einrichtungsstil überall auf der Welt angleicht, ist tatsächlich eine sehr interessante Entwicklung. Auch in Bezug auf Themen wie Individualität, Selbstverwirklichung und Inszenierung. Kann man viel drüber nachdenken 🙂

  2. Und dann stehen die „Zweige“ der Monstera im Salon 😉
    Es stimmt, dass alles eine Suppe wird, ein Einheitsbrei, wenn auch ein schöner: bißchen Monstera, ein paar Eames Plastic DSW Chairs, etwas Norman Copenhagen, bißchen Danish Teak und eine Brise Hay. Ah, getoppt mit einem Kelim oder Beni Ourain (oder welche Schreibweise man auch bevorzugt).
    Im Endeffekt muss jeder selbst wissen, womit er/sie sich umgeben will und was ihn/sie glücklich macht, aber spannend sind für mich nur noch die Heime mit einer Geschichte, mit Einrichtungsgegenständen, die man nicht einfach nachkaufen kann, sondern die zusammen gesucht/gefunden/geschenkt/geerbt und auch mal gekauft und vielleicht auch selbst bearbeitet wurden. Hat den Nachteil, dass ich an jedem meiner Stücke demaßen hänge und eine Beziehung dazu aufbaue, dass ich irgendwann ca. 500qm benötigen werde, um all meine Schätze unter zu bringen.

  3. Super schön eingerichtet und wirklich sympathisch. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich einmal bei Philipp meine Haare schneiden und färben lassen habe. Am Ende hatte ich nicht nur eine abenteuerlich hohe Rechnung in den Händen, sondern leider auch wirklich schlimm verfärbtes Haar. Schade!

    • Philipp Hofstetter sagte am

      Liebe Sarah,
      sicherlich gibt es geeignetere Orte das zu diskutieren, aber es soll gerne jeder wissen. Ich bin wirklich froh dass Du es gesagt hast, denn das passiert leider viel zu selten. Wenn Kunden enttäuscht, nicht zufrieden sind oder das Ergebnis tatsächlich verfärbt/-schnitten ist, gehen sie einfach wo anders hin und der Verursacher wird nie davon erfahren. So kann man leider nichts tun und auch nicht dazulernen. (im schlimmsten Falle, gibt es natürlich auch das Geld zurück) Wir Friseure sind Handwerker, das heißt wird sind keine Maschinen. Deswegen greifen wir auch mal daneben, auch wenn es nicht passieren sollte. Ich muss auch öfter mal Fehler meiner Kollegen hier in Berlin ändern oder reparieren. Viele davon kenne ich und weiß, dass sie sehr gute Friseure sind!
      Liebe Grüße, Philipp

      • Das nenn‘ ich mal Charakter und Professionalität! Bravo, Philipp! Und, weil es hier darum eigentlich gehen sollte: Knallerwohnung. Wie schön, dass das Auge mal wieder neue Impulse bekommt. Liebe Grüße aus Hamburg!

  4. @Sarah – wieso musst du deinen Kommentar hier öffentlich machen?
    Ich frage doch vorher im Laden nach was mich Schnitt und Farbe kostet. Und wenn es abenteuerlich hoch ist und das Ergebnis nicht gut aussieht, dann hat der Friseur das doch nachzubessern…ist doch total klar! merkwürdig, ihm es so „heimzahlen“ zu wollen! Abgesehen davon. Tolle Wohnung!!!

  5. Super sympathisch, tolle Wohnung, kluger Kopf, und malen kann er auch noch…
    Seine Antwort zur Kritik zeugt noch dazu von absoluter Professionalität. Danke für diesen Artikel!

  6. Sehr schöne Homestory!
    Toll eingerichtete Wohnung und sympathischer Bewohner – das Interview und der Umgang mit der „Kritik“ sind echt klasse.

  7. Angelika sagte am

    Sehr schöne Homestory und sehr sympathisch geschrieben. Ich war einmal im Salon in Berlin und wenn ich das nächste Mal hinkomme, mache ich wieder einen Termin!

  8. Wow, was für eine unglaublich schöne Homestory! Phillipp wirkt total sympathisch und in seine Wohnung habe ich mich gerade verliebt! ? Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll: Jeder Raum hat einfach so viel Persönlichkeit und sieht ganz besonders aus. Ich liebe ja die Bilder, wunderschön gemacht! Und auch der Essbereich mit diesen herrlich edlen Holzstühlen in knalligem blau und gelb, einfach super harmonisch eingerichtet! 🙂 Also bei mir sind beide Daumen oben! 🙂

    Super uncool hier über irgendwelche hohe Rechnungen etc. zu schreiben. Gehört halt einfach mal gar nicht hierher und ich finde ja, dass man sowas gerne direkt im Salon abklären kann, aber nicht unter so eine Homestory öffentlich schreiben muss! Was das angeht, gehen beide Daumen von mir runter liebe Sarah. 🙁

    Vielen Dank für die super schöne Inspiration Journelles. 🙂

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

    ?

  9. Wow, what a beautiful apartment! I love the pastel rosé wall colour in the dining room. I have been looking for the exact same colour. Do you know the paint name and colour?

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